Gravity ( für Gravitation) ist ein US-amerikanisch-britischer Weltraum-Thriller aus dem Jahr 2013. Die Hauptrolle spielt Sandra Bullock, die über weite Strecken des Films als einzige Darstellerin zu sehen ist. Regie führte Alfonso Cuarón, der auch am Drehbuch und Schnitt mitarbeitete und den Film mitproduzierte. Im Filmjahr 2013 gewann der Film zahlreiche Auszeichnungen, darunter sieben Oscars.
Handlung mini|Raumanzüge aus dem Film, ausgestellt in den Warner Bros. Studios Astronaut Matt Kowalski und Missionsspezialistin Dr. Ryan Stone führen von einem Space Shuttle namens „Explorer“ Reparaturarbeiten am Weltraumteleskop Hubble durch. Für Kowalski ist es der letzte Einsatz vor seinem Ruhestand, für die Biomedizinerin Stone ihr erster Flug im Space Shuttle und erster Außeneinsatz im All.
Sie müssen ihre Arbeit abbrechen, als ein versehentlich abgeschossener Satellit ein großes Trümmerfeld erzeugt hat, das sich ihnen mit hoher Geschwindigkeit nähert. Trümmer töten kurz darauf einen dritten Kollegen und zerstören die „Explorer“ sowie „Hubble“, Kowalski und Stone werden von der Raumfähre weggeschleudert. Die hilflos im freien Raum treibende Stone wird kurz darauf von Kowalski wieder eingefangen, der einen Düsenrucksack trägt. Da das Shuttle zerstört ist, steuern sie die nahe ISS an, um mit einem der dort vorhandenen Sojus-Raumschiffe zur Erde zurückzukehren.
Auch die ISS wurde schwer beschädigt. Mit einem der zwei Sojus wurde die Station evakuiert, am zweiten ist der Bremsschirm bereits ausgelöst, so dass es nicht mehr auf der Erde landen kann. Stones Verbindungsleine zu Kowalski reißt an einer scharfen Kante, doch kann sie sie zunächst in der Hand festhalten, während sie selbst nur notdürftig von Leinen des Bremsschirms an der ISS gehalten wird, in denen sich ihr Fuß verfangen hat. Kowalski sieht, dass sie sich nicht beide retten können, löst gegen Stones Proteste die Leine und treibt ins All hinaus.
Da Stones Sauerstoffvorrat aufgebraucht ist, muss sie ins Innere der Station. Kowalski assistiert ihr noch per Funk dabei, dann reißt der Kontakt ab. Sie gelangt in eine Druckschleuse, in der sie die Sauerstoffzufuhr aktiviert und ihren Raumanzug ablegt. Kurz darauf zwingt ein sich ausbreitender Brand sie dazu, sich in das letzte Sojus zu retten. Sie demontiert den Bremsschirm, dockt das Sojus ab und richtet es gemäß Kowalskis letzter Weisung auf die chinesische Station Tiangong als nächste Zuflucht aus. Doch mangels Treibstoff zünden die Triebwerke nicht. Stone versucht Notrufe abzusetzen, bekommt jedoch nur Funkkontakt zu einem grönländisch sprechenden Fischer. Dessen Stimme und das Gebell seiner Hunde beruhigen sie.
Stone ergibt sich dem ihr bevorstehenden Schicksal und stellt die Sauerstoffversorgung des Sojus ab. Daraufhin sieht sie Kowalski außen an die Luftschleuse klopfen. Er setzt sich neben sie, erklärt seine Anwesenheit nur durch „eine irre Geschichte“ und ermahnt sie, sich nicht aufzugeben. Sie könne die Bremsdüsen zum Beschleunigen nutzen. Stone schöpft neuen Mut und aktiviert wieder die Sauerstoffversorgung, stellt dabei jedoch fest, dass sie sich alleine in der Kapsel befindet. Mit den Bremsdüsen nähert sie sich der Tiangong, kann jedoch kein Andockmanöver durchführen, sondern lässt sich durch die offene Luftschleuse in den Raum schleudern. Mit einem Feuerlöscher als behelfsmäßiger Steuerrakete kann sie knapp die Station erreichen, die sich, ebenfalls schwer beschädigt, im unkontrollierten Wiedereintritt in die Erdatmosphäre befindet.
Nachdem es Stone gelungen ist, das Raumschiff Shenzhou von der zerbrechenden Raumstation zu lösen, landet sie damit in einem See auf der Erde und rettet sich aus der versinkenden Kapsel ans Ufer. Dort ist sie nach der langen Schwerelosigkeit überwältigt vom Gefühl ihrer eigenen Schwere. Mühsam richtet sie sich auf und geht an Land.
Amerikanische Funksprüche in der chinesischen Kapsel hatten bereits angekündigt, dass ihr Wiedereintritt bemerkt wurde und ein Rettungsteam unterwegs sei.
Veröffentlichung Premiere war bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig 2013. Der Filmstart in den deutschsprachigen Kinos war am 3. Oktober 2013, auch in 3D und im IMAX-Format.
Kurzfilm Aningaaq Parallel zum Hauptfilm erschien noch der Kurzfilm Aningaaq, gedreht von Jonás Cuarón, dem Sohn des Regisseurs Alfonso Cuarón. Der Kurzfilm beleuchtet den sonderbaren Empfänger der SOS-Funkrufe von Dr. Ryan Stone.
Synchronisation Die deutsche Synchronbearbeitung fertigte die FFS Film- & Fernseh-Synchron, Berlin, an. Dialogregie führte Clemens Frohmann, von dem auch das Dialogbuch stammt.
RolleDarstellerSynchronsprecherDr. Ryan StoneSandra BullockBettina WeißMatt KowalskiGeorge ClooneyDetlef BierstedtMission ControlEd HarrisHolger MahlichSpace Station CaptainBasher SavageImtiaz Haque
Kritiken Erste Reaktionen nach der Premiere auf den 70. Filmfestspielen in Venedig, die der Film eröffnete, waren durchweg positiv. Regieführung, Darsteller und Effekte wurden gelobt.
Für den Kritiker Ian Haydn Smith ist der Film eine echte Rarität, da er sowohl ein kommerzieller Erfolg sei als auch bei Kritikern beliebt. Der Film funktioniere nicht trotz, sondern wegen seiner „cineastischen Intelligenz“. Der Kritiker zieht Parallelen zu früheren Filmen Cuaróns wie Y Tu Mamá También – Lust for Life und Children of Men. Er bemängelt Schwächen des Drehbuchs, die aber von den Hauptdarstellern Bullock und Clooney „mehr als wett“ gemacht werden. Er vergleicht in diesem Zusammenhang Sandra Bullocks Leistung als Schauspielerin mit der von Sigourney Weaver in Alien, befindet, dass sie nicht an letztere heranreicht, bemerkt aber, dass sie ihrer Figur „genügend menschliche Züge“ verleihe, um sie zu einer der wenigen glaubwürdigen „Sci-Fi-Heldinnen“ zu machen. Am stärksten sieht er sie in den ruhigen Szenen, insbesondere wenn man erahnen könne, warum sie überhaupt ins Weltall geflogen ist.
Einordnung als Science-Fiction-Film Es ist umstritten, ob der Film als Science-Fiction-Film bezeichnet werden kann. Science-Fiction-Filme beschäftigen sich mit fiktionalen Techniken sowie wissenschaftlichen Leistungen und deren möglichen Auswirkungen auf die Zukunft. In Gravity kommen keine fiktionalen Techniken vor und die Zukunft spielt kaum eine Rolle. So äußerte sich auch der Regisseur selbst explizit, dass es sich nicht um Science-Fiction handele. Er betont hingegen die Drama-Anteile seiner Arbeit. So fassten es auch einige Kritiker auf:
Andere Kritiker und Juroren bezeichnen den Film dennoch als Science-Fiction. So weichen eine Reihe von Details von der Wirklichkeit ab, was für die wissenschaftliche Fiktion spricht.
Einspielergebnis Bei Produktionskosten von rund 100 Millionen US-Dollar erreichte Gravity am Startwochenende in den Vereinigten Staaten ein Einspielergebnis von 55,7 Millionen US-Dollar (Platz 1 der Kinocharts). Bis zum 8. Mai 2014 spielte der Film weltweit 723,19 Millionen US-Dollar ein.
Im Jahr 2013 wurden bundesweit 1.296.052 Besucher an den deutschen Kinokassen gezählt, womit der Film den 24. Platz der meistbesuchten Filme des Jahres belegte.KINOaktuell: Was ihr wolltet: Münsters Kinojahr 2013, C. Lou Lloyd, Filminfo Nr. 4, 23. – 29. Januar 2014, S. 24f
Gravity steht in der Liste der weltweit erfolgreichsten Filme derzeit auf Platz .
Auszeichnungen (Auswahl) Gravity eröffnete am 28. August 2013 die Internationalen Filmfestspiele von Venedig. Dort konnte der Film den Future Film Festival Digital Award gewinnen. Sandra Bullock wurde außerdem als Darstellerin des Jahres auf dem Hollywood Film Festival in Los Angeles ausgezeichnet.
Der Film führte sowohl bei den BAFTA Awards als auch bei den Academy Awards die Rangfolge der Nominierungen an und konnte in beiden Preisverleihungen die mit Abstand größte Zahl an Auszeichnungen auf sich vereinen (BAFTA Awards: 11 Nominierungen, 6 Auszeichnungen, Academy Awards: 10 Nominierungen, 7 Auszeichnungen). 2014 gewann er den deutschen Curt-Siodmak-Preis als bester Science-Fiction-Film.
Academy Awards 2014
Nominierung in der Kategorie Bester Film Auszeichnung in der Kategorie Beste Regie für Alfonso Cuarón Nominierung in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin für Sandra Bullock Nominierung in der Kategorie Bestes Szenenbild für Andy Nicholson, Rosie Goodwin und Joanne Woollard Auszeichnung in der Kategorie Beste Filmmusik für Steven Price Auszeichnung in der Kategorie Beste Kamera für Emmanuel Lubezki Auszeichnung in der Kategorie Bester Schnitt für Alfonso Cuarón und Mark Sanger Auszeichnung in der Kategorie Bester Ton für Skip Lievsay, Niv Adiri, Christopher Benstead und Chris Munro Auszeichnung in der Kategorie Bester Tonschnitt für Glenn Freemantle Auszeichnung in der Kategorie Beste visuelle Effekte für Tim Webber, Chris Lawrence, Dave Shirk und Neil Corbould
British Academy Film Awards 2014 mini|Framestore-Büro in London im März 2014 nach den BAFTA-Auszeichnungen
Auszeichnung in der Kategorie Bester britischer Film Nominierung in der Kategorie Bester Film Auszeichnung in der Kategorie Beste Regie Nominierung in der Kategorie Bestes Original-Drehbuch Nominierung Sandra Bullocks in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin Auszeichnung in der Kategorie Beste Filmmusik Auszeichnung in der Kategorie Beste Kamera Auszeichnung in der Kategorie Bester Ton Nominierung in der Kategorie Bestes Szenenbild Nominierung in der Kategorie Bester Schnitt Auszeichnung in der Kategorie Beste visuelle Effekte
Golden Globe Awards 2014
Nominierung in der Kategorie Bester Film – Drama Auszeichnung in der Kategorie Beste Regie für Alfonso Cuarón Nominierung in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin – Drama für Sandra Bullock Nominierung in der Kategorie Beste Filmmusik für Steven Price
Saturn Awards 2014
Auszeichnung in der Kategorie Bester Science-Fiction-Film Auszeichnung in der Kategorie Beste Regie für Alfonso Cuarón Auszeichnung in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin für Sandra Bullock Nominierung in der Kategorie Bester Nebendarsteller für George Clooney Nominierung in der Kategorie Bestes Drehbuch für Alfonso Cuarón und Jonás Cuarón Auszeichnung in der Kategorie Bester Schnitt für Alfonso Cuarón und Mark Sanger Auszeichnung in der Kategorie Beste Spezialeffekte für Tim Webber, Chris Lawrence, Dave Shirk und Neil Corbould Nominierung in der Kategorie Beste Ausstattung für Andy Nicholson
Critics’ Choice Movie Awards 2014
Nominierung in der Kategorie Bester Film Nominierung in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin für Sandra Bullock Auszeichnung in der Kategorie Beste Regie für Alfonso Cuarón Auszeichnung in der Kategorie Beste Kamera für Emmanuel Lubezki Nominierung in der Kategorie Bestes Szenenbild für Andy Nicholson & Rosie Goodwin Auszeichnung in der Kategorie Bester Schnitt für Alfonso Cuarón & Mark Sanger Auszeichnung in der Kategorie Beste visuelle Effekte Auszeichnung in der Kategorie Beste Schauspielerin in einem Actionfilm für Sandra Bullock Auszeichnung in der Kategorie Bester Sci-Fi-/Horrorfilm Auszeichnung in der Kategorie Bester Komponist für Steven Price
Wissenschaftliche Genauigkeit Cuarón erklärte, dass der Film nicht immer wissenschaftlich korrekt sei, da aus narrativen Gründen einige Freiheiten nötig waren. Der Film ist für den Realismus der Bauten im All und die Einhaltung physikalischer Prinzipien gelobt worden, trotz einer Reihe von Ungenauigkeiten und Übertreibungen. Der NASA-Astronaut Michael J. Massimino, der an den zwei Hubble-Missionen STS-109 und STS-125 teilnahm, lobte die Detailtreue bis hin zur Nutzung einzelner Werkzeuge. Der Astrophysiker Neil deGrasse Tyson bemerkte einige Ungenauigkeiten.
Beispiele von Übereinstimmungen und Ungenauigkeiten: Die letzte reale Mission war STS-135 im Jahr 2011, im Film ist es STS-157, das Shuttle-Programm wurde im Film also nicht eingestellt.