Henn-Jüri Uibopuu (* 11. Oktober 1929 in Tartu; † 21. Oktober 2012 in Salzburg) war ein estnisch-österreichischer Rechtswissenschaftler. Er lehrte Völkerrecht und Osteuroparecht.
Leben Uibopuu wuchs zunächst in Estland auf, wurde aber 1941 mit seiner Mutter nach Gdynia (Gdingen) umgesiedelt. Von dort musste er 1945 nach Thüringen fliehen. 1946 legte Uibopuu in Hildburghausen das Abitur ab. Danach war er fast zwanzig Jahre als Musiker tätig, bevor er in Graz ein Studium aufnahm.Theodor Schweisfurth: Zeitenumbrüche und die Entwicklung des Völkerrechts im Spiegel eines Forscherlebens: Prof. Dr. Henn-Jüri Uibopuu zum 75. Geburtstag. In: WGO Monatshefte für Osteuropäisches Recht 2004, 332, 334. Er spielte Gitarre in dem Ensemble Nora Quintett und reiste mit dieser Gruppe bis nach Baghdad und Damaskus.Nachruf in estnischer Sprache, in: Diplomatiaa 113/114 (Februar 2013) abrufbar unter Diplomaatia.ee.
Uibopuu studierte von 1964 bis 1968 an der Universität Graz Staatswissenschaften und absolvierte eine Dolmetscherausbildung für Russisch. 1968 wurde er an der Universität Graz mit einer Arbeit über „Die sowjetische Doktrin der friedlichen Koexistenz als Völkerrechtsproblem“ zum Dr. rer. pol. promoviert. Erstgutachter war der Staatsrechtler und Politikwissenschaftler Gustav Eduard Kafka. Im Jahr 1974 wurde Uibopuu unter Betreuung von Herbert Miehsler an der Universität Salzburg habilitiert. Die Habilitationsschrift trug den Titel „Die Völkerrechtssubjektivität der Unionsrepubliken der UdSSR“.
Von 1977 bis 1995 war Uibopuu außerordentlicher Professor für Völkerrecht und Sowjetrecht an der Universität Salzburg. Ab 1978 leitete er dort die Abteilung für Ostrecht am Institut für Völkerrecht und ausländisches öffentliches Recht.Schweisfurth, WGO 2004, 334. Am Aufbau der Bibliothek der ostrechtlichen Abteilung hatte er maßgeblichen Anteil.Peter F. Cichocki: Das Salzburger Institut für Völkerrecht und ausländisches öffentliches Recht 1969–1979, in: Christoph Schreuer (Hrsg.): Autorität und internationale Ordnung: Aufsätze zum Völkerrecht, 1979, S. 229 ff., S. 232. Nach 1995 setzte Uibopuu seine Lehrtätigkeit als Honorarprofessor für das Recht der Sozialistischen und ehemals Sozialistischen Staaten fort.Mitteilungsblatt der Universität Salzburg vom 3. Januar 1996, unter Nr. 69, im Internet unter
Ab 1989 wirkte Uibopuu als Rechtsberater der Präsidenten und Außenminister von Estland und spielte nach der Erlangung der Unabhängigkeit eine wichtige Rolle bei der Formulierung der neuen Verfassung.Vgl. den Lebenslauf, in: Werner Weidenfeld (Hrsg.): Demokratie und Marktwirtschaft in Osteuropa, 1993, S. 461. Im Jahr 1992 übernahm er das Amt eines Honorargeneralkonsuls der Republik Estland. 1995 wurde er zum auswärtigen Mitglied der Estnischen Akademie der Wissenschaften gewählt. Im Jahr 1998 erhielt er den estnischen Orden des Staatswappens 4. Klasse.Estonian Academy of Sciences Yearbook 15 (42) 2009, S. 72 f., im Internet unter (PDF; 5,6 MB).
In Österreich wurde Uibopuu im Jahr 1996 mit dem Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse ausgezeichnet.Vgl. Schweisfurth, WGO 2004, 344; Schweisfurth spricht allerdings von einem „Verdienstkreuz“, es kann aber nur das Ehrenkreuz gemeint sein.
Zu seinem 75. Geburtstag im Jahr 2004 wurde Uibopuu mit einer Festschrift geehrt.Michael Geistlinger, Sarah Fussek (Hrsg.): Umweltrecht in Mittel- und Osteuropa im internationalen und europäischen Kontext: Festgabe für Henn-Jüri Uibopuu zum 75. Geburtstag. 2004, ISBN 3-8305-0566-3. Aus diesem Anlass wurde er als „Begründer [ ] der Disziplin des Ostrechts in Österreich“ gewürdigt.Michael Geistlinger, Vorwort des Herausgebers, in: M. Geistlinger, S. Fussek (Hrsg.): Umweltrecht in Mittel- und Osteuropa ..., 2004, S. 5.
Seine Tochter ist die Althistorikerin Kaja Harter-Uibopuu.
Uibopuu war Mitglied der Landsmannschaft Viruna.
Schriften (Auswahl) Die sowjetische Doktrin der friedlichen Koexistenz als Völkerrechtsproblem, 1971. Die Völkerrechtssubjektivität der Unionsrepubliken der UdSSR, 1975, ISBN 3-211-81320-9 Die Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit in Estland und Lettland, 1997. Die Verfassungs- und Rechtsentwicklung der baltischen Staaten 1988–1990, 1990.
Einzelnachweise
Weblinks
Henn-Jüri Uibopuu in TLÜAR väliseesti isikud (estnisch, abgerufen am 17. Mai 2015)
Kategorie:Völkerrechtler (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Salzburg) Kategorie:Absolvent der Universität Graz Kategorie:Osteuroparecht Kategorie:Honorarkonsul Kategorie:Träger des Ordens des Staatswappens (IV. Klasse) Kategorie:Träger des österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse Kategorie:Mitglied der Baltischen Historischen Kommission Kategorie:Este Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1929 Kategorie:Gestorben 2012 Kategorie:Mann Kategorie:Landsmannschafter