mini|Ansicht von Oberroßbach (2021) mini|Das Dorfgemeinschaftshaus (2021) Oberroßbach ist eine Ortsgemeinde im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Rennerod an.

Geographie Lage Die Gemeinde liegt im Hohen Westerwald zwischen Siegen und Limburg an der Lahn. Durch den Ort fließt der Dorfbach. In der Nähe des Ortes und damit am ursprünglichen Siedlungsort der Oberroßbacher fließt der eigentliche Roßbach.

Der höchste Punkt des Ortes ist der 581 Meter hohe Warth.

Flächennutzung Die Fläche Oberroßbachs umfasst 2,81 km². 51,1 Prozent davon werden landwirtschaftlich genutzt. 22,2 Prozent bestehen aus Wald. 21,7 Prozent stellen bebaute Siedlungs- und Verkehrsfläche. Die Wasserflächen in Oberroßbach umfassen nur 1,2 Prozent (Stand: 31. Dezember 2017).

Nachbargemeinden Oberroßbach grenzt an Fehl-Ritzhausen, Zehnhausen, Niederroßbach, Hof und Salzburg. Nach Fehl-Ritzhausen gibt es keine direkte, befahrbare Straße.

Geschichte Oberroßbach wurde 1440 als Obern Rospach erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort war wohl schon seit dem späten Mittelalter Teil des Kirchspiels Emmerichenhain und mit diesem der Herrschaft zum Westerwald. Eine Filiale der Kirchspielschule bestand spätestens von 1810 an.

Für 1534 ist erstmals eine Gesamtzahl der, wohl als Familienvorstände zu verstehenden, Einwohner mit neun angegeben. 1569 werden 14 Häuser genannt, 1607 acht Mann, 1660 34 Einwohner. 1711 wurden 15 Familien in Oberroßbach gezählt, 1750 waren es 104 Einwohner und 1807 175.

Im Verlauf des 15. und 16. Jahrhunderts hatte das Haus Nassau mit seinen verschiedenen Linien zunehmend an Einfluss in der Region gewonnen und konnte sie schließlich in ihren Herrschaftsbereich integrieren. Oberroßbach wurde Teil des Amtes Rennerod. Dieses fiel ab 1806 für einige Jahre als Kanton Rennerod an das kurzlebige Großherzogtum Berg. Nach den Befreiungskriegen und dem Wiener Kongress 1815 wurde Oberroßbach dem Herzogtum Nassau zugeordnet. Als Folge des Deutschen Kriegs wurde das mit Österreich verbündete Herzogtum 1866 von Preußen annektiert und in seine neue Provinz Hessen-Nassau eingegliedert. Das Amt Rennerod wurde zunächst Teil des Oberwesterwaldkreises und von 1886 bis 1932 des neu gebildeten Kreises Westerburg. Zum 1. Oktober 1932 wurde dieses Kreis wieder aufgelöst und Oberroßbach gehörte in der Folge erneut zum Oberwesterwaldkreis.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Ort zur französischen Besatzungszone und wurde 1946 Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Zum 16. März 1974 fusionieren Ober- und Unterwesterwaldkreis zum Landkreis Westerwald, der wenige Monate später in Westerwaldkreis umbenannt wurde.

Bevölkerungsentwicklung Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Oberroßbach, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen: Jahr Einwohner 1815 283 1835 244 1871 201 1905 183 1939 241 1950 256 1961 312 Jahr Einwohner 1970 319 1987 328 1997 334 2005 352 2011 338 2017 344

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Oberroßbach besteht aus acht Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Bürgermeister Ortsbürgermeister ist Gerhard Semmelrogge. Er hatte im Februar 2012 das Amt von Hans-Jürgen Kramer übernommen, der seit 1988 Ortsbürgermeister von Oberroßbach war. Bei der Direktwahl im Mai 2014 wurde er mit 98,2 Prozent, im Mai 2019 mit 94,01 ProzentDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Direktwahlen der Orts- und Stadtbürgermeister 2019 und am 9. Juni 2024 als einziger Bewerber mit 90,6 % der abgegebenen Stimmen jeweils für fünf Jahre wiedergewählt.

Wappen

Wahlen und Volksabstimmungen Die NSDAP dominierte die letzten freien und fairen Wahlen in Oberroßbach vor der Machtübernahme des NS-Regimes in den 1930er-Jahren.

Seit der Wiedereinführung der Demokratie nach dem Zweiten Weltkrieg gewann die SPD im Ort fast immer die meisten Stimmen, hat jedoch die Spitzenposition bei den jüngsten Wahlen an die AfD abgegeben. Seit den 1960er Jahren schneiden rechtsextreme und rechtspopulistische Parteien deutlich stärker als im Landes- oder Bundesdurchschnitt ab. So gewann die NPD bei Landtagswahlen 1967 17,1 %. Die Republikaner gewannen 1996 und 2004 mit mehr als zehn Prozent die drittmeisten Stimmen. Die CDU und Bündnis 90/Die Grünen hingegen bleiben hinter ihren Landes- und Bundesergebnissen zurück. Bei der ersten Bundestagswahl erhielt die CDU gar keine Stimmen.

Die FDP war nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgreicher als heute und gewann bei der ersten Bundestagswahl über 50 Prozent der Stimmen. Linke Parteien, die der Westbindung Westdeutschlands kritisch gegenüberstanden (KPD, GVP, DFU), errangen in Oberroßbach starke Ergebnisse.

Die folgende Tabelle zeigt die Ergebnisse vergangener Wahlen.

Ergebnisse im Detail (seit 1990) Landtagswahl 2026 25,1 % 20,6 % 5,7 % 2,9 % 26,3 % 5,7 % 4,0 % 9,7 % Bundestagswahl 2025 18,4 % 21,1 % 5,3 % 2,0 % 30,3 % 5,9 % 3,9 % 13,1 % (BSW: 7,9 %) Europawahl 2024 23,4 % 22,7 % 6,3 % 2,3 % 25,0 % 0,8 % 3,9 % 15,6 % Kreistagswahl 2024 29,8 % 24,2 % 10,7 % 1,7 % 19,7 % 3,9 % 5,6 % 4,4 % Bundestagswahl 2021 41,0 % 12,0 % 5,0 % 11,0 % 12,0 % 4,0 % 1,0 % 14,0 % (Tierschutz: 5,0 %) Landtagswahl 2021 46,6 % 14,1 % 4,9 % 7,4 % 16,0 % 1,8 % 3,1 % 6,1 % Kreistagswahl 2019 35,1 % 20,2 % 9,5 % 6,5 % 16,7 % 5,4 % — 5,6 % Europawahl 2019 24,3 % 24,3 % 12,5 % 5,1 % 16,9 % 0,7 % 0,7 % 15,5 % Bundestagswahl 2017 31,1 % 20,7 % 3,0 % 10,4 % 22,0 % 7,9 % 0,0 % 4,9 % Landtagswahl 2016 44,5 % 21,4 % 3,3 % 6,6 % 15,4 % 2,2 % 2,2 % 4,4 % Europawahl 2014 41,0 % 31,3 % 6,3 % 2,0 % 4,2 % 1,4 % 0,7 % 13,1 % Kreistagswahl 2014 46,0 % 32,5 % 7,4 % 3,1 % — 4,3 % — 6,7 % Bundestagswahl 2013 37,9 % 28,6 % 5,0 % 5,6 % 5,6 % 7,5 % 1,2 % 8,6 % (NPD: 5,0 %) Landtagswahl 2011 49,1 % 26,4 % 10,1 % 5,7 % — 2,6 % 0,0 % 6,0 % Bundestagswahl 2009 32,2 % 21,3 % 4,9 % 16,9 % — 12,0 % — 12,7 % (NPD: 5,5 %) Europawahl 2009 32,2 % 25,7 % 8,6 % 11,2 % — 8,6 % — 13,8 % Kreistagswahl 2009 40,5 % 28,6 % 6,5 % 6,5 % — 5,4 % — 12,5 % Landtagswahl 2006 52,9 % 21,3 % 4,4 % 3,7 % — 1,9 % — 17,7 % (NPD: 9,6 %) Bundestagswahl 2005 48,6 % 24,3 % 5,1 % 4,5 % — 5,6 % — 11,9 % (NPD: 7,9 %) Europawahl 2004 29,1 % 29,9 % 11,0 % 3,1 % — 1,6 % — 25,2 % (REP: 11,8 %; NPD: 5,5 %) Kreistagswahl 2004 49,6 % 34,8 % 1,5 % 5,2 % — — — 8,9 % Bundestagswahl 2002 39,9 % 23,7 % 8,7 % 17,9 % — 1,7 % — 8,1 % Landtagswahl 2001 63,3 % 23,0 % 3,6 % 4,3 % — — — 5,8 % Europawahl 1999 53,7 % 29,9 % 3,7 % 6,0 % — 0,0 % — 6,7 % (REP: 5,2 %) Bundestagswahl 1998 59,1 % 15,8 % 9,9 % 5,3 % — 1,2 % — 8,7 % Landtagswahl 1996 50,3 % 16,4 % 5,7 % 8,8 % — — — 18,8 % (REP: 13,8 %) Bundestagswahl 1994 59,5 % 21,5 % 4,6 % 6,2 % — 0,5 % — 7,7 % Europawahl 1994 54,9 % 19,8 % 5,9 % 4,5 % — 0,5 % — 14,4 % (REP: 8,4 %) Landtagswahl 1991 69,8 % 19,0 % 2,2 % 6,1 % — — — 2,9 % Bundestagswahl 1990 58,9 % 21,9 % 2,6 % 8,3 % — 0,0 % — 8,3 % Die Tabelle zeigt die Parteien, die bei Bundestagswahlen oder Landtagswahlen seit 1990 Sitze errungen haben und in Oberroßbach zur Wahl standen. Andere Parteien werden unter Sonstige benannt, wenn sie bei der jeweiligen Wahl mindestens fünf Prozent der Stimmen errangen. Bei Wahlen mit Erst- und Zweitstimmen sind jeweils die Zweitstimmen vermerkt. Briefwahlstimmen wurden nicht immer auf Ortsebene ausgezählt und sind daher hier teilweise ausgeklammert.

Ergebnisse im Detail (1945–1989) Europawahl 1989 59,9 % 20,9 % 6,6 % 4,4 % – – – – 8,2 % Kreistagswahl 1989 60,2 % 22,0 % 5,2 % 4,7 % – – – – 7,8 % Bundestagswahl 1987 53,6 % 29,6 % 8,1 % 4,5 % 3,6 % – – – 0,5 % Landtagswahl 1987 57,8 % 29,5 % 5,2 % 4,6 % 0,6 % – – – 2,3 % Europawahl 1984 58,8 % 23,1 % 2,2 % 8,8 % 3,3 % – – – 3,8 % Kreistagswahl 1984 67,8 % 26,8 % 1,1 % – – – – – 4,3 % Bundestagswahl 1983 58,6 % 29,1 % 3,4 % 7,9 % 0,5 % – – – 0,5 % Landtagswahl 1983 64,9 % 27,3 % 2,0 % 4,9 % 0,0 % – – – 1,0 % Bundestagswahl 1980 53,2 % 24,4 % 19,9 % 1,5 % 0,5 % – – – 0,5 % Europawahl 1979 56,9 % 29,3 % 12,1 % 0,6 % – – – – 1,1 % Kreistagswahl 1979 55,1 % 29,8 % 9,6 % – – – – – 5,6 % Landtagswahl 1979 64,1 % 22,4 % 11,2 % – 1,2 % – – – 1,2 % Bundestagswahl 1976 53,9 % 27,2 % 18,3 % – 0,0 % – – – 0,5 % Landtagswahl 1975 55,0 % 35,5 % 7,7 % – 0,6 % – – – 1,2 % Kreistagswahl 1974 41,4 % 43,0 % 15,6 % – – – – – – Bundestagswahl 1972 53,2 % 27,1 % 16,5 % – 2,7 % – – – 0,5 % Landtagswahl 1971 46,1 % 29,2 % 16,9 % – 6,5 % – – – 1,3 % Bundestagswahl 1969 39,8 % 25,6 % 21,8 % – 12,8 % – – – 0,0 % Kreistagswahl 1969 51,6 % 18,9 % 29,5 % – – – – – – Landtagswahl 1967 44,1 % 14,4 % 16,2 % – 17,1 % – – – 8,1 % (DFU: 8,1 %) Bundestagswahl 1965 46,9 % 20,4 % 21,2 % – 7,1 % – – – 4,4 % Kreistagswahl 1964 69,1 % 16,2 % 14,7 % – – – – – – Bundestagswahl 1961 48,2 % 12,5 % 24,1 % – – – – – 15,2 % (DFU: 12,5 %) Bundestagswahl 1957 62,4 % 10,5 % 21,1 % – – – 3,0 % 2,3 % 0,8 % Bundestagswahl 1953 33,0 % 17,0 % 22,3 % – – 6,4 % 2,1 % 0,0 % 19,1 % (GVP: 19,1 %) Bundestagswahl 1949 26,1 % 0,0 % 52,2 % – – 21,7 % – – – Landtagswahl 1947 62,9 % 7,4 % 18,5 % – – 11,1 % – – – Laut Angaben des Landeswahlleiters Rheinland-Pfalz liegen Kreis- und Landtagswahlergebnisse im hauseigenen Archiv erst ab Mitte der 1960er-Jahre vor. Die Tabelle zeigt Parteien, die bei Bundestagswahlen oder Landtagswahlen zwischen 1945 und 1989 Sitze errungen haben und in Oberroßbach bei Wahlen mindestens eine Stimme gewannen. Andere Parteien werden unter Sonstige benannt, wenn sie bei der jeweiligen Wahl mindestens fünf Prozent der Stimmen errangen. Bei Wahlen mit Erst- und Zweitstimmen sind jeweils die Zweitstimmen vermerkt.

Ergebnisse im Detail (Weimarer Republik) Reichstagswahl 1933 5 8 108 ? Reichstagswahl 1932 8 13 84 ? Reichstagswahl 1930 33 4 65 ?

Bei der Volksabstimmung „Verfassung für Rheinland-Pfalz“ am 18. Mai 1947 votierten 53 % mit Ja und 47 % mit Nein. 1956 fand das Volksbegehren zur Rückgliederung des Regierungsbezirks Montabaur/Rheinland-Pfalz nach Hessen statt, wobei 33,5 % im Oberwesterwald für den Anschluss an Hessen stimmten.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Fachwerkhaus in der Hauptstraße (2021) Kulturdenkmäler In der Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz (Stand: 2024) sind als Kulturdenkmäler das Gemeindehaus (ehemalige Schule, errichtet um 1920/30) und drei Fachwerkhäuser ausgewiesen.

Sport Im Dorf gibt es einen Spielplatz mit einem kleinen Bolzplatz.

Etwas außerhalb des Dorfes befindet sich das Segelfluggelände Bad Marienberg-Oberroßbach, welches regelmäßig in Betrieb ist. Betreiber ist der Luftsportclub Marienberg e. V. Neben den üblichen Aktivitäten im Streckensegelflug hat der Verein eine kleine Kunstfluggruppe und einige Oldtimer zu bieten.

Regelmäßige Veranstaltungen Jährlich stattfindende Feste sind das Schlachtfest, das jährliche Flugplatzfest und das Oktoberfest.

Wirtschaft und Infrastruktur Unternehmen In Oberroßbach sind eine Verzinkerei, eine Spedition, ein Keramikbetrieb, eine Anbieter von Dämmmaterial für Gebäude und zwei Firmen für Containerbau und Metallverpackungen angesiedelt.

Öffentliche Einrichtungen Der Ort verfügt über ein Dorfgemeinschaftshaus, ein Feuerwehrhaus und eine Grillhütte.

Verkehr In Oberroßbach kreuzen sich die Kreisstraßen K 35 und K 36. Östlich der Gemeinde verläuft die B 54, die von Limburg an der Lahn nach Siegen führt. Die nächste Autobahnanschlussstelle ist Haiger/Burbach an der A 45 Dortmund–Aschaffenburg, etwa 15 Kilometer entfernt. Der nächstgelegene ICE-Halt ist der Bahnhof Montabaur an der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main. Auf dem Gemeindegebiet liegt das Segelfluggelände Bad Marienberg-Oberroßbach.

Literatur

Weblinks

Informationen der Verbandsgemeinde Rennerod über die Ortsgemeinde Oberroßbach

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Westerwaldkreis Kategorie:Ersterwähnung 1440