Die Ankylosauridae sind eine der zwei Subtaxa (Untergruppen), in die die Dinosauriergruppe der Ankylosauria eingeteilt wird. Sie lebten vom Oberjura bis zur Oberkreide.

Merkmale Die Ankylosauridae teilen den Körperbau der Ankylosauria. Der breite, massive Rumpf wird von vier kurzen, kräftigen Gliedmaßen getragen, wobei die Hinterbeine länger als die Vorderbeine sind. Der Nacken, der Rumpf und die Oberseite des Schwanzes waren von einer Panzerung aus Knochenplatten bedeckt.

Der Schädel der Ankylosauridae war – im Gegensatz zu den Nodosauridae, der zweiten Untergruppe, breiter gebaut und hat eine grob dreieckige Form. Die jeweils zwei knöchernen Auswüchse hinter der Augenhöhle und an der Wange waren groß und pyramidenförmig – bei den Nodosauridae waren sie rundlicher und stumpfer. Wie bei allen Ankylosauria waren die Zähne klein und blattförmig und an eine pflanzliche Ernährung angepasst. Die Oberseite des Schädels und manchmal sogar die Augenlider waren ebenfalls mit einer knöchernen Panzerung versehen.

Im Gegensatz zu den Nodosauridae hatten die Ankylosauridae keine auffälligen Stacheln in der Schulterregion. Unterschiede gibt es auch im Bau des Schulterblatts, das bei den Ankylosauridae nicht den beulenartigen Auswuchs (Acromion) aufwies. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die knöcherne Schwanzkeule, die zumindest bei den höher entwickelten Ankylosauridae in der Oberkreide vorhanden war. Die ältesten Ankylosauridae im Oberjura und in der unteren Unterkreide hatten zunächst flexible Schwänze ohne Schwanzkeule, die S-förmig zur Seite gebogen werden konnten. In der oberen Unterkreide und während der unteren Oberkreide versteiften die Schwänze immer mehr. In den letzten 20 Millionen Jahren der Oberkreide kam dann die Schwanzkeule dazu.

Paläobiologie mini|Modell des Schwanzes eines Ankylosauridae mit deutlich erkennbarer Schwanzkeule Das breite Maul lässt darauf schließen, dass die Ankylosauridae nicht auf bestimmte Pflanzenformen spezialisiert waren, sondern wahllos alles abgerupft haben. Die Schwanzkeule diente vermutlich der Verteidigung gegenüber Fressfeinden und wurde wahrscheinlich bei Rivalenkämpfen mit Artgenossen eingesetzt oder könnte, einer zweifelhaften Theorie zufolge als Köder gedient haben, der Angreifer vom Kopf ablenkte. In vielen Aspekten stimmt die mutmaßliche Lebensweise der Ankylosauridae mit der der übrigen Ankylosauria überein.

Systematik Die Systematik der Ankylosauria ist in vielen Bereichen umstritten. Das ist auch dadurch bedingt, dass viele Funde schlecht erhalten sind und eine eindeutige Diagnose oft kaum möglich ist. Diskutiert wird auch die Zugehörigkeit der Polacanthidae oder Polacanthinae, die manchmal den Ankylosauridae und manchmal den Nodosauridae zugeordnet werden. Die hier beschriebene Systematik folgt weitgehend M. Vickaryous et al. (2004), zum Vergleich wird – wo es Abweichungen gibt – die Systematik von K. Carpenter oder die Zuordnung durch die Erstbeschreiber in Klammern hinter dem Namen dargestellt. (Siehe auch Innere Systematik der Ankylosauria.) Ankylosauridae Gargoyleosaurus (Polacanthidae?) Gastonia (Polacanthidae?) Gobisaurus Minmi (basaler Ankylosauria) Minotaurasaurus Shamosaurus Ziapelta Ankylosaurinae Akainacephalus Ankylosaurus Euoplocephalus Nodocephalosaurus Pinacosaurus Saichania Talarurus Tarchia Tianzhenosaurus Tsagantegia Zaraapelta Zuul Folgende Gattungen werden von M. Vickaryous als incertae sedis geführt, oft aber den Ankylosauridae zugerechnet: Aletopelta Shanxia

Literatur Victoria Megan Arbour: Estimating Impact Forces of Tail Club Strikes by Ankylosaurid Dinosaurs. In: PLoS ONE. Bd. 4, Nr. 8, 2009, e6738, . Kenneth Carpenter: Phylogenetic analysis of the Ankylosauria. In Kenneth Carpenter (Hrsg.): The Armored Dinosaurs. Indiana University Press, Bloomington IN 2001, ISBN 0-253-33964-2, S. 455–483. Matthew K. Vickaryous, Teresa Maryańska, David B. Weishampel: Ankylosauria. In: David B. Weishampel, Peter Dodson, Halszka Osmólska (Hrsg.): The Dinosauria. 2nd edition. University of California Press, Berkeley CA u. a. 2004, ISBN 0-520-24209-2, S. 363–392.

Einzelnachweise Victoria M. Arbour, Philip J. Currie and Demchig Badamgarav. 2014. The Ankylosaurid Dinosaurs of the Upper Cretaceous Baruungoyot and Nemegt formations of Mongolia. Zoological Journal of the Linnean Society, Volume 172, Issue 3, pages 631–652, November 2014, DOI: 10.1111/zoj.12185 Victoria M. Arbour, Michael E. Burns, Robert M. Sullivan, Spencer G. Lucas, Amanda K. Cantrell, Joshua Fry, Thomas L. Suazo. A New Ankylosaurid Dinosaur from the Upper Cretaceous (Kirtlandian) of New Mexico with Implications for Ankylosaurid Diversity in the Upper Cretaceous of Western North America. PLoS ONE, 2014; 9 (9): e108804 DOI: 10.1371/journal.pone.0108804 Victoria Arbour & Philip Currie. Ankylosaurid dinosaur tail clubs evolved through stepwise acquisition of key features. Journal of Anatomy, August 21, 2015; doi: 10.1111/joa.12363 Victoria M. Arbour and David C. Evans. 2017. A New Ankylosaurine Dinosaur from the Judith River Formation of Montana, USA, Based On An Exceptional Skeleton with Soft Tissue Preservation. Royal Society Open Science. DOI: 10.1098/rsos.161086 Victoria M. Arbour, Lindsay E. Zanno und David C. Evans. 2022. Palaeopathological Evidence for Intraspecific Combat in Ankylosaurid Dinosaurs. Biol. Lett. 18: 20220404. DOI: 10.1098/rsbl.2022.0404 Clifford A. Miles, Clark J. Miles: Skull of Minotaurasaurus ramachandrani, a new Cretaceous ankylosaur from the Gobi Desert. In: Current Science. Bd. 96, Nr. 1, 2009, , S. 65–70, Digitalisat (PDF; 1,04 MB). J.P. Wiersma & R.B. Irmis. 2018. A new southern Laramidian ankylosaurid, Akainacephalus johnsoni gen. et sp. nov., from the upper Campanian Kaiparowits Formation of southern Utah, USA. PeerJ 6: e5016; doi: 10.7717/peerj.5016

Weblinks

Kenneth Carpenter: Ankylosauridae in The Tree of Life Web Project

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