mini|Davids Napoléon dans son cabinet de travail (1812) Die Hand in der Weste ist eine populäre Geste, die sich auf vielen Gemälden von Staatsmännern und bedeutenden Persönlichkeiten des 18. und 19. Jahrhunderts findet. Sie wird heute vor allem mit Napoleon Bonaparte assoziiert, daher wird sie auch Napoleonpose oder Napoleongeste genannt.Matthias Schloßberger: Geschichtsphilosophie. Akademie Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-05-004549-8, S. 138 (Google Books) Die Geste erfuhr insbesondere durch Napoleon einen „Bedeutungswandel von der ethischen zur politischen Rhetorik“.Uwe Fleckner, Martin Warnke, Hendrik Ziegler (Hrsg.): Handbuch der politischen Ikonographie, Verlag C.H. Beck, München 2011, S. 457 Seit der Antike galt die Geste als Zeichen allgemeiner sittlicher Tugend. So hielt der berühmte Rhetoriker Aischines das Sprechen mit gestikulierenden Händen außerhalb der Toga für unhöflich. Durch Napoleon wurde die Geste zu einem politischen Symbol der Stilisierung eines Herrschers als kontrolliert und besonnen, in Abgrenzung zur Ikonographie früherer absolutistischer Herrscher mit leicht gespreizten Armen.Dmitri Zakharine: Von Angesicht zu Angesicht: Der Wandel direkter Kommunikation in der ost- und westeuropäischen Neuzeit, UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz 2005, S. 184 ff. Diese Geste ist auch bei Freimaurern bekannt.
Hintergrund Die Geste, bei der eine Hand in der Weste verborgen wird, lässt sich bis in die Antike zurückverfolgen. Aischines, der Begründer einer Rhetorikschule, vertrat die Ansicht, dass es schlechte Manieren seien, beim Sprechen einen Arm außerhalb des Chiton zu tragen.
Im britischen Porträt des 18. Jahrhunderts wurde die Pose als Zeichen dafür verwendet, dass die dargestellte Person der Oberschicht angehörte. Ein Leitfaden für „gutes Benehmen“ aus dem frühen 18. Jahrhundert beschreibt die Geste als Ausdruck von „männlicher Kühnheit, gemildert durch Bescheidenheit“.
Die Kunsthistorikerin Arline Meyer vertritt die Auffassung, dass die Pose – neben der Nachahmung tatsächlichen gesellschaftlichen Verhaltens oder klassischer Statuen – zu einer bildlichen Darstellung des englischen Nationalcharakters nach der Restauration wurde. Im Kontext der zunehmenden anglo-französischen Rivalität habe sie ein „natürliches, bescheidenes und zurückhaltendes Bild“ gefördert, das durch die klassische Tradition legitimiert worden sei, im Gegensatz zur „gestischen Überschwänglichkeit des französischen rhetorischen Stils“ mit seinen katholischen und absolutistischen Bezügen.
In der Fotografie Mit der Erfindung der Fotografie wurde die Pose weiterhin verwendet, möglicherweise auch mit dem zusätzlichen Zweck, durch das Fixieren der Hand an einer Stelle ein Verwischen der Aufnahme zu verhindern. Sie ist häufig auf Fotografien von Angehörigen des Militärs zu sehen. Mehrere Fotografien aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg zeigen diese Pose oder deuten sie durch drei geöffnete Knöpfe an einer Tunika an.
Galerie
Literatur Uwe Fleckner, Martin Warnke, Hendrik Ziegler (Hrsg.): Handbuch der politischen Ikonographie. Verlag C. H. Beck, München 2011.
Weblinks
Kurzer, reich bebilderter Artikel im Blog Textile Geschichten. Kulturblog rund um Nadel, Faden, Kleidung, Stoffe (2018)
Einzelnachweise
Kategorie:Handgeste