mini|Die britische Penny Black gilt allgemein als erste Briefmarke der Welt. Briefmarken und Postgeschichte Großbritanniens bietet einen Überblick über die Postgeschichte des Vereinigten Königreichs Großbritannien und (Nord-)Irland sowie die Briefmarken, die von diesem Land und seinen früheren Hoheitsgebieten bis zum heutigen Tag herausgegeben wurden.
Die Postgeschichte des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Irland (seit 1927 Großbritannien und Nordirland) ist zumindest in einer Hinsicht bemerkenswert, wegen der Erfindung der Briefmarke im Jahr 1840, womit eine Voraussetzung für modernere Postsysteme geschaffen war.
Die Anfänge Die Geschichte beginnt im 12. Jahrhundert mit Heinrich I. von England, der Boten ernannte, die Briefe für die Regierung überbrachten. Zwischen 1100 und 1135 wurden von diesen Boten schätzungsweise 4.500 Briefe zugestellt. Privatpersonen mussten damals eigene Vorkehrungen treffen. Heinrich III. stattete die Boten mit Uniformen aus und Eduard I. richtete Posthäuser ein, in denen sie ihre Pferde wechseln konnten. Während der Herrschaft Eduard II. kamen die ersten postalischen Kennzeichen auf – handschriftliche Anmerkungen, die besagten „Haste, post haste“ („Eilig, schnellstmöglich“).
Heinrich VIII. gründete 1516 die Royal Mail, den königlichen Postdienst, und ernannte Brian Tuke zum „Master of the Postes“ (Postvorsteher). Elisabeth I. bestellte dann Thomas Randolph zum „Chief Postmaster“ (Obersten Postvorsteher). Unter Thomas Witherings, dem obersten Postvorsteher während der Herrschaft Karls I., wurde die Royal Mail mit einem geregelten System aus Poststraßen, Posthäusern und Angestellten der Allgemeinheit zugänglich gemacht 1635. Von diesem Zeitpunkt an bis zu den Postreformen 1839–1840 war es üblich, dass der Empfänger das Porto zahlte. Es war jedoch auch möglich, die Gebühr gleich beim Versand zu entrichten.
1661 ernannte Karl II. Henry Bishop zum ersten Postminister. Wegen Kundenbeschwerden über verspätete Briefe führte Bishop den sogenannten Bishop-Stempel ein. Das war ein kleiner Kreis, in dem Monat und Tag vermerkt waren. Zunächst wurde er in London, in der Hauptpost und in der Auslandsabteilung verwendet und bald darauf auch in Schottland (Edinburgh) und Irland (Dublin) übernommen. In den folgenden Jahren wurde das Postsystem von sechs Straßen zu einem landesweiten Netzwerk ausgebaut. Sowohl in Groß- als auch Kleinstädten kam es zur Gründung von Postämtern, von denen jedes über seinen eigenen Poststempel verfügte.
1680 gründete William Dockwra die Londoner Penny Post, einen Briefzustellungsdienst, der Briefe und Päckchen, die nicht mehr als ein Pfund wogen, innerhalb Londons und der unmittelbar angrenzenden Vororte für einen Penny zustellte.
Exkurs zur britischen Währung
Die Währungseinheit ist das Pfund Sterling. Es wird durch das Symbol £, ein stilisiertes „L“, gekennzeichnet, das sich von „libra“ ableitet, dem lateinischen Wort für Pfund. Bis zum Februar 1971 bestand ein Pfund aus zwanzig Schillingen (20s oder 20/-). Der Schrägstrich (/) leitet sich vom früher gebräuchlichen langen s ab und beide Symbole verkörpern den lateinischen Begriff „solidus“. Ein Schilling bestand aus zwölf Pence (12d). Das „d“ steht für „denarius“, das lateinische Wort für eine Zehn-As-Münze. Seit 1971 wird das immer noch bestehende Pfund in einhundert Pence unterteilt, die einige Jahre lang als „neue“ Pence bezeichnet wurden. Heute werden sie einfach „Pence“ genannt und mit dem Symbol „p“ dargestellt. Ohne Berücksichtigung der Inflation gilt: 2,4d. = 1p und 1/- = 5p.
Briefmarken mini|Am zweiten Tag des Bestehens der Uniform Fourpenny Post mit dieser aus Edinburgh versandter Brief mit handgestempelter 4 Rowland Hill trat für die große Postreform von 1839 und 1840 ein, um die stetigen finanziellen Verluste der Post in Gewinne zu verwandeln. Hill überzeugte das Parlament, die Uniform Fourpenny Post einzuführen, die unabhängig von der Entfernung ein pauschales Porto von 4d je ½ Unze (für schwerere Artikel dementsprechend 10s 8d je Pfund) berechnete. Dieser Preis galt ab dem 5. Dezember 1839, blieb jedoch nur 36 Tage in Kraft. Das zeigte sofort Erfolg und am 10. Januar 1840 nahm die Uniform Penny Post ihren Dienst auf, die bei Vorauszahlung des Briefportos nur 1d und bei Zahlung des Portos durch den Empfänger 2d kostete. Dank der Einheitspreise war es möglich, beim Versenden von Briefen nicht mehr mit Bargeld zu zahlen, sondern stattdessen einen „Aufkleber“ zu verwenden. Am 6. Mai kam somit die Penny Black als weltweit erste Briefmarke in Gebrauch. Gleichzeitig erschien mit der Two Pence Blue eine zweite Wertstufe zu zwei Pence, die für schwerere Briefe bis zu einer Unze bestimmt war.
Ursprünglich war die Briefmarke nur zur Verwendung innerhalb des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Irland bestimmt und anfangs daher eigentlich eine Inlandsbriefmarke. Aus diesem Grund ist der Name des Landes nicht darauf enthalten. Im Einvernehmen mit ausländischen Postämtern wurde diese Praxis beibehalten, solange die Briefmarke das Bildnis des Herrschers trug.
Für vorfrankierte Briefumschläge galt dies nicht, deshalb war auf diesen der Name des Landes vermerkt. Auf den speziellen Gedenkmarken anlässlich des Festival of Britain im Jahr 1951 war die Bezeichnung „Britain“ zu lesen. Zu diesem Zeitpunkt stand demnach erstmals der Name des Landes auf einer Briefmarke aus dem Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland. Die Bezeichnung „British“ hingegen war bereits 1924 auf den Gedenkmarken zur Erinnerung an die britische Kolonialausstellung (British Empire Exhibition) zu lesen gewesen.
Bald zeigte sich, dass Schwarz keine gute Wahl als Briefmarkenfarbe war, da die Entwertung darauf schlecht zu erkennen beziehungsweise rote Entwertungen entfernbar waren; ab 1841 wurden die Ein-Penny-Marken deshalb als Penny Red in Ziegelrot gedruckt.
Viktorianisches Zeitalter Zu den bekanntesten britischen Briefmarkenausgaben der Regierungszeit Königin Victorias zählen die frühen Linienstichausgaben Penny Black, Two Pence Blue und Penny Red, die Prägedruckmarken von 1847 bis 1854, die späteren im Hochdruck hergestellten Ausgaben sowie die Penny Venetian Red, die Penny Lilac und die Jubilee-Ausgabe von 1887. Daneben entstanden nicht regulär verwendete oder amtliche Sonderformen wie die Penny Blue und die Penny Black VR Official.
Die ersten Ausgaben von 1840 und 1841 standen noch unmittelbar im Zusammenhang mit der Postreform. Die Penny Black war die erste britische Briefmarke, die Two Pence Blue bildete die zweite Wertstufe derselben Ausgabe. Da die schwarzen Entwertungen auf der schwarzen Marke schlecht zu erkennen waren, wurde der Ein-Penny-Wert ab 1841 in Rot gedruckt; die daraus hervorgegangene Penny Red blieb über Jahrzehnte eine der wichtigsten britischen Freimarken.
Während des Viktorianischen Zeitalters kam es zu einer wahren Explosion von Versuchen und Neuerungen. Da es mühsam war, die Briefmarken mit der Schere aus dem Bogen zu schneiden, wurden Versuche mit Durchstich (Durchstichmaschine von Archer) und später Zähnung unternommen. Letztere wurde 1854 zum Standardverfahren. 1847 wurden mit der achteckigen 1-Schilling-Marke (0,05 £) die ersten britischen Briefmarken mit Prägedruck herausgegeben. Im nächsten Jahr folgten 10d-Briefmarken und 1854 dann 6d-Briefmarken (0,025 £).
Mit einer von De La Rue gedruckten 4d-Briefmarke erschien 1855 erstmals eine im Hochdruckverfahren hergestellte Briefmarke, das später zum Standarddruckverfahren wurde. Die gestochenen Briefmarken zu ½d (Halfpenny) und 1½d (Penny Halfpenny – Aussprache: Pennyhaypny oder Threehaypence), die 1870 erschienen, waren die letzten gestochenen Exemplare mit Königin Viktoria; die nächsten wurden erst 1913 herausgebracht.
Für die im Hochdruck hergestellten Briefmarken aus den 60er und 70er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde stets das gleiche Profil Viktorias, aber eine ganze Reihe unterschiedlicher Rahmen, Wasserzeichen und Eckbuchstaben verwendet. 1867 erschien erstmals eine 5-Schilling-Briefmarke (Abkürzung: 5/- oder 5s.) (0,25 £); 1878 folgten eine 10-Schilling-Briefmarke (0,50 £) sowie eine 1 £-Briefmarke und den Höhepunkt bildete 1882 eine 5 £-Briefmarke.
Inzwischen war mit der Kündigung des Druckvertrags von Perkins Bacon auch das Zeitalter der Penny Reds vorbei. Die neuen Briefmarken mit geringen Portowerten wurden ebenfalls im Hochdruck hergestellt. Die erste war die Penny-Marke in Venezianischrot mit viereckigem Rahmen, die 1880 erschien. Wegen des 1881 beschlossenen Zoll- und Steuergesetzes wurden neue Briefmarken erforderlich, die auch als Stempelmarken dienten. Deshalb wurde in diesem Jahr die Penny Lilac mit der Inschrift „POSTAGE AND INLAND REVENUE“ („Porto und Steuern“) herausgegeben.
Diese Marke blieb für den Rest der Herrschaft Viktorias die Standardbriefmarke und wurde in riesiger Auflage gedruckt. Spätere Ausgaben trugen die Inschrift „POSTAGE & REVENUE“, aus der später das vertrautere „POSTAGE REVENUE“ wurde.
1883 und 1884 wurde bei der lilafarbenen und grünen Ausgabe mit Farben experimentiert, die in Wasser verblassen. Es handelte sich um eher schlichte Entwürfe, mit lilafarbenen Marken für die geringen Portowerte und grünen für die hohen Portowerte, weil das die einzigen beiden verfügbaren Farben waren.
Sie erfüllten ihren Zweck – recht wenige dieser Marken überlebten den Gebrauch, denn die Farben bleichen aus, wenn sie vom Umschlag abgeweicht werden – aber sie waren bei der Bevölkerung nicht beliebt.
Die letzte große Ausgabe mit Viktoria war die Ausgabe zu ihrem Thronjubiläum im Jahr 1887. Dabei handelt es sich um einen Satz aus zwölf Entwürfen zwischen ½d. und 1s., die meist zweifarbig oder auf farbigem Papier gedruckt wurden. Sie wurden zwar im Jahr des Thronjubiläums herausgebracht, allerdings nicht konkret zu diesem Anlass, darum sind es keine Gedenkmarken.
Frühes 20. Jahrhundert rechts|mini|Gängige Wasserzeichen auf britischen Briefmarken (bei Betrachtung der Vorderseite der Marke). Als Eduard VII. den Thron bestieg, wurden neue Briefmarken benötigt. Allerdings wurde dabei äußerst konservativ vorgegangen: Die Rahmen der meisten Marken vom Thronjubiläum wurden wiederverwendet und das Bildnis des Königs war nach wie vor ein einfaches Profil. Die Regierungszeit König Eduards war verhältnismäßig kurz; es gab keine wesentlichen gestalterischen Änderungen, aber Kreidepapier wurde eingeführt (Diese Art von Papier lässt sich nachweisen, indem Silber über die Oberfläche gerieben wird und eine schwarze Markierung hinterlässt).
Im Gegensatz dazu waren die Briefmarken Georgs V. von Anfang an innovativ. Die erste Ausgabe umfasste Marken mit Portowerten zwischen ½d und 1d, die farblich denen aus der Regierungszeit seines Vorgängers entsprachen. Obwohl die Hauptmerkmale des Entwurfs – eine mittig angeordnete Ellipse für das Porträt, ein Zierrahmen, das Portofeld unten und eine Krone oben – unverändert blieben, kam erstmals ein Bildnis im Dreiviertelprofil zum Einsatz. Bei den darauffolgenden Entwürfen wurde dann allerdings wieder auf das Standardprofil zurückgegriffen.
Die ersten Gedenkmarken des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Irland erschienen 1924 anlässlich der britischen Kolonialausstellung (British Empire Exhibition). Die beiden großformatigen Briefmarken, auf denen ein Löwe in achtungsgebietender Pose zu sehen ist, wurden zweimal ausgegeben – in den Jahren 1924 und 1925 – wobei das Ausgabejahr jeweils auf den Marken vermerkt ist. Ein zweiter Gedenkmarkensatz aus dem Jahr 1929 erinnert an den 9. Kongress des Weltpostvereins, der in diesem Jahr in London stattfand.
Abdankung und Krieg