mini|Luftschiffhalle in der Manzeller Bucht Die Österreichisch-Deutsche Bodenseeflottille war eine zivil-militärische Einrichtung im Ersten Weltkrieg. Sie diente der Sicherung der offenen Südgrenze des Deutschen Kaiserreichs und dem Schutz des Luftschiffbaus am Bodensee.Württembergische Luftstreitkräfte (GenWiki)
Hintergrund Mit der Schlacht an der Marne, der Ersten Flandernschlacht und der Erstarrung der Ostfront waren die Aussichten auf ein rasches Ende der Kampfhandlungen entschwunden. Vielmehr dehnte der Krieg sich auf die Heimatgebiete aus. Spionage und Sabotage gegen militärische Anlagen, Verkehrseinrichtungen und Rüstungsfabriken sowie propagandistische Druckschriften wurden häufiger. Erfahrungen im Luftkrieg hatte man noch nicht. Nach Angriffen auf die Luftschiffhalle in Düsseldorf und das Wasserstoffgaswerk in Köln-Ehrenfeld flogen englische Flugzeuge am 21. November von Belfort über die (neutrale) Schweiz und den Bodensee einen Angriff auf Friedrichshafen. An der Zeppelin-Luftschiffwerft richteten fünf Bomben nur geringen Schaden an. Nachdem französische Bombenangriffe auf Freiburg schwere Verluste zur Folge hatten, wurde der vernachlässigte Zivilschutz im Westen und Südwesten des Deutschen Reichs ausgebaut. Als eines der vier deutschen Rüstungszentren war Friedrichshafen ein so empfindliches wie lohnendes Angriffsziel. Schon bei der Mobilmachung wurden neueste Ballonabwehrkanonen und Maschinengewehre zum Schutz gegen Luftangriffe vorgesehen.
Im nahen Löwental lag eine Kompanie der Luftschiffer-Ersatz-Abteilung 4.Luftschiffer-Ersatz-Abteilung 4 Im dazugehörigen Kriegsluftschiffhafen wurden Heeresluftschiffer ausgebildet.
Aufstellung
Das Stellvertretende Generalkommando des XIII. (Königlich Württembergisches) Armee-Korps und der Generalstab des Feldheeres erkannten die Gefährdung Friedrichshafens. Das Freiwillige (später Kaiserliche) Motorboot-Korps (FMK, KMK) in Berlin-Charlottenburg bot Fahrzeuge und Bemannung an, um das offene deutsche Bodenseeufer einheitlich und umfassend zu bewachen. Das Königreich Bayern wollte sich nicht beteiligen.
Der Chef des Generalstabs des Feldheeres berief zum 9./10. Dezember 1914 eine Konferenz über Spionageabwehr in Straßburg ein. Bayern, das Königreich Württemberg, das Großherzogtum Baden und das Reichsland Elsass-Lothringen entsendeten Regierungsvertreter. Das der Schweiz benachbarte Bodenseegebiet und das Luftrüstungszentrum Friedrichshafen rückten in den Vordergrund und machten eine Sonderbesprechung notwendig. Gut vorbereitet, bewirkte Württemberg eine rasche Einigung mit Baden und Bayern: Einrichtung einer gemeinsamen Bodenseeflottille Friedrichshafen als Sitz des Flottillenkommandos Hauptmann Karl Frhr. v. Gemmingen-Guttenberg als Kommandeur der Flottille
Erst nach der Konferenz unterrichtet und zur Mitarbeit aufgefordert, stimmte Österreich-Ungarn ohne Bedenken zu. Die Stellvertretenden Generalkommandos des I. Königlich Bayerischen Armee-Korps und des badischen XIV. Armee-Korps verfochten hartnäckig ihre Territorialgewalt; am zähesten widerstrebte die Armee-Abteilung Gaede, die für das Operationsgebiet am Oberrhein, Hochrhein und Untersee (Bodensee) verantwortlich war. Am 30. Dezember 1914 trafen sich Ministerialbeamte des preußischen, bayerischen, württembergischen und k.u.k. Kriegsministeriums, des Generalstabs des Feldheeres, des Stellvertretenden Großen Generalstabs, der Stellvertretenden Generalkommandos des XIII. und XIV. Armee-Korps und der Armee-Abteilung Gaede in Friedrichshafen. Württemberg lehnte den „Küstenschutz Bodensee“ der Armee-Abteilung Gaede strikt ab und wurde am 22. Februar 1915 mit der Oberleitung des Seegrenzschutzes beauftragt. Im Vordergrund stand der Obersee. Der Überlinger See wurde durch die Sperrlinie Staad (Konstanz)–Meersburg abgeriegelt, der Untersee der Armee-Abteilung Gaede überlassen.
Aufgaben mini|Kurgartenhotel Friedrichshafen Lückenloser und einheitlicher Schutz des deutschen und österreichischen Oberseeufers zur Ergänzung der Grenzwachen an Land Mithilfe bei der Abwehr von Spionage und Sabotage Überwachung des zugelassenen Personen- und Warenverkehrs sowie Unterbindung unerwünschter Kommunikation mit der Schweiz durch Kontrolle aller Wasserfahrzeuge mit Ausnahme der Kursdampfer Mitwirkung mit Feuerwaffen bei der Abwehr von Luftangriffen auf Friedrichshafen und Umgebung
Ohne jedes militärische Zeremoniell stellte Baron Gemmingen, Neffe Max von Zeppelins, die Bodenseeflottille am 8. März 1915 in Dienst. Als Quartier diente das Kurgartenhotel in Friedrichshafen.
Unterstützung Die Flottille wurde unterstützt von militärischen Seewachen, die bereits am ersten Mobilmachungstag (2. August 1914) aufgestellt worden waren: badisches Seekommando in Konstanz (XIV. AK) bayerischer Grenzschutz in Lindau (Bodensee) (I. AK) württembergische Seewache in Friedrichshafen (XIII. AK) österreichisches Grenzschutzkommando in Bregenz (k.u.k. Landesverteidigungskommandant in Tirol, Innsbruck)
Ausrüstung Die meisten der insgesamt 17 Boote mit etwa 90 Mann Personal waren ausgehobene Privatboote, geführt von ihren dienstverpflichteten Eigentümern. Beigegeben waren ihnen Landsturmmänner aus dem Seegebiet. Die Flottille war zunächst nichts anderes als eine lose Zusammenfassung der Seegrenzschutzdienste. Sehr bald zeigte sich, dass sie den Anforderungen nicht gewachsen war. Eine scharfe Bewachung des 137 km langen Nordufers und der 5 km langen Sperrlinie Staad–Meersburg konnte sie nicht leisten. Hingegen hatte das Seekommando in Konstanz mit 65 Mann genügend Personal für eine geregelte Wachablösung vor den 72 badischen Uferkilometern.
Unterstellung, Gliederung und Bereiche Unterstellt war das Flottillenkommando der 54. Infanterie-Brigade der 27. Division (2. Königlich Württembergische), der die Flottille natürlich fremd war. Bestimmend war deshalb das Stellvertretende Generalkommando in Stuttgart. Die Stellvertretenden Generalkommandos blieben in militärischen und die Kriegsministerien (für Baden das preußische) in administrativen Angelegenheiten beteiligt. Gemmingen-Guttenberg hatte schon am 22. Dezember Grundzüge für die Errichtung einer Bodensee-Flottille zur Spionageabwehr entworfen. „Allgemeine Verhaltensmaßregeln und Anordnungen“ und „Dienstanweisungen“ für jede der drei deutschen Gruppen erließ er im Mai 1915. Die Gesamtzahl der Tagesbefehle belief sich zuletzt auf 140.
Die drei deutschen Staaten bedienten sich der Hilfe des Freiwilligen Motorboot-Korps, das die Flottille als eigene Formation behandelte. Bei der Gestellung und Abberufung von Booten und Personal hatte der FMK-Kommandeur im fernen Berlin das Sagen. Österreich forderte keine Sonderrechte, hielt aber seine Bregenzer Gruppe in nur loser Verbindung zur Flottille. Trotzdem nahm sie nach Gemmingens Plan Gestalt an. Am 15. April 1915 hatte sie 31 BooteNamentlich bekannte Wachboote der Gruppe Lindau waren unter anderen: Die Passagiermotorboote Baden und Konstanz, zuvor Österreich, der Motorbootbetriebe der Stadt Konstanz. Kormoran, zuvor Barkasse auf dem Schlachtkreuzer Moltke und nach 1919 das erste Forschungsschiff des Limnologischen Instituts Konstanz. Emden, nach 1919 Dienstboot Hecht der SBB, 1976 bis 2006 Dienstboot Felix, zuletzt Bodensee-Schiffsbetriebe Konstanz. Die FMK stellte bis zu 16 Boote und 124 Mann. An die Stelle der Seewachen traten vier Gruppen: die preußisch-badische Gruppe in Konstanz mit einer Untergruppe in Meersburg, die württembergische in Friedrichshafen mit einer Untergruppe in Langenargen, die bayerische in Lindau und die österreichische in Bregenz.
Die drei leistungsschwachen Boote in Bregenz konnten wegen des österreichischen Schwerbenzins nicht mit deutschen Booten verstärkt werden. Deshalb beschränkte sich ihr Bereich auf die Bregenzer und die Fußacher Bucht zwischen den Mündungen der Leiblach und der Bregenzer Ach. Die Linie Rohrspitz–Rheinspitz wurde vernachlässigt, weil hinter ihr undurchdringlicher Sumpf lag.
Beflaggung und Uniformen 150px|mini|Reichsdienstflagge 150px|mini|Handelsflagge Österreich-Ungarns 28 der 31 Boote führten die Reichsdienstflagge, die drei Bregenzer Boote die österreichische Handelsflagge. Die FMK-Mitglieder trugen die vorgeschriebenen blauen Klubanzüge und schwarz-weiß-rote Armbinden mit dem Reichsadler, blaue oder weiße Schirmmützen mit deutscher Kokarde, Klubabzeichen und Gamaschen. Das Korps stellte auch Maschinisten im Unteroffiziersrang und Matrosen als Mannschaften. Zu den Dienstanzügen und Rangabzeichen des Klubs trugen auch sie schwarz-weiß-rote Armbinden. Die Österreicher trugen ihre Felduniform.
Jedes Boot führte zwei Gewehre 88. Den Bootsführern und den Mannschaften waren Seitengewehre zugestanden. Im Dienst durften sie Pistolen tragen. Nachdem Italien am 28. April 1915 auf Seite der Entente in den Krieg eingetreten war, wurde Friedrichshafen am 28. April und am 27. Juni von je einem Flugzeug angegriffen. Die Bombenschäden waren gering, die Wehrlosigkeit der Flottille aber überdeutlich. Bei Luftangriffen blieb sie in den Häfen. Für nächtliche Einsätze fehlten Scheinwerfer. Leuchtgranaten und Leuchtspurmunition richteten nichts aus; im Juni 1915 drang Gemmingen aber mit der Forderung nach Maschinengewehren für die vier Boote in Friedrichshafen durch. Bedient wurden sie von MG-Scharfschützen, später von dafür ausgebildeten Landsturm-Matrosen.
„Boote und Besatzungen wechselten so häufig, daß die Flottille bald einem Taubenschlag glich.“ Das ortsgebundene Begleitpersonal musste sich auf die Boote einstellen. Der eintönige Wachdienst (nicht Kriegsdienst) trieb die Jüngeren an die Kriegsfronten, besonders zu den Korps-Flottillen auf der Weichsel, der Donau, den Dardanellen und in Flandern. Die Uniformvorschriften wurden ständig geändert und brachten so viel Buntheit wie Unruhe in die Flottille. Im Offiziersrang stehende Angehörige des Kaiserlich gewordenen FMK ließen sich in ihrem Geltungsbedürfnis Phantasieuniformen fertigen, ohne Offizier zu sein. Die einheimischen Landsturmmänner erwiesen sich als ungeschickt und unzuverlässig. Viele litten unter der Seekrankheit oder nahmen zu viel Rücksicht auf Freunde und Verwandte an Land. Deshalb wurden sie im August 1915 durch ungediente Marine-Landsturmleute aus Norddeutschland ersetzt. Sie wurden kurz in Infanterie ausgebildet, entgegen Gemmingens Wunsch in Heeresuniformen gesteckt und auf die bayerischen und württembergischen Boote verteilt. Die badische Gruppe hielt an ihren Landsturmmännern fest.
Die Motoren der meisten Boote waren den Belastungen nicht gewachsen. Ersatzteile ließen sich kaum noch beschaffen, Fachkräfte fehlten. Erst im März 1916 erhielt die Flottille eine Reparaturwerkstatt in der Waffenmeisterei der Luftschiffer-Kompanie in Löwental.
Krise