mini|Margaret, Duchess of Argyll, mit ihrem „Markenzeichen“, der dreireihigen Perlenkette (1991) Ethel Margaret Campbell, Duchess of Argyll, geborene Whigham, geschiedene Sweeny, (* 1. Dezember 1912 in Newton Mearns, Renfrewshire, Schottland; † 25. Juli 1993 in London) war ein prominentes Mitglied der britischen High Society. Bekannt wurde sie durch den Prozess um ihre Scheidung von ihrem zweiten Ehemann Ian Campbell, 11. Duke of Argyll, bei dem anzügliche Fotos eine wichtige Rolle spielten.
Kindheit und Jugend Margaret Whigham war die einzige Tochter von Helen Mann Hannay und George Hay Whigham, einem schottischen Self-Made-Millionär, der Vorstandsvorsitzender von Celanese in Großbritannien und Nordamerika war. Sie selbst wurde in Schottland geboren, wuchs aber die ersten 14 Jahre ihres Lebens in New York auf, wo sie die private Hewitt School besuchte. Als Kind stotterte sie leicht.
Nach ihrem Eintritt in die Gesellschaft war Margaret Whighams auffallende Schönheit bald in aller Munde. Ihr erster Liebhaber soll der Schauspieler David Niven gewesen sein.The scarlet Duchess of Argyll: Much more than just a Highland fling auf independent.co.uk v. 17. Februar 2013 Es sollen Liebesbeziehungen mit Prinz Aly Khan, dem Millionär und Piloten Glen Kidston und dem Verlagserben Sir Max Aitken gefolgt sein. 1930 wurde sie am britischen Königshof in London in die Gesellschaft eingeführt und galt als Debütantin des Jahres.
Kurz danach verkündete sie ihre Verlobung mit Charles Greville, 7. Earl of Warwick. Die Hochzeit fand jedoch nicht statt, da sie sich in Charles Sweeny, einen US-amerikanischen Amateur-Golfer aus wohlhabender Familie, verliebt hatte.Charles Sweeny auf cgim.org
Im Oktober 1931 berichtete der Daily Express über Margaret Whigham mit Hinblick auf die Folgen der Weltwirtschaftskrise:
Erste Ehe mini|hochkant|Das Brautkleid von Norman Hartnell 1933 heirateten Margaret Whigham und Charles Sweeny in London, nachdem sie für ihn zum römisch-katholischen Glauben übergetreten war. Die öffentliche Aufmerksamkeit für die Trauung im Brompton Oratory und die Neugier auf ihr Brautkleid mit dreieinhalb Meter langer Schleppe von Norman Hartnell im Wert von 15.000 Pfund, an dem 30 Näherinnen sechs Wochen lang gearbeitet hatten, war so groß, dass der Verkehr in Knightsbridge für drei Stunden blockiert war.Das Kleid befindet sich heute im Victoria and Albert Museum: Wedding dress auf collections.vam.ac.uk 2013 war das Hochzeitskleid Mittelpunkt einer Ausstellung in Singapore. Siehe: The wedding dress that stopped traffic auf youtube.com. Das Ehepaar Sweeney bekam drei Kinder: 1933 eine Tochter, die totgeboren wurde, 1937 Frances Helen, die 1958 Charles Manners, 10. Duke of Rutland heiratete, und 1940 einen Sohn, Brian Charles. Die Ehe wurde 1947 geschieden, die ehemaligen Ehepartner blieben sich aber freundschaftlich verbunden. Margaret Sweeny hatte in der Folge zahlreiche Liebesaffären, darunter eine mit dem verheirateten George, 1. Duke of Kent.
1943 stürzte Margaret Sweeny in einen tiefen Aufzugschacht und erlitt einen Schädelbruch, der sie beinahe das Leben kostete. Nach ihrer Genesung stellte sich heraus, dass sie nicht nur ihren Geschmacks- sowie ihren Geruchssinn verloren hatte, sondern nach Beobachtung von Bekannten offensichtlich sexuell unersättlich geworden war, was eine weitere Intensivierung ihres bisherigen Liebeslebens zur Folge hatte.
Nach dem Ende ihrer ersten Ehe war Margaret Sweeny kurzzeitig mit einem Bankier aus Texas, Joseph Thomas von Lehman Brothers, verlobt, der aber die Verlobung aufkündigte, da er sich in eine andere Frau verliebt hatte. Sie hatte eine ernsthafte Beziehung mit Theodore Rousseau, dem Kurator des Metropolitan Museum of Art, an den sie sich später als hochintelligent, witzig und selbstbewusst bis zur Arroganz erinnerte. Diese Beziehung wurde nicht fortgeführt, weil Rousseau nach Ansicht von Margaret Sweeny nicht als Stiefvater ihrer beiden Kinder taugte, wenn sich die beiden auch weiterhin ab und an trafen.
Zweite Ehe mini|hochkant|Der Familiensitz der Campbells, Inveraray Castle (2010) Am 22. März 1951 heiratete Margaret Sweeny Ian Campbell, 11. Duke of Argyll. Es war die dritte Ehe von Campbell, der vorzugsweise reiche Erbinnen heiratete.
Ian Campbell hatte den Duketitel 1949 von seinem Cousin geerbt, gemeinsam mit Inveraray Castle, dessen Erhalt äußerst kostspielig war. Von seiner ersten Ehe wurde berichtet, dass er seine Frau Janet in den Flitterwochen mit in ein Pariser Bordell genommen hatte, um sie „anzulernen“. Auf einer Kreuzfahrt entdeckte sie, dass ihr Mann ihre Juwelen entwendet hatte, um damit seine Spielschulden zu bezahlen. Von 1940 bis 1945 befand er sich in deutscher Kriegsgefangenschaft. Noch während er mit seiner zweiten Frau verheiratet war, machte er Margaret Sweeny einen Heiratsantrag, zehn Tage nachdem er sie kennengelernt hatte.Michael Thornton: How I lost my virginity to the VERY racy real life chatelaine of Downton's Scottish castle auf dailymail.co.uk v. 29. Dezember 2012
Im Juni 1950 besuchte Margaret Sweeny erstmals Inveraray Castle und war von dem Gebäude begeistert. Als ihr späterer Mann um Geld für eine Renovierung des Castles bat, lieh ihm sein späterer Schwiegervater 250.000 Pfund, ließ den Duke allerdings Papiere unterzeichnen, mit denen er kostbare Einrichtungsgegenstände des Schlosses verpfändete. Sie selbst gab später an, weitere Lebenshaltungskosten für ihren Mann übernommen zu haben, zum Beispiel das Schulgeld für seine Kinder aus zweiter Ehe. Alan Nicol schreibt, dass die Duchess, die es gewöhnt war, von ihrem Vater umsorgt zu werden, von dem Scheitern ihrer ersten Ehe zutiefst verunsichert gewesen sei und sich ihr leichtes Stottern nach der Scheidung verstärkt habe. Zusätzlich habe sie verunsichert, dass ihre Vorgängerin Louise Mutter von zwei Söhnen des Dukes gewesen sei. Campbell selbst hatte offensichtlich Freude daran, ihre Unsicherheit durch sein Verhalten zu bestärken, indem er sie beispielsweise öffentlich bloßstellte.
Über diese Ehe schrieb die Duchess in ihren Memoiren In der Original-Version des Liedes wurde Margaret Sweeny nicht erwähnt. P. G. Wodehouse schrieb den Text für die britische Version des Musicals Anything Goes um und veränderte zwei Zeilen von You’re an O’Neill drama / You’re Whistler’s mama! in You’re Mussolini / You’re Mrs SweenyMayfair, the Duchess of Argyll and the Headless Man polaroidsWarren Hoge London Journal; A Sex Scandal of the 60's, Doubly Scandalous Now New York Times 16. August 2000.
Doch nach wenigen Jahren kam es in dieser Ehe zu zahlreichen feindseligen Vorfällen und Anwürfen der Ehepartner untereinander. Die Duchess beschuldigte ihren Mann unter anderem der Trinkerei, der Gewalttätigkeit und des Diebstahls persönlicher Besitztümer, während er sie ab 1954 der Untreue bezichtigte., Daily Record, 16. August 2008 auf martinfrost.ws Andererseits soll die Duchess versucht haben nachzuweisen, dass die Söhne ihres Mannes aus zweiter Ehe nicht seine leiblichen seien. Sie wollte einen polnischen Jungen adoptieren, der ihren Mann beerben sollte; sie selbst hatte mehrere Fehlgeburten.
Die Duchess behauptete schließlich, ihre Sekretärin, Yvonne MacPherson, Witwe eines Regimentskameraden des Dukes, spioniere ihr nach und versorge die Presse mit Details über ihr Privatleben. MacPherson verklagte sie deshalb wegen Verleumdung; ihr wurden 7000 Pfund Schadenersatz zugesprochen. Die Duchess machte in diesem Prozess keine gute Figur: Sie versuchte Freunde dazu zu überreden, für sie zu lügen, und wirkte arrogant. Zur selben Zeit überwarf sie sich mit ihrer Tochter, der Duchess of Rutland, weil diese ihre Kinder nicht katholisch, sondern anglikanisch erziehen wollte.
Die Scheidung 1959 reichte der Duke of Argyll die Scheidung ein, und 1963 kam es zu einem Aufsehen erregenden Scheidungsprozess, der elf Verhandlungstage dauerte und den die britische Nation öffentlich verfolgte, die gerade erst von der Profumo-Affäre schockiert worden war. Der Duke of Argyll legte dem Gericht 13 Polaroid-Fotos vor, die von Hand beschriftet waren und die Duchess nackt zeigten, aber mit ihrer für sie typischen dreireihigen Perlenkette. Diese Fotos hatte seine Tochter gemeinsam mit Tagebüchern der Duchess in deren Abwesenheit aus deren Wohnung in London entwendet.Stephen McGinty: The Duchess of Argyll showed that Scots could lead the way when it comes to pornographic pictures making a regular appearance in court auf scotsman.com v. 23. März 2012 Darunter war ein Foto mit der perlentragenden Duchess, die bei einem nackten Mann Fellatio praktizierte, dessen Gesicht nicht zu sehen war. Es wurde vermutet, der kopflose Mann sei Verteidigungsminister Duncan Sandys, der Schwiegersohn von Winston Churchill. Deshalb wurde Lord Denning, der auch die Profumo-Affäre untersucht hatte, von der Regierung beauftragt, den kopflosen Mann zu identifizieren. Sandys bestritt, dieser Mann zu sein, trat aber von seinem Amt als Verteidigungsminister zurück, wurde allerdings drei Jahre später erneut mit einem Ministeramt betraut. Der Duke legte dem Gericht eine Liste von 88 Männern vor, die vermeintlich Liebhaber seiner Frau waren, darunter zwei Regierungsmitglieder und drei Mitglieder der königlichen Familie. Bob Hope, Maurice Chevalier, Männer aus dem Nachbardorf des Schlosses wurden genannt. Auch soll sie junge Männer, die ihre Söhne hätten sein können, verführt haben. Später hieß es, dass die meisten dieser Männer homosexuell gewesen seien. Die Duchess habe dies verschwiegen, um sie zu schützen, da Homosexualität Anfang der 1960er Jahre noch strafbar war.
Nach Meinung des Richters frönte die Duchess „widerlichen Sexualpraktiken“. Lord Denning verglich die Handschrift, mit der die Fotos beschriftet worden waren, mit der von fünf Männern, von Duncan Sandys, Douglas Fairbanks junior, John Cohane, einem amerikanischen Geschäftsmann, Peter Combe, einem früheren Mitarbeiter des Savoy Hotels, und der von Sigismund von Braun, einem Bruder des deutschen Wissenschaftlers Wernher von Braun. Es wurde angenommen, dass Fairbanks, der schon lange mit seiner zweiten Frau verheiratet war, die Beschriftungen vorgenommen hatte, aber das Ergebnis wurde nicht öffentlich gemacht.Warren Hoge, „London Journal: A Sex Scandal of the 60's, Doubly Scandalous Now,“ The New York Times, 16. August 2000. Die Duchess wiederum gab an, ihr Mann habe eine sexuelle Beziehung zu ihrer Stiefmutter, der zweiten Frau ihres Vaters, die ein Jahr jünger war als sie selbst.
In seinem Urteilsspruch sagte der Vorsitzende Richter Lord Wheatley, dass die Indizien bewiesen hätten, die Duchess of Argyll sei eine „durch und durch promiske Frau, deren sexueller Appetit nur von mehreren Männern gestillt werden konnte“ („was a completely promiscuous woman whose sexual appetite could only be satisfied with a number of men“). Die Verlesung des Scheidungsurteils dauerte vier Stunden, es umfasste 50.000 Wörter und war damit das längste in der schottischen Rechtsgeschichte.Margaret Duchess of Argyll. Nachruf auf telegraph.co.uk v. 28. Juli 1993 In den Boulevardblättern wurde die Duchess nun als Dirty Duchess tituliert.
Im Jahr 2000 wurde auf Channel 4 eine Dokumentation ausgestrahlt, in der angeblich nachgewiesen wurde, dass Sandys doch der kopflose Mann gewesen sei, während Fairbanks die Fotos beschriftet habe. Die Duchess selbst habe den Hinweis gegeben mit ihrer Aussage, dass es zu jener Zeit nur eine einzige Polairod-Kamera im Land gegeben habe, und die habe dem Verteidigungsministerium gehört.
Spätere Jahre mini|hochkant|Die Duchess mit Louis Nr. 14 mini|hochkant|Margaret, Duchess of Argyll in der Sendung After Dark (1988)