Das Kloster Vyšší Brod (, , , deutsch Abtei Hohenfurth, auch Hohenfurt) ist eine Zisterzienser-Abtei in Vyšší Brod (Hohenfurth) im Okres Český Krumlov (Krumau) in Tschechien. Sie liegt westlich der Einmündung der Kleinen Moldau in die Moldau.

Das im 13. Jahrhundert gegründete Kloster war ein geistliches und kulturelles Zentrum Südböhmens. 1995 wurde es zum Nationalen Kulturdenkmal Tschechiens erklärt. mini|Kloster Vyšší Brod mini|Tafelgemälde aus dem Gemäldezyklus des Meisters von Hohenfurth

Geschichte mini|Gesamtansicht der Klosteranlage Gründung Das Zisterzienserkloster Hohenfurth wurde 1259 vom böhmischen Oberstmarschall Wok von Rosenberg gegründet und mit zwölf Mönchen aus dem Stift Wilhering bei Linz besiedelt. Der Überlieferung nach soll Wok das Kloster aus Dankbarkeit für seine Errettung aus den Fluten der Moldau errichtet haben. Als Gründungstag des Klosters gilt der 1. Juni 1259, an dem die Klosterkirche vom Prager Bischof Johann III. geweiht wurde. Während der Hussitenkriege wurde die Klosterkirche beschädigt, die Klostergüter verwüstet und mehrere Patronatskirchen zerstört.

Bezeichnung Das Kloster übernahm den Namen der Gemeinde, in deren Nähe es gegründet wurde. So ist zuerst der deutsche Name Hohenfurt belegt, der von der örtlichen Bezeichnung „zu der hohen furt“ stammt. Später wurde der Name ins Latein übersetzt („Altum Vodum“). Der tschechische Name ist erst im Jahre 1394 belegt und variierte im Lauf (Vyšebrod, Vyšší Brod, Vyšný Brod, Vyšní Brod und auch das falsche „Višňový Brod“ – „Sauerkirschenfurt“).

Neuzeit bis 1800 Um 1530 umfasste die Grundherrschaft der Abtei Hohenfurt die Märkte Hohenfurth und Höritz sowie 108 Dörfer. Im Dreißigjährigen Krieg musste das Kloster zahlreiche Einquartierungen und Plünderungen erdulden; der Konvent war damals zeitweise in anderen Klöstern untergebracht. 1627 erhielt der Abt als Infulierter Prälat Sitz und Stimme im böhmischen Landtag. Um 1650 gehörten zur Grundherrschaft entsprechend einer Steuerrolle drei Städtchen (Hohenfurth, Höritz und ein Teil von Priethal) sowie 103 Dörfer und 14 Weiler. Neben der Stiftsherrschaft Hohenfurth besaß das Kloster noch das Stiftsgut Komarzitz, das gesondert verwaltet wurde. Um diese Zeit übernahmen die Mönche zunehmend die Seelsorge in den Patronatspfarreien, da es an Diözesanpriestern mangelte. Am 17. Juni 1690 wurde das Kloster durch einen Brand stark beschädigtKontribuční sýpka (durch den Klosterbrand vom 17. Juni 1690 verzögerte sich der Aufbau des großen Getreidespeichers in Komařice) auf komarice.cz (tschechisch).. Durch die Josephinischen Reformen entging es nur knapp einer Aufhebung. 1786 wurde Abt Hermann Kurz seines Amtes enthoben, die Aufnahme von Novizen verboten und der Großgrundbesitz teilweise aufgeteilt und verpachtet. 1789 wurden die Maßnahmen mit kaiserlicher Verfügung rückgängig gemacht und 1790 dem Kloster seine bisherigen Privilegien zuerkannt. Als Gegenleistung musste sich das Kloster verpflichten, vier bzw. später fünf Professoren für die Philosophische Lehranstalt und später an das deutsche Gymnasium in Budweis zu stellen. Diese Verpflichtung blieb bis 1921 bestehen.

1800 bis 1930 Das Patronat über das Kloster und über die klösterlichen Besitzungen oblag bis 1611 den Herren von Rosenberg, danach für jeweils kurze Zeit Johann Zrínsky von Seryn, der ein Neffe des letzten Rosenbergers Peter Wok von Rosenberg war, sowie den Kaisern Matthias und Ferdinand II. Ab 1622 lag das Patronat bei den neuen Besitzern der Herrschaft Krumau, den Herren von Eggenberg, und ab 1719 bei den Fürsten Schwarzenberg. Am 28. Februar 1822 gelang Abt Isidor Teutschmann die Loslösung von der Herrschaft Krumau. Damit übte das Kloster bis zur Aufhebung der Grundherrschaft im Revolutionsjahr 1848 die weltliche Herrschaft über das Klostergut und deren Einkünfte aus.

Ende des 19. Jahrhunderts wurden unter Abt Leopold Wackarž, der 1891 zum Generalabt des Zisterzienserordens gewählt worden war, umfangreiche Baumaßnahmen vorgenommen, die sich auch auf die inkorporierten Pfarreien erstreckten. Sein Nachfolger Bruno Pammer († 1924) errichtete 1904 auf Klostergrund ein Elektrizitätswerk. Ab 1911 beteiligte sich das Kloster am Bau und Betrieb der Hohenfurther Elektrischen Lokalbahn, mit der die Region einen Anschluss an das Eisenbahnnetz erhielt. Bruno Pammer war einer der beiden Konzessionäre der privat finanzierten Lokalbahn.Reichsgesetz Nr. 190 für die im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder vom 12. September 1911

Nach dem Zerfall Österreich-Ungarns infolge des Ersten Weltkrieges lag das Kloster und dessen Grundbesitz auf dem Staatsgebiet der neu begründeten Tschechoslowakei. Nach einer Bodenreform verlor das Kloster einen Teil seines Grundbesitzes zugunsten des neu gegründeten Staates. Trotzdem konnte Abt Tecelin Jaksch die Renovierung der Klosterkirche und weiterer Kirchen und Pfarrhöfe veranlassen. Damit verschaffte er während der Inflation der Geldwährung des Jahres 1923 und der Massenarbeitslosigkeit der Jahre 1929 und 1930 vielen Menschen Arbeit und Brot.

Das Kloster während des Zweiten Weltkrieges

Eine größere Katastrophe für das Kloster folgte jedoch mit der Besetzung des Sudetenlandes nach dem Münchner Abkommen von 1938. Das Gebiet wurde politisch dem damaligen Gau Oberdonau und kirchlich der Diözese Linz angeschlossen. Am 21. November 1939 wurde Abt Tecelin Jaksch wegen seiner loyalen Haltung zum tschechoslowakischen Staat verhaftet und zu einer Gefängnisstrafe von einem halben Jahr verurteilt.Jiří Kohout: Tecelin Jaksch (1885–1954). Abt von Hohenfurt in bewegten Zeiten. In: Analecta Cisterciensia. Band 57, 2007, S. 99–194. Im Januar 1939 übernahm ein vom Gau Oberdonau ernannter Regierungskommissar die Verwaltung des Klosters. Der für die Dauer der Abwesenheit des Abtes Jaksch vom Konvent zum Koadjutor gewählte Pater Dominik Kaindl verlor jeden Einfluss. Gerade um diese Zeit hatte das Kloster den höchsten Personalstand in seiner bis dahin fast 700-jährigen Geschichte und bestand aus 69 Mitgliedern. Am 17. April 1941 wurde das Kloster Hohenfurth schließlich von der Linzer Gestapo aufgehoben. Die wenigen noch anwesenden Mönche wurden auf die Stiftspfarreien verteilt. Bleiben durften P. Vinzenz Pils, der als Rentmeister für die Weiterführung der Buchführung zuständig war und P. Alois Martetschläger, der zunächst die Gottesdienste in der Klosterkirche weiterführen durfte. Die Klostergebäude dienten nun als Lager für deutsche Umsiedler aus Bessarabien und gegen Kriegsende als Reserve-Lazarett für die Wehrmacht. Von den 21 Ordensangehörigen, die zum Krieg eingezogen waren, fielen zehn. Bereits am 1. November 1942 starb Pater Engelbert Blochl, Pfarrer von Heuraffl, an Hunger und Misshandlungen im KZ Dachau. miniatur|270px|Der Konvent der Zisterzienserabtei Hohenfurt unter Abt Tecelin Jaksch (Foto zw. 1946 und 1949) Schon im April 1941 berichtete der Gauleiter und Reichsstatthalter von Oberdonau August Eigruber nach München an den Führerbau, dass – neben der aufgehobenen Benediktinerabtei Kremsmünster – auch Stift Hohenfurth zur Bergung von Kunstwerken geeignet sei. Vier große und 20 mittlere Räume stünden dort zur Verfügung. Doch vorerst sollte sich die Unterbringung der Kunstwerke des „Sonderauftrags Linz“ jedoch auf das Reichskunstdepot Kremsmünster konzentrieren. Erst Februar 1943 übernahm Heinrich Klapsia, kommissarischer Leiter der Sammlung für Plastik und Kunstgewerbe des Kunsthistorischen Museums (KHM) in Wien, die für das Kunstmuseum Linz vorgesehene Berliner Sammlung Mannheimer und ließ sie in Hohenfurth deponieren. Der Umzug wurde von dem Kunsthistoriker Franz Kieslinger organisiert. Am 6. Mai 1945 erreichten US-Streitkräfte Hohenfurth, die zum Schutz der noch im Stift deponierten Kunstgüter eine Offizierswache einrichteten. Hohenfurth lag nach dem Kriegsende in der wiedererrichten Tschechoslowakei. Im Juni und Juli 1945 transportierte die 3rd US Army mehr als 1.000 Objekte in den Central Collecting Point nach München.

Das Kloster in der Zeit des Kommunismus Nach Kriegsende bemühte sich Abt Tecelin Jaksch intensiv um eine Rückkehr des Konvents und die rechtmäßige Rückgabe der Besitzungen. Der Bestand des Klosters schien gesichert zu sein, nachdem ihm die Rückkehr mit Unterstützung des ebenfalls zurückgekehrten Präsidenten Edvard Beneš gelang. Infolge der Beneš-Dekrete wurde aber die Mehrzahl der Klostergeistlichen zusammen mit der deutschsprachigen Bevölkerung vertrieben, so dass nur ein kleiner Konvent übrig blieb, dessen Lage immer unhaltbarer wurde. Schon bald kam es zu Anfeindungen der kommunistischen Behörden, die den Verfolgungen durch die Nationalsozialisten nicht nachstanden. Nach dem Februarumsturz durch die Kommunisten im Februar 1948 verließ Abt Tecelin Jaksch am 26. Juli 1948 Vyšší Brod und fand Aufnahme im Stift Zwettl. Am 4. Mai 1950 folgte die Aufhebung des Klosters, in dem zuletzt nur noch zwei tschechische Mönche, drei Juniores, ein Novize und ein Laienbruder anwesend waren. Sie durften keine seelsorgliche Betätigung ausüben und wurden in das Internierungslager für Priester in das aufgehobene Kloster Osek verbracht. Im selben Jahr wurde der Hohenfurther Konventuale Matthäus Quatember zum Generalabt des Zisterzienserordens gewählt.

Nach 1950 dienten die Klostergebäude als Kaserne der Tschechoslowakischen Armee. Später wurden Grenzschutztruppen einquartiert, die für die Bewachung der nahen österreichischen Grenze, des sogenannten Eisernen Vorhangs, benötigt wurden. Schließlich standen die Klostergebäude leer und wurden teilweise dem Verfall preisgegeben.

Stift Rein-Hohenfurth Der letzte Hohenfurther Abt Tecelin Jaksch wurde 1949 zum Apostolischen Administrator von Stift Rein ernannt. Nach dessen Tod am 23. Mai 1954 versuchte der letzte Pfarrer und Dekan von Hohenfurth, P. Nikolaus Lonsing, als „Prior regens“ eine Neugründung des Hohenfurther Konvents im ehemaligen Kapuzinerkloster in Schillingsfürst in Mittelfranken. Da sich der Konvent dort nicht entwickeln konnte und das Generalkapitel des Zisterzienserordens schon 1958 eine Vereinigung der Konvente von Rein und Hohenfurth vorgeschlagen hatte, wurde die Neugründung 1959 wieder aufgehoben. Die Ordensangehörigen kehrten nach Rein zurück, wo am 7. Oktober 1959 die Vereinigung unter der Bezeichnung „Stift Rein-Hohenfurth“ zustande kam. Damit übernahm das Stift die Verpflichtung, die Abtei Hohenfurth wieder zu besiedeln, sobald sich dazu eine Möglichkeit ergab.

Neuanfang nach 1989 Nach der politischen Wende von 1989 konnten zwei Patres nach Vyšší Brod zurückkehren, wo sie sich um eine Erneuerung des klösterlichen Lebens bemühen. Dabei wurden sie mit materieller Hilfe aus Österreich, vor allem aus dem Stift Heiligenkreuz unterstützt. 1991 wurde die Bibliothek restituiert.

Die Besucher des Stiftes können an Gottesdiensten teilnehmen und die gotische Kirche, den Kreuzgang, den Kapitelsaal, die Barockbibliothek und eine Reihe von Kunstgegenständen in Ausstellungen der Stiftssammlungen besichtigen.

Im Jahr 2011 nutzten die Mönche von Vyšší Brod die im Motu Proprio „Summorum Pontificum“ von 2007 vorgesehene Möglichkeit und kehrten zur außerordentlichen Form der Heiligen Messe sowie zu den alten Gebräuchen, die im Zisterzienserritus bis 1962 Geltung hatten, zurück.Zisterzienser kehren zum alten Ritus zurück, 5. Oktober 2012, abgerufen am 21. März 2022.