Unsterblich ist das zehnte Studioalbum der deutschen Rockband Die Toten Hosen. Es wurde von Jon Caffery produziert und erschien im Dezember 1999 beim bandeigenen Label JKP.
Die Band führt die inhaltliche Ausrichtung des vorangegangenen Studioalbums Opium fürs Volk fort und setzt sich mit Wertvorstellungen, der Vergänglichkeit des Seins und der Sinnfrage des Lebens auseinander.
Das Album enthält mit dem Titel Sonntag im Zoo von Frank Ziegert, ursprünglich von der Band Abwärts veröffentlicht, und Lesbische, schwarze Behinderte von Funny van Dannen zwei Coverversionen. Die satirischen Stücke Schön sein, Bayern und Der Mond, der Kühlschrank und ich sind eine Zusammenarbeit mit van Dannen. Der Text zum einzigen englischsprachigen Song Call of the Wild des Tonträgers entstand mit Unterstützung von T. V. Smith.
Das Album stellt zudem einen Einschnitt in der Bandbiografie dar. Aufgrund gesundheitlicher Probleme mit der Wirbelsäule gab Schlagzeuger Wolfgang Rohde seinen Platz während der Aufnahmen an Vom Ritchie ab. Rohde, der seit 1986 Schlagzeuger der Band war, ist in lediglich vier Stücken zu hören.
Entstehung Die Band führte bei Unsterblich die Linie der vorangegangenen Studioalben Kauf mich! und Opium fürs Volk fort und konzentrierte sich hauptsächlich auf Lieder mit ernsthaftem Inhalt. Campino fiel es zunehmend schwer, scherzhafte Stücke zu schreiben. Eine Entwicklung, die er jedoch nicht an bestimmten Schicksalsschlägen oder Menschen, die ihm begegnet sind, festmachen will. Gegenüber dem Musikexpress bekannte Campino: Campino befürchtete, seine Stimmung könnte sich zu stark auf die Produktion übertragen und das Album könnte insgesamt zu trist werden.Jan Weiler: Kinder, wie die Zeit vergeht … Die Toten Hosen erzählen – Jan Weiler hört zu 1982–2007. Begleitheft zur Neuauflage 2007, Folge 16: Unsterblich. Er setzte sich deshalb mit dem Satiriker Funny van Dannen zusammen, der ihn beim Texten der Lieder Schön Sein und Bayern unterstützte.Locker aus dem Bauch raus aus dem Spiegel Ausgabe Nr. 51, 1999.
Das Album Unsterblich entstand von August bis November 1999 im Studio von Dieter Dierks in Stommeln unter der Leitung von Jon Caffery. Die Abmischung und das endgültige Mastering erfolgten in der Skyline Tonfabrik in Düsseldorf.Begleitheft zum Album Unsterblich, 5245-037-2 JKP 35, 1999.
Gestaltung von Cover und Begleitheft mini|Mumien aus der Kapuzinergruft von Palermo, die im Begleitheft abgebildet sind Das Cover von Johann Zambryski zeigt eine Aufnahme mit Blick über eine Gebirgslandschaft, im Vordergrund einen einfachen Holzzaun und ein Schild mit der Aufschrift: „Auf Wiedersehen!“ Ein Ausschnitt des Coverfotos, mit Fokus auf die Abschiedsworte, wird in der Mitte des Booklets erneut aufgeführt; ihm ist ein Bild aus der Kapuzinergruft von Palermo gegenübergestellt. Das Begleitheft enthält neben sämtlichen Liedtexten ausschließlich in schwarz-weiß gehaltene Porträts der Bandmitglieder, aufgenommen von Olaf Heine.
Themen und Titelliste Wie in allen vorherigen Alben stammen die meisten Texte von Campino und sind in der Ich-Perspektive verfasst. Eine große Anzahl gefühlsbetonter, oft auch schwermütiger Texte geben dem Album zusätzliche Authentizität.Interview mit Campino im SWR 3 Club Magazin, Ausgabe Februar 2000, Seite 10–15.
Im ersten Lied Entschuldigung, es tut uns leid, das mit einem kurzen Hörspiel eingeleitet wird, gesprochen von Jacques Palminger und Rocko Schamoni, begegnet die Band ihren Gegnern mit rhetorischer Ironie: , heißt es im letzten Refrain.
Mit der Darstellung der Band in den Medien seit dem Debütalbum Opel-Gang beschäftigt sich der Liedtext in Helden und Diebe, das mit einer Spielzeit von über sechs Minuten längste Stück auf dem Album Unsterblich. Dort heißt es: Die Band warnt im Schlussrefrain ihre Fans davor, zu viele Erwartungen in sie zu stecken und sie zu vergöttern: Eine Einstellung, die laut Campino aus der Punk-Generation kommt, bei der immer eine gängige Diskussion war. Titelliste Entschuldigung, es tut uns leid! – 4:05(Musik: Campino / Text: Jacques Palminger, Campino, Joe Tirol) Lesbische, schwarze Behinderte – 2:28(Funny van Dannen) Warum werde ich nicht satt? – 3:28(Michael Breitkopf, Andreas von Holst / Campino) Wofür man lebt – 3:18(von Holst, Andreas Meurer / Campino) Helden und Diebe – 6:05 (Breitkopf / Campino) Sonntag im Zoo – 2:37 (Frank Ziegert) Schön sein – 3:12 (Campino, van Dannen) Container-Lied – 1:07 (Meurer / Campino) Alles wie immer – 2:49 (Meurer / Campino) Unsterblich – 3:46 (Campino, von Holst / Campino) Inter-Sex – 0:40 (Meurer, Instrumentalstück) Call of the Wild – 3:23(Breitkopf / Campino, T. V. Smith) Unser Haus – 3:22 (von Holst / Campino) Regen – 2:09 (Rohde / Campino) König der Blinden – 3:32(Breitkopf, von Holst / Campino) Bayern – 4:16 (van Dannen, Campino) Der Mond, der Kühlschrank und ich – 2:43(van Dannen, Campino) Die Unendlichkeit – 1:28 (von Holst / Campino)
Für den Ich-Erzähler in Warum werde ich nicht satt? besteht der „Sinn des Lebens“ ausschließlich aus dem Erlangen von Statussymbolen, materiellen Werten und der Befriedigung der Lust auf Luxusbedürfnisse. Der Erzähler im Lied Wofür man lebt hingegen führt die Sinnfrage, die er lange verdrängt hat, weiter: Der absurde Text in Der Mond, der Kühlschrank und ich, entstanden in Zusammenarbeit mit Funny van Dannen, greift dieses Thema im vorletzten Lied des Albums erneut auf. im Online-Magazin Mucke und mehr, Dezember 1999.
Der Song Containerlied ist ein Märchen und handelt von einem Obdachlosen, der in einer kalten Nacht, mit einer Krone aus Zeitungspapier auf seinem Kopf, in einem Müllcontainer erfriert. Er kommt später als Wolke zurück und freut sich, dass ein kleiner Junge seine Krone mit sich führt. Alles wie immer ist ein Lied über Resignation.
Das Titelstück Unsterblich ist eine Ballade und beschäftigt sich mit dem Thema Liebe. Den Text zu Call of the Wild schrieben Campino und T. V. Smith gemeinsam in Smiths Londoner Wohnung, bevor sie das Konzert von Joe Strummer am 21. Oktober 1999 im Londoner Astoria besuchten.Hollow Skai: Die Toten Hosen. Hannibal, A-Höfen 2007, ISBN 978-3-85445-281-2, S. 102–103.
In Unser Haus gibt Campino viel Persönliches über sich, sein Elternhaus und die Beziehung zu seinem verstorbenen Vater preis. Er entschuldigt sich dafür im Begleitheft zum Album bei seiner Mutter und seinen fünf Geschwistern.
Der Liedtext von Regen beschreibt eine depressive Stimmung. Der Erzähler wünscht sich, ein Regenguss könne nicht nur den Schmutz in der Großstadt wegspülen, sondern alles, was ihn bedrücke.
König der Blinden handelt von einem Herrscher, der dem Volk blinden Gehorsam auferlegt. Dazu ist im Begleitheft eine Zeichnung dreier Frauen zu sehen, die sich wie die sprichwörtlichen drei Affen Ohren, Augen und Mund zuhalten.
Der Text von Sonntag im Zoo betrachtet den Begriff von Freiheit aus der Sicht von Sonntagsausflüglern in einem zoologischen Garten. Im Text heißt es Der Refrain lautet:
Das Lied Lesbische, schwarze Behinderte stammt aus dem Repertoire des Satirikers Funny van Dannen. Der Text zu Schön Sein betrachtet satirisch den Jugend- und SchönheitswahnPopcorn, Ausgabe Januar 2000., während Bayern eine spöttelnde Kritik am FC Bayern München ist. An beiden Liedern war van Dannen ebenfalls maßgeblich beteiligt.
Im abschließenden Lied Die Unendlichkeit wird der Begriff „Unendlichkeit“ personifiziert. Der Schluss des Liedes lautet:
Musik Wie bei allen vorherigen Produktionen der Band Die Toten Hosen obliegt Campino der Leadgesang. Die E-Gitarren sind mit Andreas von Holst und Michael Breitkopf und der E-Bass mit Andreas Meurer besetzt. Wolfgang Rohde spielt in den Stücken Wofür man lebt, Inter-Sex, Regen und Bayern Schlagzeug. In den übrigen Stücken bedient Vom Ritchie, der seit September 1998 zur Besetzung der Band gehört, die Schlaginstrumente.
Wie bereits im Album Opium fürs Volk setzt die Band auch bei Unsterblich vermehrt den Klang von Streich- und Blasinstrumenten ein, den Hans Steingen mit seinem Big Noise Orchestra zum Teil elektronisch erzeugt.Rolling Stone, Ausgabe Nr. 12, Dezember 1999. Unser Haus ist ausschließlich mit Geigen und Celli instrumentiert. Das Cello in Wofür man lebt spielt Birte Schuler, Steingen begleitet in diesem ruhigen Titel am Piano. Ein weiterer Gastmusiker ist Frank Ziegert, der die Leadgitarre in seinem Lied Sonntag im Zoo spielt.
mini|hochkant=2|Bläser im Intro (Ausschnitt) von Warum werde ich nicht satt Den Swingrhythmus in Warum werde ich nicht satt geben Blechblasinstrumente an, die in verschiedenen Variationen des Riffs aus dem Intro immer wieder im Stück zu hören sind. Hinzu kommt ein Walking Bass und der Sound der als „hartes Brett“ gespielten E-Gitarren.Die Toten Hosen, Bearbeitung von Hans Steingen: Reich & sexy II – Die fetten Jahre. (Songbook) Bosworth Berlin, ISBN 3-937041-45-1, S. 50–53. Vorbild für den Swingtitel war die Musik der Royal Crown Revue, mit der die Band Die Toten Hosen im Jahr 1998 während der Vans Warped Tour in Australien unterwegs war.
mini|hochkant=2|Motiv der ersten Rhythmusgitarre im Titel Unsterblich Im Titellied Unsterblich bilden acht Takte, die von Michael Breitkopf auf der E-Gitarre stetig wiederholt werden, die harmonische und rhythmische Grundlage des gesamten Songs. Das Keyboard, das bereits im Intro zu hören ist, spielt Hans Steingen.Die Toten Hosen, Bearbeitung von Hans Steingen: Reich & sexy II – Die fetten Jahre. (Songbook) Bosworth Berlin, ISBN 3-937041-45-1, S. 34–37.
Als Überleitung von der Ballade Unsterblich zum Punkrockstück Call of the Wild dient das 40-sekündige Instrumentalstück Inter-Sex, ein Titel im Blues-Schema, das von Saxophonen gespielt wird und die Swingelemente aus Warum werde ich nicht satt aufgreift.
Die dominierende, blechern klingende Gitarre im Container-Lied lässt an den Musiker Billy Bragg denken, der in den frühen 1980er Jahren mit einer E-Gitarre als Straßenmusiker durch London tingelte.
Die zum Stil der Band gehörenden gehämmerten Achtelnoten, die Powerchords und den hymnenartigen Refrain trifft man in den Titeln Schön sein und Bayern wieder.Die Toten Hosen, Bearbeitung von Hans Steingen: Reich & sexy II – Die fetten Jahre. (Songbook) Bosworth Berlin, ISBN 3-937041-45-1, S. 80–83.
Das Intro von Bayern (Die-Toten-Hosen-Lied) spielt eine akustische Gitarre, die bis zur Mitte der ersten Strophe den Gesang mit gebrochenen Chords begleitet. Dann setzen E-Bass und eine leicht verzerrte E-Gitarre ein. Ab der zweiten Strophe nimmt eine klar gespielte E-Gitarre das Motiv der Akustikgitarre wieder auf, hinzu kommen das Schlagzeug und eine weitere Gitarre, die dem Song den vollen Rocksound geben.
Veröffentlichungen Singles Die Single Schön sein wurde 1999 vor dem Album veröffentlicht. Die Frontseite des Covers bestand aus einem Spiegel. In späteren Auflagen wurde er durch das Foto eines weißen Pudels, das Symbol von Rocko Schamonis Golden Pudel Club ersetzt. Die CD enthält als weitere Zusammenarbeit mit T. V. Smith den Song You’re Dead, der für den gleichnamigen Film komponiert wurde, und die zwei bandeigenen deutschsprachigen Kompositionen Fußball und Im Westen nichts Neues.
Die Single Unsterblich aus dem Jahr 2000 enthält zusätzlich das Musikvideo von Regisseur Peter Lindbergh und einen kurzen Film über die Dreharbeiten, eine Dub-Version von Wofür man lebt und eine Coverversion des Rock-’n’-Roll-Songs Psycho, ursprünglich von The Sonics aus dem Jahr 1965.
mini|Covergestaltung der Single Warum werde ich nicht satt?