Penting ist ein Ortsteil der Stadt Neunburg vorm Wald im Landkreis Schwandorf in Bayern. Das gegenwärtig 405 Einwohner zählende Pfarrdorf liegt im Naturpark Oberpfälzer Wald und im Oberpfälzer Seenland und war bis 1978 Sitz der Gemeinde Penting. <br/ > Das Dorf wurde im Jahr 2016 beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) auf Landkreisebene mit einer Goldmedaille und auf Bezirksebene mit einer Silbermedaille (2017) prämiert.<br/ > Darüber hinaus ist Penting seit 2016 Standort der ersten Bürger-Windkraftanlage der Stadt Neunburg vorm Wald. Diese konnte als eine der letzten Windkraftanlagen nach Inkrafttreten der 10-H-Regelung in Bayern realisiert werden. Der Ort ist ein wichtiger Knotenpunkt überregionaler Wander- und Radwege und liegt in unmittelbarer Nähe zum Prädikatswanderweg Goldsteig (Marktredwitz – Passau).
Geographie mini|hochkant=1.5|Penting (2013), links unten: Unterpenting mit „Güllngasse“, rechts oben: Stengweiher
Geographische Lage und Geologie Penting liegt auf circa fünf Kilometer südlich von Neunburg vorm Wald auf einem Höhenzug, der das Schwarzachtal vom Bodenwöhrer Becken trennt. Durch diese exponierte Lage ist der Ort besonders vom Schwarzachtal aus schon von weitem zu sehen.
Penting liegt in einer für den Oberpfälzer Wald typischen Hügellandschaft mit großen Wiesen- und Waldflächen.
Südlich des Ortes liegen der Stengweiher und zahlreiche weitere kleine Teiche sowie mehrere naturnahe Bachläufe, die in Richtung des Hammersees in Bodenwöhr entwässern.
In der Nähe von Penting verläuft der Pfahl, eine 150 Kilometer lange geologische Störungslinie aus Quarzgestein, die von Nabburg in der Oberpfalz bis ins oberösterreichische Mühlviertel vor Linz verläuft.
Ortsgliederung Penting gliedert sich nach dem Prinzip eines Haufendorfes in einen alten Dorfkern rund um Kirche und Pfarrhof und die neu ausgewiesenen Baugebiete Penting-West (1989) sowie Penting-Ost (1993). Der größte Teil des Ortes liegt auf einem leichten Südhang mit Blick ins Bodenwöhrer Becken. Penting weist einen noch weitgehend intakten historischen Ortskern auf.
Der Kirchturm der katholischen Pfarrkirche St. Nikolaus ist eine weithin sichtbare Landmarke und dadurch ortsbildprägend.
Eine Besonderheit bildet ein nicht mehr begehbarer, von hohen Laubbäumen bewachsener Hohlweg, die sogenannte Güllngasse, der den Ortskern in Nord-Süd-Richtung mit Unterpenting, das aus mehreren Gehöften besteht, verbindet.
Geschichte Ortsgründung und Erstnennung (1266), Wittelsbacher (ab etwa 1280) Aus Penting sind aus der Zeit bis zum Hochmittelalter keine archäologischen Funde bekannt. Dennoch weist die Endung des Ortsnamens auf -ing auf eine frühmittelalterliche bajuwarische Siedlung hin. Auch das Nikolaus-Patronat sowie die vergleichsweise große Gemarkung belegen annäherungsweise eine Besiedlung und Christianisierung um das Jahr 1200. Es ist davon auszugehen, dass sich in dieser Zeit ein adliger Grundherr in Penting niederließ. 1140 weihte Bischof Egilbert von Bamberg eine hölzerne Kirche in Penting, die erste steinerne Kirche entstand um 1300.
Penting wurde 1266 erstmals urkundlich erwähnt, als Heinrich der Pötinger als Zeuge im Kloster Prüfening auftrat. 1280 war Penting nachweislich unter der Herrschaft der Wittelsbacher. Die Vogtei über Penting wurde 1285 im Herzogsurbar von 1285 als landesherrlicher Besitz ausgewiesen.Wilhelm Nutzinger: Neunburg vorm Wald, Kommission für Bayerische Landesgeschichte, 1988, S. 88. 1326 wurde die besagte Feststellung wiederholt, dabei erschien der Ortsname „Pompting“ im Pfarreienverzeichnis; 1358 ist der Ort unter dem Namen „Pönting“ belegt. Im 15. Jahrhundert gehörte Penting zur Dechanei Cham.Joseph von Fink: Versuch einer Geschichte des Vicedomamtes Nabburg. Ein Beytrag zur mittleren Geschichte von Baiern, Fleischmannische Buchhandlung, München 1819, S. 37.
Hussitenkrieg, Regensburger Stiftsherrschaft, Reformation und Gegenreformation 1433 nahmen auch Pentinger Bürger und Bauern an der Schlacht bei Hiltersried gegen die Hussiten teil. 1472 wurde die Pfarrei Penting durch den Regensburger Bischof Heinrich IV. von Absberg dem Stift Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle in Regensburg zugeteilt. Bereits 1482 gab es in Penting einen Mesner, dessen gesichertes Einkommen nachgewiesen ist. Aus diesem Mesneramt entwickelte sich im Laufe der Zeit die Stelle des Dorfschullehrers.
Von 1538 bis 1625 bestimmte der Landesherr nach dem Grundsatz cuius regio eius religio die Konfession. So wurde die Pfarrei Penting abwechselnd lutherisch und calvinisch und ab 1625 wieder katholisch. Melchisedek Giegelsberger aus Eschenbach, dessen Vater dort Bürger, Notar und Ratsangehöriger war, versah in Hahnbach und Penting bis zu seiner Entlassung im Jahr 1625 als Calvinist den Kirchendienst; er erhielt im anhaltischen Nienburg 1626 eine neue Stelle.Hans Ammon (Bearb.): Beiträge zu einem Schulmeisterlexicon Oberpfalz, Artikelserie ab 1965, Neuedition, bearbeitet von Georg Paulus, Gesellschaft für Familienforschung in der Oberpfalz, 2006 (Digitalisat).
Während des Dreißigjährigen Krieges 1618–1648 zogen Truppen auch durch Penting. Einquartierungen und Plünderungen von Soldaten blieben nicht aus. 1626 flohen viele Bauern aus Penting, als Soldaten des sogenannten Truchseßischen Regiments zwangsweise in Penting einquartiert wurden. Um das Jahr 1633 ist der Einfall der Schweden nach Penting dokumentiert. Nach der schwedischen Eroberung der benachbarten Stadt Neunburg vorm Wald 1641 lagerte im Raum zwischen Penting und Pingarten das kaiserliche Regiment Briganza um eine Belagerung Neunburgs vorzubereiten. Ein Kupferstich von Matthäus Merian zeugt von diesem Ereignis vor den Toren Pentings. Um 1700 wurde Penting von einem Feuer verwüstet.Anton Neckermann: Landkreis Neunburg vorm Wald. Verlag für Behörden und Wirtschaft R. Alfred Hoeppner München-Assling, 1968.
Die Schule in Penting gehörte zu den ältesten des Landkreises. Allerdings war sie bei der Bevölkerung zunächst äußerst unbeliebt und als 1788 die Hofbesitzer von Penting finanziell zum Bau und Unterhalt der Schul- und Mesnergebäude herangezogen werden sollten, kam es zu erbittertem Widerstand, der 1791 mit der Pfändung der Hausbesitzer endete. 1809 zählte man in Penting 58 Schüler und 47 Schülerinnen.Joseph Anton von Destouches: Statistische Darstellung der Oberpfalz und ihrer Hauptstadt Amberg vor und nach der Organisation von 1802 mit einem tabellarisch-statistischen Ueberblick des dermalen organisirten Naabkreises, Seidelsche Kunst- und Buchhandlung, Sulzbach 1809, S. 267. An der Universität Landshut studierte zwischen 1800 und 1826 allerdings nur ein einziger Pentinger, ein angehender Theologe.Franz Xaver Freninger: General-Repertorium über sämtliche an der Ludwigs-Maximilians-Universität zu Landshut von 1800–1826 immatrikulirte Studirende. Für das Landshuter Studiengenossen-Fest vom 22. Juli 1860 zusammengestellt, Eichleiter, Friedberg 1861, S. 13.
Gemeinde Penting (ab 1818)
1818 entstand die eigenständige, politische Gemeinde Penting, die als eine von 80 Landgemeinden dem Landgericht Neunburg vorm Wald zugehörig war. Zur Gemeinde Penting zählten folgende Ortsteile: Wutzelskühn, Könneröd, Gonnersdorf, sowie ab 1830 Fuchsenhof, Dorfmühle, Hartlshof, Poggersdorf, Reis, Wenigrötz, Wilbersdorf und Ziegelhütte. 1823 verlor Penting die Forstdienststelle aufgrund der Neuordnung der bayerischen Forstbezirke. Die Matrikel des Bisthums Regensburg von 1838 verzeichnete im Dorf 19 Häuser und 132 „Seelen“.Joseph Lipf (Bearb.): Matrikel des Bisthums Regensburg, Friedrich Pustet, Regensburg 1838, S. 37. Der Pfarrer des Dorfes, Johann Baptist Eberl, war nicht nur Schul-Inspektor in Penting, sondern auch eines der 414 Mitglieder des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg.Dermaliger Stand der Mitglieder des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg und seine Verbindung mit anderen Vereinen, Regensburg 1844, S. 8.
1882 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet. Zwischen 1893 und 1896 wurde die Bahnstrecke Bodenwöhr–Neunburg vorm Wald erbaut. Penting erhielt bei Wutzelskühn einen eigenen Bahnhof an der Bahnstrecke nach Neunburg. Der Personenverkehr wurde bis 1969 aufrechterhalten.
1893, 1902 und 1913 zerstörten Brände die Ortschaft erneut.Anton Neckermann: Landkreis Neunburg vorm Wald. Verlag für Behörden und Wirtschaft R. Alfred Hoeppner München-Assling, 1968. Zum Stichtag 23. März 1913 (Osterfest) war Penting Sitz der Pfarrei Penting und hatte 34 Häuser und 224 Einwohner.
Im Ersten Weltkrieg kamen vier Pentinger Bürger zu Tode. Während der Zeit der Weimarer Republik litt die arme Landbevölkerung oftmals unter den schlechten Lebensbedingungen. Viele Einwohner des Ortes fanden in den damaligen Ziegeleien in Erzhäuser und Eichental sowie im Eisenwerk Fronberg Arbeit.
Widerstand des Pfarrers gegen den Nationalsozialismus, Zwangsarbeiter und KZ-Todesmärsche
Der Ortspfarrer Alois Gruber leistete während der Zeit des Nationalsozialismus aktiven Widerstand gegen das Nazi-Regime. Er übte massive Kritik an der herrschenden Politik, stellte sich den ortsansässigen NSDAP-Mitgliedern in den Weg und hielt die Jugendlichen des Ortes von den Jugendorganisationen der Nationalsozialisten fern. Der Geistliche beteiligte sich zudem an einer Plakataktion gegen die Nazis. Die traditionelle Kirchenfahne verteidigte Gruber bis zuletzt erfolgreich gegen die Hakenkreuzfahne. Außerdem verlas der Priester Hirtenbriefe gegen den Nationalsozialismus vor der Kirchengemeinde.
Während des Zweiten Weltkriegs waren zehn Zivil- und 20 Kriegsgefangene auf den Bauernhöfen in Penting untergebracht. Bis Kriegsende 1945 fanden bis zu 200 Flüchtlinge in den Bauernhöfen Pentings und Umgebung Schutz und eine vorübergehende Bleibe.
Am 21. und 22. April 1945 zogen circa 200 KZ-Häftlinge aus dem Konzentrationslager Flossenbürg durch Penting. Die Menschen wurden von SS-Soldaten in Richtung Egelsried durch den Ort getrieben. Vorgebliches Ziel der Todesmärsche war das KZ Dachau. Viele der Häftlinge starben dabei vor Hunger und Entkräftung. Andere wurden von der SS auf offener Straße erschossen. Die Leichen wurden auf den umliegenden Feldern notdürftig verscharrt.
Die US-amerikanischen Truppen erreichten Penting kurz darauf, am 23. April 1945. Davor wurden die Panzersperren von der Bevölkerung eilig beseitigt und weiße Fahnen gehisst. Die Amerikaner veranlassten sofort, die Leichen der KZ-Häftlinge zu bergen und sie auf dem Friedhof des Ortes beizusetzen. Es wurden insgesamt 156 Tote geborgen und auf dem Pentinger Friedhof beerdigt. 1950 wurden die Toten exhumiert und auf dem KZ-Friedhof Neunburg vorm Wald bestattet, auf dem zahlreiche weitere KZ-Häftlinge der Todesmärsche um Neunburg beerdigt wurden. Die Identität der Toten ist weitgehend unbekannt.
Ära Albert Bauer (1945–1978), Eingemeindung (1972) und Bevölkerungswachstum Als erster kommissarischer Bürgermeister wurde Albert Bauer aus Penting von den amerikanischen Besatzern eingesetzt. Er blieb auch bis zum Ende der Gemeinde Penting 1978 gewählter Bürgermeister von Penting. 1946 wurden die Ortsteile Dorfmühle und Wilbersdorf in die Gemeinde Neunburg vorm Wald eingegliedert. Im Zuge der Gebietsreform 1972 wurde die gesamte Gemeinde Penting mit ihren Ortsteilen zum 1. Mai 1978 durch die Stadt Neunburg vorm Wald eingemeindet. Bürgermeister Albert Bauer wehrte sich bis zuletzt gegen die Eingemeindung nach Neunburg vorm Wald.
Durch die Ausweisung der Neubaugebiete Penting-West (1989) und Penting-Ost (1993) stieg die Einwohnerzahl ab 1989 kontinuierlich an. Am 8. Juli 2016 hatte Penting 405 Einwohner.
Religionen Von 1538 bis 1625 wechselte auch in Penting die Konfession nach dem Grundsatz cuius regio eius religio. So wurde die zunächst katholische Pfarrei Penting abwechselnd lutherisch und calvinisch und ab 1625 wieder katholisch.
Christentum Pfarrei St. Nikolaus (katholisch)