mini|Die Villa Haag (2013) mini|Seitliche Ansicht vom Garten aus mini|Die Südseite der Villa mini|Die Dachterrasse

Die Villa Haag, auch Haag-Villa genannt, ist das ehemalige Wohn- und Bürogebäude des Augsburger Fabrikanten Johannes Haag (1819–1887). Die im Neorenaissance-Stil erbaute repräsentative Direktorenvilla ist ein Baudenkmal im Stadtteil Am Schäfflerbach und hat die Adresse Johannes-Haag-Straße 14 im Augsburger Textilviertel.

Geschichte Der Gebäudekern der Villa wurde um 1875/1877 von einem unbekannten Architekten auf einer künstlichen Anhöhe am nördlichen Rand des ehemaligen Werksgeländes der Maschinen- und Röhrenfabrik von Johannes Haag erbaut. Sein Unternehmen gehörte zu den Pionieren im Gebäudeheizungsbau in Europa. Nach dem Tod Haags 1887 ging das Haus auf seine Tochter Rosette als Alleinerbin über; das Unternehmen wurde von August Reimer geleitet, der 1889 Rosette Haag heiratete. Er ließ die Villa 1892 durch den angesehenen Augsburger Architekten Jean Keller erweitern und umbauen.Die vielfältigen Spuren des Johannes Haag. In: Augsburger Allgemeine vom 17. April 2009

Architektur mini|Zaun der Villa Haag Die Villa Haag ist nach der Umgestaltung durch Keller ein mit rotem und gelbem Sandstein verblendeter zweigeschossiger Ziegelbau mit Zeltdach. Sie hat einen T-förmigen Grundriss mit übergiebelten Eckrisaliten und seitlichen Annexbauten. Die zur Straße weisende Hauptfassade ist streng symmetrisch gegliedert. Eine Kutschenauffahrt führt zum mittigen, von vier Säulen getragenen Portikus, von dem der Ankommende das zentrale Vestibül betritt. Auf dem Dach befand sich ursprünglich ein Belvedere, von dem Johannes Haag seine Fabrik überblicken konnte. Auf der Rückseite umgibt die Villa eine Gartenanlage, die ursprünglich nach englischem Stil gestaltet war, mit einem Wasserbecken mit Springbrunnen. Der zum Garten weisende Mitteltrakt des „T“ ist nur eingeschossig; darauf befindet sich eine Dachterrasse. Der ursprünglich an diesen Gebäudeteil angeschlossene pavillonartige hohe Wintergarten aus Stahl und Glas ist nicht mehr vorhanden. An der Stelle, wo sich der Mitteltrakt ursprünglich zum Wintergarten hin öffnete, wurde er nach dem Abriss des Wintergartens mit einer glatten fensterlosen Wand verschlossen. Der verzierte eiserne Zaun der Einfriedung steht ebenfalls unter Denkmalschutz.

Innen ist die Villa mit Terrazzo- und Holzböden ausgestattet. Sie hatte bereits in ihrem Ursprungszustand eine (von Haags Unternehmen hergestellte) Heißwasser-Zentralheizung sowie Gasbeleuchtung. Die beiden Geschosse sind durch eine Wendeltreppe aus Gusseisen verbunden.

Sanierung

Seit 1930 besitzt die Stadt Augsburg die Villa. Das Haag’sche Unternehmen wurde 1932 durch den Sulzer-Konzern übernommen. Etwa um 1950 wurde der Wintergarten abgerissen; in den folgenden Jahrzehnten erfolgten verschiedenste Umbauten. Nach 1972 gelangte die Villa Haag in den Besitz der Stadtwerke Augsburg, die Wohnungen in dem Gebäude vermietete. Seit 2004 (nach anderen Quellen 2007) stand die Villa leer. Bei einem Wasserrohrbruch im Jahr 2009 entstanden starke Schäden. Danach erfolgte eine Sanierung des gesamten Gebäudes, die 2013 abgeschlossen wurde und rund 2 Millionen Euro kostete.Augsburger Allgemeine, 3. Mai 2013: Eine Villa spiegelt die Pracht der Gründerzeit Die Villa soll nun für Veranstaltungen genutzt werden.

Seit 2016 befindet sich im oberen Geschoss Christian Grünwalds Zwei-Sterne-Restaurant „August“.Augsburger Allgemeine, 1. September 2015: Sternekoch Grünwald zieht in die Haag-Villa ein

Einzelnachweise

Haag Kategorie:Neorenaissancebauwerk in Bayern Kategorie:Erbaut in den 1870er Jahren Kategorie:Baudenkmal in Augsburg Kategorie:Bauwerk des Historismus in Augsburg