Die Goetheschule Essen ist ein städtisches Gymnasium im Essener Stadtteil Bredeney, mit den Schwerpunkten Musik, Naturwissenschaften und Mehrsprachigkeit. Sie bietet als einzige im Regierungsbezirk Düsseldorf den Doppelabschluss Abitur und International Baccalaureate an. Das Schulgebäude aus dem Jahr 1913 ist denkmalgeschützt.
Geschichte
Vorgängerschulen bis 1944 Die Goetheschule in Rüttenscheid (1899–1944)
Um Ostern 1899 eröffnete die Gemeinde Rüttenscheid an der Rüttenscheider Straße 98 eine Rektoratsschule. Der erste Jahrgang bestand aus 35 Jungen und wurde von drei Volksschullehrern unterrichtet. Am 14. Mai 1905 wurde ein neues Schulgebäude an der Alfredstraße 28 eingeweiht und bezogen. Zur gleichen Zeit legten die ersten 14 Schüler die Prüfungen zur mittleren Reife ab, so dass die Schule mit der Eingliederung Rüttenscheids nach Essen zum Städtischen Gymnasium mit Oberstufe wurde. 1908 konnten, nun am Vollgymnasium, die ersten fünf Schüler ihr Abitur ablegen. Zwei Jahre später wurde der Erweiterungsbau eröffnet, der zusätzliche naturwissenschaftliche Räume beherbergte und den Anforderungen eines Gymnasiums mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt entsprach. 321x321px|mini|alt=Die Goetheschule in Rüttenscheid, 1910|Die Goetheschule in Rüttenscheid, 1910
Von Oktober 1905 bis Ostern 1914 war es eine Koedukationschule, die 38 Schülerinnen ermöglichte, das Abitur abzulegen. Die Koedukation war jedoch nur eine Übergangslösung und mit seiner Eröffnung wurden die letzten Mädchenklassen durch die Viktoriaschule aufgenommen.
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurden 1914 viele Lehrer für den Kriegsdienst einberufen und die Schüler mussten beim Roten Kreuz und der Ernte helfen, sodass der Leistungsstand auf einen Tiefpunkt sank.
1922 beschlossen Lehrerkollegium und Elternbeirat mit Zustimmung des Ministeriums den Namen der Schule in „Goetheschule“ zu ändern.
Der Entwicklung der Goetheschule wurde Anfang 1923 gestoppt, als am 11. Januar französische und belgische Soldaten ins Ruhrgebiet einmarschierten. Sie belegten das Gebäude des Bredeneyer Realgymnasiums, so dass dieses im Gebäude der Goetheschule Schichtunterricht erteilen musste. Trotz vielfältiger Behinderungen durch die Besatzungsmacht konnte im September 1924 das 25-jährige Schuljubiläum gefeiert werden.
In der Zeit des Nationalsozialismus hatte die Schule vor allem mit Kürzungen der Unterrichtszeit zu kämpfen, da die Schüler in der Hitlerjugend eingesetzt und zu propagandistischen (Film-)Vorführungen, Vorträgen und Rundfunkstunden geschickt wurden.
Mit Beginn des Schuljahres 1939/40 wurden die Keller der Schule zu Luftschutzbunkern ausgebaut und alle wehrtüchtigen Schüler und Lehrer in den Kriegsdienst einberufen. Bis zu den Weihnachtsferien 1942 wurden die Klassen fünf bis acht weiter unterrichtet, die Jahrgänge neun und zehn mussten als Erntehelfer arbeiten und die Klasse elf wurde in einem Wehrtüchtigenlager ausgebildet. Anfang Januar 1943 wurde das Kriegsschädenamt in Turnhalle und Aula untergebracht, so dass der Sport- und Musikunterricht vollständig entfiel.
Nach einem schweren Luftangriff am 5./6. März 1943 warb der Direktor für die Kinderlandverschickung. Dieser stimmten jedoch nur 30 % der Eltern zu. Stattdessen schickten sie ihre Kinder lieber in andere Städte, was zur Auflösung der Unterstufe führte. Im Sommer dieses Jahres wurden alle Schüler höherer Essener Schulen nach Tirol verlegt und nur die von der Hitlerjugend beanspruchten blieben. Die Verbliebenen bildeten eine Sammelklasse und wurden an der Goetheschule unterrichtet. Vor Weihnachten 1943 schrieben sie ihr Abitur und am 3. Februar 1944 legten sie als der letzte Jahrgang die mündlichen Abiturprüfungen an der alten Goetheschule ab.
Beim bis dahin schwersten Luftangriff auf Essen wurde in der Nacht vom 27. auf den 28. April 1944 das alte Schulgebäude schwer beschädigt und brannte anschließend aus. Die verbliebenen Schüler kamen im Gebäude der Viktoriaschule unter, bis am 6. Oktober 1944 alle Schulen der Rheinprovinz geschlossen wurden.
Das Realgymnasium Bredeney (1910–1943) Die zu dem Zeitpunkt noch unabhängige Gemeinde Bredeney besaß bis 1910 keine eigene höhere Schule. Seit dem jedoch Alfried Krupp 1872 die Villa Hügel bezogen hatte und seine wachsende Belegschaft den Stadtteil bevölkerte, wuchsen die finanziellen Mittel. Der Gedanke, dass die gesamten Steuergelder der Gemeinde bei einer Eingliederung an die Stadt Essen übergehen, befeuerte die Idee einer Schulgründung. Als die Stadt Essen für auswärtige Schüler die Schulgebühren erhöhte oder den Besuch eines Essener Gymnasiums gar verwehrte, fanden sich rund 200 interessierte Schüler aus Bredeney, Haarzopf und Schuir für eine neue Schule.
Im Januar 1910 wurde eine Kommission unter Vorsitz des ersten Beigeordneten Friedrich Ruschen gewählt, welche dem Gemeinderat die Gründung einer Höheren Schule empfehlen sollte. Am 24. Januar 1910 stimmte die Gemeindevertretung der Gründung eines Reformrealgymnasiums zu und setzte die Eröffnung für den 13. April selben Jahres an.
Im ersten Schuljahr wurden leerstehende Klassenzimmer der katholischen Volksschule I im Brandenbusch, im zweiten Schuljahr Räume der evangelischen Volksschule II genutzt. Nach Verhandlungen des Beigeordneten Ruschen wurde beim Ministerium ein Antrag auf den Ausbau zum Vollgymnasium mit der Möglichkeit zur Erlangung der Hochschulreife sowie der Bau eines eigenen Schulgebäudes eingereicht.
Von 1910 bis 1923 wurden die Jungen des Gymnasiums zusammen mit den Mädchen der erst später genehmigten höheren Mädchenschule, der heutigen Grashofschule, unterrichtet. Ab 1913 wurde der Unterricht im eigenen Schulgebäude erteilt (siehe Gebäude). 297x297px|mini|Das Realgymnasium Essen-Bredeney, unmittelbar nach der Fertigstellung 1913
Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs am 1. August 1914 wurden mit Ausnahme von zwei Lehrern alle Mitglieder des Kollegiums zum Kriegsdienst eingezogen. Es verblieben fünf Klassen mit 187 Schülern und zwei Lehrern. Trotz Garantien seitens der Stadt Essen konnte nach der Eingemeindung Bredeneys 1915 vorerst keine Errichtung der Oberstufe und Anstellung neuer Lehrkräfte erreicht werden. Der Schulleiter Keller handelte in Berlin persönlich die Erlaubnis aus, die Schule weiter auszubauen, doch die Stadtverwaltung weigerte sich diese anzuerkennen. Erst auf Druck des Provinzialschulkollegiums gab die Stadt Essen den Widerstand auf, es wurden zwei Oberlehrer eingestellt und am 25. März 1918 wurde die Schule als Realgymnasium zur Erlangung der Hochschulreife offiziell anerkannt.
Mit dem Einmarsch französischer und belgischer Soldaten ins Ruhrgebiet am 11. Januar 1923 wurde das Gebäude unter dem Namen „Quartier Verdun“ von den Franzosen als Kaserne genutzt. In dieser Zeit wurde Schichtunterricht gemeinsam mit der Goetheschule erteilt.
Am 6. Juli 1925 erfolgte die ministerielle Anerkennung des Realgymnasiums als zweizügige große Doppelanstalt. Ein Jahr später wurde die „Vereinigung ehemaliger Schüler des Realgymnasiums Essen-Bredeney“ geschlossen, welche sich seitdem jährlich trifft.
Mit dem Aufblühen des Nationalsozialismus identifizierten sich auch die Schüler mehr und mehr mit dem neuen System. 1935 wurde mit dem symbolischen Akt der Fahnenhissung auf dem Turm das Bündnis zwischen Schule und Hitlerjugend geschlossen, der 96 % der Schülerschaft des Realgymnasiums angehörten. Am 1. April 1937 wurde die Schule im Zuge im ganzen Reich vorgenommener Änderungen in die „Oberschule für Jungen Essen-Bredeney“ umgewandelt und die Schulzeit auf acht Jahre verkürzt.
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 rückten die Luftschutzmöglichkeiten der Schule in den Vordergrund. Da es in Bredeney nur einen Bunker für rund 200 Personen gab, musste der Unterricht im Schichtbetrieb erteilt werden, sodass bei Alarm alle anwesenden Schüler und Lehrkräfte Platz finden konnten. Als Reaktion darauf, dass die Luftangriffe meist in der Nacht erfolgten, wurde der Unterrichtsbeginn auf 10:00 Uhr verschoben. Da sich unter der Schule ein Parteibunker befand und der Gauleiter im Stadtteil Bredeney residierte, blieb die Schule von politischen Problemen verschont und musste beispielsweise nur zwei von zwanzig Lehrern zum Kriegsdienst abgeben.
Im Herbst 1943 wurden die verbliebenen Schüler des Realgymnasiums, gemeinsam mit denen der Goetheschule und der Werdener Oberschule in der Kinderlandverschickung nach Tirol geschickt. Die Schüler der Oberstufe verblieben in Essen als Luftwaffenhelfer oder bei der Wehrmacht.
Im Oktober 1943 wurde das Gebäude des Realgymnasiums vom Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat beschlagnahmt und der Direktor zum Leiter der benachbarten Mädchenschule (heutiges Grashof-Gymnasium) ernannt.
Vereinigung der beiden Schulen (1945–1951) Bedingt durch fehlende bzw. zerstörte Gebäude und geringe Anmeldezahlen (Goetheschule 239 Schüler, Oberschule für Jungen Essen-Bredeney 252 Schüler) wurden beide Schulen 1945 durch die Stadt Essen vorläufig zusammengelegt und wiedereröffnet. Der Unterricht der neuen Schule unter der Leitung des ehemaligen Direktors der Goetheschule, welcher den Namen „Goetheschule“ direkt der neu zusammengelegten Schule übertrug, wurde zunächst an der Voßbuschstraße, anschließend im heutigen Grashofgymnasium erteilt.
Mit der Schulreform nach Kriegsende wurde die Goetheschule zu einem Neusprachlichen Gymnasium mit der Sprachenfolge Latein (ab Klasse fünf), Englisch (ab Klasse sieben) und Französisch (ab Klasse acht) und führte wieder in neun Jahren zum Abitur. Zusätzlich bot die Goetheschule eine Vielzahl von Sonderlehrgängen, auch Abiturientenkurse genannt, an, in denen junge Männer ihr (Kriegs-)Abitur nachholen bzw. ablegen konnten.
1949 forderten (ehemalige) Schüler der Goetheschule aus Rüttenscheid den Wiederaufbau ihrer Schule und die Rückgängigmachung der Zusammenlegung. Dieser Wunsch wurde nicht erfüllt, stattdessen das Schulbuchkonto der Bredeneyer Schule aufgelöst, Restgelder an die Goetheschule überwiesen. 1951 wurde die Vereinigung beider Schulen auch im Namen vollzogen: der Schulausschuss genehmigte die Umbenennung in „Goetheschule, Neusprachliches Gymnasium Essen-Bredeney“. Der neue Name wurde auch vom Kollegium und der Schulpflegschaft angenommen.
In der Zwischenzeit hatte die Goetheschule am 7. November 1950 das Gebäude des ehemaligen Realgymnasiums an der Ruschenstraße wiederbeziehen können.
Reformen und Veränderungen (1951–2000) mini|Luftaufnahme der Goetheschule Essen, 2012, mittig der Altbau mit Turm, rechts die Sporthalle, zentral vorne hinter den Bäumen der Neubau, im Hintergrund der BaldeneyseeAm 16. Juli 1953 gründete sich aus der Schulpflegschaft heraus die „Gesellschaft der Freunde und Förderer der Goetheschule e. V.“, die bis zum heutigen Tage aus Mitgliederbeiträgen und Spenden die Schule finanziell unterstützt.
Die erste Erwähnung der Schülervertretung der Goetheschule stammt aus dem Jahre 1951. Damals wird sie als Schülermitverwaltung erwähnt, die aus den demokratischen Grundsätzen der neuen Bundesrepublik hervorgeht.
1961 wurde im Haupttreppenhaus ein Denkmal und Mahnmal für die gefallenen Schüler und Lehrer beider Schulen errichtet.
Mit dem Beginn der Schuljahres 1973/1974 wurde die Goetheschule endgültig Koedukationsschule.
In den folgenden Jahren wurden viele unterrichtliche Reformen vollzogen, unter anderem die Einführung eines Wahlbereichs in der Sekundarstufe I, die Einführung von Spanisch und Reformen der Oberstufe. Die wichtigste Reform war der Beschluss zum Beginn des Schuljahres 1994/95, die Einführung der vollständigen 5-Tage-Woche und die damit verbundene Abschaffung des Samstagsunterrichts, welche in einem Referendum durch Lehrer, Eltern und Schüler beschlossen wurde.
1999 feierte die Goetheschule 100-jähriges Jubiläum.
21. Jahrhundert