mini|Monogramm von G. L. Fuhrmann Georg Leopold Fuhrmann, latinisiert Leopoldus FurmannusJohann Gottfried Walther: Musicalisches Lexicon [...] Wolffgang Deer, Leipzig 1732, S. 269. (getauft am 2. März 1578 in Nürnberg; begraben am 10. Dezember 1616 ebenda) war ein deutscher Buchdrucker, Musikverleger, Buchhändler, Kupferstecher und Lautenist.
Leben Fuhrmann war Sohn des aus Suhl und Schleusingen nach Nürnberg gekommenen Buchdruckers und Musikverlegers Valentin Fuhrmann (* ca. 1540; † 1608). Er studierte laut Eintragungen in Matrikelbüchern in Jena (1597), Marburg (1599), Tübingen (1601) und Basel (1604), außerdem nach eigenen Angaben auch in Frankreich. Fuhrmann war Nürnberger Bürger. Seit 1607 arbeitete er im Betrieb seines Vaters mit, den er nach dessen Tode im Jahr darauf übernahm und um eine Schriftgießerei erweiterte. Er verlegte unter anderem musiktheoretische Schriften und Musikdrucke. Sein besonderes Interesse galt dem Lautenspiel, das er auch selbst ausübte und mit einer größeren Zahl wichtiger Veröffentlichungen förderte. Er stand mit wichtigen europäischen Lautenisten seiner Zeit in Verbindung, darunter Jean-Baptiste Besard, Elias Mertel (um 1516–1626), Antoine Francisque, Philipp Hainhofer und vermutlich auch John Dowland. Er verlegte auch Schriften und Werke von Maternus Beringer, Christoph Demantius, Melchior Franck, Johann Andreas Herbst und Ambrosius Metzger. Fuhrmann betätigte sich auch im Entwurf neuer deutscher, lateinischer und griechischer Schriften.J. G. Doppelmayr: Historische Nachricht von den nürnbergischen Mathematicis und Künstlern... Peter Conrad Monaths, Nürnberg 1730. Nach Fuhrmanns Tod 1616 führten seine Witwe und seine Erben die Druckerei fort.
Werk Sein wichtigster Beitrag zur Musikgeschichte ist das von ihm 1615 in Nürnberg und in französischer Tabulatur herausgegebene und verlegte Lautenbuch Testudo Gallo-Germanica, hoc est: novae et nunquam antehac editae recreationes musicae, ad testudinis asum et tabulaturam, das als eine der wichtigsten Quellen der Lautenmusik des frühen 17. Jahrhunderts gilt.
Das 180 Seiten umfassende Werk enthält neben eigenen und anonymenVgl. Adalbert Quadt: Lautenmusik aus der Renaissance. Nach Tabulaturen hrsg. von Adalbert Quadt. Band 1 ff. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1967 ff.; 4. Auflage ebenda 1968, Band 2, S. 15 (Ballet), 27–28 (Gagliarde mit Variation von [Valentin] Strobel), 29 (Gagliarde, anonym), 40 (Courante) und 44 (Volta) sowie 65 (zu Testudo Gallo-Germanica in französischer Tabulatur, Exemplar in der Musikbibliothek Leipzig). und einer großen Zahl von Lautentabulaturen von Lautenisten aus ganz Europa, darunter John Dowland und Robert Dowland sowie Charles Bocquet, Elias MertelVgl. etwa Adalbert Quadt: Lautenmusik aus der Renaissance. Nach Tabulaturen hrsg. von Adalbert Quadt. Band 1 ff. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1967 ff.; 4. Auflage ebenda 1968, Band 2, S. 7 (Präludium von Elias Mertel), 34 (Gagliarde von Carolus Bocquet) und 46–47 (Volta von Carolus Bocquet). und Antoine Francisque,Josef Zuth: Handbuch der Laute und Gitarre. Verlag der Zeitschrift für die Gitarre, Wien 1926 (1928), S. 106. eine Übersetzung von Antoine Francisques Instruction pour réduire toutes sortes de tabulatures de luth en musique et réciproquement ins Deutsche, mit der die französische Art der Tabulatur in den deutschen Sprachraum eingeführt wurde.
Das Testudotestudo, lateinisch für Schildkrötenpanzer, war eine Bezeichnung für die Laute. Vgl. etwa Helmut Mönkemeyer (Hrsg.): Nürnberger Lautenbuch. Handschriftliche Tabulaturensammlung um 1600. Teil IV (= Die Tabulatur. Band 26). Friedrich Hofmeister, Hofheim am Taunus 1979, S. 152–153 (Intrada Contralt und folgend Item ad Testudinem Maiorem). liefert nicht nur eine interessante Auswahl europäischer Lautenstücke seiner Zeit, es ist auch Haupt- und bisweilen einzige Quelle für die Werke einiger weniger bekannter Lautenisten. Mit 20 Werken am stärksten vertreten ist Hans Leo Haßler, womit Testudo die Tabulaturensammlung mit den meisten Werken Haßlers ist. Werke der Komponisten Valentin Strobel und Anglus AloysonAlfred Baumgartner: Der große Musikführer. Band: Alte Musik. Kiesel, Salzburg 1981, S. 677. sind ausschließlich über Fuhrmanns Testudo überliefert.
Von Fuhrmann selbst ist ein unter dem Titel Tanz bekanntes Musikstück überliefert, das heute ein beliebtes, einfach spielbares Renaissancewerk für Gitarre und verwandte Instrumente darstellt und in Sammlungen klassischer Gitarrenwerke vertreten ist.z. B. J. Willard (Hrsg.): The Library of Guitar Classics. New York 1998, S. 9.Frederick Noad: The Renaissance Guitar (= The Frederick Noad Guitar Anthology. Teil 1). Ariel Publications, New York 1974; Neudruck: Amsco Publications, New York / London / Sydney [ohne Jahr], ISBN 0-7119-0958-X, S. 23.
Literatur Jürgen May: Georg Leopold Fuhrmanns Testudo Gallo-Germanica: ein Lautentabulaturdruck aus dem Jahre 1615. Lang, Frankfurt am Main 1992 (Zugleich Dissertation Bonn 1989). Josef Zuth: Handbuch der Laute und Gitarre. Verlag der Zeitschrift für die Gitarre, Wien 1926 (1928), S. 106.
Einzelnachweise Wolfgang Boetticher: Fuhrmann, Georg Leopold. In: The New Grove Dictionary of Music and Musicians. 2. Auflage. Band 9: Florence-Gligo. Macmillan, London 2001, S. 333. Jürgen May: Fuhrmann, 1. Valentin 2. Georg Leopold. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Band: Personenteil 7 Fra-Gre. Bärenreiter Verlag, 2002, S. 256. Georg Kaspar Nagler u. a.: Die Monogrammisten... III. Band: GK-IML. Verlag Georg Franz, München 1863, S. 26, Nr. 92 (Georg Leopold Fuhrmann). Der so nöthig als nützliche Buchdruckerkunst und Schriftgiesserey: Zweyter Theil. Geßner, Leipzig 1740, S. 92.
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