Die Luchwiesen sind eine der artenreichsten Binnensalzstellen Brandenburgs. Das 110 Hektar umfassende Naturschutzgebiet liegt in der Kleinstadt Storkow im Landkreis Oder-Spree südlich und nördlich des Storkower Kanals. Die Luchwiesen sind im Natura 2000 Verbund als FFH-Gebiet ausgewiesen und Teil des Naturparks Dahme-Heideseen.

Die geringmächtig vermoorte Talsandrinne charakterisieren halophile Flut- und Kriechrasen sowie Trittgesellschaften, Salzgrasland, Großseggenriede und Schilfröhrichte. Unter den Halophyten (Salzpflanzen) und halotoleranten Pflanzenarten sind vier Arten vertreten, die in der Roten Liste Brandenburgs als vom Aussterben bedroht kategorisiert sind. Die Arthropodenfauna (Gliederfüßer) der Luchwiesen ist von Arten gekennzeichnet, die sich in Brandenburg fast ausschließlich in oligo- bis mesohalinen Salzwiesen entwickeln. Zwischen 2005 und 2010 wurden die hydrologischen Verhältnisse des Luchgebiets im Rahmen des LIFE-Projekts „Sicherung und Entwicklung der Binnensalzstellen Brandenburgs“ stabilisiert. Die Salzartenflora des zunehmend verschilften Gebiets wurde durch eine extensive Nutzung der Flächen gefördert.

Im 17. Jahrhundert bestand auf dem Gelände sehr wahrscheinlich eine Salzsiederei. Anschließend wurde das Gelände als Torfstich und später als Grünland genutzt. Durch die Wiesen führt der 8,5 Kilometer lange Storkower Salzweg, der weitere Binnensalzstellen an der benachbarten Groß Schauener Seenkette mit einschließt. Der Weg ist mit Informationstafeln über die Entstehungsgeschichte, Vegetation, den Wasserhaushalt und die Bedeutung der Salzstellen ausgestattet. mini|hochkant=1.8|Informationstafel Salzwiese

Geographie, Geologie und Klima Lage und Naturraum Das Naturschutzgebiet Luchwiesen befindet sich südlich des von der Spree durchflossenen Berliner Urstromtals und westlich der Storkower Platte im Ostbrandenburgischen Heide- und Seengebiet, das in den Naturräumlichen Haupteinheiten Deutschlands als Nr. 82 geführt wird. Die zahlreichen Seen des Gebiets sind ein Relikt des Brandenburger Stadiums (24.000 bis 22.000) der Weichsel-Eiszeit.Brigitte Nixdorf, Mike Hemm u. a.: Dokumentation von Zustand und Entwicklung der wichtigsten Seen Deutschlands, Teil 5, Brandenburg, Umweltforschungsplan des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Abschlussbericht F&E Vorhaben FKZ 299 24 274, im Auftrag des Umweltbundesamtes am Lehrstuhl Gewässerschutz der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus, 2004. Kapitel 1.37 Wolziger See S. 155. PDF

mini|Brücke über dem Storkower Kanal und nordwestlicher Teil der Luchwiesen mini|Nordöstlicher Teil, südlich des Kanals Das Areal gehört etwa je zur Hälfte zu der Gemarkung der Storkower Kernstadt und der Gemarkung des sich westlich anschließenden Storkower Ortsteils Philadelphia. Es beginnt rund einen Kilometer westlich der historischen Storkower Altstadt, zieht sich im Süden mit einer Spitze bis fast an die Landesstraße L 391 nach Görsdorf heran und reicht im Westen bis kurz vor die Häuserzeilen des Straßendorfs Philadelphia. Der bei weitem größte Teil des Naturschutzgebiets liegt südlich des Storkower Kanals, der die Luchwiesen von Ost nach West auf einer Höhe von rund 35 Metern durchfließt. Mit einem schmalen Streifen zwischen dem Nordufer der Wasserstraße und den bis zu 53 Meter hohen Türkenbergen – sehr wahrscheinlich einer durch Aufforstungen von Kiefernwald überprägten Binnendüne – dehnt sich die Schutzzone nach Norden aus. Als einzige weitere Verkehrsader quert die eingleisige Bahnstrecke Grunow–Königs Wusterhausen die Luchwiesen von Südost nach Nordwest und überbrückt den Kanal im Schutzgebiet auf einer stählernen Fachwerkbrücke.Rad-, Wander- und Gewässerkarte Storkower Gewässer, Scharmützelsee. 1:35.000. Verlag grünes herz, Dr. Lutz Gebhardt e. K. Ilmenau und Ostseebad Wustrow, 7. aktualisierte Auflage Juli 2012, ISBN 978-3-86636-103-4. Die Karte verzeichnet die genaue Grenze des Schutzgebietes.Brandenburg-Viewer, Digitale Topographische Karten 1:10.000 (Menu – „Mehr Daten“ – anklicken und entsprechend auswählen; zu den Gemarkungsgrenzen „Liegenschaftskataster“ und dort „Gemarkungen“ zuschalten.)

Geologie und Böden Das salzige Wasser tritt mit dem Grundwasser zutage. Es resultiert aus bis zu mehreren Hundert Metern mächtigen Steinsalzschichten im Untergrund, die das Zechsteinmeer vor rund 255 Millionen Jahren ablagerte. Die sich fortwährend bewegenden Wasser waschen die Salze aus und transportieren sie. Die undurchlässigen Tonschichten, die das unter Druck stehende und nach oben strebende tiefe Salzwasser von den höheren, Süßwasser führenden Grundwasserleitern trennt, fehlen an den Binnensalzstellen oder wurden während der Eiszeiten ausgeräumt.Holger Lengsfeld, Holger Rößling: Salzstellen blühen auf. LIFE – Ein Naturschutzprojekt in der Umsetzung. …, S. 22. Gewässer in dem stark degradierten Moorstandort der Luchwiesen bilden ein kleiner See (Grausche Kiesgrube), eine weit in die Wiesen reichende Ausbuchtung des Storkower Kanals namens Grunds Buchte und der Kanal selbst, je nach Jahreszeit weitere kleine, offene Wasserstellen und Gräben.

Die holozäne, vertorfte Niederung, in der die Luchwiesen liegen, ist von Talsanden und geringmächtigen Flugsanddecken umrahmt. Die bodenhydrologischen Eigenschaften der standortprägenden, mächtigen und feinporenreichen Kalkmudden beziehungsweise Seekreiden unterscheiden sich stark von denen der südöstlich benachbarten salzhaltigen Marstallwiesen, die als Teil des Naturschutzgebiets Groß Schauener Seenkette geschützt sind. So weisen die limnischen Sedimente der Luchwiesen mit 91 % CaCO3 extrem hohe, in dieser Ausprägung in Brandenburg sehr seltene Kalkgehalte der Seekreide auf. Die bodenphysikalischen Parameter zeigen in Verbindung mit den Kohlenstoffgehalten einen stark degradierten Moorstandort an. Auffällig sind die niedrigeren Werte für die gesättigte Wasserleitfähigkeit und die etwas erhöhten Werte für die Trockenrohdichte im oberen Profilbereich.Holger Rößling, Albrecht Bauriegel u. a.: Regionale Überblicksdarstellungen und Gebietssteckbriefe. … … S. 100.

Klima Die Luchwiesen liegen im Wirkungsbereich des subkontinentalen ostdeutschen Binnenklimas mit geringfügigem subatlantischen Einfluss. Das Klima ist geprägt von mäßig kalten Wintern und relativ warmen Sommern. Die mittleren Monatstemperaturen reichen von -1/0 °C im Januar bis 18/18,5 °C im Juni/Juli, die Jahresmitteltemperatur liegt bei 8,5 °C. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt zwischen 530 und 575 mm im Jahr und fällt damit in den unteren Bereich der in Deutschland erfassten Werte. Das statistische Maximum des Niederschlags liegt im Monat Juni mit rund 700 mm.Dieter Barndt: Beitrag zur Arthropodenfauna der Binnensalzwiesen von Storkow und Philadelphia …, … S. 7.Deutscher Wetterdienst. Datenbank. Mittelwerte 30-jähriger Perioden.

Naturschutz und Schutzmaßnahmen Im Jahr 1974 wurden die Luchwiesen einstweilig als Naturschutzgebiet gesichert.Holger Lengsfeld, Holger Rößling: Salzstellen blühen auf. LIFE – Ein Naturschutzprojekt in der Umsetzung. …, S. 25. Die endgültige Unterschutzstellung als NSG mit 109,69 Hektar erfolgte durch den Beschluss Nr. 130 des Bezirkstages Frankfurt/Oder vom 14. März 1990, Inkrafttreten durch Bekanntmachung in der Märkischen Oderzeitung am 16. Mai 1990. Der Status Naturschutzgebiet resultiert zudem aus dem § 32 des Brandenburgischen Naturschutzgesetzes (BbgNatSchG), der die Salzstellen des Binnenlandes generell unter Naturschutz stellt (sogenannter Biotopschutz).Uli Christmann: Schutzgebiete im Dahmeland. Das Naturschutzgebiet Luchwiesen. … S. 52 Gesetz über den Naturschutz und die Landschaftspflege im Land Brandenburg vom 25. Juni 1992 (GVBl.I/92 S. 208), zuletzt geändert durch Gesetz vom 18. Dezember 1997 (GVBl.I/97 S. 124, 140).

Natura-2000- und FFH-Gebiet, EU-LIFE mini|Nordöstlicher Teil zwischen dem Storkower Kanal und den Türkenbergen nach der Mahd mini|Offene Wasserstelle und Rinderbeweidung südlich des Storkower Salzwegs Das Naturschutzgebiet Luchwiesen ist Teil des kohärenten europäischen ökologischen Netzes besonderer Schutzgebiete Natura 2000. Der Steckbrief des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) enthält für das 109,57 Hektar umfassende FFH-Gebiet unter der Nummer 3749-302 folgende Charakterisierung:

Die Luchwiesen bildeten zudem einen Schwerpunkt im Projektgebiet Dahme-Heideseen des EU-LIFE Projekts „Sicherung und Entwicklung der Binnensalzstellen Brandenburgs“, das zwischen August 2005 und Juni 2010 durchgeführt wurde und mit 1,8 Millionen Euro ausgestattet war. 75 % der Projektkosten übernahm das Finanzinstrument LIFE (L’Instrument Financier pour l’Environnement) der EU, 25 % trugen die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg, das Landesumweltamt Brandenburg und die Heinz-Sielmann-Stiftung.Michael Zauft, Holger Rößling: Das EU-LIFE Projekt „Sicherung und Entwicklung der Binnensalzstellen Brandenburgs“. …, S. 50.Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (MUGV) Brandenburg: EU-LIFE Projekts „Binnensalzstellen Brandenburgs“. Projektgebiet Dahme-Heideseen.

Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen Im Mittelpunkt der Projektmaßnahmen standen die Stabilisierung der hydrologischen Verhältnisse und die Vorbereitung einer regelmäßigen und finanziell abgesicherten Bewirtschaftung und extensiven Nutzung der Flächen.Holger Rößling: Managementstrategien für den Erhalt der Binnensalzstellen in Brandenburg. …, S. 45. Dazu zählte in den Luchwiesen der Bau einer Sohlschwelle im Jahr 2007, wodurch der Winterwasserstand um rund 10 cm angehoben wurde. Die damit erreichten großflächigen Überstauungen und der Erhalt der Wasserstände bis in den Mai/Juni kommen den historisch bekannten Verhältnissen sehr nahe. Das zeitweilige und starke Absinken der Wasserstände im Sommer hat für die Anreicherung von Salzen im Oberboden große Bedeutung und ist erwünscht.

Nach jahrzehntelanger Einstellung der Grünlandnutzung wurde im Rahmen des Vertragsnaturschutzes die Bewirtschaftung der Luchwiesen wieder aufgenommen. Die Auflassung der Flächen hatte zu einer zunehmenden Verschilfung bis in die Salzpflanzen-Gesellschaften hinein geführt (siehe unten), womit langfristig eine Aussüßung der Böden und Bestände drohte. Die südlichen Flächen werden nunmehr von einem Landwirtschaftsbetrieb einmal jährlich zur Heuerwerbung gemäht und anschließend extensiv durch Rinder beweidet. Dabei sorgen die Rinder unter anderem mit ihren Hufen dafür, dass die für Salzpflanzen förderlichen Offenstellen erhalten bleiben. Abhängig von den Wasserständen findet auf den nördlichen Flächen eine ein- bis zweimalige Mahd statt. Für Teilflächen wurden Düngeverbote vereinbart. Durch die Maßnahmen im Projektgebiet Dahme-Heideseen wurde die Salzartenflora der Luchwiesen weitgehend stabilisiert. Nach dem Auslaufen des Projekts im Juni 2010 wird das Nutzungskonzept zwischen den beteiligten Institutionen und dem Landwirtschaftsbetrieb auch weiterhin auf die hydrologischen und standörtlichen Besonderheiten der Flächen abgestimmt.Holger Rößling, Albrecht Bauriegel u. a.: Regionale Überblicksdarstellungen und Gebietssteckbriefe. … … S. 102f.Uli Christmann: Schutzgebiete im Dahmeland. Das Naturschutzgebiet Luchwiesen. …, S. 55f.Holger Lengsfeld, Holger Rößling: Salzstellen blühen auf. LIFE – Ein Naturschutzprojekt in der Umsetzung. …, S. 25ff.Michael Zauft, Holger Rößling: Das EU-LIFE Projekt „Sicherung und Entwicklung der Binnensalzstellen Brandenburgs“. …, S. 51.

Flora und Fauna Pflanzen und Pflanzengemeinschaften mini|Salzwiese und Schilf nördlich des Salzwegs mini|Das in Brandenburg vom Aussterben bedrohte Strand-Milchkraut hat die Salzzahl 7 mini|Erdbeer-Klee, Nahaufnahme eines Fruchtstandes und rechts daneben eines Blütenstandes.

Als zu schützende Lebensraumtypen listet der FFH-Steckbrief zwei Pflanzengesellschaften auf: Feuchte Hochstaudenfluren (Natura 2000-Code 6430) und Binnenland-Salzstellen (Natura 2000-Code 1340; Binnenland-Salzwiesen).