Die Evangelische Kirche in Garbenteich, einem Stadtteil von Pohlheim (Hessen), wurde im 12. Jahrhundert gebaut und ist das älteste Gebäude des Ortes.850 Jahre Garbenteich. 1991, S. 35. Sie prägt das Ortsbild und ist hessisches Kulturdenkmal.Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Kulturdenkmäler in Hessen. 2010, S. 401. mini|Nordseite der Kirche
Geschichte mini|Südseite der Kirche Garbenteich gehörte einer gefälschten Urkunde zufolge ab dem Jahr 1141 zum Kirchspiel von Kloster Schiffenberg. In kirchlicher Hinsicht war der Ort im ausgehenden Mittelalter dem Archipresbyterat Wetzlar des Archidiakonats St. Lubentius Dietkirchen im Bistum Trier zugeordnet. Die Kirche aus dem 12. Jahrhundert wird 1258 erstmals urkundlich erwähnt („de capella Garwarteich“).850 Jahre Garbenteich. 1991, S. 30.
Mit Einführung der Reformation wechselte Garbenteich spätestens im Jahr 1561 zum evangelischen Bekenntnis, möglicherweise bereits in den 1530er Jahren.Wilhelm Diehl: Reformationsbuch der evangelischen Pfarreien des Großherzogtums Hessen. 2. Auflage. Selbstverlag, Friedberg 1917, S. 116 f. Im Jahr 1607 wurde die Watzenborner Kirche zur eigenständigen Pfarrei erhoben und erhielt die evangelischen Kirchen von Garbenteich und Steinberg als Filialen. Infolgedessen wurde die Kirche in Garbenteich 1619 in eine Predigtkirche umgebaut, eine erste Empore und die Holzdecke wurden eingebaut sowie das Dach erneuert und der Dachreiter aufgesetzt. Der Stuhl des Kirchenvorstehers ist mit dem Jahr 1619 bezeichnet. Das Kirchendach wurde 1739 repariert. Im Jahr 1774 erhielt die Empore ihre heutige dreiseitige Gestalt. Der Chor wurde im Jahr 1804 saniert, 1825 die Kirchendecke gestrichen und neue Bänke hergestellt und 1826/27 der Fußboden neu verlegt.Diehl: Baubuch für die evangelischen Pfarreien. 1935, S. 237. Seit 1926 ist die evangelische Kirchengemeinde Garbenteich bei Hausen eingepfarrt. Innenrenovierungen fanden in den Jahren 1900 und 1961 statt. 1968/69 wurden die verputzten Außenmauern aus unbehauenem Basalt freigelegt und die Kirchhofmauer wieder aufgeführt.Stumpf: Garbenteich. Stadtteil von Pohlheim. 1979, S. 67. Bis 1974 wurden die Außenanlagen erneuert, eine neue Orgel angeschafft und 1977 im Chor übertünchte Wandmalereien freigelegt.Weyrauch: Die Kirchen des Altkreises Gießen. 1979, S. 51.
Architektur mini|hochkant|Nordportal Die geostete, einschiffige Saalkirche auf rechteckigem Grundriss ist inmitten eines Friedhofs im alten Dorfzentrum errichtet. Sie ist aus unverputztem Bruchsteinmauerwerk gefertigt, die unregelmäßige Eckquaderung und die Gewände sind aus Lungstein. Die Kirche hat einen eingezogenen, rechteckigen Chorabschluss im Osten und einen niedrigen Dachreiter mit Pyramidenhelm, der von einem Turmknopf, einem Kreuz in einem verzierten Kreis und von einem Wetterhahn bekrönt wird. Möglicherweise war der Chor ursprünglich als Untergeschoss eines Chorturms vorgesehen.Walbe: Die Kunstdenkmäler des Kreises Gießen. 1933, S. 35. Der Chor hat in drei Richtungen je ein Rundbogenfenster unterschiedlicher Größe, von denen das südliche Fenster am kleinsten ist (0,42 × 0,90 Meter). Um 1500 datiert die Vergrößerung des Ostfensters (1,10 × 1,65 Meter), das gekehlte Holzgewände hat.Weyrauch: Die Kirchen des Altkreises Gießen. 1979, S. 50.
Das Kirchenschiff wird an den drei freistehenden Seiten durch je ein mittelgroßes rundbogiges Fenster mit geraden Lungsteingewänden belichtet. Die beiden Langseiten haben unter der Traufe je ein kleines Rechteckfenster ohne Gewände. Ein weiteres kleines rundbogiges Fenster ohne Umrahmung ist in der Südwand angebracht (0,27 × 0,72 Meter). Bis auf die beiden kleinen Südfenster sind alle anderen Fenster später vergrößert oder später eingebrochen.Walbe: Die Kunstdenkmäler des Kreises Gießen. 1933, S. 36. Das westliche Giebeldreieck aus Fachwerk ist verschiefert. Die rundbogigen Portale an der West- und Nordseite erschließen das Gebäude. Sie haben beide dicke, vorkragende Kämpfer und unregelmäßige Lungsteingewände. Das aufwändiger gestaltete Nordportal, das an der Straße gelegen als Haupteingang dient, ist abgestuft und hat unter einer Blendnische ein gotisches Türblatt mit Eisenbeschlägen.Dehio-Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Hessen I. 2008, S. 303.
Ausstattung mini|links|Innenraum Richtung Westen mini|hochkant|Kanzel von 1619 Der Innenraum ist flachgedeckt und wirkt durch die niedrige Decke und die eingebauten Emporen eng. Ein Längsunterzug wird von zwei mächtigen achteckigen Mittelpfosten mit je vier geschweiften Bügen gestützt. Die dreiseitige, kassettierte Empore ruht auf Holzpfosten. Das Kircheninnere wird von Grüntönen der hölzernen Einrichtung beherrscht. Im Chor sind die Reste alter Malereien des frühen 17. Jahrhunderts erhalten, die die Fenster mit ockerfarbenem Rankenwerk umgeben.
Ältester Einrichtungsgegenstand ist die polygonale Kanzel mit Schalldeckel von 1619, die an den Feldern mit Blütenranken bemalt ist. Sie ist mit einem hölzernen Pfarrstuhl verbunden, der in der oberen Hälfte aus durchbrochenem Gitterwerk gefertigt ist. Eine Bankbrüstung ist mit der Jahreszahl 1619 und den Namen einiger Kirchenvorsteher bezeichnet.
Eine spätgotische Piscina in der südlichen Chorwand ist erhalten. Die mittelalterliche Steinmensa wird von einer profilierten Platte abgeschlossen. Vor der Nordseite steht ein großes romanisches Taufbecken aus Lungstein (1,05 Meter im Durchmesser, 0,45 Meter hoch).Walbe: Die Kunstdenkmäler des Kreises Gießen. 1933, S. 37.
Orgel mini|hochkant|Orgel von 1974 Im Jahr 1900 schuf Johann Georg Förster eine neue Orgel mit sechs Registern auf einem Manual und Pedal, die im Chor aufgestellt wurde. Förster & Nicolaus Orgelbau ersetzten das Instrument 1974 durch ein neues Werk, das in der nordöstlichen Chorecke seinen Platz fand. Einige ältere Register wurden umgearbeitet und einbezogen. Der Prospekt wird durch fünf offene Kästen unterschiedlicher Höhe gegliedert. Die Holzpfeifen des Subbass stehen rechts separat von der Orgel an der Ostwand. Die Disposition lautet wie folgt:Beschreibung der Orgel auf www.organindex.de, abgerufen am 25. Mai 2026. Manual C–g3 Prinzipal 8′ Bourdun 8′ Salicional 8′ Oktave 4′ Flöte 4′ Quinte ′ Oktave 2′ Mixtur II–III ′ Pedal C–f1 Subbaß 16′ Koppeln: I/P
Glocken Der Dachreiter beherbergt ein Dreiergeläut. Im Jahr 1872 goss Philipp Heinrich Bach aus Windecken eine Glocke für Garbenteich (0,85 Meter Durchmesser), die 1917 abgeliefert werden musste und 1924 durch eine Glocke von F. W. Rincker und Sohn (0,90 Meter Durchmesser, No. 3152) ersetzt wurde. Sie wird von einem Akanthusfries verziert. Die Gemeinde schaffte 1873 eine weitere Bach-Glocke an (0,70 Meter Durchmesser),Walbe: Die Kunstdenkmäler des Kreises Gießen. 1933, S. 37. die nicht mehr vorhanden ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam eine Glocke von Johann Heinrich Scheel von 1732 als sogenannte „Leihglocke“ nach Garbenteich, die ursprünglich für Lubuń (Labuhn) gegossen wurde. Eine kleine dritte Glocke gossen die Gebr. Rincker im Jahr 1952. Nr. Gussjahr Gießer, Gussort Durchmesser(mm) Inschrift Bild 1 1924 F. W. Rincker und Sohn, Sinn900 140x140px 2 1732 Johann Heinrich Scheel 140x140px 3 1952 Gebr. Rincker, Sinn 140x140px
Literatur Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Hessen I: Regierungsbezirke Gießen und Kassel. Bearbeitet von Folkhard Cremer, Tobias Michael Wolf und anderen. Deutscher Kunstverlag, München / Berlin 2008, ISBN 978-3-422-03092-3, S. 303. Wilhelm Diehl: Baubuch für die evangelischen Pfarreien der Souveränitätslande und der acquirierten Gebiete Darmstadts. (Hassia sacra; 8). Selbstverlag, Darmstadt 1935, S. 237 f. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.), Karlheinz Lang (Bearb.): Kulturdenkmäler in Hessen. Landkreis Gießen II. Buseck, Fernwald, Grünberg, Langgöns, Linden, Pohlheim, Rabenau. (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland). Theiss, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2178-7, S. 401 f. Magistrat der Stadt Pohlheim; Wilhelm Adler (Red.): 850 Jahre Garbenteich. Pohlheim 1991, S. 30–35. Otto Stumpf: Garbenteich. Stadtteil von Pohlheim. Altes und Neues von einem alten hessischen Dorf. 1979. Heinrich Walbe: Die Kunstdenkmäler des Kreises Gießen. Bd. 3. Südlicher Teil ohne Arnsburg. Hessisches Denkmalarchiv, Darmstadt 1933, S. 35–37. Peter Weyrauch: Die Kirchen des Altkreises Gießen. Mittelhessische Druck- und Verlagsgesellschaft, Gießen 1979, 50 f.
Weblinks
Homepage der Kirchengemeinde
Einzelnachweise
Kategorie:Kirchengebäude im Landkreis Gießen Kategorie:Kirchengebäude des Evangelischen Dekanats Gießen Kategorie:Erbaut im 12. Jahrhundert Kategorie:Romanische Kirche Kategorie:Bauwerk der Romanik in Hessen Kategorie:Kulturdenkmal in Pohlheim Kategorie:Kirchengebäude in Europa Kategorie:Disposition einer Orgel Kategorie:Geläut Kategorie:Sakralbau in Pohlheim