Als Massaker von Greensboro wird der bewaffnete Überfall von Mitgliedern der American Nazi Party und des Ku-Klux-Klan auf eine kommunistische Demonstration in Greensboro im US-Bundesstaat North Carolina am 3. November 1979 bezeichnet. Dabei wurden fünf Demonstranten erschossen. Die Demonstration stellte den Höhepunkt der Versuche der Communist Workers’ Party dar, die mehrheitlich schwarzen Industriearbeiter in der Region zu organisieren.

Die fünf getöteten Demonstranten waren Sandra Smith,Civil Rights Greensboro: , abgerufen am 14. September 2013 eine Krankenschwester und Bürgerrechtsaktivistin, und James Waller,Civil Rights Greensboro: , abgerufen am 14. September 2013 der Präsident einer lokalen Textilarbeiter-Gewerkschaft, sowie William Sampson,Civil Rights Greensboro: , abgerufen am 14. September 2013 ein Absolvent der Harvard Divinity School, Cesar Cauce,Civil Rights Greensboro: , abgerufen am 14. September 2013 ein kubanischer Einwanderer, der an der Duke University mit magna cum laude promovierte, und Michael Nathan,Civil Rights Greensboro: , abgerufen am 14. September 2013 ein Mediziner, der Kindern aus einkommensschwachen Familien half.

Bei den ersten beiden Gerichtsverfahren wurden die Beschuldigten durch zwei ausschließlich aus Weißen bestehende Jurys freigesprochen. 1985 führte eine Klage des Christic Institute und ihres Anwalts Daniel Sheehan zu einem der – bis heute – wenigen Urteile gegen Vertreter der Strafverfolgungsbehörden in den Südstaaten, denen Absprachen in Zusammenhang mit Gewalttaten des Klans vorgeworfen wurden. Den Überlebenden wurde ein Schmerzensgeld in Höhe von 350.000 US-Dollar zugesprochen, belangt wurden die Stadt Greensboro, die American Nazi Party und der Klan wegen der Verletzung der Bürgerrechte der Demonstranten. Die Stadt übernahm die komplette Strafe. Nur Martha Nathan erhielt ihr Geld. Zwei weitere Kläger, denen Geld zugesprochen wurde, erhielten dieses nie.Civil Rights Greensboro: , abgerufen am 14. September 2013

Demonstration und Überfall Feindseligkeiten zwischen den Gruppen flackerten im Juli 1979 auf, als linke Aktivisten eine Vorführung von D. W. Griffiths Die Geburt einer Nation in China Grove störten. Der Film von 1915 heroisiert den Ku-Klux-Klan und gilt als technischer Meilenstein, steht allerdings wegen der im Film transportierten anti-schwarzen Vorurteile unter anhaltender Kritik. Nach diesem Übergriff kam es in den folgenden Monaten zu wiederholten verbalen Angriffen auf den jeweils anderen.

Am 3. November 1979 wurde in Greensboro durch Industriearbeiter und Kommunisten eine Demonstration gegen den Klan veranstaltet. Der „Death to the Klan March“ startete in einer mehrheitlich schwarzen Sozialwohnungssiedlung namens Morningside Homes. Kommunistische Veranstalter hatten öffentlich den Klan dazu aufgerufen, auf der Demonstration zu erscheinen und „dem Zorn des Volkes ins Gesicht zu sehen“.The Prism: Chronology of the November 3, 1979 Greensboro Massacre and its Aftermath, abgerufen am 16. September 2013.

Während des Umzugs fuhr ein Autokorso vor, in dem sich Klanleute und Mitglieder der American Nazi Party befanden. Sie fuhren direkt an den Kommunisten und anderen Klangegnern vorbei. Diese fingen an, die Autos mit Ästen zu attackieren und mit Steinen zu bewerfen. Nach Angaben von Frazier Glenn Miller, einem Anhänger der weißen Vorherrschaft, wurden die ersten Schüsse von einem Anti-Klan-Demonstranten abgefeuert. Nach den Angaben zahlreicher Zeugen dagegen, wurde der erste Schuss durch das Klanmitglied Mark Sherer abgegeben, ein Schuss in die Luft.Greensboro Truth and Reconciliation Commission: The Final Report, abgerufen am 16. September 2013.

Die Klanleute und Neonazis schossen mit Schrotflinten, Gewehren und Pistolen auf die Demonstranten. Cesar Cauce, James Waller und William Sampson starben an Ort und Stelle. Sandra Smith erlitt einen Kopfschuss, als sie aus ihrem Versteck hervorschaute. Elf weitere Menschen wurden angeschossen. Einer von ihnen, Michael Nathan, erlag später seinen Verletzungen im Krankenhaus.The Washington Post: Seeking Closure on 'Greensboro Massacre' vom 6. März 2005, abgerufen am 16. September 2013. Der Großteil der Schießerei wurde durch vier Kameras lokaler Nachrichtensender aufgezeichnet.

Rolle der Polizei Einen der umstrittensten Aspekte bei der Schießerei stellt die Rolle der Polizei dar. Im Normalfall wäre bei einer Demonstration wie bei der in Greensboro die Polizei anwesend. In diesem Fall war dies allerdings nicht der Fall, was es den Angreifern erlaubte, zu entkommen. Ein Detektiv und ein Fotograf der Polizei folgten dem Autokorso der Klanleute und der Neonazis zur Demonstration, versuchten aber nicht einzugreifen. Später wurde einer der Klanleute, Edward Dawson, zum Informanten der Polizei. Dawson saß im Führungsfahrzeug des Korsos. Zwei Tage vor der Demonstration war einer der Klanleute zu einer Polizeiwache gegangen und hatte dort eine Karte von der geplanten Marschroute erhalten.

Bernard Butkovich, ein Undercover-Agent des Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives (ATF), bezeugte später, dass Klanleute und Mitglieder der Gruppe der American Nazi Party, die er überwachte, geplant hatten, eine Konfrontation mit den Demonstranten herbeizuführen. In einer vorherigen Aussage gaben ANP-Mitglieder an, dass Butkovich sie dazu aufgefordert habe, Schusswaffen mit zur Demonstration zu bringen.The New York Times: Agent Tells of '79 Threats by Klan and Nazis vom 12. Mai 1985, abgerufen am 16. September 2013.

Nachspiel Gerichtsverfahren 40 Klanleute und Neonazis waren in die Schießerei verwickelt. 16 Personen wurden verhaftet und die sechs erfolgversprechendsten Fälle wurden zuerst vors Gericht gebracht.Press Action: Fünf Klanmitglieder wurden des Mordes angeklagt: David Wayne Matthews,Civil Rights Greensboro: , abgerufen am 16. September 2013 Jerry Paul Smith,Civil Rights Greensboro: , abgerufen am 16. September 2013 Jack Wilson Fowler,Civil Rights Greensboro: , abgerufen am 16. September 2013 Harold Dean FlowersCivil Rights Greensboro: , abgerufen am 16. September 2013 und Billy Joe Franklin.Civil Rights Greensboro: , abgerufen am 16. September 2013

Im zweiten Verfahren wurden neun Männer angeklagt. Zusammen mit Matthews, Smith und Fowler wurden sechs weitere Personen wegen anderen Straftaten angeklagt, die mit dem Überfall in Verbindung standen. Dies waren Virgil Lee Griffin,Civil Rights Greensboro: , abgerufen am 16. September 2013 Eddie Dawson,Civil Rights Greensboro: , abgerufen am 16. September 2013 Roland Wayne Wood,Civil Rights Greensboro: , abgerufen am 16. September 2013 Roy Clinton Toney,Civil Rights Greensboro: , abgerufen am 16. September 2013 Coleman Blair PridmoreCivil Rights Greensboro: , abgerufen am 16. September 2013 und Rayford Milano Caudle.Civil Rights Greensboro: , abgerufen am 16. September 2013

Beide Verfahren endeten mit einem Freispruch für alle Angeklagten durch zwei, nur aus Weißen bestehende Jurys.The New York Times: Acquittal in Greensboro vom 18. April 1984, abgerufen am 16. September 2013

1985 führte eine Zivilklage durch das Christic Institute und ihren Anwalt Daniel Sheehan zur Verurteilung von fünf Angreifern und zwei Polizisten. Dieses Urteil ist eine der wenigen Gerichtsentscheidungen in den Südstaaten gegen Vertreter der Strafverfolgungsbehörden, denen eine Verwicklung in Gewalttaten des Klans vorgeworfen wurde. Den Überlebenden wurde ein Schadenersatz in Höhe von 350.000 zugesprochen. Die Strafe wurde der Stadt Greensboro, dem Klan und der American Nazi Party auferlegt, wegen der Verletzung der Bürgerrechte der Demonstranten.The New York Times: Civil Convictions In Greensboro vom 9. Juni 1985, abgerufen am 16. September 2013 Die Stadt übernahm die komplette Strafe. Nur Martha „Marty“ Nathan, die Ehefrau von Michael Nathan, erhielt das ihr zustehende Geld. Tom Clark und Paul Bermanzohn, denen ebenfalls Geld zugesprochen wurde, erhielten dieses nie.

Wahrheits- und Versöhnungskommission Im Jahre 2005 wurde von Einwohnern Greensboros eine Wahrheits- und Versöhnungskommission ins Leben gerufen, um öffentlich zu dem Massaker Stellung zu beziehen und die Ursachen und Konsequenzen herauszuarbeiten. Vorbild war die Kommission in Südafrika, die nach dem Ende der Apartheid eingerichtet worden war.The Greensboro Truth and Reconciliation Commission: What is Truth and Reconciliation?, abgerufen am 16. September 2013 Der Stadtrat unter Bürgermeister Keith Holliday stellte sich offen gegen die Kommission. Der Rat stimmte mit sechs zu drei Stimmen gegen eine Unterstützung. Für die Unterstützung stimmten die drei schwarzen Ratsmitglieder.University of Minnesota School of Social Work: (PDF; 85 kB) von 2007, abgerufen am 16. September 2013 Auch Jim Melvin, der Bürgermeister zum Zeitpunkt des Massakers, lehnte die Kommission ab.

Die Kommission befand, dass die Klanleute zu der Demonstration mit der Absicht gingen, gewalttätige Auseinandersetzungen zu provozieren, und dass sie auf die Demonstranten geschossen hatten. Auch befand sie, dass die gewalttätige Rhetorik des Klans und der Kommunisten – in unterschiedlichem Ausmaß – zur Gewalt beigetragen hatten. Auch fand sie heraus, dass sich die Demonstranten nicht völlig der Unterstützung durch die Einwohner von Morningside Homes sicher waren, viele erschienen nicht, da sie gewalttätige Zusammenstöße befürchteten.

Auch fand die Kommission heraus, dass die Polizei von Greensboro den Klan infiltriert hatte und, durch einen bezahlten Informanten, von den Plänen, die Demonstration zu stören, wusste. Auch war ihr das große Gewaltpotential bekannt. Der Informant arbeitete früher auch als Spitzel für das FBI und hielt auch danach noch Kontakt zu seinem alten Führungsoffizier. Folglich war auch das FBI über die drohenden bewaffneten Zusammenstöße informiert.Radical History Review: A Massacre Survivor Reflects on the Greensboro Truth and Reconciliation Commission von 2007. Zitat: „In sum, the GPD instigated and facilitated the attack with the knowledge of federal agents in the FBI and the ATF“ / Zusammenfassend hat das GPD (Polizei) zum Angriff angestiftet und ihn erleichtert, mit dem Wissen von Bundesagenten des FBI und ATF.

Durch die Kommission wurde weiterhin festgestellt, dass einige Demonstranten zurückgeschossen hatten, nachdem sie angegriffen wurden.The NewStandard: Truth Commission Blames Cops in ‘Greensboro Massacre’ vom 2. Juni 2006, abgerufen am 16. September 2013 Die Dokumentation Greensboro: Closer to the Truth aus dem Jahr 2007, beruht auf den Ergebnissen der Kommission.Greensboro: Closer to the Truth, offizielle Seite des Films

Künstlerische Rezeption Die britische Synthie-Pop-Band OMD befasst sich in ihrem Song 88 Seconds in Greensboro mit den Ereignissen in Greensboro.

Literatur Sally Avery Bermanzohn: Through Survivors’ Eyes: From the Sixties to the Greensboro Massacre. Vanderbilt University Press, 2003, ISBN 0-8265-1439-1. Signe Waller: Love And Revolution: A Political Memoir: People’s History Of The Greensboro Massacre, Its Setting And Aftermath. Rowman & Littlefield, London / New York 2002, ISBN 0-7425-1365-3. Elizabeth Wheaton: Codename GREENKIL: The 1979 Greensboro Killings. University of Georgia Press, Athens 1987, ISBN 0-8203-0935-4.

Weblinks Greensboro Truth and Reconciliation Commission – Der Abschlussbericht der Kommission, in dem über mehr als 500 Seiten die Hintergründe und Folgen des Massakers dargelegt werden. Civil Rights Greensboro: The Greensboro Massacre – Weiterführende Informationen Greensboro voices – Weiterführende Informationen über die Bürgerrechtsbewegung in Greensboro und das Massaker 88 Seconds in Greensboro – Transkription der PBS-Sendung Frontline über das Massaker vom 24. Januar 1983 mit Interviews und weiteren Informationen. Remembering the 1979 Greensboro Massacre 25 years later von Democracy Now! vom 18. November 2004

Einzelnachweise

Kategorie:Massaker Kategorie:Kriminalfall 1979 Kategorie:Greensboro (North Carolina)