mini|Haus Kaiserstraße 31, Architekt: M. Keppeler mini|Querschnitt des Hauses Kaiserstraße 31, rechts ist der hervorstehende mehrgeschossige Erker zu sehen.

Das Haus Kreiser an der Kaiserstraße 31 in Heilbronn wurde 1901 für den Metzgermeister Louis Kreiser nach Entwürfen des Architekten Martin Keppeler erbaut. Der gründerzeitliche Prachtbau wurde an der Stelle des Hauses des verstorbenen Geistlichen Heinrich Ludwig Münster und der einstigen Lateinschule (1438) erbaut, von denen die alten Keller erhalten blieben.Marianne Dumitrache, Simon M. Haag: Archäologischer Stadtkataster Baden-Württemberg. Bd. 8.: Heilbronn. Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Stuttgart 2001, ISBN 3-927714-51-8, S. 79.

Das Prachtgebäude wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Seit 1950 befindet sich an der Stelle des Hauses 31 ein für das Stahlwarenhaus Herrmann erbautes Gebäude.

Geschichte Vor der Umgestaltung der Kaiserstraße zur Durchgangsstraße 1897 hatte das Anwesen an der Kaiserstraße 31 die Adresse Präsenzgasse 7 getragen. Bei der Häuserzählung 1855 erhielt es die Hausnummer 880.

Lateinschule (1438–1620) mini|hochkant|links|Heilbronn, Lateinschule, Kaiserstraße 31 (überarbeitet nach Archäolog. Stadtkataster Karte 4, Nr. 51). 1438 befand sich an dieser Stelle ein Schulgebäude, in dem im 15. Jahrhundert die einzige öffentliche Schule der Reichsstadt untergebracht war. In dem Gebäude waren drei Schularten beheimatet: Die Deutsche Schule, eine Mädchenschule sowie eine Lateinschule. Bis 1620 war das „enge […] und finstere […]“ Schulhaus in Betrieb, das bis zu diesem Zeitpunkt noch die Schüler der deutschen Schule als Schulhaus nutzten. Auf einem Foto von 1868 ist anstelle des ursprünglichen Schulhauses ein klassizistischer Neubau zu sehen.Marianne Dumitrache, Simon M. Haag: Archäologischer Stadtkataster Baden-Württemberg. Band 8: Heilbronn. Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Stuttgart 2001, ISBN 3-927714-51-8, S. 105, Nr. 51 [Schulhaus, abgegangen, Kaiserstraße 31, zur Schulstraße (UKP Nr. 900)] Einige Rektoren und Schüler der Lateinschule sind nach wie vor bekannt:

Bernd Röcker hat die Rektoren vor der Reformation (1431–1530) beschrieben, so Konrad Költer, der von 1492 bis 1527 Rektor der Heilbronner Lateinschule war.Bernd Röcker: Die Heilbronner Lateinschule und ihre Rektoren vor der Reformation (1431–1530). In: heilbronnica (2000), S. 31–58.

Haus des Heinrich Ludwig Münster (1723) mini|hochkant|links|Heilbronn, bis 1723 Haus von H. L. Münster, danach Gasthaus „Der Ritter“, Kaiserstraße 31 und 33 (überarbeitet nach Archäolog. Stadtkataster Karte 4, Nr. 232).

Der einst dort befindliche Bau war das Haus des Geistlichen Heinrich Ludwig Münster (* 5. Dezember 1662 in Flein; † 5. März 1723 in Heilbronn),Hubert Weckbach: Die Verlassenschaft des Seniors der Heilbronner Geistlichkeit Heinrich Ludwig Münster † 1723. In: Historischer Verein Heilbronn Jahrbuch 32/1992, S. 99–173, dort S. 104: „Behausung in der Präsenzgasse neben dem württembergischen Pfleghof und Buchdrucker Johann Christian Leucht […]“. später wurde das Gebäude als Gasthaus mit dem Namen Der Ritter genutzt.„Der Buchdrucker Leucht (HT 184) gab 1744 als Adresse neben dem „Ritter“ an. In Frage kommen für den Standort des Gasthauses somit zwei Gebäude, die auf dem Primärkatasterplan von 1835 die Nummern 881 und 879 besitzen. Da die sehr viel kleinere Nr. 881 bereits 1836 als Magazingebäude verzeichnet ist, schließen wir, daß sich der „Ritter“ im Haus des 1723 verstorbenen Heinrich Ludwig Münster (Nr. 879) eingerichtet hat, dessen Areal eher für ein Wirtshausbetrieb geeignet erscheint als die andere Alternative.“ (Quelle: Marianne Dumitrache, Simon M. Haag: Archäologischer Stadtkataster Baden-Württemberg. Band 8: Heilbronn. Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Stuttgart 2001, ISBN 3-927714-51-8, S. 140, Nr. 232: Ritter, abgegangen, Kaiserstraße 31–33 und im Straßenbereich.)

Heinrich Ludwig Münster war ein Ururenkel des Stammvaters der Heilbronner Münster-Familie, die mehr als 150 Jahre in Heilbronn und seinen reichsstädtischen Dörfern die Pfarrstellen besetzte. Heinrich Ludwig Münster wurde als Sohn von Johann Ludwig Münster und seiner Frau Agnes Dorothea, gebürtige Kollenberger, geboren und hatte Theologie in Straßburg und Altdorf bei Nürnberg studiert. Von 1714 bis 1723 hatte er als Senior der Heilbronner Geistlichkeit die erste Predigerstelle an der Heilbronner Kilianskirche inne und war auch Scholarch. 33 Jahre war er Pfarrer, 30 davon in Heilbronn. Münster verfügte über ein „beachtliches Vermögen, wie es nur wenige andere in der Stadt“ hatten.Hubert Weckbach: Die Verlassenschaft des Seniors der Heilbronner Geistlichkeit Heinrich Ludwig Münster † 1723. In: Historischer Verein Heilbronn Jahrbuch 32/1992, S. 99–173, dort S. 150. Die Verlassenschaft des verstorbenen Münster ist wissenschaftlich wichtig:

Haus Louis Kreiser (1901) miniatur|Giebelständiges Haus Kreiser mit mehrgeschossigen Erkern und Balkonen, 2. von rechts. Nach dem Umbau der Kaiserstraße im Jahre 1897 entstanden auf vielen der alten Grundstücke repräsentative Gebäude dieser Zeit, die auf den Kellern der Vorgängerbauten ruhten. An der Kaiserstraße 31 wurde 1901 nach Plänen des Hofwerkmeisters Martin Keppeler († 31. Mai 1911 in Frankfurt am MainDaten nach Stadtarchiv Heilbronn, Signatur L006-Hz Sta QuF-11, http://heuss.stadtarchiv-heilbronn.de/index.php?ID=24961 in der Datenbank HEUSS Lebensdaten der Familie Keppler) ein Gebäude für Louis Kreiser, Metzgermeister, erbaut. Martin Keppeler war verheiratet mit Marie Weingand und war Vater des Architekten Christian Keppeler (* 6. Dezember 1874 in Heilbronn; † 2. April 1952 in Heilbronn). Sein Bauunternehmen bestand von 1875 bis 1960 in der Moltkestraße. Er zeichnete verantwortlich für den Bau mehrerer mittlerweile denkmalgeschützter Gebäude,http://heuss.stadtarchiv-heilbronn.de/index.php?ID=ID=24961 darunter das Offizierskasino, Bismarckstraße 67 (1897/98),Denkmaltopographie Baden-Württemberg. Band I.5 Stadtkreis Heilbronn. Theiss, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-1988-3, S. 77, 273. und die Maschinenfabrik, Olgastraße 45 (1904).Denkmaltopographie Baden-Württemberg. Band I.5 Stadtkreis Heilbronn. Theiss, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-1988-3, S. 120, 273.

1914 erwarb der Kaufmann Heinrich Grünwald, vertreten durch seinen Schwager Siegfried Aram und Rechtsanwalt Dr. Wächter, das Haus.Hans Franke: Geschichte und Schicksal der Juden in Heilbronn. Vom Mittelalter bis zur Zeit der nationalsozialistischen Verfolgungen (1050–1945). Stadtarchiv Heilbronn, Heilbronn 1963, ISBN 3-928990-04-7 (PDF, 1,2 MB), im PDF S. 97 [ferner das Haus mit dem Schilde „Hofbräu“].Hans Franke: Geschichte und Schicksal der Juden in Heilbronn. Vom Mittelalter bis zur Zeit der nationalsozialistischen Verfolgungen (1050–1945). Stadtarchiv Heilbronn, Heilbronn 1963, ISBN 3-928990-04-7 (PDF, 1,2 MB), S. 60,210,230,232 [ferner das Haus mit dem Schilde „Hofbräu“]. Seit 1920 war Konrad Morlock Eigentümer des Hauses, der darin das Café Morlock einrichtete, in dem täglich Konzerte gegeben wurden. Das Innere des Cafés war auch Gegenstand von Veröffentlichungen, so auf alten Heilbronner Ansichtskarten.Ursula Messing (Hrsg.): Heilbronn in alten Ansichtskarten. Flechsig Verlag, Frankfurt am Main 1980, S. 84. Adolf Braunwald wurde mit Umbauten für das Café beauftragt. Das Café bestand nur bis 1922. Von 1922 bis 1924 war im Gebäude die Privatbank von Eugen Karaszkiewicz untergebracht.Stadtarchiv Heilbronn Spätestens seit 1933 befand sich im Erdgeschoss eine Gaststätte namens Stuttgarter Hofbräu.Uwe Jacobi: Heilbronn. Ein verlorenes Stadtbild. Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, S. 37.Die Entwicklung des Schachs in Heilbronn Chronik des Heilbronner Schachvereins. Internetpräsenz des Heilbronner Schachvereins. Zuletzt abgerufen am 10. Dezember 2014.

Zerstörung 1944 und Neubau 1950 mini|Heilbronn, Kaiserstraße 27–37 (Stand 2008)

Bei den Luftangriffen auf Heilbronn am 4. Dezember 1944 wurde der Prachtbau zerstört. In der Nachkriegszeit eröffnete am 19. August 1950 das Stahlwarenhaus Herrmann in dem Nachkriegsbau in der Kaiserstraße 31.Alexander Renz, Susanne Schlösser: Chronik der Stadt Heilbronn. Band VI: 1945–1951. Heilbronn 1995, S. 417.

Beschreibung

Lage und Umgebung Das Gebäude, das an der Kaiserstraße östlich der Kilianskirche in Heilbronn stand, wurde auf seiner Westseite vom Sportartikelhaus Saemann an der Kaiserstraße 29 und auf seiner Ostseite vom Doppelhaus Bauknecht & Graeßle an der Kaiserstraße Nr. 33–35 flankiert.

Archäologie, Architektur und Kunst Das Gebäude an der Kaiserstraße 31 zählte zu einer sich über die Hausnummern 25 bis 37 erstreckenden Gruppe repräsentativer Gebäude, die die Kaiserstraße zur „Prachtstraße der Gründerzeit“ machten: „Nirgends gab sich Heilbronn großstädtischer“.Kaiserstraße 25–37: Prachtstraße der Gründerzeit Die Keller der Vorgängerbauten blieben erhalten, so ein Gewölbekeller in 6 Metern Tiefe.Marianne Dumitrache, Simon M. Haag: Archäologischer Stadtkataster Baden-Württemberg. Band 8: Heilbronn. Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Stuttgart 2001, ISBN 3-927714-51-8, S. 79.

Uwe Jacobi beschreibt den Bau von 1901 als Bauwerk mit Erker und Türmchen.Uwe Jacobi: Heilbronn. Ein verlorenes Stadtbild. Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, S. 37.

Rezeption Die aufwändig gestaltete Schaufassade mit Erkern und Türmchen an der Kaiserstraße war direkt von der Klostergasse aus zu sehen. Eine Abbildung wurde von Uwe Jacobi für Heilbronn. Ein verlorenes Stadtbild verwendet:

Ursula Messing beschrieb in Heilbronn in alten Ansichtskarten die damals bekanntesten Gasthäuser, Restaurants und Cafés. Neben dem Gasthaus zum Rosengarten, der Restauration zur Wolfsschlucht und dem Schillercafé zeigt sie auch das Caféhaus Morlock. Dabei verwendet Messing eine Abbildung des Inneren des Caféhauses, das von 1920 bis 1922 von Konrad Morlock, Eigentümer des Hauses, betrieben wurde und dessen Innenarchitektur nach Entwürfen von Adolf Braunwald gestaltet wurde:

Hans Franke verwendete eine Abbildung des Hauses an der Kaiserstraße 31 – „ferner das Haus mit dem Schilde Hofbräu“ –, die vom Kiliansturm aus gemacht wurde, um die zahlreichen Gründerzeitbauten der jüdischen Kaufmannsfamilie Grünwald darzustellen:

Literatur Marianne Dumitrache, Simon M. Haag: Archäologischer Stadtkataster Baden-Württemberg. Bd. 8.: Heilbronn. Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Stuttgart 2001, ISBN 3-927714-51-8, S. 79, 133 (Nr. 184), S. 140 (Nr. 232). Denkmaltopographie Baden-Württemberg. Band I.5 Stadtkreis Heilbronn. Theiss, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-1988-3, S. 77, 120, 273. Helmut Schmolz, Hubert Weckbach: Heilbronn mit Böckingen, Neckargartach, Sontheim. Die alte Stadt in Wort und Bild. Weißenhorn 1966, S. 21 Nr. 14. Hubert Weckbach: Die Verlassenschaft des Seniors der Heilbronner Geistlichkeit Heinrich Ludwig Münster † 1723. In: Historischer Verein Heilbronn 32, 1992, S. 99–173, dort S. 104, 150. Ursula Messing (Hrsg.): Heilbronn in alten Ansichtskarten. Flechsig Verlag, Frankfurt am Main 1980, S. 84. Hans Franke: Geschichte und Schicksal der Juden in Heilbronn. Vom Mittelalter bis zur Zeit der nationalsozialistischen Verfolgungen (1050–1945), Heilbronn 1963 (Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Heilbronn, Heft 11), S. 60, 210, 230, 232 im PDF S. 97 [ferner das Haus mit dem Schilde „Hofbräu“]. Helmut Schmolz, Hubert Weckbach: Heilbronn mit Böckingen, Neckargartach, Sontheim. Die alte Stadt in Wort und Bild. 3. Auflage, Konrad, Weißenhorn 1966, S. 43. (= Veröffentlichungen des Archivs der Stadt Heilbronn, Band 14.) Urkundenbuch der Stadt Heilbronn. 2. Bd., bearb. v. Moriz v. Rauch. Württembergische Geschichtsquellen 15 (Stuttgart 1913), Nrn 665, 1024 Hubert Weckbach, Die Mägdlein sollen ebenso schreiben lernen wie die Knaben. Anno 1738 erhielten die deutschen Schulen in Heilbronn eine eigene Ordnung. In: Schwaben und Franken 27/1, Jan. 1981, 1 ff.