Das Rieploser Fließ ist ein Wassergraben im brandenburgischen Landkreis Oder-Spree auf den Gebieten der Kleinstadt Storkow und der Gemeinde Spreenhagen. Das Fließ liegt im Naturpark Dahme-Heideseen und im gleichnamigen Landschaftsschutzgebiet.

Der Hauptbach verbindet auf einer Länge von 3,88 Kilometern den Lebbiner See mit dem Stahnsdorfer See. Das brandenburgische Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft definiert zusätzlich den südöstlich des Lebbiner Sees gelegenen und weitgehend trocken liegenden Hirschluchgraben als Rieploser Fieß und gibt eine Gesamtlänge von 6,255 Kilometern an.

Der Wasserlauf ist nach dem Storkower Ortsteil Rieplos benannt und fließt im Hauptteil weitgehend durch Offenland. Der Bach geht aus einem Flößergraben hervor, der in den 1730er-Jahren zwecks Ausbau und Verbindung der Storkower Gewässer angelegt, aber nur für kurze Zeit genutzt wurde.

Definition, Fließlänge Die Definition, welcher Wasserlauf als Rieploser Fließ zu bezeichnen ist, ist unklar; die Bezeichnung erfolgte erst in jüngerer Zeit. Noch das Brandenburgische Namenbuch von 2005 gibt für die Lage von Rieplos an: an einem Fließ zwischen dem Stahnsdorfer und Lebbiner See, das 1782 als Flos Graben bezeichnet worden istSophie Wauer: Brandenburgisches Namenbuch. Teil 12: Die Ortsnamen des Kreises Beeskow-Storkow. Nach Vorarbeiten von Klaus Müller. (Berliner Beiträge zur Namenforschung, Band 13). Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-515-08664-1, S. 98. (siehe unten, Geschichtsteil). Vor Ort wird das Fließ nach wie vor auch Großgraben oder Großer Graben genannt – so gibt es in Rieplos direkt am Fließ eine Straße mit der Bezeichnung Am Großgraben.Straßenkatalog: Am Großgraben. Spätestens seit 2007 verwenden der Wasser- und Bodenverband Mittlere Spree in Beeskow und weitere Landesbehörden für diesen 3,88 Kilometer langen Graben zwischen dem Stahnsdorfer und Lebbiner See den Namen Rieploser Fließ.Ausschreibungsblatt des Landes Brandenburg, 15. Jg., Nr. 13, 2. April 2007, siehe Seite 21, Eintrag unter 79838: Landesstraße 23, Brücke über das Rieploser Fließ in Rieplos. (PDF; 1 MB)

mini|links|Das Fließ kurz nach dem Austritt aus dem Lebbiner See in Lebbin (Markgrafpieske)

Neben diesem historischen Floßgraben bezeichnet die Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg inzwischen auch (Stand 2014) einen Graben, der dem Lebbiner See von Südosten zufließt, als Rieploser Fließ.Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg: Brandenburg-Viewer, Standard-Kartenpräsentation. Dementsprechend bezieht die Fließgewässerliste des Ministeriums für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg diesen Teil mit ein und gibt unter dem Namen Rieploser Fließ eine Gesamtlänge von 6,255 Kilometern an. beim Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg, abgerufen am 4. Mai 2015. Diese Festlegung entspricht der historischen Entwicklung der Gewässer und den tatsächlichen Gegebenheiten nur bedingt:

Zum einen wird dieser Gewässerabschnitt, der im Hirschluch entspringt, in der Gewässerliteratur als Hirschluchgraben bezeichnet – so beispielsweise in einem Gewässerreport des Lehrstuhls Gewässerschutz an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus von 2001.Hartwig Krumbeck, Ute Mischke (Hrsg.): Gewässerreport (Nr. 6): Entwicklungen der Gewässer im Scharmützelseegebiet und angewandte Probleme des Gewässerschutzes. Lehrstuhl Gewässerschutz, Fakultät 4 – Umweltwissenschaften und Verfahrenstechnik (UMW) an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus, Forschungsstation Bad Saarow. Eigenverlag der Fakultät UMW, Cottbus 2001 BTUC-AR 6/2001 S. 98, 101. Zum anderen liegt der Hirschluchgraben, insbesondere in den wärmeren Monaten, im Gegensatz zum westlichen Floßgraben weitgehend trocken.Bild: Brücke über dem vollkommen trocken liegenden Hirschluchgraben auf dem Gelände der „Ev. Jugendbildungs- und Begegnungsstätte Hirschluch“ im September 2013. Bereits in der Darstellung der Preußischen Uraufnahme von 1844 bricht das Gewässer in einem Hügelgebiet südöstlich des Lebbiner Sees ab und erreicht den See nicht mehr (siehe Karte unten).

Die folgende Darstellung beschränkt sich daher weitgehend auf das tatsächlich wasserführende Fließ, den historischen Floßgraben zwischen dem Lebbiner und Stahnsdorfer See.

Naturraum Das Rieploser Fließ befindet sich südlich des von der Spree durchflossenen Berliner Urstromtals und westlich der Storkower PlatteOlaf Juschus: Das Jungmoränenland südlich von Berlin – Untersuchungen zur jungquartären Landschaftsentwicklung zwischen Unterspreewald und Nuthe, S. 2. Dissertation, Humboldt-Universität Berlin, 2001. Siehe Abbildung 2 Platten und Urstromtalungen im Jungmoränenland südlich Berlins. online Auch in: Berliner Geographische Arbeiten 95, ISBN 3-9806807-2-X, Berlin 2003 im Ostbrandenburgischen Heide- und Seengebiet, das in den Naturräumlichen Haupteinheiten Deutschlands als Nr. 82 geführt wird. Die zahlreichen Seen des Gebiets sind ein Relikt des Brandenburger Stadiums (24.000 bis 22.000) der Weichsel-Eiszeit.Brigitte Nixdorf, Mike Hemm u. a.: Dokumentation von Zustand und Entwicklung der wichtigsten Seen Deutschlands, Teil 5, Brandenburg, Umweltforschungsplan des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Abschlussbericht F&E Vorhaben FKZ 299 24 274, im Auftrag des Umweltbundesamtes am Lehrstuhl Gewässerschutz der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus, 2004. S. 155. PDF Es ist der einzige Abfluss des 28 Hektar umfassenden Lebbiner Sees, der sich am Westrand der Storkower Platte befindet.

Verlauf Ehemaliger Floßgraben mini|Lehngutweg neben dem Fließ und Lehnschulzengut Rieplos mini|Hirschluchweiher im September 2013

Der Bach tritt am Westufer aus dem Lebbiner See aus und richtet sich in seinem 3,88 Kilometer langen Verlauf nach Westen. Während die gesamte Wasserfläche des Sees zur Kleinstadt Storkow gehört, zählt der Uferbereich des Seeabflusses zum Dorf Lebbin, einem bewohnten Gemeindeteil des Spreenhagener Ortsteils Markgrafpieske. Parallel zum Lehngutweg, der den See mit dem Storkower Ortsteil Rieplos verbindet, und auf der Grenze zwischen Lebbin und dem Storkower Stadtteil Neu Boston verläuft das Fließ anfangs durch landwirtschaftliche Nutzflächen. Nach kurzem Lauf verlässt es die Gemarkung Lebbins und erreicht bei Neu Boston das Gebiet der Kernstadt Storkow. Es lässt das nach dem Siebenjährigen Krieg um 1775 gegründete Kolonistendorf Neu Boston südlich liegen und strömt im weiteren Verlauf durch Offenland, das überwiegend von Wiesen geprägt ist. Es passiert den am Südufer liegenden Friedhof Neu Bostons und erreicht die Gemarkung des Dorfes Rieplos.

Vorbei an den Gehöften des ehemaligen Lehnschulzenguts Rieplos gelangt es nach einem der Wehre an dessen Südende in das Dorf, wo der begleitende Lehngutweg endet. Es unterquert die Rieploser Brücke der Rieploser Hauptstraße, Teil der Landesstraße L 23. Nach weiterem Verlauf durch offenes Wiesengelände macht es einen leichten Bogen nach Nordwesten und bildet nunmehr die Grenze zwischen Rieplos und dem gleichfalls Storkower Ortsteil Kummersdorf, verläuft hier aber auf der Gemarkung Kummersdorfs. Im letzten Teil im Bereich des Stahnsdorfer Sees berührt es einen Bruchwald, der sich nach Südwesten entlang des Stahnsdorfer Fließes im Naturschutzgebiet Storkower Kanal fortsetzt. Nunmehr auf der Gemarkung des Storkower Ortsteils Alt Stahnsdorf, mündet das Rieploser Fließ am Ostufer in den südlichen Zipfel des Stahnsdorfer Sees.

Vom Stahnsdorfer See gelangen seine Wasser über das Stahnsdorfer Fließ in den Storkower Kanal, der, unter der Regierung Friedrichs II. in der Mitte des 18. Jahrhunderts vom Flößergraben zum Kanal ausgebaut, Teil der 33,44 Kilometer langen Bundeswasserstraße Storkower Gewässer (SkG) vom Scharmützelsee zur Dahme ist.Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg: Brandenburg-Viewer, Digitale Topographische Karten 1:10.000 (Menu – „Mehr Daten“ – anklicken und entsprechend auswählen; zu den Gemarkungsgrenzen „Liegenschaftskataster“ und dort „Gemarkungen“ zuschalten.)

Hirschluchgraben Der vom brandenburgischen Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV) gleichfalls als Rieploser Fließ bezeichnete Hirschluchgraben entspringt in einem Weiher im Hirschluch unterhalb des Storkower Naturschutzgebietes Binnendüne Waltersberge. Der Weiher liegt auf dem Gelände der „Ev. Jugendbildungs- und Begegnungsstätte Hirschluch“.Ev. Jugendbildungs- und Begegnungsstätte Hirschluch. Der Graben, der bereits kurz nach seinem Quellweiher trocken liegt, wendet sich erst nach Norden und verläuft dann in einem Nordwestbogen zum Ostufer des Lebbiner See. Nach etwa halber Strecke unterquert er die Landesstraße 361 zwischen Kolpin (Ortsteil von Reichenwalde) und Storkow und kurz vor dem Lebbiner See die Kreisstraße 6752 zwischen Lebbin und Storkow. Der gesamte Lauf führt durch den flachwelligen, teils hügeligen Kleinen Storkower Forst und gehört wie der ehemalige Floßgraben zum Naturpark Dahme-Heideseen und zum gleichnamigen Landschaftsschutzgebiet.

Geschichte Etymologie Das namengebende Breitgassendorf Rieplos wurde 1444 erstmals als Riploß urkundlich erwähnt.Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil IX: Beeskow – Storkow. …, S. 215. Der Name geht auf die slawische Siedlungszeit zurück. Nach Angabe des Sprachwissenschaftlers und Slawisten Reinhard E. Fischer ist die genaue Bedeutung unklar. Fischer schlägt als Ableitung vor: Slawisch, Spottname, wörtlich „Rübenkriecher“.Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin, Band 13 der Brandenburgischen Historischen Studien im Auftrag der Brandenburgischen Historischen Kommission, be.bra wissenschaft verlag, Berlin-Brandenburg 2005, ISBN 3-937233-30-X, . S. 142. Laut Darstellung des Brandenburgischen Namenbuchs, dem die Stadt Storkow folgt, könnte der Ortsname auch auf das allerdings nicht belegte mittelniederdeutsche Wort Rieb = Ufer mit der Bedeutung am Ufer bzw. Ufergraben gelegene Siedlung zurückzuführen sein.

Flößerkanal zur Versorgung Berlins mit Bauholz Das Rieploser Fließ wurde sehr wahrscheinlich in den 1730er-Jahren kurz vor oder parallel zur „unteren Verbindung“, dem Storkower Flößerkanal, als sogenannte „obere Verbindung“ zu einem Flößergraben ausgebaut. Die Arbeiten dienten dem Ausbau der Storkower Gewässer und der Anlage einer durchgehenden Wasserstraße zur Dahme, um Berlin aus den Storkower und den umliegenden Wäldern mit Bauholz zu versorgen.

Obere und untere Verbindung mini|Wehr in Rieplos mini|Landschaft am Fließ und Bewuchs

Der Statistiker und Historiker Freiherr Leopold Zedlitz und Neukirch schrieb 1828 zum Storkower Kanal, der 1746 den Storkower Flößerkanal von 1732 ersetzte (der erwähnte Dolgensee ist ein heute noch gebräuchlicher Name für den Großen Storkower See):