Die Landsmannschaft Plavia-Arminia Leipzig ist eine schlagende Studentenverbindung an der Universität Leipzig. Sie ist ein Fusionsbund aus mehreren ehemaligen Verbindungen mit Wurzeln in Leipzig. Als einzige Verbindung ist sie sowohl Mitglied der Rudelsburger Allianz ehemaliger Studentenverbindungen der DDR als auch des Coburger Convents (CC). Sie ist unkonfessionell und unpolitisch.
Couleur und Wahlspruch Die Couleur ist weiß-blau-gold auf rot (von unten nach oben), das Fuxenband weiß-blau auf rot. Die Studentenmütze ist blau. Der Wahlspruch ist Einig und stark.
Geschichte Ihren heutigen Namen Plavia-Arminia führt die Verbindung seit 2010, als die Landsmannschaften Plavia-Cheruscia und Saxo-Afrania miteinander fusionierten. Die Plavia-Cheruscia ist ihrerseits eine Fusion der beiden alten Leipziger Landsmannschaften Plavia (gegründet 1855) und Cheruscia (gegründet 1877), die Saxo-Afrania wurde 1988 noch zu Zeiten der DDR in Leipzig gegründet.
Landsmannschaft Plavia (1855) Die Landsmannschaft Plavia (lat. für Plauen) wurde am 2. Mai 1855 gegründet.Universitätsarchiv Leipzig: Bestand Rektor: Rep. 02/04/027: Acta, die Gründung des studentischen Vereins Plavia betr. 1855–1862. Darin auch Details zur Geschichte ihrer Farben. Sie ist damit die älteste Vorgängerin der heutigen Landsmannschaft Plavia-Arminia. Einige ihrer Gründer waren zuvor Mitglieder der 1853 gegründeten Landsmannschaft Grimensia in Leipzig.Max Mechow: Namhafte CCer, in: Kurzbiographien verstorbener Landsmannschafter und Turnerschafter. Historia Academica, Schriftenreihe des Coburger Convents, Bd. 8/9, Stuttgart-Möhringen , S. 2
Mit den Landsmannschaften Lipsia und Ruthenia gründete Plavia den ersten örtlichen Landsmannschafter-Verband.Wilhelm Bruchmüller: Der Leipziger Student 1409–1909. Leipzig, S. 133. Ursprünglich war ihr Band zweifarbig grau-gold. Ab Ende Mai trug Plavia die Farben grau-weiß-rot.Gedenkblatt zum fünfunddreißigsten Stiftungsfeste der Landsmannschaft Plavia zu Leipzig 2. Mai 1890, Magdeburg 1890, S. 22. Außer dieser ist eine dreibändige Akte im Universitätsarchiv vorhanden.Universitätsarchiv Leipzig: Bestand Rektor: Rep. 02/16/03/P/06 Landsmannschaft Plavia 1859–1933 Die seit 1866 suspendierte Plavia hatte sich 1872 rekonstituiert und fusionierte mit der Landsmannschaft Lipsia.Ulrich Beck und Peter Kehling: Die Geschichte der Leipziger Landsmannschaft Plavia-Cheruscia zu München, in: Silbernes Kartell 1857–2007. Hannover 2007, S. 85–108. Hier S. 86.
In der Zeit des Nationalsozialismus ging Plavia in der Kameradschaft Klaus von Pape auf.Holger Zinn: Die Kameradschaften der Bünde der Deutschen Landsmannschaft (DL) und des Vertreter-Convents (VC) in den Jahren zwischen 1933 und 1945, Historia Academica Band 40 (2001), S. 159.vgl. Ronald Lambrecht: Studenten in Sachsen 1918–1945: Studien zur studentischen Selbstverwaltung, sozialen und wirtschaftlichen Lage sowie zum politischen Verhalten der sächsischen Studentenschaft in Republik und Diktatur, Geschichte und Politik in Sachsen Bd. 28, Leipzig 2011, S. 373–393. Hier S. 390.
Corps Plavia (1877/78) mini|hochkant|Corps Plavia in den KKL 1910 Als der Schwarze Progress um sich griff, spaltete das Corps Plavia sich 1877 von der Landsmannschaft ab. Zu den 25 „Korpsplaviern“ (wie sie sich selbst nannten) zählten Friedrich Hermann Wölfert, Heinrich Bossart, Moritz Knobloch, Theodor von Kolde, Georg Michaelis und Moritz Fünfstück.Archiv der Landsmannschaft Plavia-Arminia: P01: „Constitution der Landsmannschaft Plavia in Leipzig“. Außer der Konstitution Mitgliederverzeichnis von 1855–1965. Laut diesem Verzeichnis bekannte sich der Kirchenhistoriker Theodor Kolde zum Corps Plavia, der ebenso wie Hermann Wölfert nach der Rekonstituierung der Plavia 1872 und der Vereinigung mit der 1847 gegründeten Landsmannschaft Lipsia in die Plavia übergetreten war. Plavia hatte gemeinsame Corpsbrüder mit Bavaria Erlangen, Borussia Tübingen, Guestphalia Würzburg, Teutonia Berlin und Teutonia Halle. Nach einer nächtlichen Prügelei von der Burschenschaft Arminia zu Leipzig angezeigt, wurden Plavias Corpsburschen im Juni 1878 vom Senioren-Convent zu Leipzig in Verruf gesteckt. Für die Wiederaufnahme hätte das Corps (ohne die Schuldigen) erneut renoncieren müssen. Es suspendierte und ging wohl aus Mangel an Alten Herren ein.Robert Paschke: Das Corps Plavia zu Leipzig. Einst und Jetzt, Sonderband 1960, S. 41–46.
Landsmannschaft Cheruscia (1877) mini|Hermannsdenkmal der Landsmannschaft Plavia-Cheruscia auf dem Haus der Landsmannschaft Plavia Arminia 2018 Die Landsmannschaft CherusciaAkte über die Landsmannschaft Cheruscia im Stadtarchiv Leipzig wurde am 22. Juni 1877Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 87. als Freier akademischer Rauchclub in Leipzig gegründet. Ab 1881 nannte er sich Cheruscia. Der Name bezog sich auf den germanischen Volksstamm der Cherusker und auf Hermann den Cherusker.Chronik der Turnerschaft Variscia, hg. vom A.H.-Verband unter Mitwirkung der Aktivitas anlässlich des 50. Stiftungsfestes am 29. Oktober 1929. Leipzig 1929, S. 9 ff.Martin Beyrich: Zum 100. Geburtstag der Landsmannschaft Cheruscia Leipzig, München 1977. Ihre Farben waren grau-weiß-blau. Sie war Gründungsmitglied des 1882 gegründeten Goslarer Chargierten-Conventes. Im Ersten Weltkrieg verlor die Landsmannschaft 39 ihrer Mitglieder, zu deren Ehren sie 1919/1920 ein eigenes Gefallenen-Ehrenmal in Form eines Bronzereliefs schaffen ließ. Das Motiv wurde dem Hermannsdenkmal am Teutoburger Wald nachempfunden. Es war das Werk des Leipziger Bildhauers Johannes Hartmann und trägt neben dem Namen des Schöpfers auch die Jahreszahl 1919.https://d-nb.info/1074586875 Dieses ist erhalten geblieben und im Besitz der Landsmannschaft Plavia-Arminia Leipzig. Von den 39 gefallenen Cheruskern waren 13 Leipziger Studenten und fanden zugleich auf dem nicht mehr erhaltenen Sockel am Löwendenkmal der Universität Leipzig Erwähnung. Durch eine dieses Denkmal betreffende Schrift sind die Namen und Studienrichtungen der Studenten, die auf dem Sockel standen, erhalten.August Gaul, Max Esser: August Gauls Kriegerdenkmal, vollendet von Max Esser. Der Universitaet Leipzig gestiftet von Heinrich Toelle. Hinrichs’sche Buchhandlung, Leipzig 1925. 1936 wurde die Cheruscia durch die Nationalsozialisten aufgelöst.UAL: Bestand Rektor: Rep. 02/16/03/C/02 Landsmannschaft Cheruscia, 1877–1933. Die ehemaligen Mitglieder fanden sich im westlichen Nachkriegsdeutschland zusammen und verschmolzen dort 1960 mit der Landsmannschaft Plavia zur Leipziger Landsmannschaft Plavia-Cheruscia zu München.
Turnerschaft Variscia (1879) Die Turnerschaft Variscia wurde 1879 in Leipzig gegründet. Im Universitätsarchiv Leipzig ist eine Akte vorhanden.Universitätsarchiv Leipzig: Bestand Rektor: Rep. 02/16/03/V/02 (2 Bde.) Turnerschaft Variscia. Sie ging aus dem Verein Voigtländer Studenten hervor und trat 1912 in den Dachverband der Deutschen Turnerschaften ein. Variscia ist der lateinische Name für Vogtland. Wie bei der Plavia kamen die Gründungsmitglieder aus dieser Gegend Sachsens. Während der Unruhen in Leipzig 1920 kamen unter den Angehörigen des Zeitfreiwilligenregiments Leipzig auch zwei Studenten der Universität Leipzig ums Leben: Karl Ernst Siebers von der Landsmannschaft Grimensia Leipzig und Karl Köhler von der Turnerschaft Variscia Leipzig.UAL: Quästurkartei : Karl Köhler: geb. 15. Februar 1899 in Sollwitz bei Dessau; Wohnsitz in Leipzig Carolinenstraße 27, zudem seit 1917 in Dessau im Einjährig-Freiwilligen Infanterieregiment 93, entlassen am 18. Januar 1919, Eingeschrieben als Philologiestudent am 3. Mai 1917. Gefallenenvermerk als Zeitfreiwilliger bei den Unruhen in Leipzig am 18. März 1920.-Zeitfreiwilligenregiment Leipzig. Ein Gedenkbuch, von Mitkämpfern geschrieben, hrsg. von Curt Rakette und Hugo Hertel, Leipzig 1935, S. 84. -Turnerschaft „Variscia“ Leipzig 1879–1929: Chronik der Turnerschaft Variscia, hrsg. vom A.H.-Verband unter Mitwirkung der Aktivitas anlässlich des 50. Stiftungsfestes am 29. Oktober 1929, S. 57 und S. 93. -Ronald Lambrecht, Studenten in Sachsen 1918–1945: Studien zur studentischen Selbstverwaltung, sozialen und wirtschaftlichen Lage sowie zum politischen Verhalten der sächsischen Studenten in Republik und Diktatur, Leipzig 2011, S. 283. Auch Variscia wurde 1935 aufgelöst.
1955 traten die Alten Herren der Kölner Turnerschaft Arminia bei. Die Turnerschaft Arminia Köln wurde am 19. Juni 1902 als Akademischer Turnverein an der Handelshochschule Köln gegründet mit den Farben Schwarz-Rot-Gold. Sie änderte ihre Farben 1919 in Schwarz-Rot-Weiß. Auch Arminia wurde wie Variscia und Cheruscia 1935 aufgelöst und 1951 wieder eröffnet,Paulgerhard Gladen: Landsmannschaften und Turnerschaften im Coburger Convent. Hilden 2009. S. 27.Geschichte der Turnerschaft im CC Arminia Köln. Als einmalige Festauflage gedruckt und vom A.-H.-Verband unter Mitwirkung einiger Bundesbrüder herausgegeben anläßlich des 68. Stiftungsfestes am 3. Juli 1970. Um die Tradition der Variscia fortleben zu lassen, beteiligten sich Mitglieder der Turnerschaft Arminia Köln an der Gründung der Leipziger Landsmannschaft Plavia-Arminia.
Landsmannschaft Plavia-Cheruscia zu München (1959) mini|hochkant=1.2|Das Silberkartell. Farben und Zirkel der Landsmannschaft Plavia-Cheruscia in der oberen Reihe, 3. von links
Die Landsmannschaft Plavia-Cheruscia entstand am 5. Dezember 1959 in München durch eine Fusion der Altherrenschaften der beiden in Leipzig gegründeten Landsmannschaften Plavia und Cheruscia. Der gemeinsame Aktivenbetrieb begann im Sommersemester 1960.Heinz Kraus: Die Landsmannschaften und Turnerschaften des Coburger Convents. Studentengeschichtliche Vereinigung, 1978. S. 158. 2009 wurde der Bund suspendiert.
Akademische Landsmannschaft Saxo-Afrania (1988)