mini|Uwe Steimle (2010) rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|Unterschrift Uwe Steimle deutscher Schauspieler Uwe Heinz Steimle (* 20. Juni 1963 in Dresden) ist ein deutscher Kabarettist und Schauspieler. Charakteristikum ist sein sächsischer Dialekt. Deutschlandweit bekannt wurde er als Hauptkommissar Jens Hinrichs in der Fernsehreihe Polizeiruf 110. Steimle prägte 1992 den Begriff der Ostalgie. Mehrere seiner Aussagen werden als rechtspopulistisch und AfD-nah bewertet.
Leben Herkunft und Jugend Steimle wuchs in Dresden-Trachau auf. Beide Elternteile waren Inoffizielle Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR.WDR, „Kölner Treff“ vom 4. April 2008. Wie der Osten funktioniert. www.fr.de, 9. November 2009 Sein Vater war Berufsunteroffizier (zuletzt als Stabsfeldwebel) in der Panzertruppe der Nationalen Volksarmee, dann bei der Bundeswehr Pförtner;Uwe Steimle: Heimatforscher und Störenfried. MDR Kultur vom 24. Mai 2018, abgerufen am 10. Juli 2018. die Mutter arbeitete in einem volkseigenen Verpackungsbetrieb, im VEB Polypack Dresden. Beide Eltern starben 1992.Antonie Rietzschel: Ewiger Ossi, der dem Volk aufs Maul schauen will. Süddeutsche Zeitung vom 23. Juli 2018.Uwe Steimle: Heimatstunde: Neues vom Zauberer von Ost, Gütersloh 2014, ISBN 978-3-641-13625-3, elektronisches Buch ohne Angaben zur Seitenzahl. Steimle betrieb in seiner Jugend Leistungssport (Bestleistung im 100-Meter-Lauf 11,2 Sekunden). Nach der Schule lernte er zunächst Industrieschmied im Edelstahlwerk Freital. Danach studierte er von 1985 bis 1989 an der Theaterhochschule „Hans Otto“ Leipzig. Seinen NVA-Wehrdienst leistete Steimle im Pionierbaubataillon 12 (PiBB-12) in Merseburg, wo er eine Ausbildung zum Sprengpionier erhielt.Uwe Steimle in Steimles (Neue) Welt vom 1. September 2020
Kabarett mini|Plakat für das Kabarettprogramm „Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf“ an der Komödie Dresden mit Steimle verkleidet als Erich Honecker (2014) Steimle wurde 1989 Mitglied des Dresdner Kabaretts Herkuleskeule.
Der Begriff „Ostalgie“ geht auf Steimles gleichnamiges Programm von 1992 zurück und gelangte im Jahr darauf bei der Wahl zum Wort des Jahres auf Platz 9.Gesellschaft für deutsche Sprache: Von »aufmüpfig« bis »Teuro«: Die „Wörter der Jahre“ 1971 bis 2002, Dudenverlag 2003, ISBN 3-411-04201-X, S. 221. Mit dem Leipziger Tom Pauls schuf er die Figuren „Günther Zieschong“ (von ihm selbst dargestellt) und „Ilse Bähnert“ (Pauls). Steimle und Pauls traten mit diesen Figuren im Programm Ostalgie auf, das für regionale Programme des MDR produziert wurde. Später entstand Steimles erstes Soloprojekt Günther allein zuhaus, in dem er „Zieschong“ allein auftreten ließ. Nach Uns fracht ja keener ließ Steimle in seinem Programm Mich fracht ja Eener beide Figuren mit neuen Texten nochmals lebendig werden. Steimle ist auch als Imitator Erich Honeckers bekannt; diese Parodie ist oft Zugabe bei seinen Auftritten.
Steimle war zwischen 2007 und 2010 mehrmals Gast in Kabarett-Sendungen Neues aus der Anstalt neben Urban Priol und Georg Schramm. Er wirkte außerdem an der Satire-Sendung Kanzleramt Pforte D im MDR als „Günter Zieschong“ mit.
Seit 2017 trat er in dem Programm Mir san Mir gemeinsam mit dem bayerischen Kabarettisten Helmut Schleich auf.Satirische Dolmetscher zwischen Ost und West auf deutschlandfunk.de, 27. Juni 2017. Schleich beendete die Zusammenarbeit mit Steimle Ende Juli 2026 aufgrund von dessen Äußerungen bei der AfD-Veranstaltung in Dessau-Roßlau (→ Kontroversen um Steimle).Frank Hommel: Nach AfD-Veranstaltung: Bayerischer Kabarettist kündigt Zusammenarbeit mit Uwe Steimle auf www.freiepresse.de, 20. Juli 2026 Daneben ist er auch mit mehreren Soloprogrammen auf zahlreichen Kabarettbühnen zu sehen, z. B. Heimatstunde und FeinKOST.
Theater Von 1991 bis 1994 war er Mitglied des Staatsschauspiels Dresden. Weitere Engagements führten ihn auch nach Halle und Erfurt.
Polizeiruf 110
Von 1993 bis 2009 ermittelte Steimle als Hauptkommissar Jens Hinrichs in der Fernsehreihe Polizeiruf 110. Bei insgesamt vier wechselnden Partnern war er mit 31 Folgen der zweitdienstälteste Polizeiruf-Kommissar der ARD.
Im Jahr 2005 erhielt Steimle gemeinsam mit Henry Hübchen und Autorin Beate Langmaack den Grimme-Preis für die Weiterentwicklung der Reihe. Der taz-Fernsehkritiker Rainer Braun zählte Steimle anlässlich der Absetzung des Hinrichs-Polizeirufs „zu den profiliertesten und vielseitigsten Vertretern seiner Zunft“.Rainer Braun: Steimle des Anstoßes. taz, 17. Januar 2009.
Als 2008 der NDR das Ende des Ermittlerduos für das folgende Jahr ankündigte, protestierte Steimle dagegen, sprach von „Dolchstoß“ und „Berufsverbot“ und zeigte sich überzeugt, aus „politischen Gründen“ und wegen „Aufmüpfigkeit“ „entfernt“ worden zu sein. Zuvor hatte er für die Partei Die Linke als Mitglied der Bundesversammlung Peter Sodann mitgewählt und sich oft über den „Polizeiruf“ beschwert.Stefan Locke: Uwe Steimle: Der Gekränkte – FAZ, 28. Juni 2009. Der Sender begründete seine Entscheidung damit, dass der Schweriner Polizeiruf nach 15 Jahren einfach „auserzählt“ sei. Medien und selbst Steimles Polizeiruf-Partner Felix Eitner meinten, dass Steimle sich als Verschwörungsopfer hochstilisiere.Steimle fühlt sich als Opfer seiner politischen Anschauung. In: Mitteldeutsche Zeitung, 4. November 2008, abgerufen am 30. Juni 2021.NDR schickt "Polizeiruf"-Kommissare in Ruhestand. Der Tagesspiegel, 2. November 2008. Steimle hingegen forderte ein öffentliches Streitgespräch mit dem ARD-Programmdirektor Volker Herres und verlangte dafür den sonntäglichen Sendeplatz der ARD-Talkshow „Anne Will“. Herres bemerkte zu der Entscheidung, dass „Rollen enden, das ist normal, große Schauspieler bleiben“, und lobte Steimle als „bemerkenswerte[n] Darsteller“, dessen „Begabungen er sehr zu schätzen wisse“.Uwe Steimle ermittelt nicht mehr RP-Online, 2. November 2008. Steimle behauptete, dass Herres ihn als „Querulant[en]“ bezeichnet habe, und verglich dies mit der Sprache des Nationalsozialismus bzw. der Ausdrucksweise eines NVA-Politoffiziers.Uwe Steimle: Heimatstunde: Neues vom Zauberer von Ost, S. 9. Auch danach war Steimle noch in diversen Sendungen der ARD zu sehen.
Weitere Auftritte in Film und Fernsehen Im Jahr 1988 trat Steimle in Thomas Langhoffs Verfilmung Der Aufstand der Fischer von St. Barbara neben Ulrich Thein erstmals vor eine Kamera. Im folgenden Jahr spielte er in Zwei schräge Vögel mit.
In Edgar Reitz’ Heimat 3 – Chronik einer Zeitenwende war Steimle außerdem 2004 in der Rolle des „Gunnar Brehme“ zu sehen. Im TV-Zweiteiler Das Konto von 2004 spielte er einen Killer. 2008 sah man ihn als Hauptdarsteller in der Fernsehkomödie Plötzlich Millionär.
2009 spielte Steimle im Film Liebe Mauer den Stasi-Oberleutnant Haack. 2011 verkörperte er in dem Kinofilm Sushi in Suhl, in dem die Geschichte des ersten japanischen Restaurants in der DDR verfilmt wurde, die Hauptfigur Rolf Anschütz.
Von 2013 bis 2019 präsentierte Steimle im MDR Steimles Welt. Dabei fuhr er mit einem Wartburg 312 gemeinsam mit Michael Seidel durchs Sendegebiet; mit Bürgern unterhielt er sich über ihre Geschichten vor und nach dem Zusammenbruch der DDR.Steimles Welt auf fernsehserie.de.
Autor Im Jahr 2006 veröffentlichte er das Hörbuch Der Zauberer von Ost über das Grüne Gewölbe in Dresden. Es ist der erste Titel der gleichnamigen Reihe, in der 2007 das Hörbuch über die Geschichte des Dresdner Christstollens Hören Sie es riechen? und 2008 Hans Christian Andersens Bericht einer Reise in die Sächsische Schweiz, letzteres gelesen von Walter Niklaus, erschienen sind.
Darüber hinaus erschienen weitere Bücher mit satirischen Texten, die sich zumeist mit seiner Heimat, der aktuellen Politik sowie der Wiedervereinigung beschäftigen und auch als Hörbücher vorliegen.
Politisches Engagement Im Jahr 2009 wurde Steimle von der Linkspartei als Mitglied der Bundesversammlung benannt und vom Sächsischen Landtag gewählt. des Sächsischen Landtag vom 11. März 2009. In dieser Funktion nahm er an der Wahl des deutschen Bundespräsidenten 2009 teil.
Im April und Mai 2009 protestierte Steimle im Kostüm seines Alter Ego „Günther Zieschong“ mit Tom Pauls als „Ilse Bähnert“ gegen die städtebauliche Entwicklung Dresdens dadurch, dass sie eine bepflanzte Kloschüssel mit dem Spruch „Scheiße gebaut, Stadt versaut“ am Dresdner Postplatz abstellten und trotz behördlicher Ermahnung die Aktion kurz darauf am Altmarkt wiederholten. Später verteilte er mit anderen Gegnern der städtischen Baupolitik im gesamten Stadtgebiet bepflanzte Toilettenschüsseln.Thomas Brussig: , abgerufen am 9. Februar 2014.
Am 8. Mai 2017 stellte Steimle als „Zieschong“ auf dem Dresdner Neumarkt eine zwei Meter hohe Nachbildung des Dresdner Fernsehturms mit einem goldenen Halbmond auf, die er „Rischdsche Gunsd“ (sächsisch für „richtige Kunst“) nannte. Er sah die Aktion als seine humorvolle Stellungnahme gegen den fremdenfeindlichen Ruf Dresdens und interpretierte selber die Plastik als Dresdens größtes Minarett, von dem der Ruf „Dresden ist groß“ erschallen könne.TV-Star Steimle provoziert mit Halbmondkunst. auf tag24.de vom 3. Mai 2017, abgerufen am 6. Juni 2017. Gleichzeitig war es eine Werbung für die Bürgerinitiative, welche die Wiedereröffnung der Aussichtsplattform des Fernsehturms anstrebt und deren prominentester Vertreter Steimle ist.Steimles Neumarkt Denkmal. auf sz-online.de vom 4. Mai 2017, abgerufen am 7. Juni 2017. Außerdem betrachtet Steimle die gegenwärtige Kunst auf dem Neumarkt, das Denkmal für den permanenten Neuanfang von Heike Mutter und Ulrich Genth, als Bevormundung und bezeichnete sein Objekt als „Gegendenkmal“ und „Fühlmal“, mit dem er „Brücken zwischen den sich nicht verstehenden Lagern“ bauen wolle.
Im Februar 2018 wurde Steimle zum Schirmherr der Ökumenischen Friedensdekade ernannt, aber bereits nach wenigen Tagen wieder abberufen, da seine Aussagen „keine eindeutige Distanzierung von rechtspopulistischen Positionen bzw. der Pegida-Bewegung erkennen“ lassen würden. Seine „Verlautbarungen über Israel und die USA seien einseitig, würden der Komplexität nicht gerecht und ließen die Grenze zu antiamerikanischen und antisemitischen Positionen verschwimmen“. Die Organisatoren räumten ein, nicht genügend über Steimle recherchiert zu haben. Erst durch eine „Welle teilweise heftiger Kritik, besonders bei […] sächsischen […] Partnern sowie bei Initiativen, die gegen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus arbeiten“, war man auf die Problematik aufmerksam geworden. Steimle bestritt, mit Pegida zu sympathisieren, und sah ohne seine Schirmherrschaft den „Frieden im Regen stehen“.Nach Protest: Uwe Steimle nicht mehr Friedensdekaden-Schirmherr. Freie Presse vom 28. Februar 2018; dpa, , Leipziger Volkszeitung online, 28. Februar 2018. Wenige Tage später war er – neben Thilo Sarrazin, Uwe Tellkamp, Vera Lengsfeld, Eva Herman, Henryk M. Broder, Matthias Matussek und anderen – Erstunterzeichner der Gemeinsamen Erklärung 2018, die Deutschland durch „illegale Masseneinwanderung beschädigt“ sah und sich mit den Teilnehmern eines „Frauenmarsches“ aus dem Umfeld der Partei Alternative für Deutschland (AfD) solidarisierte.Andreas Montag: Neue Nationale Front „Gemeinsame Erklärung“ von Künstlern und Intellektuellen. Mitteldeutsche Zeitung online, 19. März 2018. Bereits am nächsten Tag zog er aber seine Unterschrift zurück.
Steimle setzt sich dafür ein, mit Anhängern von AfD und Pegida zu reden. „Wenn 25 Prozent der Menschen die AfD wählen, dann kann man die doch nicht ignorieren“, so Steimle in einem Interview mit der Superillu. Seine Entlassung beim MDR erinnere ihn „an finstere DDR-Zeiten, wo es vielen Künstlern ähnlich erging“. Er habe „beide Systeme erlebt“ und heute laufe das „mit feinerer Klinge“.