Scheßlitz () (bambergisch: Schäätz) ist eine Stadt im oberfränkischen Landkreis Bamberg und zählt zur Metropolregion Nürnberg.

Geografie Lage Die Stadt liegt am Aufstieg zur Fränkischen Schweiz an der A 70 zwischen Bamberg und Bayreuth.

Die Stadt ist umgeben von folgenden Hügeln: mini|Blick auf den Reisberg Stammberg (559 m) Giechburg (530 m) Gügel (515 m) Kulm (553 m) Heidenstein (577 m) Rabenstein (572 m) Würgauer Höhe (518 m) Reisberg (554 m) Roter Stein (518 m) Wattendorfer Höhe (555 m) Hohe Metze (577 m)

Die geschützte Lage des Talkessels mit den dort zusammenlaufenden Straßen von Heiligenstadt, Hollfeld, Weismain, Bad Staffelstein und Zapfendorf begünstigte Siedlungen in vorgeschichtlicher Zeit.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (im Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Bad Staffelstein (Landkreis Lichtenfels), Wattendorf, Stadelhofen, Königsfeld, Litzendorf, Memmelsdorf, Breitengüßbach, Zapfendorf und Ebensfeld (Landkreis Lichtenfels).

Gemeindegliederung

Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden zahlreiche umliegende Gemeinden in die Stadt eingemeindet (1. Juli 1972 und 1. Mai 1978), wodurch sie zur flächengrößten Gemeinde des Landkreises wurde. Sie besteht aus 30 Gemeindeteilen:

80px Burgellern 414 Einwohner 1972 eingemeindetEine ehemalige Burg und der Ellerbach prägten den Namen des Ortes. 80px Burglesau 175 Einwohner 1978 eingemeindetDer Name Lesen ist wohl slawischer Herkunft und bedeutet Walddorf. 80px Demmelsdorf 300 Einwohner 1978 eingemeindetDas Dorf hatte bis zur Zeit des Nationalsozialismus eine starke jüdische Bevölkerung. 80px Dörrnwasserlos 70 Einwohner 1978 eingemeindet (zusammen mit Stübig) Der Name bedeutet wohl zur dürren oder dornigen Wasserlöse. 80px Doschendorf 20 Einwohner 80px Ehrl 110 Einwohner 1978 eingemeindetSpitzname Bachstelzer. Als der Bach noch flache Ufer hatte, überquerte man ihn mit Stelzen. 80px Giechburg 2 Einwohner Die Besiedlung des Giechburgplateaus ist bis in die Steinzeit nachweisbar. 80px Gügel 0 Einwohner Die Wallfahrtskirche steht hoch auf einem Felsen mit Sichtverbindung zur Giechburg. 80px Köttensdorf 122 Einwohner 80px Kübelstein 138 Einwohner 1978 eingemeindetDer Name könnte mit einem Felsen, der die Form eines Kübels hatte, zusammenhängen. 80px Ludwag 128 Einwohner 1978 eingemeindetVermutlich gehörte Ludwag zu den 14 Slawenkirchen, die Kaiser Karl der Große 793 gründen ließ. 80px Neudorf 112 Einwohner 1978 eingemeindet 80px Pausdorf 105 Einwohner 1972 eingemeindet 80px Peulendorf 171 Einwohner 1978 eingemeindetDie erste urkundliche Erwähnung als Dorf des Bulo/Pulo/Puolo erfolgte im Jahr 1293. Pünzendorf 70 Einwohner Durch die geschützte Lage ist der Ort bekannt für seine Kirschen. 80px Roschlaub 73 Einwohner 1978 eingemeindet (zusammen mit Stübig) 80px Roßdach 78 Einwohner 80px Scheßlitz 2721 Einwohner 80px Schlappenreuth 93 Einwohner 80px Schrautershof 3 Einwohner Schrautershof im Vordergrund, liegt in der Nähe der Giechburg und ist fast vollständig von Wald umgeben. 80px Schweisdorf 170 Einwohner 1978 eingemeindetIm Ort befindet sich eine Johanneskapelle, die früher bei Oberhaid stand und 1862 Stein für Stein nach Schweisdorf umgesetzt wurde. Starkenschwind 162 Einwohner 80px Straßgiech 518 Einwohner 1978 eingegliedert (zusammen mit Wiesengiech als Giech) 80px Stübig 200 Einwohner 1978 eingemeindetStubich bezeichnet im Mittelhochdeutschen Reisig, was auf eine mit Niederholz und Gestrüpp bewachsene Gegend hindeutet. 80px Weichenwasserlos 73 Einwohner 1978 eingemeindetDer Name bezieht sich auf den geologischen Standort (zur weichen Wasserlöse). 80px Weingarten 13 Einwohner 80px Wiesengiech 641 Einwohner 1978 eingegliedert (zusammen mit Straßgiech als Giech) 80px Windischletten 251 Einwohner 1978 eingemeindet 80px Würgau 345 Einwohner 1978 eingemeindetDirekt am Ortsausgang beginnt der Würgauer Berg, der jahrzehntelang als deutsche Bergrennstrecke bekannt war. 80px Zeckendorf 235 Einwohner 1978 eingemeindetZeckendorf hatte, wie der Nachbarort Demmelsdorf, eine starke jüdische Gemeinde.

(Einwohnerzahlen vom 30. März 2022https://www.schesslitz.de/unsere-stadt/ortsportrait/zahlen-daten/einwohnerzahlen-nach-stadtteilen)

Außerdem gibt es die Wohnplätze Feuersmühle, Lochskeller, Lohmühle, Schiefermühle, Würgauer Mühle und Ziegelmühle.

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Burgellern, Burgholz, Burglesau, Demmelsdorf, Dörrnwasserlos, Ehrl, Grumbach, Hohenhäusling (Gemarkungsteil 0), Ludwag, Neudorf b.Scheßlitz, Roschlaub, Scheßlitz, Schweisdorf, Straßgiech, Stübig, Weichenwasserlos, Wiesengiech, Windischletten, Würgau und Zeckendorf. Die Gemarkung Scheßlitz hat eine Fläche von 6,073 km² und ist in 2123 Flurstücke aufgeteilt.

Geschichte mini|Ausschnitt aus einer Karte Frankens aus Theatrum Orbis Terrarum mit Scheßlitz, Ende 16. Jahrhundert, orientiert nach Osten mini|Verkehrskarte aus dem Jahr 1912

Bis zur Gemeindegründung Eine erste urkundliche Erwähnung von Scheßlitz im sogenannten Diedenhofener Kapitular Karls des Großen von 805 ist fraglich. Scheßlitz gehört aber dennoch zu den ältesten Siedlungen im weiten Umkreis und besitzt seit 1230 Stadtrechte.

Bandkeramische Relikte in der Kohlstatt weisen auf Siedlungen um 2500 v. Chr. hin. Der Reisberg bei Burgellern trug eine völkerwanderungszeitliche Befestigungsanlage.

Konkrete Hinweise auf die Geschichte der Stadt lassen sich aus dem Codex Eberhardi entnehmen, in dem verzeichnet ist, dass ein Graf Bernhard und dessen Frau Ratbirg um das Jahr 800 ihre Besitzungen auf der Gemarkung der heutigen Stadt Scheßlitz an das Kloster Fulda vermachten. Diesen Hinweis griff die Stadt auf und beging im Jahr 2005 ihr 1200. Stadtjubiläum.

Als gesicherter Nachweis für das Bestehen einer Pfarrei Scheßlitz gilt die Unterzeichnung eines Protokolls über die Bamberger Synode 1059 durch Arnold de Sieslice.

Bedeutung gewann der Ort durch die Aktivitäten der Andechs-Meranier, die im Jahr 1178 zu Herzögen aufgestiegen waren. 1230 wurde eine befestigte Burg Herzog Ottos VIII. von Andechs-Meranien in der civitas Scheßlitz erwähnt. Scheßlitz ist damit die älteste Stadt im Landkreis Bamberg. Nach dem Aussterben der männlichen Linie der Andechs-Meranier 1248 entbrannte ein jahrelanger Erbstreit, an dessen Ende Scheßlitz 1260 an Friedrich I. von Truhendingen fiel. Die Grafen von Truhendingen verstrickten sich zwischen Ende des 13. und Ende des 14. Jahrhunderts immer wieder in kostspielige Fehden, was schließlich zur Verpfändung an den Bamberger Fürstbischof Lamprecht von Brunn und letztlich 1390 zum endgültigen Erwerb der Stadt und der Grafschaft Giech durch das Hochstift Bamberg führte. Lamprecht von Brunn erwies sich als Glücksfall für Scheßlitz. Nach den Jahren des Niedergangs unter den verarmten Grafen von Truhendingen stärkte der neue Herrscher die Stadt, indem er 1395 das Elisabethenspital stiftete und ihr erweiterte Marktrechte und Fischereirechte am Main zusprach. Die Fischangel aus dem Wappen des Bischofs im Stadtwappen erinnert an dessen Wirken.

Nachdem seit dem Meranischen Erbschaftsstreit Friede geherrscht hatte, fielen um 1390 die Hussiten ins Land und brannten einige Häuser in der Stadt nieder. Es bestand damals zwar bereits eine Stadtmauer, doch es wird vermutet, dass sie aus Holz bestand und kein hinreichendes Hindernis darstellte.

Der Bauernkrieg von 1525 schien im Scheßlitzer Land zunächst glimpflich abzulaufen. Die aufständischen Bauern konnten im Mai in Verhandlungen mit dem Fürstbischof Weigand von Redwitz Zugeständnisse bei der Zehntbemessung erreichen. Dieser Gnadenerlass war jedoch hinfällig, nachdem die Bauern die Giechburg gestürmt und verwüstet hatten, sich letztlich aber doch geschlagen geben mussten. Der Fürstbischof strafte die Aufrührer und legte der Stadt immense Kosten für den Wiederaufbau der Burg auf.

Während des Dreißigjährigen Krieges brannten 1633 die Schweden vor allem die untere Stadt und einige vorgelagerte Ansiedlungen nieder. Straßennamen wie Kohlstatt und Brand weisen auf diese Zerstörungen hin.Karl Heinz Mayer: Die alte Geschichte von Scheßlitz; Seiten 46 ff.

Die Stadt Scheßlitz war Obervogtamt des Hochstifts Bamberg. Seit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 gehört der Ort wie weite Teile Frankens zu Bayern (Siehe auch Geschichte Frankens). (PDF-Datei; 179 kB).

mini|Ortsbild von der Giechburg aus

Jüdische Familien Vor allem in den heutigen Gemeindeteilen Scheßlitz, Demmelsdorf und Zeckendorf waren seit jeher jüdische Familien ansässig, die zeitweilig mit sechzig Prozent die Mehrheit der Bevölkerung bildeten. Sie wurden durch die antisemitische NS-Gewaltherrschaft in die Emigration getrieben oder in der Shoa umgebracht. Seit 1991 erinnert ein Gedenkstein an der Staatsstraße zwischen Demmelsdorf und Zeckendorf an 44 namentlich genannte jüdische Opfer.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Band 1; Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0; S. 191. Am 14. Oktober 2024 wurden Stolpersteine zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus verlegt. Eine weitere Stolpersteinverlegung ist für den 16. Oktober 2025 geplant.

Zitate aus alten Reiseführern In Merians Topographia Franconiae wird Scheßlitz folgendermaßen charakterisiert:

In seinem Reiseführer über Bamberg und Umgebung aus der Zeit um das Jahr 1912 beschreibt der Verfasser Dietrich Amende auch die Stadt Scheßlitz:

Zitat aus Pierers Universal-Lexikon

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. April 1971 Straßgiech und Wiesengiech zur Gemeinde Giech zusammengeschlossen. Am 1. Januar 1972 wurden Dörrnwasserlos und Roschlaub in die Gemeinde Stübig eingegliedert, Burglesau folgte am 1. Januar 1974. Am 1. Juli 1972 wurde Burgellern nach Scheßlitz eingegliedert. Am 1. Mai 1978 wurden die Gemeinden Demmelsdorf, Ehrl, Giech, Ludwag, Neudorf bei Scheßlitz, Peulendorf, Schweisdorf, Stübig, Weichenwasserlos, Windischletten, Würgau und Zeckendorf sowie Teile der aufgelösten Gemeinde Hohenhäusling eingegliedert.

Am 1. Januar 1989 wurden die unbewohnten und weitgehend bewaldeten gemeindefreien Gebiete Burgholz mit 200,14 ha und Grumbach mit 329,96 ha vollständig aufgelöst und in die Gemeinde Scheßlitz eingegliedert.Regierung von Oberfranken vom 15. Dezember 1988

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum von 1988 bis 2018 wuchs die Stadt von 6613 auf 7259 um 646 Einwohner bzw. um 9,8 %.

Jeweils am Tag der Volkszählung (1961 und 1970), am 30. Juni (2005) am 31. Dezember (1995 und ab 2010) hatte Scheßlitz folgende Einwohnerzahlen.

Jahr 1961 1970 1991 1995 2005 2010 2015 2023Einwohner 6318 6630 6873 6963 7167 7079 7176 7344

Religion Laut Zensus am 9. Mai 2011 sind 83,4 % der Einwohner römisch-katholisch und 7,5 % evangelisch-lutherisch. 9,1 % haben eine andere Religion oder sind konfessionslos.

Politik Bürgermeister Erster Bürgermeister der Stadt Scheßlitz ist seit dem 1. Mai 2026 Michael Dippold (CWG), der sich mit 59,5 % der Stimmen in der Stichwahl gegen Thomas Firnstein (CSU) durchsetzen konnte. Sein Vorgänger war von 2014 bis 2026 Roland Kauper (CSU), der mit 63,02 % der Stimmen gewählt und 2020 bei zwei Gegenkandidaten mit 57,06 % der Stimmen im Amt bestätigt wurde. Bereits seit 1991 fungierte er als Zweiter Bürgermeister. Vorgänger Kaupers war von 1984 bis 2014 Franz Zenk (CSU), der zuletzt 2008 mit 83,57 % der Stimmen wiedergewählt wurde.

Stadtratswahlen Die Stadtratswahlen der Jahre 2002, 2008, 2014, 2020 und 2026 hatten folgendes Ergebnis: Partei 2002 2008 2014 2020 2026 CSU 9 Sitze 8 Sitze 8 Sitze 6 Sitze6 Sitze SPD 3 Sitze 2 Sitze 2 Sitze 1 Sitzn. a. Freie Liste 3 Sitze 2 Sitze 2 Sitze 2 Sitze2 Sitze Christliche Wählergemeinschaft Scheßlitz-Umland 2 Sitze 5 Sitze 4 Sitze 4 Sitze4 Sitze Vereinigte Junge Wähler 2 Sitze 2 Sitze 2 Sitze 2 Sitze1 Sitz Interessengemeinschaft Giech 1 Sitz 1 Sitz 1 Sitz 1 Sitz1 Sitz Bündnis 90/Die Grünen n. a. n. a. 1 Sitz 2 Sitze1 Sitz AfD n. a. 1 Sitz3 Sitze Junge Ideen Scheßlitz und Umgebung 1 Sitz2 Sitze

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