mini|hochkant|Martin Höfer, 2018 Martin Höfer (* 25. Oktober 1982 in Sondershausen) ist ein deutscher Künstler und ein Vertreter der zeitgenössischen Konzept- und Medienkunst. In seiner Arbeit erforscht er Interventionen der Bildenden Kunst, Konzept- und Medienkunst, die Beziehung zwischen Performer und Publikum, die Systemgrenzen von Kunst, Medien, Sport und Gesellschaft. Seine wissenschaftliche Beschäftigung in Forschung und Lehre sind die Medien, darunter die Massenmedien und die öffentliche Kommunikation, aber auch Aspekte der Ästhetik, Technik, Geschichte und Theorie der Medien.

Leben

Kindheit und Ausbildung

Höfer wurde als Sohn des deutschen Schriftstellers Gerald Höfer und der Therapeutin Ute Höfer in Sondershausen geboren und verbrachte seine Kindheit in Sondershausen und Bendeleben am Kyffhäuser. Insbesondere durch das kulturelle Engagement seines Vaters kam er schon sehr früh mit Kunst in Berührung. So organisierte Gerald Höfer in Sondershausen Mitte der 1980er Jahre unter anderem die Veranstaltungsreihe Das Café Pille Experiment mit Lesungen, Kabarettvorstellungen und Ausstellungen.Gerald Höfer: Das Cafe-Pille-Experiment – Ein unabhängiges Projekt außerhalb von Staat und Kirche (1985–1989). In: TLStU (Hrsg.): Die Friedliche Revolution in Sondershausen. Thüringer Landesbeauftragte für Stasi-Unterlagen, 2009, ISBN 978-3-932303-62-3, S. 45–50.Jürgen Hauskeller: Das Parteikarussell im Januar 1990. In: TLStU (Hrsg.): Die Friedliche Revolution in Sondershausen. Thüringer Landesbeauftragte für Stasi-Unterlagen, 2009, ISBN 978-3-932303-62-3, S. 155ff. Erfurt 2009 — Abb.: Eine der letzten gemeinsamen Aktionen des Neuen Forum in Sonderhausen „Plakate ab!“ am 24. März 1990 im Borntal. (FOTO: Michael Glaser) Von 1999 bis 2003 besuchte Martin Höfer die Walter-Gropius-Schule für Kunst und Gestaltung in Erfurt bei Ulrike Hess, wo er, nach Ideen des Bauhaus-Vorkurses von Johannes Itten, Josef Albers und László Moholy-Nagy, konstruktive und strukturale Kompositionsübungen erlernte.

Anfänge und Multimediale Universalpoesie

Ende der 1990er Jahre begann Höfer seine künstlerisch gestalterische Praxis. 1998 entstand die Vater-Sohn Künstlergruppe Barbara Rossa mit multimedialen Lesungen und Speech Performances.Barbara Rossa. In: Der Pfingstbote – Offizielles Programmbuch zum XI. Wave Gotik Treffen, Finke Druck, Leipzig 2002; Barbara Rossa. In: Der Pfingstbote – Offizielles Programmbuch zum XII. Wave Gotik Treffen, Finke Druck, Leipzig 2003; Barbara Rossa. In: Der Pfingstbote – Offizielles Programmbuch zum XIII. Wave Gotik Treffen, goeart, Leipzig 2004; Barbara Rossa: Belphegor Samplerbeitrag. In: Künstler zum XI. Wave Gotik Treffen, Treffen- und Festspielgsellschaft für Mitteldeutschland mbH, Chemnitz. 2002 1999 begann er eine Berufsausbildung zum Mediengestalter für Digital- und Printmedien mit der Fachrichtung Mediendesign für digitale Medien bei Peter Roskothen und Andreas Fack, welche er 2002 mit sehr guter Leistung abschloss. In den Jahren 2002 und 2004 gründete er gemeinsam mit seinem Vater zunächst die ARTE FAKT Verlagsanstalt und später die ARTE FAKT Galerie. In deren Kontext fanden diverse künstlerisch kulturelle Veranstaltungen wie Ausstellungen und Lesungen, Festivals und Filmvorführungen statt.Martin Höfer: Transit - Kommen.bleiben.Gehen, Performance, VHS-Kurzfilm, 16 Minuten zum Dichtertreffen am Kyffhäuser und Kunst im Denkmal, Sommerresidenz von Rüxleben, Bendeleben, 2003 In: Martin Höfer: mass media research and new artistic strategies in public media space. ARTE FAKT Verlagsanstalt, 2013. ISBN 3-937364-40-4, S. 198f, S. 258–259. Darüber hinaus erschienen mehrere Publikationen.Publikationen: Oswald Henke: FSK 18 – tendenziell menschenverachtend. ARTE FAKT, 2003, ISBN 3-937364-00-5.; Barbara Rossa: Sophie. ARTE FAKT, 2002, ISBN 3-937364-01-3.; Barbara Rossa: Gedichte zwischen mir nichts und dir nichts. ARTE FAKT, 2003, ISBN 3-937364-02-1; Chris Goellnitz: Gene im Blutlicht. ARTE FAKT, 2005, ISBN 3-937364-05-6.; Norbert K. Engelhardt: Schön im letzten Augenblick. ARTE FAKT, 2004, ISBN 3-937364-03-X Um dieser Veränderung Rechnung zu tragen, rückte in seiner künstlerischen Mediengestaltung das Wort Kunst mehr in den Vordergrund. 2005 richtete er zusammen mit dem Museumspädagogen des Panorama Museums Michael Wollenheit seine erste größere Einzelausstellung Multimediale Universalpoesie aus.Martin Höfer: Multimediale Universalpoesie, Ausstellungskatalog, ARTE FAKT Galerie, 2005

Studium und neue künstlerische Strategien im öffentlichen medialen Raum

Im Jahr 2005 begann er an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig zunächst bei Christin LahrMartin Höfer: MACHT DIE RECHNUNG UND UNTER ALLEN VÖLKERN DIESER ERDE WERDET IHR NICHT BEY DEM ZEHNTAUSENDSTEN THEILE DIE ILLUSION DER FREYHEIT FINDEN. In: DING UND UNDING, Interventionen im Stadtraum, HGB Leipzig, 5. Februar 2007, S. 2, S. 28f. und ab 2007 bei Günther Selichar das Studium der Medienkunst.Martin Höfer: The Last Supper XIII, BEST BUY ME / NO. 1, BEST BUY ME / NO. 2. In: On(Plein)Air. ARTE FAKT Verlagsanstalt, 2010, ISBN 978-3-937364-50-6, S. 59ff, S. 95Martin Höfer: CAPITAL UNEMPLOYED, Artist statements. In: editing spaces. reconsidering the public, An Exhibition in the Public [Media] Space of Vilnius/Lithuania ger./engl., ARTE FAKT Verlagsanstalt, 2012, ISBN 978-3-937364-51-3. S. 74–75, S. 139. Die im Jahr 2007 neugegründete Klasse für Mass Media Research und Kunst im medialen öffentlichen Raum von Günther Selichar war von zentraler Bedeutung für sein künstlerisches Wirken.Katja Schubach: „... für die Autonomie der Kunst einstehen“ GESPRÄCHE MIT KÜNSTLERN. In Martin: mass media research and new artistic strategies in public media space. ARTE FAKT Verlagsanstalt, 2013. ISBN 3-937364-40-4, S. 28–35., www.hgb-leipzig.de/fkselichar, 11. August 2013. In den darauf folgenden Jahren hatte er verschiedene Gastaufenthalte bei Lei Cox und Steven Dixon an der Kunst- und Designhochschule Bergen in Norwegen, bei Hashem El-Ayoubi an der Helwan University Cairo, ÄgyptenHeba Mostafa, Fatma El Zahraa, Nancy Nabil, Doha El Demerdash, Martin Höfer und Rozbeh Asmani: Hiwar Fanni – Künstlerischer Dialog (Film, 19:05 min) In: Edgar Blume und Moritz Remé (Hrsg.): Streit zwischen Wort und Bild – HIWAR FANNI Projektdokumentation, Eurient e.V., Leipzig, 2006, bei Ramiz Sabbagh an der Al-Balqa Applied University Amman, JordanienFritz Best: Orientation: A ramble in a foreign climate. In: Orientierung - Hiwar Fanni 2. Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB), Leipzig, Eurient e.V. sowie gefördert vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), 2008, sowie bei Henrik B. Andersen an der Vilniaus dailės akademija, Litauen.Henrik B. Andersen: A Short Note to Günther Selichar Concerning Space and Time. In: editing spaces. reconsidering the public, ger./engl. An Exhibition in the Public [Media] Space of Vilnius/Lithuania, ARTE FAKT Verlagsanstalt, 2012, ISBN 978-3-937364-51-3. S. 31–39. Im Jahr 2013 schloss er sein Studium mit dem Diplom der Bildenden Kunst mit Auszeichnung ab. 2015 erhielt er ein von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen gefördertes sechsmonatiges Artist in Residence Stipendium für die Teilnahme am International Studio & Curatorial Program (ISCP) in New York., www.kdfs.de/foerderung/stipendien/gefoerderte, 20. Juli 2015.

Interventionen in den zeitgenössischen Leistungssport und die Massenmedien

Im Jahr 2010 entsteht seine künstlerische Arbeit Siegen im Auftrag der Kunst, welche in den Jahren 2012/13 zur (massenmedialen) Aufführung kam. Das Konzeptkunstwerk stellt die Kunstpatronage auf den Kopf, in dem der Künstler selbst zum Auftraggeber für ein Rennteam wird.Jens Kassner, Siegen im Auftrag der Kunst. LVZ Kultur, 16. Juli 2013 Es steht die massenmediale Reproduktion der Performance und Collaterals, assoziierte Kunstwerke, die durch die Performance entstehen oder mit ihr in Zusammenhang gebracht werden, im Fokus.Susanne Reinhardt: Martin Höfer „Centerfold“. In: DLF 1874 – Die Biografie der Bilder Eine Inventur der Voraussetzungen, ger./engl. FOTOHOF Edition, Salzburg, 2012, ISBN 978-3-902675-69-9, S. 11.Martin Höfer: Collateral Objects. In Martin: mass media research and new artistic strategies in public media space. ARTE FAKT Verlagsanstalt, 2013. ISBN 3-937364-40-4, S. 50–52. Von 2014 bis 2018 entstand EISKANAL / Citius, Altius, Fortius. als künstlerische Intervention in die deutsche Bob-Nationalmannschaft.Martin Hochleitner (Direktor Salzburg Museum) und Thomas Schwab (Generalsekretär Bob- und Schlittenverband Deutschland, BSD) In: Im blinden Fleck des Eiskanals, Interviewausschnitt, Februar 2016 vimeo.com 2016 griff er mit seiner Arbeit BEST BUY ME / NO. 10 in die Werberotation des Basketball-Bundesliga-Spiels Science City Jena gegen Alba Berlin ein.Erik Stephan, Direktor Kunstsammlung Jena, Radio OKJ, 10. November 2016Benjamin Engelhardt, Marketingmanager Science City Jena, Mitteldeutsche Zeitung, 23. September 2016Claudia Tittel Kunsthistorikerin Bauhaus-Universität Weimar, Radio OKJ, 10. November 2016 Im selben Jahr inszenierte er während des Fußball-Bundesliga-Spiels FC Bayern München gegen RB Leipzig eine partizipative Performance mit 7.500 Fans in der Allianz Arena.Hanna Schmalenbach: Höfer inszeniert auf der Tribüne. In: Münchner Merkur vom 21. Dezember 2016 In der Ausstellung Mythos Tour de France im NRW-Forum Düsseldorf zum Start der Tour de France 2017 in Düsseldorf war Höfer neben Andreas Gursky, Robert Capa, Reinhard Mucha und Kraftwerk mit seiner Arbeit The surplus self of mine promotes my triumph (Eigenblutdoping). der jüngste und kritischste Künstler.Klas Libuda: Ruhm, Schmerz und ein Beutel Eigenblut – "Mythos Tour de France" im NRW-Forum. In: Rheinische Post vom 20. Mai 2017 2018 erhielt er vom Thüringer Wirtschaftsministerium am ThEX ein Stipendium der EU für innovationsbasierte GründungsprojekteDan Marktscheffel: Innovative Vermarktung von Kunstwerken. Abgerufen am 29. Oktober 2021. und wurde 2019 für den ThEx Award in der Kategorie Ideenhaber nominiert.Nominierungen für den ThEx AWARD 2019, Martin Höfer / Gerald Höfer. In: Nominiertenbroschüre ThEx AWARD 2019. Thüringer Zentrum für Existenzgründungen und Unternehmertum (ThEx), 2019. S. 37. Ebenfalls 2019 war Höfer künstlerischer Leiter der ANHYDRITE — Biennale of Media Art.Künstlerische Leitung Martin Höfer: KUNST IM CAVE CUBE – Erste Medienkunst–Biennale in der Barbarossahoehle. In: Zeitkunst, 07/08 2019 In den Jahren 2019 gründete er die Gesellschaft zur Förderung der künstlerischen Avantgarde mbH, 2020 war er Mitglied des Gründungsvorstands des BDS Akademie e.V. und 2021 konzipierte er das Netzwerk ART 2 INNOVATION am Zentrum für Produkt, Verfahrens- und Prozessinnovation GmbH (ZVPV) in der Experimentellen Fabrik Magdeburg.

Höfer lebt und arbeitet in Leipzig und Linz (A).

Forschungsschwerpunkte