Rebecca ist ein 1938 erschienener Roman der englischen Schriftstellerin Daphne du Maurier. Gleich bei seinem Erscheinen wurde er, zu du Mauriers eigener Überraschung, zu einem sehr großen Erfolg und kurz darauf ebenso erfolgreich von Alfred Hitchcock verfilmt. Rebecca zählt zu du Mauriers besten und bei ihrem Publikum beliebtesten Werken. Der Roman enthält Elemente eines Schauerromans, eines Coming-of-Age-Romans, eines psychologischen Romans und eines Krimis.

Das Buch handelt von einer jungen Frau, die als Gesellschafterin einer reichen Amerikanerin an der Côte d’Azur den wohlhabenden, verwitweten Aristokraten Maxim de Winter kennenlernt. Sie heiraten, und er nimmt sie mit sich auf seinen Landsitz Manderley. Dort muss sich die junge Frau mit dem Rätsel um Maxims erste Frau Rebecca auseinandersetzen, die angeblich beim Segeln ums Leben kam.

Inhalt Prolog Der eigentlichen Romanhandlung geht ein Prolog (Kapitel 1+2) voraus, in dem die namenlose Ich-Erzählerin, die sich zu diesem Zeitpunkt dem mittleren Alter nähert, davon berichtet, wie sie sich mit ihrem Mann derzeit in einem bescheidenen Hotel in einem südlichen Land aufhält. Der Eröffnungssatz des Romans – “Last night I dreamt I went to Manderley again.” – ist einer der berühmtesten der Literaturgeschichte. Der Landsitz Manderley existiert nicht mehr; nach einer schweren Krise ihrer Ehe haben die Erzählerin und ihr Mann in einen dem äußeren Anschein nach anspruchslosen, aber lebbaren und erfüllenden Alltag gefunden.

Haupthandlung Kapitel 3–15. In einem Hotel in Monte Carlo lernt die als Gesellschafterin angestellte Erzählerin den wesentlich älteren Maxim de Winter kennen, der zunächst distanziert ist, sich aber zunehmend für die junge Frau interessiert. Die beiden treffen sich ohne das Wissen ihrer Dienstherrin. Nach ein paar Wochen möchte die amerikanische Dame nach New York zurückkehren. Maxim macht der Erzählerin einen Heiratsantrag, den sie annimmt. Nach den Flitterwochen fährt das junge Paar nach Manderley, dem Besitz Maxim de Winters im englischen Cornwall. Dort erwartet sie die eigenartige Haushälterin Mrs. Danvers. Die Erzählerin versucht sich in Manderley einzuleben, fühlt sich aber zunehmend innerlich unruhig. Sie vergleicht sich bei jeder Gelegenheit mit Rebecca. Maxims Verwalter Frank Crawley klärt sie über Rebeccas Tod auf, über den niemand in Manderley offen sprechen möchte. Rebecca war an einem stürmischen Abend mit ihrem Segelboot „Je reviens“ aufs Meer hinausgefahren und nicht wieder zurückgekehrt. Einige Zeit später wurde eine Wasserleiche an die Küste gespült, die Maxim als Rebecca identifizierte. In dem Gutsverwalter Frank Crawley findet die Erzählerin einen Freund. Auch Maxims Schwester Beatrice tritt ihr wohlwollend gegenüber. Mrs. Danvers jedoch zeigt sich zunehmend feindlich.

Kapitel 16–18. Einen Höhepunkt der Erzählung bildet der alljährliche Maskenball, der auf Drängen der Nachbarn – nach der durch Rebeccas Tod bedingten einjährigen Pause – erneut stattfinden soll. Die Erzählerin beschließt, ihren Mann zu überraschen und sich eine besondere Verkleidung auszudenken. Mrs. Danvers rät ihr, das Kleid einer Vorfahrin Maxims zu kopieren, deren Porträt in der Galerie hängt. Heimlich lässt sich die Erzählerin das Kleid und die passende Perücke aus London liefern. Als sie die Treppe hinuntersteigt, sind alle über das Kostüm entsetzt, und Maxim fordert sie auf, sich sofort umzuziehen. Beatrice erklärt ihr, dass auf dem letzten Maskenball Rebecca das gleiche Kleid trug. Während des Balls redet Maxim kein Wort mit seiner Frau. Auch in der Nacht und am nächsten Tag lässt er sich nicht bei ihr blicken. Sie nimmt an, dass ihn das Kostüm schmerzlich an Rebecca erinnert hat. In ihrer Verzweiflung sucht sie Mrs. Danvers auf, um sie zur Rede zu stellen. In einem Anflug von Wahnsinn will Mrs. Danvers die Protagonistin dazu bringen, sich in Rebeccas Schlafzimmer aus dem Fenster zu stürzen. Die Nachricht über ein Schiff in Seenot in der Bucht von Manderley unterbricht Mrs. Danvers und rettet der Erzählerin das Leben.

Kapitel 19–21. Bei der Bergung des Schiffes finden Taucher ein Bootswrack mit einer Leiche an Bord. Die Tote wird diesmal eindeutig als Rebecca identifiziert. Maxim erzählt nun seiner Frau die wahre Geschichte seiner ersten Ehe. Er berichtet, dass er Rebecca niemals geliebt habe, sondern hasste. Sie wirkte charmant und zog die Menschen in ihren Bann, im Inneren war sie aber grausam, gefühllos und verdorben, was sich Maxim erst wenige Tage nach der Hochzeit offenbarte. Um den Schein zu wahren, ging er mit Rebecca auf eine Abmachung ein: Sie würde Manderley zu Glanz verhelfen und sich den Anstrich eines perfekten Ehepaares geben. Tatsächlich reiste Rebecca jedoch oft für längere Zeit nach London, um sich ihren Lastern hinzugeben, und hatte unter anderem eine intime Beziehung mit ihrem Cousin Jack Favell. Mit der Zeit brachte sie ihre Liebhaber auch nach Manderley in das Bootshaus mit. Am Abend ihres Todes folgte ihr Maxim zum Bootshaus und stellte sie zur Rede. Rebecca deutete dabei an, sie könne von einem anderen Mann schwanger sein, das Kind würde als Maxims angesehen werden, auf Manderley aufwachsen und es einmal erben. Maxim erschoss seine Frau, brachte ihren Leichnam in die Kabine ihres Segelboots und versenkte das Boot in der Bucht.

Kapitel 22–27. Nach dem Fund der Leiche soll eine gerichtliche Untersuchung den Hergang von Rebeccas Tod klären. Der Bootsbauer stellt fest, das Boot sei absichtlich zum Sinken gebracht worden. Das Gericht geht daraufhin von einem Selbstmord aus. Jack Favell bezichtigt Maxim des Mordes an Rebecca und versucht, ihn zu erpressen. Es stellt sich heraus, dass Rebecca am Tage vor ihrem Tod in London bei einem Arzt war. Sie litt an Krebs in einem fortgeschrittenen Stadium und hätte bald sterben müssen. Zudem konnte sie keine Kinder bekommen. Das Gericht sieht die Selbstmordtheorie bestätigt und stellt die Untersuchung ein. Maxim und die Erzählerin wollen nach Manderley zurückkehren. Sie glauben sich endlich frei von der Erinnerung an Rebecca und wollen ein neues gemeinsames Leben auf Manderley beginnen. Von Frank erfahren sie, dass Mrs. Danvers verschwunden sei. Daraufhin beschleicht Maxim eine Vorahnung und sie brechen sofort auf. Kurz vor dem Landsitz bemerken sie, dass der Himmel sich rot gefärbt hat. Die Erzählerin glaubt zunächst, es sei die Morgenröte, doch beide müssen erkennen, dass es der Widerschein eines Feuers ist, den sie sehen: Manderley brennt.

Figuren Die Ich-Erzählerin Die Ich-Erzählerin und zweite Mrs. de Winter ist eine junge Engländerin. An keiner Stelle des Romans erfährt der Leser ihren Namen, nur dass dieser (wie der Name der Autorin) ungewöhnlich ist und meist falsch buchstabiert wird. Ihr Vater war ein außergewöhnlicher Mensch, den sie sehr geliebt hat; er ist jedoch früh verstorben (auch der Vater der Autorin, der vom König wegen seiner künstlerischen Verdienste geadelte Schauspieler Gerald du Maurier, ist früh verstorben, vier Jahre vor Erscheinen des Romans). Bei Einsetzen der Handlung ist die Erzählerin eine Waise. Die Autorin charakterisiert sie als eine junge Frau mit einer romantischen Disposition und einer Neigung zum Tagträumen: So imaginiert sie Maxim de Winter zunächst als einen mittelalterlichen Adligen und sich selbst trotz ihrer Verliebtheit nicht als seine Geliebte, sondern als seinen dienstbaren guten Geist. Da die Erzählerin außer einem gewissen Talent zum Zeichnen keine besonderen Fähigkeiten hat, ist sie auf das Einkommen angewiesen, das ihr als Gesellschafterin der wohlhabenden Amerikanerin Mrs. Van Hopper zufließt. Sie ist 21 Jahre alt, und in aller Ausführlichkeit beschreibt sie, wie sie als Heranwachsende durch alle – ihrem Alter entsprechenden – Qualen der Schüchternheit, Unbeholfenheit und Scham geht. Im weiteren Verlauf der Handlung erkennt sie, dass ihre jugendliche Unsicherheit schwerwiegende Folgen für ihre Ehe hat: Anstatt zu erkennen, was mit Maxim tatsächlich los ist, missdeutet sie einen Großteil der Signale, die sie aus ihrer Umgebung empfängt, idiosynkratisch als Bestätigung ihrer vermeintlichen Unzulänglichkeit. Infolgedessen bleibt ihr fast bis zum Schluss verborgen, dass Rebecca weder wundervoll war noch von Maxim geliebt worden ist. Erst als sie die Wahrheit erfährt, überwindet sie ihr Handicap und reift in kurzer Zeit zu einer Frau heran, die ihrem Mann auf gleicher Augenhöhe begegnet.

Maxim de Winter Maxim de Winter, Mitte vierzigDer Erzählerin gegenüber gibt er sich, als er mit ihr flirtet, als 42-jährig aus („Does forty-two seem very old to you?“ he said.), an einer späteren Stelle im Buch erwähnt Mrs. Danvers aber, dass er 45 Jahre alt ist („Mr. de Winter’s not forty-six yet.“)., ist der sehr reiche Erbe des an der englischen Küste gelegenen (fiktiven) Herrensitzes Manderley. Auf den ersten Blick ist er der Inbegriff eines englischen Gentleman. Maxim ist kultiviert, intelligent und – bei starkem Selbstwertgefühl – besessen vom Drang, die Form zu wahren und in der Öffentlichkeit stets den richtigen Eindruck zu machen. Knapp ein Jahr bevor er der Erzählerin begegnet, hat er seine erste Frau verloren, Rebecca. Alle Welt glaubt, er habe diesen Verlust tragisch genommen und sei nie darüber hinweggekommen. Nach und nach erweist sich jedoch, dass sich hinter dem öffentlichen Maxim ein zweiter, weniger idealer Maxim verbirgt, der auch sehr zornig und aufbrausend sein kann. Maxim hat Rebecca nicht geliebt, sondern gehasst; auch ist sie keineswegs bei einem Segelunfall ums Leben gekommen: Maxim hat sie nach einem Streit erschossen und die Tat vertuscht. Die Erinnerungen an die Jahre der auf Lügen begründeten Ehe und die schreckliche Nacht, in der er Rebecca erschossen hat, verfolgen Maxim und haben ihn fast zu einem Wrack gemacht. Er raucht Kette und hat es in Manderley nicht mehr ausgehalten. In Monte Carlo begegnet er der Erzählerin, die ihn deshalb anzieht, weil sie ganz anders ist als Rebecca: warmherzig, authentisch und moralisch integer.

Rebecca de Winter Maxims erste Frau war dem Vernehmen nach ein Ausbund an Charme, Geist, Haltung und Schönheit gewesen. Frank Crawley bekennt: “she was the most beautiful creature I ever saw in my life.” („Sie war das schönste Geschöpf, das ich in meinem Leben gesehen habe.“) Ebenso wie Maxim wird im Verlaufe des Romans jedoch auch sie dekonstruiert: fünf Tage nach der Hochzeit hatte sie ihrem neuen Ehemann offenbart, was für ein Mensch sie wirklich ist:

Rebecca hat Maxim, dem die Wahrung des gesellschaftlichen Anscheins über alles geht, zu diesem Zeitpunkt längst durchschaut und hält ihn damit fest im Griff. Niemals würde er den Skandal einer Scheidung riskieren. Sie verspricht jedoch, ihm zu helfen, Manderley in der Gesellschaft zu einer Sensation zu machen.

Der Satz „Sie war nicht einmal normal“ hat Alfred Hitchcock inspiriert, in seiner Filmadaption anzudeuten, dass von Rebecca ein lesbischer Sex-Appeal ausgegangen sei. In du Mauriers Roman fehlen solche Hinweise; zwar bezaubert Rebecca dort auch Frauen (wie etwa Maxims spröde Großmutter), es sind jedoch nur Männer, die ihr sexuell erliegen: Jack Favell, Frank Crawley und Maxims Schwager Giles. Mrs. Danvers gibt der Erzählerin und damit dem Leser den intimsten Einblick in Rebeccas wahre Persönlichkeit:

Die einzige Figur der Handlung, die Rebeccas sadistische Natur von Anfang an durchschaut, ist Ben, der „Idiot“: “'Tall and dark she was,' he said. 'She gave you the feeling of a snake.'” („‚Sie war groß und dunkel[haarig]‘, sagte er. ‚Sie gab dir das Gefühl einer Schlange.‘“)

Mrs. Danvers