mini|James Henry Lane (1861 oder später) James Henry Lane (* 22. Juni 1814 in Boone County, Kentucky oder Lawrenceburg, Indiana; † 11. Juli 1866 in Leavenworth, Kansas), auch bekannt als Jim Lane, war ein US-amerikanischer Politiker sowie Brigadegeneral und Freischarführer. Bekannt geworden ist er vor allem aufgrund der umstrittenen Methoden, zu denen seine – auch unter den Namen Lane’s Brigade oder allgemein Jayhawkers bekannten – Kansas-Einheiten vor und während des Amerikanischen Bürgerkriegs griffen.
Lanes Wirken als Politiker wie Militär wird von Zeitzeugen, Medien und Historikern unterschiedlich gewertet. Im Lauf seines Lebens erfüllte er unterschiedliche Funktionen. In den 1840er- und 1850er-Jahren reüssierte er als Freiwilliger im Krieg gegen Mexiko, als Anwalt sowie Vizegouverneur und Repräsentantenhaus-Abgeordneter des Bundesstaats Indiana. Im „Bleeding-Kansas“-Konflikt machte er sich einen Namen als Politiker sowie als militärischer Anführer der Freistaats-Befürworter. Als federführender, auch unter dem Spitznamen „Grim Chieftain“ (übersetzt: „grimmiger Häuptling“) bekannter Befehlshaber der freistaatlichen, unter der Bezeichnung Jayhawkers firmierenden Milizen war er eine jener Free-State-Lokalgrößen, die dazu beitrugen, dass das bis dato als Territorialgebiet fungierende Kansas-Territorium mit einer Sklaverei-freien Verfassung in die Union aufgenommen wurde.
Während des Bürgerkriegs übernahm Lane zeitweilig die Rolle eines Brigadegenerals. Für die Nordstaaten („Union“) stellte er in dieser Funktion 1861/62 die ersten Kansas-Freiwilligenregimenter auf. Einen umstrittenen Ruf erwarben sich Lanes Einheiten vor allem aufgrund ihrer teils rabiaten, durch das Kriegsrecht nicht gedeckten Guerilla-Bekämpfungsmethoden in Kansas sowie dem westlichen Missouri. Die Dynamik dieser großteils irregulären – wegen ihrer regionsspezifischen Besonderheiten auch als „Krieg im Krieg“ charakterisierten – Grenzscharmützel gipfelte im Massaker von Lawrence, bei dem südstaatliche Bushwhacker unter der Führung von William Quantrill und „Bloody Bill“ Anderson die Stadt Lawrence überfielen und im Zuge dessen 160 bis 190 Zivilisten töteten.
Der militärische Beitrag der unter dem Kommando von Lane stehenden Verbände zum letztlichen Unions-Sieg wird eher als nachrangig gewertet. Die größte reguläre Schlacht, an der Lane teilnahm (als freiwilliger Adjutant des Unions-Befehlsstabs), ist die von Westport 1864. Als seine mit herausragendste Handlung – neben dem ebenfalls bemerkenswerten, Ende der 1850er erfolgten Wechsel von den Demokraten zur neu begründeten Republikanischen Partei – gilt nach Meinung einiger Lane-Chronisten die frühe Etablierung von Kriegsformen, die General William Tecumseh Sherman erst 1864 auf seinem Feldzug zum Meer zur Anwendung brachte. Ebenso als Verdienst gutgeschrieben wird ihm die Aufstellung des ersten aus Farbigen bestehenden Freiwilligen-Regiments. Als herausragende persönliche Eigenschaften aufgeführt werden seine Neigung, keinem Streit aus dem Weg zu gehen, sowie sein vor allem in öffentlichen Reden zutage tretendes Charisma. Der Bürgerkriegs-Sachbuchautor Lloyd Lewis charakterisierte Lane als eine Mischung aus Abraham Lincoln und Huey Long – wobei er sich nicht sicher sei, ob die Lincoln-Anteile überwögen.The Man the Historians Forgot, Lloyd Lewis, Kansas Collection – Kansas Historical Quarterlies, Februar 1939, abgerufen am 28. März 2024 (englisch)
Leben Frühe Jahre (1814 bis 1846) mini|Landschaft mit Farm in Indiana James Henry Lane kam am 22. Juni 1814 zur Welt. Sein Vater, der aus dem Bundesstaat New York zugezogen war, arbeitete zu jener Zeit als Rechtsanwalt, strebte allerdings eine politische Karriere an. James Henrys Mutter Mary, geboren unter dem Familiennamen Foote im Bundesstaat Connecticut, betätigte sich als Lehrerin sowie Schulleiterin. Ob James Henry Lane im Bundesstaat Kentucky geboren wurde oder aber in Indiana (damals Indiana-Territorium), lässt sich nicht zweifelsfrei ermitteln. Weil sich das stark von den Föderalisten geprägte Indiana für den den Demokraten zugeneigten Amos Lane als beruflich schwieriges Terrain erwies, zog er mit seiner Familie zeitweilig von Lawrenceburg ins benachbarte Kentucky um. Der Rück-Umzug von der südlichen Ohio-Seite nach Lawrenceburg erfolgte just in dem Jahr, in dem James Henry geboren wurde.Robert Collins: Jim Lane. Scoundrel, Statesman, Kansan. Pelican Publishing, New Orleans 2007, 320 Seiten, ISBN 978-1-58980-445-6 (englisch), Kap. 1, Lane’s Early Life.
Die familiäre Atmosphäre war einerseits von den typischen Werten der Grenzland-Bundesstaaten geprägt mit den dort vorherrschenden Werten Tatkraft, Eigenverantwortung und harter Arbeit. Andererseits bemühte sich die Mutter, bei ihrem Sohn auch intellektuelle Interessen zu wecken – speziell, was das Lesen von Büchern anbelangte. Dem Lane-Biografen Robert Collins zufolge gelang dies lediglich bruchstückhaft. Die Religionszugehörigkeit der Familie war protestantisch – wobei die Mutter ursprünglich Presbyterianin gewesen und erst nach der Heirat mit Amos zum methodistischen Glauben konvertiert war. James Henry Lane hatte fünf Geschwister: drei Brüder (wovon der erste 1810 geboren wurde) und zwei Schwestern.
mini|hochkant|links|Politische Wegmarke in der Familie Lane: US-Präsident Andrew Jackson (1845) mini|Senator James Henry Lane und Mary Elizabeth Lane (1861 oder später) Die Zukunftsvorstellungen des jungen Lane waren stark von den politischen Ambitionen des Vaters geprägt. 1816 wurde dieser zum Abgeordneten im Repräsentantenhaus von Indiana gewählt. Später schloss sich Amos der Bewegung um Andrew Jackson an, trat formell der Demokratischen Partei bei, wurde 1833 Abgeordneter im Repräsentantenhaus in Washington, D.C. und besetzte bis zu seinem Tod im Jahr 1849 unterschiedliche politische Ämter für den Staat Indiana.Lane, Amos, Eintrag zu Amos Lane im Biographical Directory of the United States Congress; abgerufen am 28. März 2024 (englisch).
Ebenso wie der – als wortgewaltig und mitunter scharfzüngig geltende – Vater legte auch der Sohn frühzeitig ein Talent für Reden sowie verbale Schlagabtäusche an den Tag. Als junger Erwachsener bestritt er seinen Lebensunterhalt als Warentransporteur für das Unternehmen eines Schwagers und verschiffte in einem Flachboot Schweinefleisch den Ohio und Mississippi hinunter bis nach New Orleans. Lane-Biograph Collins wie auch andere halten es für wahrscheinlich, dass sich Lanes Abneigung gegenüber der Sklaverei im Zug dieser Reisen herausbildete. Kurzzeitig führte er ein eigenes Geschäft, absolvierte ein Studium in Indiana und wurde 1840 im Alter von 26 als Rechtsanwalt zugelassen.Bryce Benedict: Jayhawkers: The Civil War Brigade of James Henry Lane. University of Oklahoma Press, Norman, Oklahoma 2022, 358 Seiten, ISBN 978-0-8061-9086-0 (englisch), S. 14. Weniger von Erfolg gekrönt waren erste politische Ambitionen. Lane kandidierte zwar für einen Sitz in der bundesstaatlichen Legislative – erreichte von insgesamt sechs Kandidaten allerdings nur Platz drei. Pointe der Angelegenheit: Aufgrund verfahrenstechnischer Eigenheiten erhielt der unmittelbar hinter ihm liegende Kandidat schließlich den Sitz.
1842 heiratete James Henry Lane Mary Elizabeth Baldridge – Berichten zufolge eine Enkelin des Unabhängigkeitskriegs-Generals Arthur St. Clair. Das Verhältnis zwischen den Ehepartnern wird von Historikern als liebevoll-romantisch beschrieben, allerdings auch als mitunter konflikthaft und turbulent. Milton Reynolds, ein Publizist, der Lane kannte, charakterisierte Mary Lane als „eine bemerkenswerte Frau und vollendete Dame“ – mit dem Zusatz, dass sie seiner Meinung nach auch „eine geborene Politikerin“ war.
Krieg gegen Mexiko und politische Ambitionen (1846 bis 1854) Der Ausbruch des Krieges gegen Mexiko 1846 bot Lane eine Möglichkeit, sich in einer Führungsrolle politisch zu profilieren. Ursache des eskalierenden, von den Gebietserweiterungs-Befürwortern in den Vereinigten Staaten forcierten Konflikts war der – sowohl von den USA als auch der Republik Texas – anvisierte Beitritt von Texas zu den Vereinigten Staaten. Ideologisches Rüstwerk der Expansionisten war die Manifest Destiny, die 1845 von dem Journalisten John L. O’Sullivan geprägt worden war. Inhaltlich besagte sie, dass es den USA vorbestimmt sei, bis zum Pazifik zu expandieren. Militärisch gesehen barg der von der US-Regierung unter James K. Polk im April 1846 begonnene Krieg indes nicht unerhebliche Risiken. Die amerikanische Armee war zu jener Zeit klein, das Heer zu großen Teilen über Militärposten entlang der Grenze zu den noch unbesiedelten Gebieten stationiert. Polks Aufruf an die Bundesstaaten, Freiwillige zu stellen, wurde von Lane mit in die Tat umgesetzt. 1846 avancierte er zum Oberst des – von ihm selbst mit auf die Beine gestellten – dritten Indiana-Freiwilligenregiments.
mini|links|Schlacht bei Buena Vista 1847 mini|Karte des Kansas-Territoriums 1856 Lanes Regiment kam in der Schlacht von Buena Vista am 22. Februar 1847 zum Einsatz. Im Zuge der Schlacht kamen die Third Indiana Volunteers einem anderen Freiwilligen-Regiment zu Hilfe – den Mississippi Rifles unter Führung des späteren Konföderationspräsidenten Jefferson Davis. Der – auf US-amerikanischer Seite zwischen 600 und 700 und auf mexikanischer Seite fast dreitausend Tote und Verwundete kostende – Sieg war die einzige größere Kampfhandlung, an der Lane und seine Einheit teilnahmen. Da die Verpflichtung der Freiwilligen auf ein Jahr limitiert war, stellte er 1848 ein weiteres Indiana-Freiwilligenregiment auf. Nach der Kapitulation der mexikanischen Hauptstadt nahm er mit diesem dort Polizeiaufgaben wahr. Lane-Biograf Collins zufolge erfüllte er diese Aufgabe so gut, dass die Einwohner von Mexiko-Stadt ihn zum Abschied mit einer Fahne bedachten.
Aus dem Mexikanischen Krieg zurückgekehrt, verfolgte Lane – nach einer Phase einer wohl ernsthafteren Erkrankung – weiter seine politische Karriere. Bereits 1845 war er für das Amt des Vizegouverneurs von Indiana nominiert worden. 1849 wurde er von der Demokratischen Partei erneut aufgestellt und dieses Mal für eine Amtszeit von vier Jahren gewählt. Bei den Präsidentschaftswahlen von 1852 fungierte Lane als Wahlmann im Electoral College und gab seine Stimme Franklin Pierce. Im selben Jahr wurde er für den vierten Kongressbezirk von Indiana in das US-Repräsentantenhaus gewählt. Lanes Mandatszeit in Washington verlief weitgehend unauffällig. Obwohl er selbst kein Befürworter der Sklaverei war, stimmte er 1854 für den Kansas-Nebraska Act – ein Gesetz, das den Missouri-Kompromiss von 1820 zugunsten der Südstaaten modifizierte. Das neu beschlossene Gesetz legte fest, dass die Bewohner der beiden betroffenen Territorien – Kansas und Nebraska – darüber abstimmen sollten, ob das Gebiet als Sklavenhalter- oder freier Staat der Union beitritt. James Henry Lane wandte sich – nachdem er auf eine weitere Kandidatur für den Kongress verzichtet hatte – dieser Frage bald auch in einem persönlich-biografischen Sinn zu: durch die 1855 erfolgte Verlagerung seines Lebensmittelpunkts nach Kansas.Collins, Jim Lane, Kap. 2, Opening Kansas TerritoryBenedict, Jayhawkers, S. 16.
„Bleeding Kansas“ I: Wandlung vom Demokraten zum Free-State-Befürworter (1854 bis 1856)
mini|Border Ruffians überqueren den Missouri in Richtung Kansas. Zeichnung aus dem Jahr 1870mini|hochkant|Alexander Bullock, einer der Initiatoren der New England Emigrant Aid Company