Der Bahnhof Mücke (Hess) ist neben dem Bahnhof Nieder OhmenOffizielle Schreibweise ohne Bindestrich auf den Stationsschildern sowie in offiziellen Dokumenten der Bahn. eine von zwei in Betrieb befindlichen Bahnstationen in der mittelhessischen Gemeinde Mücke. Der ehemalige Inselbahnhof befindet sich zwischen den beiden Mücker Ortsteilen Flensungen und Merlau am Streckenkilometer 28,9 der Bahnstrecke Gießen–Fulda (Vogelsbergbahn). Früher zweigte hier die über Laubach und Hungen nach Friedberg führende Bahnstrecke Friedberg–Mücke ab.

Geschichte Der Bahnhof Mücke wurde mit dem zweiten Teilabschnitt der Vogelsbergbahn von Grünberg nach Alsfeld am 29. Juli 1870 als einfacher Haltepunkt ohne weitere Gleisanlagen, jedoch mit einem kleinen Stationsgebäude westlich des Gleises, eröffnetJürgen Röhrig, Stefan Klöppel: 150 Jahre Oberhessische Eisenbahnen. ArGe Drehscheibe e. V., Köln 2020, ISBN 978-3-929082-38-8, S. 158. 1872 erhielt die Station einen Güterschuppen und ein Ladegleis. Zur Bewältigung des stark steigenden Ladungsverkehrs wurde bereits 1890 ein neues Stationsgebäude mit größerem Güterschuppen und einem weiteren Ladegleis mit Rampen errichtet. 1895 wurde ein Gleis für Zugkreuzungen verlegt, wodurch der Status eines Bahnhofs erreicht wurde.

Am 1. November 1903 wurde mit dem Abschnitt Laubach–Mücke die Strecke von Friedberg fertiggestellt und konnte seitdem durchgehend befahren werden.

Auf das Jahr 1905 zurückgehende Planungen im Zusammenhang mit der Marburger Kreisbahn sahen eine Verlängerung dieser Strecke bis zum Bahnhof Mücke vorGerd Wolff: Deutsche Klein- und Privatbahnen – Teil 8: Hessen, S. 274, im Staatsarchiv Marburg ist ein Gleisplan aus dem Jahr 1906 erhalten, der die geplanten Erweiterungen für diesen Fall zeigt.als Skizze abgedruckt in Erich Preuß, Oliver Strüber (Hrsg.): Das große Archiv der deutschen Bahnhöfe. Gera Mond Verlag GmbH, 1996–2020, , Einzelbeitrag Bahnhof Mücke (Hess), S. 4.

Mitte März 1945 stand auf einem Gleis des Bahnhofs Mücke ein Flakzug mit 10,5 Zentimeter Flakgeschütz, einer Zwei-Zentimeter-Vierlingsflak sowie Mannschafts- und Munitionswagen, auf einem anderen Gleis ein KZ-Gefangenentransport. 16 Jagdbomber vom Typ Thunderbolt griffen den Bahnhof und die abgestellten Züge an. Der Bahnhof wurde weitgehend zerstört, die Munitionswagen des Flakzugs explodierten, vier Flaksoldaten und vier KZ-Gefangene kamen dabei ums Leben.Vor 65 Jahren Bombenangriff auf Bahnhof Mücke Alsfelder-Allgemeine vom 26. März 2010, abgerufen am 6. Juni 2020.

Am 31. Mai 1958 wurde der Verkehr auf der Teilstrecke Freienseen–Mücke eingestellt. Als am 31. Mai 1959 zunächst der Personenverkehr zwischen Hungen und Freienseen und 1960 der Güterverkehr zwischen Laubach und Freienseen eingestellt wurde, wurde dieser Abschnitt anschließend stillgelegt und abgebaut.

Bahnanlagen Empfangsgebäude Das heute noch in Betrieb befindliche Empfangsgebäude des Mücker Bahnhofs ist ein zweigeschossiger Bau, der im Jahr 1890 errichtet wurde und das zweite Empfangsgebäude des Bahnhofs darstellt. Es ist heute ein Kulturdenkmal nach § 2 Absatz 1 Hessischen Denkmalschutzgesetz.Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Eisenbahn in Hessen. Kulturdenkmäler in Hessen, S. 385 Das Gebäude beherbergt heute ein Stellwerk sowie Diensträume. Das ursprüngliche Gebäude lag auf der gegenüberliegenden Seite des heutigen, es wurde im Jahr 2013 abgerissen.Verzeichnis der Infotafeln des ERZWEGs Mitte, s. Tafel 1a zum Bahnhof Mücke, abgerufen am 27. Januar 2024. Der ursprünglich auch im Empfangsgebäude durchgeführte Fahrkartenverkauf wurde am 30. Juni 2014 aufgegeben.Jürgen Röhrig, Stefan Klöppel: 150 Jahre Oberhessische Eisenbahnen. ArGe Drehscheibe e. V., Köln 2020, ISBN 978-3-929082-38-8, S. 160

Gleise und Bahnsteige mini|Gleisskizze des Bf Mücke (Hess) ca. 1936 (von Schautafel auf Bahnhofsvorplatz).Gleisplan ab 1936 auf Infotafel 1a des ERZWEGs Mitte zum Bahnhof Mücke>, abgerufen am 27. Januar 2024.In dieser Skizze fehlt das Stellwerk Mn, es befand sich auf Höhe der nördlichen doppelten Kreuzungsweiche östlich der Gleise. In seiner größten AusbauphaseLageplan des Bahnhofs Mücke (Hessen) (sic!) der Deutschen Bundesbahn im Stand vom Oktober 1959 verfügte der Bahnhof Mücke über fünf Gleise auf der westlichen und drei auf der östlichen Bahnhofsseite. Das Empfangsgebäude lag zwischen den Gleisen 1w und 1o in Insellage, da auch die östlichen Gleise so an die Vogelsbergbahn angebunden war, dass Zugfahrten von Gießen und Fulda nach und aus Gleis 2o erfolgen konnten. Verknüpfungspunkte des östlichen Bahnhofsteils mit der Vogelsbergbahn waren dabei die damalige Weiche 1 in Streckenkilometer 28,6 (noch westlich des Bahnübergangs über die Bahnhofstraße in Richtung Gießen) und die Weiche 25 in Streckenkilometer 29,15 (etwa in Höhe des heutigen Ausfahrsignals in Richtung Fulda). Teilweise ist das restliche Gleis noch vorhanden, jedoch vollständig zugewachsen.

Der Hausbahnsteig auf der Seite der Vogelsbergbahn hatte eine Länge von 245 Metern, der Zwischenbahnsteig an Gleis 2w eine Länge von 242 Metern. Auf der Ostseite gab es nur einen Bahnsteig am Gleis 1o, der 167 Meter lang war.

Heute genügen für den Betrieb zwei Bahnsteiggleise an einem Haus- und einem Zwischenbahnsteig. Aufgrund fehlender Überwege zu diesem Zwischenbahnsteig (Gleis 2) verkehren heute alle Züge vom Hausbahnsteig (Gleis 1). Neben Gleis 2 liegen noch zwei teilweise überwachsene Gleise ohne Bahnsteige.

Güterverkehrs- und Lokbehandlungsanlage Eine erste Verladeeinrichtung für Eisenstein erhielt der Bahnhof bereits im Jahr 1889.

Für umfangreichen Güterverkehr sorgte der 1936 eingerichtete Anschluss der zur Gewerkschaft Louise gehörenden Erzaufbereitungsanlage Mücke. Dieser zweigte noch vor der Weiche 1 des Bahnhofs aus dem Streckengleis der Vogelsbergbahn ab und verfügte über zwei parallel zur Strecke liegende Gleise. 1957 endete der Betrieb dieser Anlage, danach wurde auf der ehemaligen Holzverladerampe an Gleis 3w eine Hochrampe eingerichtet, von der die Güterwagen über eine LKW-Kippe beladen wurden, während zugleich noch die Beladung der Erzzüge auf dem Gelände der alten Aufbereitungsanlage über ein Förderband stattfand. Diese Art der Erzverladung endete 1968, die Rampen an den Gleisen 3, 4 und 5 sind jedoch auch weiterhin für den Güterverkehr genutzt worden.

Der Gleisplan des Jahres 1959 zeigt an der westlichen Bahnhofsseite gegenüber dem Empfangsgebäude eine Holzverladerampe an Gleis 3w, in das auch eine Gleiswaage mit einer Wiegelast von 40 Tonnen eingebaut war. Gleis 4w war ein nur 86 Meter langes Stumpfgleis, das aus Richtung Gießen zu dieser Rampe führte, die im Bereich des Prellbocks als Kopf- und Seitenrampe ausgebildet war. Die Fortsetzung des Gleises 3w in nördlicher Richtung führte zum Dampfsägewerk Mücke, das hier einen Privatanschluss unterhielt.

Die Abfertigung von Stückgut wurde 1970 aufgegeben.Erich Preuß, Oliver Strüber (Hrsg.): Das große Archiv der deutschen Bahnhöfe. Gera Mond Verlag GmbH, 1996–2024, , Einzelbeitrag Bahnhof Mücke (Hess), S. 3.

Der südlich an das Empfangsgebäude angebaute Güterschuppen wurde von dem bis zum Winter 1988/89 vorhandenen Gleis 5w bedient, auch hier war eine kurze Seitenrampe in der Verlängerung des Schuppens vorhanden.

Ein einständiger Lokschuppen war im südlichen Bahnhofsteil an das Gleis 2o in der Gabelung des Gleises Richtung Friedberg und Gießen vorhanden. Der Lageplan mit Stand Oktober 1959 zeigt den Lokschuppen bereits ohne Gleisanbindung.

Nach Einstellungen des Personen- und Güterverkehrs auf der Strecke nach Friedberg und des Abbaus der dafür benötigten Weichen im östlichen Bahnhofsteil blieben jedoch die dort vorhandenen Gleise für einen gewissen Zeitraum erhaltenLageplan des Bahnhofs Mücke (Hessen) der Deutschen Bundesbahn im Stand vom Mai 1962, gedruckt in Hugo Menk: Die Eisenbahn in Gießen und das Bahnbetriebswerk Gießen, EK-Verlag 1993, S. 47: Die ehemaligen Gleise 1o und 2o erhielten nun die neuen Nummern 6 und 7 und blieben beidseiteig angebunden, so dass das Empfangsgebäude auch weiterhin in Insellage verblieb und Zugfahrten über das Gleis 7 in beide Richtungen verkehren konnten. Dieses Gleis hatte ausweislich des Planes aus dem Jahr 1962 zwischenzeitlich auch einen kurzen Bahnsteig erhalten. Das ehemalige Gleis 3o blieb als ein 131 Meter langes, nur noch aus nördlicher Richtung befahrenes Stumpfgleis mit der neuen Nummer 8 erhalten.Dieser Zustand bestand mindestens bis zum Oktober 1964, da erst für diesen Zeitpunkt die nächsten Veränderungen in der Änderungshistorie des Gleisplans mit Stand vom Oktober 1966 vermerkt sind.

Mitte der 1960er Jahre wurden die Gleise 6 und 7 im Gießener Bahnhofskopf von der Vogelsbergbahn abgeschnitten, Gleis 7 vollständig entfernt und in Gleis 6 vor dem ehemaligen Bahnübergang über die Bahnhofszufahrt ein Prellbock errichtet.Über den genauen Zeitpunkt des Ausbaus der Weiche 1 und damit der Anbindung der östlichen Gleise an die Hauptstrecke gibt es in den Quellen unterschiedliche Aussagen: Zum einen ist bei Jürgen Röhrig, Stefan Klöppel: 150 Jahre Oberhessische Eisenbahnen. ArGe Drehscheibe e. V., Köln 2020, ISBN 978-3-929082-38-8 auf S. 159 mitgeteilt, dass dieser Ausbau im August 1967 erfolgt sei, zum anderen ist sie auf dem offiziellen Gleisplan der DB mit Stand Oktober 1966 bereits nicht mehr enthalten. In diesem Plan sind nach dem oben erwähnten Planstand von Mai 1962 neben dem Oktober 1966 weitere Berichtigungsdaten vermerkt: Augst 1966, August 1965 und Oktober 1964, es ist jedoch nicht erkennbar, welche Änderungen jeweils durchgeführt wurden. Damit konnte dieses nur noch aus Richtung Fulda bedient werden. Dieses Gleis diente in dieser Form bis Anfang der 2000er Jahre noch als Ladegleis.

Die Anbindung der zuletzt noch verbliebenen Nebengleise im westlichen Bahnhofsteil erfolgte im November 2001.

Stellwerke Der Bahnhof Mücke erhielt mit der Eröffnung der Strecke nach Friedberg zwei Wärterstellwerke und eine Befehlsstelle: Das Stellwerk Ms (Mücke Süd) stand in km 28,662 der Bahnstrecke Gießen–Fulda auf der südlichen Seite der Gleisanlagen. Es bediente auch die Schrankenanlagen der Bahnübergänge über die Bahnhofstraße und die Zufuhrstraße zum Empfangsgebäude. Das Stellwerk Mn (Mücke Nord) stand in km 29,104 der genannten Bahnstrecke östlich der Gleisanlagen. Es ist in der gezeigten Skizze nicht dargestellt, es befand sich auf Höhe der nördlichen doppelten Kreuzungsweiche. Die Befehlsstelle Mf wurde im Empfangsgebäude eingerichtet. Diese Stellwerke waren mechanisch und gehörten der Bauart Zimmermann & Buchloh an.Jürgen Röhrig, Stefan Klöppel: 150 Jahre Oberhessische Eisenbahnen. ArGe Drehscheibe e. V., Köln 2020, ISBN 978-3-929082-38-8, S. 159. Die Angaben zur Befehlsstelle sind in dieser Quelle nicht eindeutig: Auf S. 159 wird gesagt, sie sei bereits 1905 von Z & B errichtet worden, während in einer Auflistung der Stellwerke aus S. 249 nur für die Befehlsstelle Mf die Bauform S u. H und das Baujahr 1941 aufgeführt sind. Bei dieser Angabe könnte es sich allerdings auch um einen Ersatz alter Technik handeln, dies ist jedoch nicht aufgeführt. Sie wurden nach der Inbetriebnahme des Sp Dr L60 Stellwerks Mf in einem Vorbau des Empfangsgebäudes am 26. April 1973 überflüssig und später abgerissen.

Im Stellwerksraum wurde später zusätzlich ein ESTW-Bedienplatz (Bauform ZSB 2000) zur Fernsteuerung des an der gleichen Strecke liegenden ESTW-A Reiskirchen eingerichtet, der am 29. Oktober 2014 den Betrieb aufnahm. Am 14. Dezember 2025 ersetzte das ESTW-A Mücke das Relaisstellwerk von 1973. Der vorhandene ESTW-Bedienplatz im Stellwerksraum wurde hierzu erweitert.

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