mini|Roman Vlad (l.) mit Heinrich Strobel, Enrique Raxach, u. a. bei den Donaueschinger Musiktagen 1965 Roman Vlad (* 29. Dezember 1919 in Czernowitz, Bukowina, RumänienBiographische Daten von Roman Vlad in: Bibliographie zur Kultur und Landeskunde der Bukowina, von Erich Beck, Otto Harrassowitz Verlag, 2003, Seite 476; † 21. September 2013 in Rom, Italien) war ein in Rumänien geborener italienischer Komponist, Pianist und Musikwissenschaftler.Biographische Daten von Roman Vlad in: Die Sinfonik der Generazione dell'Ottanta: Voraussetzungen, Entwicklungen und Wertung, von Maria Christine Haustein, Verlag Peter Lang, Frankfurt, 2008, Otto Harrassowitz Verlag, 2008, Seite 285 Er schuf zahlreiche musikalische Werke für das italienische Kino der 1940er, 1950er und 1960er Jahre. Darunter Kompositionen für Filme wie Die Mauern von Malapaga, Der Pakt mit dem Teufel, Ein Sonntag im August, Herrin der Welt oder Mädchen im Schaufenster.
Leben und Werk Roman Vlad studierte zunächst in seiner Heimat Rumänien bei Titus Tarnawski und Liviu Russu und erwarb ein Diplom als Pianist. Vor dem Eintreffen der Roten Armee floh er 1938 nach Italien und studierte dort an der Universität von Rom und später an der Accademia Nazionale di Santa Cecilia. 1951 wurde Vlad auch offiziell italienischer Staatsbürger.
Vlad begann seine Karriere als Interpret und Komponist, er gewann den Enescu-Preis im Jahre 1942 für seine Sinfonietta und das Silberne Band für seine Filmmusik. Er war künstlerischer Leiter der Accademia Filarmonica Romana von 1955 bis 1958 und noch einmal von 1966 bis 1969. 1957, 1962 und 1965 wirkte er als Juror bei den Weltmusiktagen der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (ISCM World Music Days).Programme der ISCM World Music Days von 1922 bis heuteAnton Haefeli: Die Internationale Gesellschaft für Neue Musik – Ihre Geschichte von 1922 bis zur Gegenwart. Zürich 1982, S. 480ff Er wurde 1960 Präsident der italienischen Gesellschaft für Neue Musik und musikalischer Berater für das dritte italienische Programm RAI.
Vlad war ein vielseitiger Komponist, er schrieb sinfonische Werke für den Konzertsaal aber auch Ballettmusik und Musik für das Theater. Vlad veröffentlichte als Musikwissenschaftler verschiedene Bücher über Musik, einschließlich über die Geschichte der Zwölftonmusik (1958) und Biographien von Strawinsky und Dallapiccola.
Hauptsächlich bekannt wurde Roman Vlad jedoch für seine zahlreichen Filmkompositionen. Während der 1940er Jahre schrieb er für zahlreiche Kurz- und Dokumentarfilme wie Racconto da un affresco, Romantici a Venezia oder Bianchi pascoli die Musik, bevor er sich ab 1946 auch der Komposition von Spielfilmen widmete. Sein erster großer Erfolg wurde 1949 die Musik für das Drama von Regisseur René Clément Die Mauern von Malapaga mit Jean Gabin und Isa Miranda in den Hauptrollen. Zu Beginn der 1950er Jahre entstanden die Partituren für René Clairs Der Pakt mit dem Teufel mit Michel Simon und Gérard Philipe und für die Komödie Ein Sonntag im August von Regisseur Luciano Emmer.
In den 1950er Jahren komponierte er die Musik für zahlreiche namhafte Regisseure wie Marcello Pagliero, Mario Zampi, Giuliano Biagetti, Romolo Marcellini, Ladislao Vajda, Vittorio Gassman, Riccardo Freda, Jules Dassin, Alexandre Astruc, Francesco Rosi oder Ralph Habib. Zu Beginn der 1960er Jahre entstanden noch verschiedene andere Filmkompositionen für Filmemacher wie William Dieterle, Marino Girolami, Carlo Campogalliani, Vincenzo Lucci-Chiarissi oder Renato Castellani.
1988 schrieb er für den Film Il giovane Toscanini von Regisseur Franco Zeffirelli eine seiner letzten Filmmusiken. Roman Vlad verstarb am 21. September 2013 im Alter von 93 Jahren in Rom., 22. September 2013
Vlad war Mitglied des Direktoriumsrats der Accademia Nazionale di Santa Cecilia und künstlerischer Berater für das Ravenna Festival und das Festival dei Due Mondi in Spoleto.
Auszeichnungen 1942: Enescu-Preis 1995: Goldmedaille für Verdienste von Kultur und Kunst
Filmografie (Auswahl)
Konzertwerke Sinfonische Musik Suite von Weihnachtsliedern Siebenbürgen Meditationen auf einem alten russischen Gesang Musik für Geigen (Meloritmi) Konzert für Klavier und Orchester Concertante Variationen über eine Zwölftonreihe von Mozarts Don Giovanni Konzert für Gitarre und Orchester Konzert für Harfe und Orchester (Sonette an Orpheus)
Kammermusik Serenade für zwölf Instrumente Divertimento für elf Instrumente Studi dodecafonici für Klavier Drei Gedichte von Montale für Bariton und Klavier, 1976
Musik für Ballett La strada del caffè La dama delle camelie Il gabbiano Die Wiederkehr
Musik für Theater 1947: La fiera delle maschere 1951: Intermezzo
Publikationen Modernità e tradizione nella musica contemporanea, Turin, Giulio Einaudi, 1955 Luigi Dallapiccola, Mailand, Suvini Zerboni, 1957 Strawinsky, Turin, Giulio Einaudi, 1958 Storia della dodecafonia, Mailand, Suvini Zerboni, 1958 Introduzione alla civiltà musicale, Bologna, Nicola Zanichelli, 1988 Capire la musica, Florenz, Giunti, 1989, ISBN 88-09-20154-X Architettura di un capolavoro. Analisi della Sagra della primaveradi Igor Stravinsky, Turin, BMG Publications, 2005 – ISBN 88-7592-802-9
Literatur Roman Vlad in: Guide to the Pianist's Repertoire, third edition, von Maurice Hinson, Indiana University Press, 2001, Seite 798
Weblinks
Filmografie von Roman Vlad in: The New York Times
Nachruf auf Roman Vlad in: Corriere della Sera
Einzelnachweise
Kategorie:Komponist (Italien) Kategorie:Klassischer Pianist Kategorie:Musikwissenschaftler Kategorie:Sachbuchautor (Musik) Kategorie:Komponist klassischer Musik (20. Jahrhundert) Kategorie:Komponist (Ballett) Kategorie:Filmkomponist Kategorie:Rumäne Kategorie:Italiener Kategorie:Geboren 1919 Kategorie:Gestorben 2013 Kategorie:Mann Kategorie:Rumänischer Emigrant