mini|Pavlos Fyssas, 2011 Pavlos Fyssas (; * 10. April 1979 in Perama; † 18. September 2013 in Keratsini)„Griechenland: Neonazi soll linken Musiker in Athen erstochen haben“, Spiegel Online, 18. September 2013. war ein griechischer Hip-Hop-Musiker. Er war unter dem Künstlernamen Killah P bekannt und seit 1997 in der griechischen Hip-Hop-Szene tätig.Greece: Golden Dawn Neo-Nazi Accused of Athens Murder of Rapper KillahP ibtimes.co.uk vom 18. September 2013.Mord an linkem Aktivisten schockiert Griechenland süddeutsche.de vom 18. September 2013. Er wurde von Giorgos Roupakias, einem Mitglied der neonazistischen Partei Chrysi Avgi, erstochen."Goldene Morgenröte": Chef von griechischer Neonazi-Partei kommt in U-Haft, Spiegel online, 3. Oktober 2013.

Leben Fyssas’ Vater arbeitete in der Werftreparaturzone von Parama. Nach der Schule hatte Fyssas von 1998 bis 2003 ebenfalls in ähnlichen Berufen gearbeitet und gehörte der Metallarbeitergewerkschaft an, bevor er sich aktiver der Musik zuwandte.

Im Alter von 18 Jahren lernte er Mitglieder von Freestyle Productions kennen, einer Produktionsfirma für Low Bap, einem Subgenre des griechischen Hip-Hop, mit Sitz in Perama. Sein Künstlername Killah P bedeutete laut eigener Aussage „Killah Past – Mörder der Vergangenheit“ und nahm ihn an, als er Freestyle Productions verließ, ohne jedoch bis zu seiner Ermordung den Kontakt zu Low-Bap-Kreisen zu verlieren. Er hatte an Plattenkompilationen mitgewirkt und mehrere Live-Auftritte in Athen und der Region. Er arbeitete mit bekannten Hip-Hop-Künstlern wie Dimitris Mentzelos von der Comedy-Hip-Hop-Gruppe Imiskoumbria, mit dem er ein Video mit dem Titel Krísi („Krise“) drehte, und Logos Apeilh. Er interessierte sich nicht für die kommerzielle Vermarktung seiner Musikproduktion, die frei im Internet verbreitet wurde. Im Februar 2012 trat er in einer Fernsehsendung über die Präsentation einer Musikveranstaltung auf.

In seinen Liedern sprach er über seine Lebenseinstellung, Flüchtlinge, Migranten, die Gewalt des Establishments, die Ermordung von Alexandros Grigoropoulos im Jahr 2008 und Carlo Giuliani im Jahr 2001. Er gehörte keiner politischen Gruppierung an, hatte sich jedoch antifaschistisch engagiert. Der Vater von Pavlos Fyssas erklärte, dass sein Sohn niemals politisch engagiert gewesen sei, und prangerte dessen politische Instrumentalisierung an.

Ermordung und Folgen Fyssas wurde in der Nacht vom 17. auf den 18. September 2013 in Keratsini, einem Arbeiterviertel in der Hafenstadt Piräus, wo er zusammen mit Freunden ein Café besuchte, von einem Schlägertrupp der Goldenen Morgenröte überfallen und vom geständigen Neonazi Giorgos Roupakias ermordet. Die Tat sorgte landesweit für Empörung. In mehreren griechischen Städten kam es zu Demonstrationen gegen Faschismus und zu Ausschreitungen mit Verletzten und größeren Sachschäden. Allein in Athen versammelten sich 50.000 Menschen.Golden Dawn arrests: 'The government should have acted long ago' telegraph.co.uk vom 5. Oktober 2013. Fyssas wurde auf dem Schisto-Friedhof (Νεκροταφείο Σχιστού) von Keratsini beigesetzt. Den Trauerzug nutzten viele Besucher zu einem spontanen Protest gegen Rechtsextremismus.

Der griechische Ministerpräsident Andonis Samaras forderte in einer Fernsehansprache zur Ruhe und zum Widerstand gegen Extremismus auf.Δήλωση του Πρωθυπουργού κ. Αντώνη Σαμαρά primeminister.gov.gr; Δήλωση του Πρωθυπουργού κ. Αντώνη Σαμαρά youtube.com (griechisch). Das Parlament führte eine erregte Debatte über die Verfassungskonformität einzelner Parteien.Samaras will Faschisten bekämpfen. Der Generalsekretär des Europarates Thorbjørn Jagland verurteilte den Mord und warnte vor einer „extrem gefährlichen Entwicklung“ in Europa.Generalsekretär verurteilt Mord an Pavlos Fyssas. Die Chrysi Avgi bestritt jede Verstrickung in die Tat und verurteilte den Mord. Landesweit wurden von der Polizei Parteibüros und Wohnungen durchsucht und Beweismaterial sichergestellt.Polizei verhaftet griechische Neonazis. Die griechische Regierung entzog den Abgeordneten der Chrysi Avgi den Personenschutz, weil keine „kriminelle Organisation“ mehr bewacht werden sollte. Der Parteichef Nikolaos Michaloliakos und weitere führende Mitglieder und Abgeordnete wurden zehn Tage nach der Tat wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung inhaftiert.„Goldene Morgenröte“: Griechische Polizei nimmt rechtsextreme Abgeordnete fest, Spiegel Online, 28. September 2013.

Am Abend des 1. November 2013 erschoss ein unbekannter Täter aus unmittelbarer Nähe zwei Mitglieder der Partei Chrysi Avgi vor einem Parteibüro in Iraklio, einer Vorstadt Athens, und verletzte eine weitere Person schwer. Eine vierte Person konnte in das Gebäude flüchten. Die Sicherheitsbehörden brachten den Anschlag mit dem Tod Pavlos Fyssas’ in Verbindung. Politische Beobachter befürchteten eine weitere Radikalisierung der politischen Auseinandersetzung.

Die Straße in Keratsini, in der Pavlos Fyssas ermordet wurde, erhielt im November 2015 seinen Namen. Außerdem wurde an dem Ort des Mordes ein Mahnmal errichtet.Straße nach ermordetem Pavlos Fyssas benannt

Der Athener Areopag, der oberste Gerichtshof des Landes, hat die Goldene Morgenröte nach dem Mord an Pavlos Fyssas im Oktober 2020 gerichtlich zur kriminellen Vereinigung erklärt. Vor dem Gerichtsgebäude hatten sich mehr als 20.000 Menschen versammelt, um auf das Urteil zu warten. Nahezu alle der insgesamt 68 Angeklagten – einer starb während des Prozesses – wurden wegen Mordes, Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, gefährlicher Körperverletzung und unerlaubten Waffenbesitzes schuldig gesprochen. Nicht verhandelt wurde die offensichtlichen politischen und sozialen Beziehungen zwischen der Polizei, einschließlich hochrangiger Beamter und den Faschisten. Eine Analyse der Forensic Architecture Research Group hatte gezeigt, dass Mitglieder der Spezialeinheit der Polizei, der motorisierten DIAS-Truppe, vor, während und nach dem Mord an Fyssas vor Ort waren und nicht eingriffen.https://revoltmag.org/articles/antifaschistischer-kampf-ist-nur-gegen-das-system-m%C3%B6glich/https://www.jungewelt.de/artikel/387896.griechenland-faschisten-verurteilt.html Nikolaos Michaloliakos, Ilias Kasidiaris, Ioannis Lagos (seit 2019 Mitglied des Europäischen Parlaments), Giorgos Germenis, Ilias Panagiotaros, Christos Pappas und Artemis Matthaiopoulos wurden als „Direktorium einer verbrecherischen Organisation“ verurteilt. Es war der größte Prozess gegen Faschisten seit den Nürnberger Prozessen nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Schuldspruch in Athen wurde in ganz Griechenland und international mit Jubel aufgenommen.https://pamehellas.gr/historic-court-verdict-against-the-fascists-guilty-enormous-rally-of-pame-flooded-the-streets-photos-videos

Diskografie Alben 2004: Ypógeios sýndesmos (mit DJ Stigma) 2006: E13 2009: Mia malakía kai misí 2011: Invincible 2012: Iliokapsímata

EPs 2001: ANTARTA 2002: Iliokalésmata 2005: Triplí Apeilí (mit Megas und Zara Lee) 2009: To Dogma To Doma 2010: Iliosporoi (The Remixtape)

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Einzelnachweise

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