Der Münchner Senioren-Convent (MSC) ist der Senioren-Convent von 18 Corps an der Ludwig-Maximilians-Universität, der Universität der Bundeswehr München und der Technischen Universität München mit dem Wissenschaftszentrum Weihenstephan für Ernährung, Landnutzung und Umwelt. Der SC zu München entstand als „Kartell“ der (Kösener) Corps an der LMU. Dagegen vereinigte der Polytechnische SC die Corps am Polytechnikum, der späteren TH München.Herbert Scherer: Die ersten Jahre des Polytechnischen SC zu München (1868–1870). Einst und Jetzt, Band 12 (1967), S. 69–76. Am 7. Juni 1862 trat der soeben vereinigte SC zu München dem Kösener Senioren-Convents-Verband bei. Nach wie vor umfasst der SC zu München nur die Kösener Corps.
Der oKC 1951 stellte fest, dass der MSC bestehen darf, weil das Corps Suevia München und das Corps Cisaria ihn 1944 gegründet hatten. Auch genehmigte er dem MSC die Aufnahme der Weinheimer Corps.Fr. Trölß (1989) Der erweiterte Münchner Senioren-Convent konstituierte sich am 15. Juni 1951 auf dem Corpshaus der Arminia. Derzeit vereinigt er zehn Kösener, sieben Weinheimer, ein verbandsfreies und vier angegliederte auswärtige Corps. In seiner Vielfalt ist er der größte und einflussreichste Senioren-Convent.
Archivalien Erhalten sind SC-Comments vom 15. August 1841, 9. Mai 1855 und 25. November 1864.Goebel, Frankengeschichte, S. 108. Drei Protokollbücher (1844–1852, 1862–1871, 1871–1880) sind bei Makaria. Einige Protokolle sind bei Franconia (WS 1865/66 – SS 1870), einige bei Suevia (1. November 1923 bis 1. Juni 1934). Wolfgang Gottwald legte maschinenschriftliche Auszüge an.Wolfgang Gottwald (corpsarchive.de) Eine umfassende Geschichte des Münchener Senioren-Convents steht noch aus. Ansätze stammen von Max Weigl.Academische Monatshefte II, S. 40 f. Die Zeit bis 1853 wurde 2003 von Hans-Bernd Herzog aufgearbeitet.
Landshut
In der Nachfolge der Universität Ingolstadt wurde die Universität Landshut am 25. November 1799 gegründet; der Lehrbetrieb begann 1800. Die Universität wurde 1802 bestätigt. Als das Kurfürstentum Bayern zum Königreich erhoben wurde, hieß sie seit dem 1. Januar 1806 Königliche Universität Landshut. Am 3. Oktober 1826 wurde sie nach München verlegt.A. Beckenbauer, Landshuter Universität (1992)
Am 4. November 1799 werden die Landsmannschaften verboten. Ende 1801 kommen farbige Kokarden auf und beantragen fünf Studenten farbige Uniformen. Seit dem 6. Januar 1806 sind nur noch weiß–blaue (bayerische) Kokarden gestattet. Die 1806 konstituierten Landsmannschaften der Baiern, Schwaben und Franken werden schon am 20. Januar 1807 verboten.J. Schmidt (1973) 1809 bildet sich ein Freicorps gegen Tirol.F. Kurz, Bayerngeschichte (1910) 1809/10 besteht ein Senioren-Convent.Karl Viernstein: Karl Joseph Anton Mittermaier als Student und Lehrer an der Universität Landshut. München 1931. 1810 entsteht eine Tyrolia mit weiß–grün. 1811/12 werden „färbige“ Bänder bemerkt: rot–weiß–grün (oder grün–weiß–orange) der Tyrolia und grün–rot–gold (schwarz–rot–gelb) der Franconia.H. Herzog (2003) Im Sommersemester 1812 untersagt der Rektor mainfränkischen Studenten die Miete eines privaten Paukbodens, weil leicht eine Verbindung entstehen könnte. Nachdem den Behörden im Januar 1813 ein SC-Comment in die Hände gefallen ist, erlässt Maximilian von Montgelas am 28. Februar 1813 ein Antiverbindungsmandat.Wilhelm Riedner: Die Hundertjahrfeier des Korps Palatia München vom 20. bis 24. Juni 1913. München 1913 Bei Androhung von Relegation und zwei Monaten Gefängnis verpflichtet es jeden Studenten zum Handgelübde gegenüber dem Rektor, dass er keiner Verbindung angehören werde.
Als 5. Landsmannschaft entsteht am 20. Juni 1813 die Palatia mit blau–weiß–rot aus einer Tischgesellschaft der Oberpfälzer. Aus Zuneigung zu Friedrich Wilhelm (Braunschweig-Lüneburg-Oels) tragen sie schwarze Samtkappen mit Totenkopf und weißen Quasten. Im September 1813 „gesteht Anton von Schlichtegroll Bavariae, dass im WS 1812/13 schon fünf Landsmannschaften bestanden: je eine baierische, tyrolische, pfälzische, schwäbische und fränkische“. Am 31. August 1813 werden fünf Baiern, zwei Schwaben, ein Franke und ein Pfälzer relegiert. Von den fünf Landsmannschaften in Landshut beauftragt, verhandeln am 7. September 1813 zwei Delegierte mit dem Erlanger Senioren-Convent. Von September 1813 bis Juni 1814 finden umfassende Untersuchungen gegen alle fünf Landsmannschaften statt. Am 6. März 1814 wird ein Revers (Recht) eingeführt.Wortlaut bei Riedner S. 28 f. Am 12. Januar 1815 finden Hausdurchsuchungen statt. 1817 besteht der SC aus Bavaria, Palatia und Suevia. Ab Dezember 1817 wird gegen sie behördlich ermittelt. Mit ihren 136 Mitgliedern teilt Bavaria sich am 13. Juli 1821. Unter Führung des Seniors August v. Nagel treten 17 Bayern als Bavaria-Isaria aus. Am nächsten Tag schließen sich 37 ehemalige Renoncen an. Am 15. Juli 1821 wird Isaria (I) in den SC recipiert. Im selben Monat (oder am 19. Juli 1826?) führten alle vier Corps Fuchsenbänder ein. Als am 1. Februar 1822 ein SC-Brief mit SC-Siegel und 12 Unterschriften an den Würzburger Senioren-Convent abgefangen worden war, wurden acht SC-Angehörige dimittiert. Im Juni 1822 werden behördliche Untersuchungen eingeleitet und unerlaubte Gesellschaften verboten. Der SC gründet am 19. Januar 1823 ein Ehrengericht und beschließt am 19. Februar einen SC-Comment.
Auf eine anonyme Denunziation des SC verbietet Maximilian I. Joseph am 11. August 1823 alle Verbindungen an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen und der Universität Landshut. Er erneuert das Verbot am 22. September 1823 und veranlasst behördliche Untersuchungen. Da sie sich bis 1824 hinziehen, sind sie offenbar fruchtlos. Die „Schonzeit“ von 1814 bis 1823 lässt sich aus dem Glauben der Regierung erklären, durch Duldung der Landsmannschaften die Burschenschaft unterdrücken zu können. Um einem behördlichen Verbot vorzubeugen, löst der SC sich am 17. März 1824 auf. Am 24. November 1824 erneuern Suevia und Palatia den SC. Bavaria und Isaria traten am 16. Januar 1825 wieder bei.
Ludwig I. wollte seit dem 18. April 1826 die Universität in seine Residenzstadt München verlegen. Am 13. Oktober 1826 ergeht sein Verlegungsdekret. Die Universität wird durch den Minister Grafen Armansperg Bavariae garantiert.
München
1826–1838 mini|Der Einzug der Universität in München (1826)
Zwei Tage nach der Eröffnung der Universität kommt der SC am 17. November 1826 zur ersten Sitzung zusammen. Vier Tage später steckt er die neu konstituierte Burschenschaft (wohl Amicitia) in Verruf.Wehner 1918, S. 89. Im Dezember teilt der SC den Verruf dem Würzburger SC mit. Der gab fremden Buxen Satisfaktion und trat erst nach Rückfrage dem Münchner Beschluss bei. Die an Heiligabend 1826 entstandene Landsmannschaft Helvetia (I) geht wohl in der Burschenschaft Germania auf. Einige Mitglieder waren im Verruf des SC zu Freiburg.Max Richter: Helvetia München 1829–1831. Einst und Jetzt, Band 14 (1969), S. 98–108
Am 7. Januar 1827 wird der Hiebcomment auf Schläger eingeführt; der Stichcomment auf Pariser bleibt bis ca. 1865 für Theologen erhalten. Am 18. Januar melden einige ehemalige Burschenschafter die Bildung eines Corps Germania. Unter Annahme des Namens Arminia wird es am 22. Januar trotz der Burschenschafterfarben schwarz-rot-gold als 5. SC-Corps anerkannt. Am 28. Februar 1827 darüber unterrichtet, erkennt der Würzburger SC Arminia an. Zur selben Zeit reicht Suevia den Behörden ihre Constitution ein.Constitution der Gesellschaft der Suevia . Einst und Jetzt, Sonderheft 1988, S. 134–137. Am 17. März wird Alemannia mit weiß–grün–schwarz als 6. Corps in den SC aufgenommen.Rüdiger Kutz: Alemannia (III) München. 30.7.1847–10.2.1848. Einst und Jetzt, Band 26 (1981), S. 57–82 („Lolamannia“) Aus dem suspendierten Corps Arminia und der (im SC-Verruf befindlichen) Amicitia constituiert sich am 15. Juni 1827 eine Verbindung Markomannia. Arminia steht zur Burschenschaft und will sich auflösen. Sie geht wohl nahtlos in die Markomannia über, die im August 1827 entsteht. Das Corps Alemannia nennt sich ab dem 26. Juni 1827 Rhenania mit königsblau–weiß–scharlachrot. Am 31. Juli 1827 werden die vier erlaubten Corps zugelassen. Am 26. Januar 1828 stirbt Fuchs Zetlmeisl Isariae auf einer Mensur gegen Karl von Schrenck Palatiae. Das Corps Rhenania löst sich am 11. März 1828 überraschenderweise auf. Am 27. Juni 1828 werden alle Verbindungen aufgehoben. Isaria fährt am 3. August 1828 in SC-Verruf, weil sie einen SC-Verruf über ihren Subsenior Helldobler nicht anerkennt. Die SC zu Erlangen, Würzburg und Freiburg erkennen den Verruf an. Am 18. Juli 1830 tritt Helvetia II mit grün–gold–rot in den schwarz-grünen Teil-SC aus Suevia und Isaria. Am 28. Dezember 1830 schließt Ludwig I. (Bayern) die Universität wegen Katzenmusik gegen den Rektor Joseph Franz von Allioli in der Christnacht.
Germania wird am 18. Januar 1831 behördlich verboten. Ohne die an diesem Tage suspendierte Helvetia II vereinigt der SC sich wieder am 7. März 1831.Ihr Abschiedsschreiben im Wortlaut bei Herzog 2003 Die vier Corps Suevia, Bavaria, Palatia und Isaria werden am 18. Mai 1831 genehmigt. Die Germania bleibt verboten. Germania und Isaria gründen am 4. Februar 1832 eine liberale Verbindung. Am 16. März 1832 besteht der SC aus Suevia, Palatia und Bavaria, die am 10. April 1832 die königliche Garantie erhalten. Dagegen werden Isaria und Germania aufgelöst. Am 16. Mai 1832 werden 16 Germanen im Kleinen Rosengarten verhaftet; die Germania wird aufgelöst. Kurz vor Weihnachten 1832 verlässt Bavaria den SC und erklärt Suevia und Palatia in Verruf. Gegen den 1833 aus Suevia und Bavaria bestehenden SC bildet Palatia bis Mai 1834 einen Gegen-SC.
Ein kgl. Rescript vom 14. Juli 1833 untersagt den Studenten mit kleiner Matrikel (Pharmazeuten, Forstlern und Technikern) das Aktivwerden. Als erste schafft Palatia am 23. Februar 1834 das Renonceband ab, worauf 13 Renonceburschen austreten. Im Mai 1834 besteht der SC wieder aus Suevia, Bavaria und Palatia. Rhenania erhält keine Garantie und löst sich im April 1835 auf. 15 Rhenanen machen am 26. November 1835 Franconia auf. Im November 1835 erklären Suevia und Palatia Bavaria in Verruf, den Bavaria (bis 4. März 1836) erwidert. Am 3. Januar 1836 offiziell gestiftet, schließt Franconia sich dem SC mit Suevia und Palatia an. Am 4. März 1836 folgt Bavaria. 1837/38 existieren zwei SC nebeneinander: Suevia / Bavaria und Palatia / Franconia. Ein behördliches Rescript von 1838 verlangt ein philosophisches Biennium und verbietet das Aktivwerden. Die Einhaltung wird durch eine eigene Behörde, das Ephorat, scharf überwacht.
1839–1846
1839 lehnt der Innenminister Karl von Abel das Gesuch von Studenten ab, einen musikalisch-literarischen Studentenvereins zu gründen. Zum Tode des cand. iur. Felix Zimmermann aus Zweibrücken, Secretär der Franconia, wird den vier genehmigten Verbindungen ein Fackelzug am 26. Februar 1840 gestattet. Er zieht von der alten Universität in der Neuhauser Straße durch die Kaufinger-, Rosen- und Sendlinger Straße nach dem Friedhof.HStA M Inn 45824 Bl. 5 Der Neubau der Universität am Siegestor wird am 25. August, dem Geburtstag von Ludwig I. (Bayern), feierlich eröffnet. Der SC errichtet am 15. August 1841 einen SC-Comment und verpflichtet einen eigenen Paukarzt (gültig bis 9. Mai 1855).Original bei Bavaria und Franconia
Zur „Theilnahme von Studirenden der allgemeinen Wissenschaften an unerlaubten Studentenverbindungen“ heißt es am 20. November:HStA M Inn 45824 Bl. 20