Das Internationale Kurzgeschichtenkolloquium, auch Internationales Schriftstellerkolloquium zunächst der Stadt Neheim-Hüsten und seit der kommunalen Neugliederung der Stadt Arnsberg, war ein internationales Schriftstellertreffen. In diesem Rahmen wurden ein deutscher und ein internationaler Kurzgeschichtenpreis vergeben. Hervorgegangen ist das Kolloquium aus einem erstmals 1965 veranstalteten Schriftstellertreffen. Das letzte Kolloquium fand 1994 statt.
Allgemeines Es handelte sich um eine der wenigen literarischen Veranstaltungen, die sich dem Genre der Kurzgeschichte widmeten. "Nicht nur durch die Kontaktaufnahme zum Leser zeichnet sich das Kolloquium aus, es setzte sich außerdem von Anfang an über die Totsagungen der Gattung souverän hinweg und über die vor, die einseitige Auffassung, die deutsche Kurzgeschichte sei an die realistisch und zeitkritisch darzustellende Kriegserfahrung gebunden... Abgesehen von dem mehrfach beobachteten Verzicht auf ausschlaggebende Formkriterien... geht aus den Preisverleihungen dieses Kolloquiums außer der Abneigung gegen eine normative Definition das stetige Bemühen hervor, die Weiterentwicklung der Gattung zu fördern."Lecnie Marx, Die Deutsche Kurzgeschichte, Stuttgart, 1985
Von Bedeutung war ebenfalls, dass auch bereits während des Ost-West-Konflikts nicht nur Teilnehmer aus der westlichen Welt, sondern stets auch aus Osteuropa teilnahmen. „Das Symposion, mit einer Preiskür verbunden, ist meines Wissens das einzige Schriftstellertreffen in Europa, das den Ost-West-Dialog auf breiter Basis...pflegt.“ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung)Gesammelte Presseberichte zum Kolloquium
Immer wieder hervorgehoben wurde auch der Kontakt mit den Bürgern durch Lesungen an alltäglichen Orten. Dieter E. Zimmer hat in der Zeit einen eher kritischen überspitzt formulierten Artikel zu einem dieser Treffen geschrieben. Was die Teilnehmer angeht, meint er, dass die meisten der anwesenden Autoren aus der weiteren Umgebung kämen. Die Ausländer stammten fast alle aus dem Ostblock und waren Abgesandte ihrer Schriftstellerverbände. Und zum Versuch die Bevölkerung miteinzubeziehen: "Einer liest im Schalterraum einer Sparkasse: Da kommen und gehen die Kunden, zahlen ein und heben ab, und daneben sitzt ein Mann mit Bart und liest etwas vor, zwei Schüler und eine Frau leisten ihm Gesellschaft. Wie gewünscht über die öffentlich ausgelegten Geschichten ein Votum abgegeben haben in Ziffern 20 Bürger. Mir kommt der Verdacht, wenn uns hier jemand sieht, hält er uns auf sauerländisch für eine Schar von Deppen, für den Betriebsausflug eines Asyls für Kulturgestörte. Aber es gibt auch Autoren, die kehren mit Triumphgefühlen von ihren Lesungen zurück." Neheim-Hüsten und die weite Welt: Karger Boden, kulturell beackert. In: Die Zeit, 30. März 1979.
Es wurden verschiedene Preise vergeben. Neben einem deutschen wurde ein internationaler Kurzgeschichtenpreis vergeben. Diese waren zuletzt mit jeweils 10.000 DM dotiert. Der Modus der anonymen Preisvergabe gewährleistete dabei, dass neben etablierten und bekannten Schriftstellern auch Nachwuchsautoren eine Chance hatten. Die Texte wurden unter dem Reihentitel Befunde veröffentlicht.
Anfänge als Schriftstellertreffen Bereits 1957 fand auf Initiative des Leiters der Neheim-Hüstener Volkshochschule Dr. Konrad Maria Krug ein Arbeitsgespräch westfälischer Autoren zum Thema "Das Selbstverständnis des Dichters in unserer Zeit" statt.Herbert Herring: West-östliches Zwiegespräch. 1957 begann das Arnsberger Kurzgeschichten-Kolloquium. In: Jahrbuch Westfalen '87. Münster, 1987 S. 34 Auf Initiative von dessen Nachfolger Dr. Hartwig KleinholzNachruf. In: Die Zeit, 3. Februar 1978. fand 1965 erstmals ein Schriftstellertreffen statt. Daran nahmen teil: Heinrich Maria Denneborg, Max von der Grün, Wolfgang Hädecke, Kay Hoff, Norbert Johannimloh, Hugo Ernst Käufer, Ernst Meister, Heinrich Ost, Josef Reding, Heinrich Schirmbeck, Wolf Simeret, Erwin Sylvanus und Horst Wolff.
Das Treffen dauerte drei Tage. Im Mittelpunkt standen Referate und anschließende teils kontroverse Diskussionen. Zusätzlich hatten die Autoren zu verschiedenen Themen Texte in Lyrik oder Prosa verfasst. Ohne Nennung der Autorennamen wurden die Texte während des Kolloquiums diskutiert. Die Anonymität garantierte, dass jeder Text unabhängig vom Renommee des Verfassers bewertet werden konnte.Materialien zum Treffen 1965
Am zweiten Schriftstellertreffen nahmen 1967 teil: André Claeys, Oldřich Daněk, André Demedts, Lucien Dendooven, Fred Germonprez, Walter Gross, Max von der Grün, Wolfgang Hädecke, G.H. Herzog, Anton Hykisch, Daan Ingelram, Norbert Johannimloh, Jiří Marek, Ernst Meister, Eduard Petiška, Josef Reding, Raf Seys, Ria Scarphout, Willy Spillebeen, Erwin Sylvanus, Jan Trefulka, Paul Vanderschaeghe und Jan Vercammen.Materialien zum Treffen 1967
Kurzgeschichtenkolloquium Kolloquium 1969 mini|Urs Jaeggi, 2011 Im Jahr 1969 wurde aus dem Schriftstellertreffen das Internationale Schriftsteller-Kolloquium. Teilnehmer waren: Hans Günther Adler, Günter Braun, Johanna Braun, Inger Christensen, Walter Gross, Max von der Grün, Kay Hoff, Anton Hykisch, Ivan Ivanji, Urs Jaeggi, Norbert Johannimloh, Anise Koltz, Angelika Mechtel, Ernst Meister, Sascha Alexander Petrovic, Armand Pierhal, Hana Prosková, Josef Reding, Erwin Sylvanus, Friedel Thiekötter, Gabriele Wohmann und Jan de Zanger.
Erstmals wurde in diesem Zusammenhang der Internationale Kurzgeschichtenpreis der Stadt Neheim-Hüsten von einer Jury verliehen. Dabei lagen die Beiträge, wie schon beim Schriftstellertreffen, den Jurymitgliedern anonym vor. Der erste Preis ging an Gabriele Wohmann für den Beitrag "Aus dem weißblauen Tagebuch." Johanna Barun und Friedel Thiekötter gewannen jeweils einen zweiten Preis.1969 Materialien zum Kolloquium 1969
Kolloquium 1971 miniatur|Kornel Filipowicz (1970) mini|Frank Göhre (2008) Am zweiten Internationalen Schriftsteller-Kolloquium 1971 nahmen teil: Walter Alexander Bauer, Johanna Braun, Georges Cosme, Francis Esquier, Kornel Filipowicz, Jerzy Gieraltowski, Frank Göhre, Wolfgang Hädecke, Norbert Johannimloh, Gert Jonke, Siegfried Kessemeier, Wolfgang Körner, Jiří Marek, Ernst Meister, Marianello Marianelli, Christoph Meckel, Hans Mohler, David Rosenberg, Herbert Rosendorfer, Michal Rusinek, Erwin Sylvanus, Friedel Thiekötter, Karin Voigt und Eva Zeller.
Preisträger waren Günther Radke und Christoph Meckel. Die örtliche Verbandssparkasse vergab erstmals einen Preis für eine übersetzte Kurzgeschichte. Preisträger war Gabriel Laub. Erstmal vergab auch eine Schülerjury einen Preis. Gewinnerin war Eva Zeller.Materialien zum Kolloquium 1971
Kolloquium 1973 Am dritten Kolloquium nahmen nach einem Bericht der Wochenzeitung Die Zeit 55 Autoren und Kritiker aus zwanzig Ländern teil, Eine international besetzte Jury vergab einen deutschen und einen internationalen Kurzgeschichtenpreis dotiert mit jeweils 3000 DM. Im Vorfeld sind etwa 200 Geschichten eingegangen. Davon kamen sechzehn internationale und 30 deutsche Beiträge in die engere Auswahl. Neben den Hauptpreisen gab es erneut einen Schülerpreis und erstmals einen Publikumspreis.
Daneben fanden zahlreiche Lesungen der Autoren in Buchhandlungen, Schulen, Krankenhäusern und anderen Einrichtungen statt.Die Zeit 13/1973 Diese Art der Lesungen überall in der Stadt wurde auch bei den folgenden Veranstaltungen beibehalten.
Preisträger waren Werner Dürrson, Friedel Thiekötter und Radomir Smiljanic.Materialien zum Kolloquium 1973
Kolloquium 1975 mini|Michael Krüger Leipziger Buchmesse 2013 miniatur|hochkant|Arnold Leifert 1994 Als Folge der kommunalen Neugliederung war seit 1975 die Stadt Arnsberg Ausrichterin des Kolloquiums. Zu den Teilnehmern gehörten: Radomir Smiljanic, Ilse Tielsch-Felzmann, Frank Göhre, Dezsó Monoszlóy, Lázló Czimbalmos, Volker W. Degener, Erich Kock, Michael Krüger, Arnold Leifert, Walter Neumann, Marek Nowakowski, Herbert Rosendorfer, Erwin Sylvanus, Hannelies Taschau, Bernd Wördehöff, Jan de Zanger und Eva Zeller.
Der Internationale Preis ging an Radomir Smiljanic und der deutsche Preis bekam Ilse Tielsch-Felzmann. Die Schülerjury zeichnete Frank Göhre, Dezsö Monoslóy und Lázló Czimbalmos aus.Materialien zum Kolloquium 1975
Kolloquium 1977 Am fünften Kolloquium nahmen teil: Marek Nowakowski, Ernst Nowak, Josef Reding, Jiří Marek, Harald Bronstering, Wilhelm Damwerth, Herbert Eisenreich, Dimiter Jaremov, Norbert Johannimloh, Marianello Marianelli, John Matthew Mitchell, D.R. Popescu, René Regenass und Eva Zeller.
Der Internationale Kurzgeschichtenpreis ging an Marek Nowakowski und der deutsche Preis an Ernst Nowak. Die Schüler zeichneten Josef Reding und Jiri Marek aus.Materialien zum Kolloquium 1977
Kolloquium 1979 Am sechsten Kolloquium nahmen teil: Walter Alexander Bauer, Ulf Abraham, Dragan Aleksic, Urs Berner, Harald Bronstering, Volker W. Degener, Werner Dürrson, Silvia Gloe, Christine Haidegger, Nikolai Haitov, Matthias Hoffmann, Hanne F. Juritz, Gyula Kurucz, Klaus D. Mahn, Marianello Marianelli, Tibor Méray, John Matthew Mitchell, Walter Neumann, Michael Rusinek, Dieter Schliwka, Wolfgang Thon, Hannelore Valencak und Sigrid Wilts-Grunert.
Den Internationalen Kurzgeschichtenpreis gewannen Marianello Marianelli und Nikolai Haitov. Bemerkenswert ist, dass der deutsche Kurzgeschichtenpreis mit Matthias Hoffmann an einen Gymnasiasten ging. Der Preis der Schülerjury ging an Tibor Méray Hanne F. Juritz. Der Bürgerpreis ging an Klaus D. Mahn und an Nikolai Haitov.Materialien zum Kolloquium 1979
Kolloquium 1981 Am siebten Kolloquium nahmen unter anderem teil: Josef Reding, Renate Fueß, Ottó Jávor, Sigrid Wilts-Grunert, Kornel Filipowicz, Andrzej Pastuszek, Otto Brand, John Matthew Mitchell, Günter Radtke, Marek Nowakowski und Alois Brandstetter.
Preisträger waren für den deutschen Kurzgeschichtenpreis Josef Reding, Renate Fueß und Alois Brandstetter. Der internationale Kurzgeschichtenpreis ging an Ottó Jávor. Die Schülerjury zeichnete Sigrid Wilts-Grunert und Kornel Filipowicz aus.Materialien zum Kolloquium 1981
Kolloquium 1983 Teilnehmer des achten Kolloquiums waren: Ingeborg Kaiser, Werner Dürrson, Ivan Ivanji, Christine Haidegger, Ambrus Bor, Eva Zeller, Haeng-Sook Lee, Almuth Link, Peter Grosz, Marianello Marianelli, Gabriele Lins, Marius Tupan, Theo Schmich, Gyula Kurucz, Hans van Ooyen und Franz Storch.
Preisträger des deutschen Kurzgeschichtenpreises waren Ingeborg Kaiser und Werner Dürrson. Der internationale Preis ging an Ivan Ivanji. Die Schülerjury zeichnete Christine Haidegger und Ivan Ivanji aus.Materialien zum Kolloquium 1983
Kolloquium 1985 miniatur|Walter Laufenberg 2006 Die Preisgelder für den deutschen und den internationalen Kurzgeschichtenpreis betrugen jeweils 10.000 Mark. Während der deutsche Kurzgeschichtenpreis von der Stadt Arnsberg gezahlt wurde, übernahm die Sparkasse Arnsberg-Sundern das Preisgeld für den internationalen Preis und den Schülerpreis, der mit 3000 DM dotiert war. Die Firma Clasvogt stiftete zusätzlich zur Erinnerung an den Gründer der Veranstaltungsreihe den Hartwig-Kleinholz-Preis, der mit 5000 DM dotiert war.