Litzendorf ist eine Gemeinde im oberfränkischen Landkreis Bamberg und zählt zur Metropolregion Nürnberg.
Geografie Lage Wie die meisten Gemeindeteile liegt das Pfarrdorf Litzendorf im Ellertal, das von bewaldeten Höhenzügen umgeben ist, mit den beiden höchsten Erhebungen des Landkreises Bamberg Geisberg () und Stammberg ().
Gemeindegliederung Es gibt acht Gemeindeteile: 90px 110px Die Kunigundenruh liegt am nächsten an der Stadt Bamberg im Hauptsmoorwald, einem gemeindefreien Gebiet. 2 Einwohner 90px 110px Litzendorf, das Zentrum der Gemeinde, liegt in der Mitte des Ellertals. 1492 Einwohner 90px 110px Lohndorf liegt wenige Kilometer östlich von Litzendorf ebenfalls im Ellertal und hat eine (katholische) Pfarrei. 385 Einwohner 90px 110px Melkendorf liegt wenige Kilometer südlich von Litzendorf außerhalb des Ellertals. 757 Einwohner 90px 110px Naisa liegt nahezu übergangslos zwischen Litzendorf und Pödeldorf. 747 Einwohner 90px 110px Pödeldorf liegt am Hauptsmoorwald und ist der Gemeindeteil mit der größten Einwohnerzahl. 1753 Einwohner 90px 110px Schammelsdorf liegt wenige Kilometer nördlich von Litzendorf außerhalb des Ellertals. 784 Einwohner 90px 110px Tiefenellern ist der östlichste Ort der Gemeinde und liegt am Anstieg zur Fränkischen Schweiz. 210 Einwohner
Gemarkungen Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Hauptmoor (Gemarkungsteil 2), Litzendorf, Lohndorf, Melkendorf, Naisa, Pödeldorf, Schammelsdorf und Tiefenellern. Die Gemarkung Litzendorf hat eine Fläche von 4,367 km² und ist in 1278 Flurstücke aufgeteilt.
Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden liegen alle im Landkreis Bamberg und sind im Uhrzeigersinn: 70px 70px 70px Memmelsdorf Scheßlitz Königsfeld 70px 70px 70px Heiligenstadt Strullendorf Hauptsmoorwald (gemeindefrei)
Geschichte mini|links|hochkant=1.15|Luftaufnahme Hügelgräber von Geisfeld Bis zum 18. Jahrhundert Die Herkunft des Namens Litzendorf ist unklar: Möglich sind Ableitungen vom slawischen lyko (Bast) oder vom germanischen Wort litzel (klein). Es entstanden wohl mit Einverständnis des Frankenreichs im 8. Jahrhundert slawische Siedlungen in der Gegend des oberen Mains (Nordgau). Zu jener Zeit waren das Ellertal und der bayerische Nordgau noch stark bewaldet.Handbuch der bayerischen Geschichte, Bd. 1: Das alte Bayern. Das Stammesherzogtum bis zum Ausgang des 12. Jahrhunderts, hrsg. von Max Spindler, 2. Aufl., München 1981, S. 113–114.
Zum ersten Mal erschien der Name „Licindorf“ im Jahr 1129 in einer Urkunde des Bamberger Bischofs Otto, in der ein „Otgoz von Licindorf“ erwähnt wird. Otgoz gehörte dem niederen Dienstadel an und war Gerichts- und Verwaltungsbeamter des heiligen Otto, des Bischofs von Bamberg.
Der Ort war damals ein Dorf mit mehreren Lehnsherren. Durch Kauf, Verkauf und Stiftungen veränderten sich die Grundherrschaftsverhältnisse ständig. 1385 kam Litzendorf in den Besitz des Hochstifts Bamberg. 1406 entstand die Litzendorfer Pfarrei. 1497 bestand die Lehenschaft eines Weingartens, was beweist, dass damals dort Weinbau betrieben wurde. Der Ort hatte im 16. Jahrhundert durch den Bauernkrieg (1524/1525) und den Markgrafenkrieg (1552–1554), im 17. Jahrhundert durch den Dreißigjährigen Krieg und im 18. Jahrhundert durch den Siebenjährigen Krieg (1756–1763) viel zu leiden. 1715–1718 entstand das bedeutendste Bauwerk Litzendorfs, die Pfarrkirche St. Wenzeslaus. 1802 kam Litzendorf mit dem Hochstift Bamberg, das ab 1500 zum Fränkischen Reichskreis gehörte, durch die Säkularisation an das Kurfürstentum Pfalzbayern.
19. und 20. Jahrhundert 1822 wurde das erste Schullokal eingerichtet. 1898 gab es ein Postamt. 1912 wurde Litzendorf an das öffentliche Verkehrsnetz angeschlossen. In den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts waren viele Gefallene und Vermisste zu beklagen. 1959 begann man mit dem Bau einer zentralen Wasserleitung.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Mai 1978 die Gemeinden Lohndorf, Melkendorf, Naisa, Pödeldorf, Schammelsdorf und Tiefenellern eingegliedert.
Einwohnerentwicklung Die Bevölkerungszahl ist nach einem Anstieg in den 1970er und 1980er Jahren seit etwa 2005 rückläufig. Pödeldorf wurde damals durch die Ausweisung von Neubaugebieten zur einwohnerstärksten Ortschaft der Gemeinde. Es profitiert von seiner unmittelbaren Nähe zur Stadt Bamberg.
Im Zeitraum 1988 bis 2018 wuchs die Gemeinde von 5043 auf 6103 um 1060 Einwohner bzw. um 21 %. Jahr 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 20152022 Einwohner 2900 3507 4825 5359 5740 5907 6179 6005 60556121
Religion Laut Zensus am 9. Mai 2011 waren 76,9 % der Einwohner römisch-katholisch und 12,8 % evangelisch-lutherisch. 10,3 % haben eine andere Religion oder sind konfessionslos.
Politik Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 2026 Matthias Deuber (CSU). Sein Vorgänger war seit 2004 Wolfgang Möhrlein (CSU), der zuletzt 2014 und 2020 (bei einem Gegenkandidaten) mit 92,41 % bzw. 79,53 % der Stimmen wiedergewählt wurde. Dieser folgte auf Otmar Konrad (SPD).
Gemeinderat Partei 2002 2008 2014 20202026 CSU 9 Sitze 9 Sitze 9 Sitze 9 Sitze8 Sitze SPD 5 Sitze 4 Sitze 4 Sitze 3 Sitze3 Sitze Grüne 3 Sitze 4 Sitze 4 Sitze 5 Sitze4 Sitze Christliche Wählervereinigung 3 Sitze 3 Sitze 3 Sitze 3 Sitze2 SitzeFreie Wähler0 Sitze0 Sitze0 Sitze0 Sitze3 Sitze Gesamt 20 Sitze 20 Sitze 20 Sitze 20 Sitze20 Sitze
Wappen
Infrastruktur Brauereien In der Gemeinde gibt es die fünf Brauereien Hölzlein und Reh in Lohndorf, Knoblach in Schammelsdorf, Hönig in Tiefenellern und die Brandholz-Brauerei in MelkendorfBrandholz Brauerei. In: brandholz-brauerei.de. Abgerufen am 12. Januar 2020. Die Brauereien Winkler in Melkendorf und Hummel in Litzendorf brauten bis Ende 2015 bzw. 1978.
Freiwillige Feuerwehren In den Gemeindeteilen Litzendorf, Lohndorf, Melkendorf, Naisa, Pödeldorf, Schammelsdorf und Tiefenellern bestehen jeweils eigene Freiwillige Feuerwehren.
Sehenswürdigkeiten 110px St. Wenzeslaus Die barocke Pfarrkirche St. Wenzeslaus in Litzendorf wurde von 1715 bis 1718 vom Baumeister Johann Dientzenhofer errichtet. Sie besteht aus leuchtend goldgelben Eisensandsteinquadern und ist schon von Weitem zu sehen. 110px Mariä Geburt Die Pfarrkirche Mariä Geburt in Lohndorf besteht ebenfalls aus goldgelben Eisensandsteinquadern und ist auch von Weitem zu sehen. 110px Fränkische Straße der Skulpturen Die Fränkische Straße der Skulpturen zwischen den Dörfern Tiefenellern, Lohndorf und Litzendorf entstand im Jahr 1994 und ist eine Ausstellung von Skulpturen inmitten der Landschaft des Ellertales. 110px Sängerehrenmal Melkendorf Das Sängerehrenmal Melkendorf für die Toten und Gefallenen des fränkischen Sängerbundes wurde im Jahr 1963 auf einer Anhöhe über Melkendorf errichtet. Das Denkmal besteht aus zwölf kreisrund angeordneten Kalksteinsäulen und einem altarähnlichen Sarkophag. Im Gedenkstein befinden sich Gedenkbücher mit den Namen der Verstorbenen aller Gesangvereine der damals zwölf, jetzt 13 Sängerkreise. 110px Jungfernhöhle Die Jungfernhöhle bei Tiefenellern ist eine neolithische Fundstätte. Ausgrabungen erbrachten die Belege der Nutzung der Höhle durch vier jungsteinzeitliche und beinahe alle nachfolgenden Kulturen. Der Name Jungfernhöhle rührt davon her, dass dort überwiegend die Überreste von weiblichen Personen gefunden wurden. 110px Kunst- und Besinnungsweg Der Kunst- und Besinnungsweg ist ein 3,3 km langer Skulpturenweg zwischen Litzendorf, Lohndorf und Melkendorf, an dem 18 verschiedene Kunstwerke aufgestellt sind. 110px Grabhügelfriedhof bei Litzendorf An der Straße von Litzendorf nach Geisfeld befinden sich frühkeltische Hügelgräber. Die Hügelgruppe ist vollständig von Wald umgeben. Der Durchmesser der Grabhügel variiert zwischen acht und 25 Metern. Bei Ausgrabungen im 19. Jahrhundert wurde Material der Bronzezeit und der frühen Eisenzeit geborgen.
Bau- und Bodendenkmäler in Litzendorf
Persönlichkeiten Günther Denzler (* 1948), ehemaliger Landrat des Landkreises Bamberg (1996–2014) und ehemaliger Bezirkstagspräsident des Regierungsbezirks Oberfranken (2003–2018), lebt im Ortsteil Pödeldorf Wolfgang Heyder (* 1956), langjähriger Geschäftsführer der professionellen Spielbetriebsgesellschaft Franken 1st und SPD-Politiker im Bamberger Kreistag, lebt im Ortsteil Pödeldorf Günter Wojaczek (1932–1997), Altphilologe und Gemeinderat in Pödeldorf (vor der Eingliederung nach Litzendorf), lebte von 1971 bis zu seinem Tod im Ortsteil Pödeldorf
Weblinks
Gemeinde Litzendorf Litzendorf – St. Wenzeslaus bei www.foracheim.de (PDF; 1,24 MB)
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Bamberg Kategorie:Ersterwähnung 1129 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)
Kategorie:Gemarkung im Landkreis Bamberg