Die Rosengesandtschaft war eine kaiserliche Sondergesandtschaft für Abessinien, die im Dezember 1904 Deutschland verließ, um mit dem abessinischen Kaiser Menelik II. einen Freundschafts- und Handelsvertrag abzuschließen. Ein weiterer Schwerpunkt dieser Rosengesandtschaft war die Erforschung des Landes unter historisch-philologischen und naturwissenschaftlichen Gesichtspunkten. Wilhelm II. beauftragte als Gesandten den als Orientalisten sehr geeigneten Geheimen Legationsrat und Vortragenden Rat im Auswärtigen Amt, Friedrich Rosen.
Dies war nicht die erste diplomatische Kontaktaufnahme, die von Seiten des Deutschen Reiches zu Abessinien gesucht wurde. Bereits im Jahr 1881 kam es zu einem ersten Kontakt. Der Afrikaforscher Gerhard Rohlfs hatte bereits 1881, im Auftrag des Deutschen Kaisers Wilhelm I., den Negus Yohannes IV. in Debre Tabor aufgesucht. Mitglieder der Gesandtschaft Friedrich Rosen, Geheimer Legationsrat im Auswärtigen Amt, als Kaiserlicher Gesandter Graf Viktor von Eulenburg, Legationssekretär an der Botschaft in London Vizekonsul Edmund Schüler, aus der handelspolitischen Abteilung des Auswärtigen Amtes Georg Becker, Geheimer Expedierender Sekretär im Auswärtigen Amt Oberstabsarzt Hans Vollbrecht aus Darmstadt als Expeditionsarzt Kommerzienrat Karl Bosch aus Berlin, als Experte für Handelssachen Felix Rosen; der Bruder von Friedrich Rosen, Botaniker, als naturwissenschaftlicher Beirat und Sammler sowie als Fotograf und Dokumentator. Felix Rosen sammelte für das Berliner Museum für Völkerkunde und für den Württembergischen Verein für Handelsgeographie ethnographisch interessante Objekte. Die finanzielle Ausstattung hierfür stellte, die Rudolf-Virchow-Stiftung und Graf Karl von Linden in Stuttgart. Johannes Flemming, Oberbibliothekar, beauftragt durch das Preußische Kulturministerium zum Studium der abessinischen Literatur und zum Sammeln von Handschriften zwei deutsche Diener Auf Befehl des Kaisers wurde der Gesandtschaft eine Schutzwache des Gardes du Corps mitgegeben. Sie bestand aus dem Vizewachtmeister Moldenhauer, den Gefreiten Steer, Hemp und Kohl und den Gardes du Corps Scherff, Schneider, Korioth, Albitz und Scheider. Als Pferdesachverständige wurden sie für die Gesandtschaft sehr nützlich. In ihren Uniformen mit dem Kürass und dem Adlerhelm machte die Schutzwache einen ungeheuren Eindruck auf die Abessinier und auf Menelik II.
Die Reise an den Hof Menelik II. Ankunft in Afrika Am 6. Januar 1905 traf die Sondergesandtschaft mit dem Lloyd-Dampfer „Friedrich der Große“ in Dschibuti am Golf von Tadjoura in Französisch-Somaliland ein. Dort wurde eine Anzahl von somalischen Dienern angeworben. Zwei Dolmetscher, von denen der eine Deutsch, der andere Arabisch sprach, wurden schon in Kairo verpflichtet. Einer dieser Dolmetscher, Jussuf Wolda Mariam, entstammte einer vornehmen abessinischen Familie. Der Gesandtschaft wurde von der Abessinischen Eisenbahngesellschaft ein Extrazug nach Diredaua gestellt. Zu dieser Zeit befand sich die Eisenbahngesellschaft in einer schwierigen Situation, da die bislang gebaute Strecke nicht kostendeckend arbeitete. Ein Ausbau bis nach Addis Abeba stieß auf Schwierigkeiten. Die französische Regierung war gezwungen, die Strecke zu subventionieren. Eine Internationalisierung der äthiopischen Bahn wurde bereits erwogen.Felix Rosen: Eine deutsche Gesandtschaft in Abessinien. Verlag von Veit & Comp., Leipzig 1907, S. 13. In Diredaua erwarteten zwei in Abessinien ansässige Deutsche mit Namen Sefzat und Schaup die Gesandtschaft. Der in Addis-Abeda lebende Deutsche Arnold Holtz, der mit den Vorbereitungen der Mission betraut war, hatte sie beauftragt, die Gesandtschaft zu begleiten. Holtz hatte Maultiere, Diener und Treiber angeworben, die aber nicht ausreichten. Es mussten weitere Tiere beschafft werden. Von Diredaua reiste die Gesandtschaft nach Harar, wobei Friedrich Rosen entschied, dass alle schweren Gepäckstücke und der größte Teil des Proviants auf dem leichteren Assabotweg durch die eintönige Steppe nördlich des Tschertschergebirge nach Harar gehen sollten. Mit der Leitung wurde Schaup betraut, dem der Deutsch sprechende Dolmetscher zur Seite gestellt wurde. Die Gesandtschaft, deren Diener, der Arabisch sprechende Dolmetscher und die Gardes du Corps wählten einen Saumpfad, der durch eine waldreiche, kühlere Landschaft auf den nördlichen Kämmen des Tschertschergebirges führte.
In Harar In Harar wurde die Gesandtschaft von Vizegouverneur Kaniasmatsch (General) Koletsch empfangen, da der Vizekönig von Harar, Tschertscher und Ogaden Ras Makonnen sich nicht in Harar befand. Ras Makonnen hatte angeordnet, dass die Gesandtschaft in seinen Palast in Harar untergebracht werden sollte. In Harar wurde der Gesandtschaft auch ein offizieller Willkommensgruß des Kaisers Menelik II. überbracht. Am See Haramaja bei Harar stieß Flemming wieder zu der Gesandtschaft. Er erkrankte während der Seereise und hielt sich einige Zeit im Hospital in Dschibuti auf. Auf den Wunsch von Ras Makonnen besuchte die Gesandtschaft auf der Burg Kulubi dessen 12-jährigen Sohn Lidj (Prinz) Taffari Makonnen, den späteren Kaiser Haile Selassie. Die Burg befand sich auf einem Bergplateau auf 2543 m Höhe im Tschertscher-Gebirge und verfügte über eine Telefonstation. Felix Rosen bemerkte im Gebirge, dass die fortschreitende Entwaldung ein ernstes Problem für Abessinien werden könnte.
Ras Makonnen miniatur|Ras Makonnen und die Gesandtschaft in Buruma Am 24. Januar 1905 fand in Buruma eine Begegnung mit Ras Makonnen statt, dieser begrüße nunmehr die Gesandtschaft in aller Form. Auch hier fand die Garde du Corps besondere Aufmerksamkeit. Ras Makonnen hatte bereits von seinem Sohn von der Gardebegleitung erfahren. Es erfolgte auch ein Gegenbesuch im Lager der Gesandtschaft. Ras Makonnen übergab der Gesandtschaft einen wertvollen Schild, zwei Lanzen und ein edles Maultier mit prächtigem abessinischen Zaumzeug. Diese Geschenke hatten eine Bedeutung. Das Maultier wurde vor der Karawane mit Schild und Lanzen hergeführt, damit jedermann wusste, dass die Gesandtschaft unter dem Schutz des Fürsten steht. Ras Makonnen wurde eine goldene Uhr übergeben, weitere Geschenke erfolgten erst später, da das meiste Gepäck auf dem Assabotweg unterwegs war.
Schëual Abdi Nach dem Besuch von Ras Makonnen erschien Häuptling Schëual Abdi, ein berühmter Krieger und Sänger aus Ogaden, im Lager der Gesandtschaft. Schëual Abdi, der sich im Gefolge von Ras Makonnen befand, hatte erst kürzlich 23 Menschen getötet. Friedrich Rosen interessierte sich sehr für die Somal-Lieder und Dichtung. So wurden die Gesänge auf einen Phonographen aufgezeichnet. Schëual Abdi trug eigens für die Gesandtschaft ein von ihm verfasstes Lied vor.
miniatur|links|hochkant|Schëual Abdi mit Friedrich Rosen
Hymne auf die deutsche Mission
Gesandter! Wir haben gehört, dass der Stamm der Deutschen mutig ist und sich vor keinem Feinde fürchtet.
Dass sein gesprochenes Wort dem geschriebenen gleichkommt, und Lüge und Betrug ihm fremd sind.
Dein Volk ist wie ein Baum, dessen Äste sich ausbreiten, und der Regen des Himmels erfrischt sein Laub.
Eures Herrschers Blick ist wie die Sonne, wie die (weiße) Straußenfeder erster Qualität („brima“ vom Italienischen: „prima“), wie die Gewehrkugel und wie die Leuchtkugel, die du aus deinem Gewehr wirfst.
Möge euer Geschick immer vorwärts gehen, wie der Awaschfluß, wie die Meereswoge, wie der Bach von Burka.
Euer Volk ist wie die weite Erde, unzertrennlich wie der Telegraphendraht, den niemand zerreißen kann, und fest wie ein Berg, den niemand umwerfen kann.
Wer sagt, daß er mit den Deutschen Krieg anfangen will, dem ist bereits durch seine Tollkühnheit das Schenkelbein gebrochen.
Euer Herrscher weiß, wer unglücklich, wer leidend ist. Das ist sogar bis nach Bohotle bekannt.
Gott gebe dem deutschen Volke und seinem Kaiser Stärke. Mögest du in Frieden deine Straße ziehen und die Wunscherfüllung finden. Wir wünschen dir eine gute Nacht! In scha Allah (so Gott will) begegnen wir uns wieder!
Lebewohl! in dem Lande, in das ich ziehe, werde ich deiner gedenken
Friedrich Rosen schreibt im Buch seines Bruders, über die Erlebnisse der Deutschen Gesandtschaft in Abessinien, ein Kapitel über die Somal-Dichtung und ihre Bedeutung.Felix Rosen: Eine deutsche Gesandtschaft in Abessinien. Verlag von Veit & Comp., Leipzig 1907, S. 112–121.
Die Überquerung des Awash Am 28. Januar überquerte die deutsche Mission den Fluss Awash, der sich in einer unwirtlichen Wüste aus Lavagestein befindet. Dort erkrankten einige Mitglieder am Fieber. Felix Rosen maß eine Lufttemperatur von 31 °C, doch auf dem Gestein herrschte eine Temperatur von 75 °C. Der Gesandtschaft war erlaubt, über eine sonst gesperrte schmale eiserne Brücke zu gehen, dennoch mussten die Tiere durch eine Furt den Fluss überqueren. Durch eine schmale Wüste gelangte die Gesandtschaft am 29. Januar nach Ost-Schoa. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Kamelkarawane mit dem restlichen Gepäck noch nicht eingetroffen, die unentbehrliche Stücke für den offiziellen Einzug transportierte. Am 6. Februar 1905 stand die Gesandtschaft vor Addis Abeba. Vor der Stadt erwartete Arnold Holtz die Gesandtschaft. Erst am 10. Februar erreichte die Kamelkarawane das deutsche Lager vor der Stadt, gerade noch rechtzeitig. Waren doch die Uniformen und Geschenke Teil der Ladung.
In Addis Abeba Der Einzug in Addis Abeba miniatur|Einzug der Gesandtschaft in Addis Abeba Am Tag des Eintreffens der Deutschen Gesandtschaft kam der Staatsrat Alfred Ilg ins Lager, um im Auftrag des Negus den Willkommensgruß zu überbringen und die Einzelheiten des Einzuges und des Empfanges zu regeln. Für den Einzug wurde der 12. Februar 1905 festgelegt. Graf von Eulenburg besorgte eigens Pferde für die Gesandtschaft und schaffte es in kurzer Zeit, die Tiere an das europäische Zaumzeug, Kandare und die Sattelgurte zu gewöhnen. Am Morgen des 12. Februar, um 10.00 Uhr erschien Staatsrat Ilg auf einem prächtig geschmückten Maulesel, um die Gesandtschaft abzuholen. An der Spitze ritten die Garde du Corps in Paradeuniform mit den Adlerhelmen und schwarzen Kürassen über den mattweißem Koller. Geritten wurde in Linie vor der Front der Vizewachtmeister. Alle hatten lange Lanzen mit schwarz-weißem Wimpel. Dann folgten nach abessinischer Sitte die als Ehrengabe geschenkten Maultiere von Ras Makonnen und ein großes edles Maultier, mit prächtigem Geschirr und Decken, welches Menelik II. vorab gesandt hatte. Beide Tiere wurden von einem abessinischen Diener geführt, der auch den geschenkten Schild von Ras Makonnen am Arm führte. Dann folgte der offizielle Gesandte Friedrich Rosen in Infantrieuniform neben Alfred Ilg, der die Diplomatenuniform trug, dann die übrigen Mitglieder der Gesandtschaft, Graf Eulenburg in der Offiziersuniform der Bonner Husaren, Edmund Schüler in der Vizekonsul-Gala sowie Vollbrecht und Felix Rosen als Reserveoffiziere in ihrer Uniform. Die übrigen Herren im Frack. Dem Zug schlossen sich auch die in Addis Abeba lebenden Deutschen an. Den Schluss bildeten die Dienerschaft in eigens angefertigten Khakilivreen mit schwarz-weiß-roten Achselschnüren, dazu nach Landessitte Kopftücher in den deutschen Farben.
Dem Zug wurde von abessinischer Reiterei in prächtiger Aufmachung begleitet. Immer mehr wartende abessinische Soldaten schlossen sich an und folgten bis zum Gebi, dem Hoflager des Negus in Addis Abeba. Auf die Frage von Felix Rosen nach der Anzahl der Soldaten erhielt dieser die Antwort 20.000 Mann. Felix Rosen schätzte 12.000 Mann.
Empfang durch den Negus Menelik II. miniatur|hochkant|Ehrenschild des Negus an Friedrich Rosen