Die Goldman Sachs Group, Inc. (kurz GS) ist ein weltweit tätiges Investmentbanking- und Wertpapierhandelsunternehmen mit Sitz in New York City.

Zu Goldman Sachs’ Kunden zählen große Unternehmen und Staaten sowie High Net Worth Individuals, die Dienstleistungen aus dem Bereich des Investmentbanking, Finanzmanagement, Vermögensverwaltung, Prime Brokerage und Underwriting sowie Beratungsdienstleistungen etwa bei Mergers & Acquisitions in Anspruch nehmen. Außerdem ist die Firma über die Direktbank Marcus im Privatkundengeschäft tätig und gibt gemeinsam mit Apple die Apple Card heraus.

Die Bank ist eine der Großbanken, die vom Financial Stability Board (FSB) als systemisch bedeutsames Finanzinstitut eingestuft wurden.Policy Measures to Address Systemically Important Financial Institutions. In: Financial Stability Board (FSB) vom 4. November 2011 (PDF-Datei; 102 kB) Sie unterliegt damit einer besonderen Überwachung und strengeren Anforderungen an die Ausstattung mit Eigenkapital.Update of group of global systemically important banks (G-SIBs) (PDF-Datei; 42 kB) vom 1. November 2012. Ehemalige Goldman-Sachs-Mitarbeiter sind der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi, der ehemalige italienische Ministerpräsident Mario Monti, der Vorsitzende des Financial Stability Board zur Überwachung des globalen Finanzsystems Mark Carney sowie die wirtschaftspolitischen Berater des US-Finanzministeriums Robert Rubin und Henry Paulson.

Die Firma belegt den 60. Platz auf der Fortune 500 Liste der 500 umsatzstärksten US-Unternehmen.

Geschichte 1869–1930 mini|hochkant|Bankgründer Marcus Goldman

Das Unternehmen wurde 1869 von dem deutschen Auswanderer Marcus Goldman zunächst als M. Goldman & Company mit einem Ein-Zimmer-Büro in New Yorks Pine Street gegründet. 1882 trat Goldmans Schwiegersohn und „Erfinder der Aktie“ Samuel Sachs in die Bankgeschäfte ein, und beide firmierten fortan als M. Goldman Sachs.Business & Finance: Cash & Comeback Im Jahre 1885 nahm Goldman seinen Sohn Henry und seinen Schwiegersohn Ludwig Dreyfuss in das Unternehmen auf; der Firmenname wurde auf Goldman Sachs & Co. geändert.Lis Endlich: Goldman Sachs – The Culture of Success. Touchstone, 1999, p.34 Das Unternehmen machte sich einen Namen in seiner Vorreiterrolle bei der Nutzung von Commercial Papers für Unternehmen und wurde im Jahr 1896 eingeladen, der New York Stock Exchange beizutreten.

Im frühen 20. Jahrhundert war Goldman ein führendes Unternehmen zur Entwicklung des Initial-Public-Offering-Marktes. Es gelang einer der größten damaligen Börsengänge, als Sears, Roebuck and Company im Jahre 1906 von Goldman Sachs an die Börse gebracht wurde. Am 4. Dezember 1928 wurde die „Goldman Sachs Trading Corp.“ gegründet, ein geschlossener Investmentfonds, dessen Geschäftsmodell Ähnlichkeiten mit einem Schneeballsystem aufwies. Der Investmentfonds scheiterte während des Börsencrashes im Jahre 1929, und die Unternehmensreputation war für einige Jahre stark beschädigt.

1930–1980 mini|hochkant|„Mr. Wall Street“ Sidney Weinberg

Im Jahr 1930 übernahm Sidney Weinberg die Rolle des Senior-Partners und verschob Goldman Sachs’ Fokus weg vom Wertpapierhandel zum Investment Banking. Weinberg half, die Reputation des Unternehmens wieder zu steigern und dessen angeschlagenen Ruf loszuwerden. Unter Weinberg war Goldman Sachs „Lead Advisor“ für den Börsengang der Ford Motor Company im Jahre 1956, einen der damals größten Börsengänge. Unter der Leitung Weinbergs schuf Goldman Sachs auch eine eigene Researchabteilung und begann das Brokergeschäft für Anleihen der US-amerikanischen Gemeinden und Kommunen.

Gus Levy trat dem Unternehmen in den 1950er Jahren als Effektenhändler bei. Dieser Zeitpunkt markiert einen Trend bei Goldman Sachs, ab dem es zu internen Machtkämpfen zwischen dem Investment Banking und dem Wertpapierhandel kam. Während der 1950er und 1960er Jahre fand ein Machtkampf zwischen Weinberg und Levy statt. 1969 übernahm Levy die Leitung der Bank als Senior-Partner von Weinberg, der in den Ruhestand ging, und baute Goldman Sachs Handelssparte weiter aus. Unter Levys Führung etablierte sich die Philosophie des „langfristig gierig“ („long-term greedy“): solange Geld auf lange Sicht verdient wird, seien kurzfristige Verluste nicht unbedingt immer besorgniserregend. Während Levys Zeit als Senior-Partner reinvestierten die meisten Partner große Teile ihrer Gewinne in das Unternehmen, so dass der Fokus stets auf der Zukunft lag.Lisa Endlich, „Goldman Sachs – die Kultur des Erfolgs“, Touchstone, 1999, S. 18

Eine weitere schwere Krise traf das Unternehmen im Jahre 1970, als die Penn Central Transportation Company Konkurs mit über 80 Millionen US-Dollar in ausstehenden Commercial Paper anmeldete, ein Großteil davon ausgestellt von Goldman Sachs. Die Konkursmasse war klein, der Schaden für Goldman Sachs groß, und die daraus resultierenden Klagen drohten das Unternehmen ernsthaft zu gefährden. Infolge des Konkurses der Penn Central Transportation Company wurden Bonitätsratings für Emittenten von Commercial Paper eingeführt.

Nach diesem Debakel begann Goldman Sachs in den 1970er Jahren weltweit zu expandieren. Unter der Leitung von Senior-Partner Stanley R. Miller eröffnete Goldman Sachs 1970 seine erste internationale Niederlassung in London und schuf eine „Private Wealth“-Abteilung, dann eine Fixed Income Abteilung im Jahre 1972. Darüber hinaus nahm Goldman Sachs eine Vorreiterrolle bei der „White Knight“-Strategie im Jahr 1974 während seiner Versuche, Electric Storage Battery gegen ein feindliches Übernahmeangebot von International Nickel und Goldman Sachs’ Rivalen Morgan Stanley zu verteidigen. John Weinberg, der Sohn von Sidney Weinberg, und John C. Whitehead übernahmen als Co-Senior-Partner im Jahr 1976 die Geschäftsführung. Eine ihrer Initiativen war die Errichtung der vierzehn Geschäftsprinzipien („Business Principles“), die noch bis heute Bestand haben.

1980–1999 mini|hochkant|Senior Partner Robert Rubin

Am 16. November 1981 übernahm Goldman Sachs die J. Aron & Company, ein Rohstoffhandelsunternehmen, welches mit der Fixed-Income-Abteilung zusammengeführt wurde und zur Abteilung Fixed Income, Currencies and Commodities wurde. Der Schwerpunkt der Aktivitäten bei der J. Aron & Company war der Kaffee- und Goldmarkt. Im Jahre 1985 war Goldman Sachs Underwriter des Börsenganges des Real-Estate-Investment-Trust, dem unter anderem auch das Rockefeller Center gehörte. Im Zuge des Zusammenbruchs der Sowjetunion beteiligte sich Goldman Sachs auch bei der Privatisierung ehemaliger russischer Staatsunternehmen.

Im Jahr 1986 wurde das Unternehmen „Goldman Sachs Asset Management“ gegründet, welches bis heute die Mehrheit der Investmentfonds und Hedge-Fonds verwaltet. Im selben Jahr war Goldman Sachs Underwriter für den Börsengang von Microsoft, Berater von General Electric bei der Übernahme der Radio Corporation of America und schloss sich der London Stock Exchange sowie der Tokyo Stock Exchange an.

Robert Rubin und Stephen Friedman übernahmen die Co-Senior-Partnerschaft im Jahr 1990 und versprachen sich auf die Globalisierung des Unternehmens und die Stärkung der Merger & Acquisitions- und Handelsgeschäftsfelder zu konzentrieren. Während ihrer Geschäftsführerzeit führte die Firma den papierlosen Handel an der New York Stock Exchange ein und war Lead Manager für die erste globale Schuldverschreibung eines US-amerikanischen Unternehmens. In dieser Zeit wurde auch der Goldman Sachs Commodity Index (GSCI) entwickelt. 1994 wurde eine Niederlassung in Peking gegründet; Jon Corzine übernahm nach dem Weggang von Rubin und Friedman die Leitung des Unternehmens.

2000-heute Im September 2000 kaufte Goldman Sachs den Aktienhändler Spear, Leeds & Kellogg für 6,5 Milliarden Dollar. Im März 2003 beteiligte sich Goldman Sachs mit 45 % an der australischen Investmentbank JBWere. Henry Paulson verließ das Unternehmen im Mai 2006 um US-Finanzminister zu werden. Lloyd C. Blankfein wurde sein Nachfolger. Im Januar 2007 kaufte Goldman Sachs zusammen mit CanWest Global Communications das kanadische Kommunikationsunternehmen Alliance Atlantis. 2011 erwarb Goldman Sachs die restlichen Anteile an JBWere für 1 Milliarde Dollar.

Im Zuge der Finanzkrise ab 2007 beantragte Goldman Sachs eine Statusänderung von einer reinen Investmentbank hin zu einer „holding company“. Diese Statusänderung wurde am 21. September 2008 vom amerikanischen Notenbanksystem „Federal Reserve System“ (Fed) anerkannt. Damit unterwarf sich Goldmann Sachs der strengeren Regulierung für Geschäftsbanken und erhielt dafür einen leichteren Zugang zur Liquiditätsversorgung durch die Fed.

Im April 2013 platzierte Goldman Sachs gemeinsam mit der Deutschen Bank eine Unternehmensanleihe von Apple in Höhe von 17 Milliarden US-Dollar. Dies war die größte Anleihen-Emission der Geschichte und die erste von Apple seit 1996. Am 30. Oktober 2014 meldete Goldman Sachs ein Patent für eine virtuelle Währung namens SETLCoin an. Im August 2015 übernahm Goldman Sachs das Online Banking der GE Capital Bank mit Einlagen von 16 Milliarden Dollar. 2016 eröffnete das Unternehmen die Direktbank Marcus by Goldman Sachs.

Im Juli 2018 gab Goldman Sachs bekannt, dass David Solomon die Nachfolge von Lloyd Blankfein als Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer antreten werde.

Am 10. September 2018 übernahm Goldman Sachs die Mehrheit an der Boyd Corporation, einem Unternehmen für Umwelttechnologie. Am 16. Mai 2019 kaufte Goldman Sachs die United Capital Financial Partners für 750 Millionen Dollar.

2019 verlagerte Goldman Sachs seinen Europasitz von London nach Frankfurt am Main.

Im August 2021 gab Goldman Sachs bekannt, dass man sich darauf geeinigt habe, NN Investment Partners, das ein Vermögen (AUM) von 335 Milliarden US-Dollar verwaltet, für 1,7 Milliarden Euro von der NN Group zu übernehmen. 2023 wurde das Unternehmen in die Abteilung Vermögensverwaltung von Goldman Sachs eingegliedert.

Anfang 2025 ist Goldman Sachs aus der UN-Brancheninitiative Net-Zero Banking Alliance (NZBA) ausgetreten. Bis dahin hatte sich Goldman Sachs verpflichtet, ihre Kredit- und Anlageprodukte spätestens bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu gestalten.

Geschäftszahlen +Geschäfts- und MitarbeiterentwicklungGoldman Sachs Fundamentaldaten, ARIVA.DE, 4. März 2019, Abruf 6. März 2019JahrBilanzsummein Mio. US$Umsatzin Mio. US$Überschussin Mio. US$Mitarbeiter2005706.80425.2385.60922.4252006838.20137.6659.39826.46720071.119.79645.98711.40730.5222008884.54722.2222.04130.0672009848.94245.17312.19232.5002010911.33239.1617.71335.7002011923.22528.8112.51033.3002012938.55534.1637.29232.4002013911.50734.2067.72632.9002014855.84234.5288.07734.0002015861.39533.8205.56836.8002016860.16530.7907.08734.4002017916.77632.7303.68536.6002018931.79636.6169.86036.6002019992.96836.5467.89738.30020201.163.02844.5608.91540.50020211.463.98859.33921.15143.90020221.441.79947.36510.76448.50020231.641.59446.2547.90745.300

Unternehmenskritik mini|hochkant|200 West Street in New York City, Hauptsitz der Bank mini|hochkant|Goldman Sachs Tower, in Jersey City, (New Jersey)

Hedge-Fonds-Verluste aufgrund der Subprime-Krise Im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern konnte Goldman Sachs Verluste aufgrund der Subprime-Krise auf Gesamtunternehmensebene vermeiden. Dennoch verloren drei von Goldman Sachs Asset Management verwaltete Hedge-Fonds substantiell an Wert, so dass der Global-Equity-Opportunities-(GEO)-Fonds als einer der GS-Hedge-Fonds durch milliardenschwere Investitionen gestützt werden musste. Dabei investierte Goldman Sachs selbst 3 Mrd. USD und Eli Broad, der ehemalige Chef der American International Group, Maurice Greenberg und die Perry Capital LLC zusammen noch einmal die gleiche Summe in den Fonds.

Verschleierungen in der Europäischen Schuldenkrise und Einfluss auf die Politik