mini|Frauenorte-Ehrentafel für Anna-Liese Schwieger vor der Kleinen Galerie in Elsterwerda (2020)
Frauenorte (geläufige Eigenschreibweise FrauenOrte) ist der Name von unterschiedlichen Projekten, durch die Frauen in Deutschland und ihr Lebenswerk als historische Vorbilder geehrt werden.
Auf Länderebene existieren derzeit Projekte in Bayern, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. An den Stätten, an denen die Frauen aktiv waren, sind in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Sachsen Tafeln angebracht, die über das Wirken der jeweiligen Frauen informieren. In Bayern, Bremen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern sind die Orte nur virtuell eingerichtet. Träger sind die jeweiligen Landesfrauenräte, oder Ministerien, bzw. in Sachsen-Anhalt der VereinCourage e. V. Halle. In Freiburg im Breisgau gibt es zudem ein lokales Projekt. Durch die Projekte lässt sich erstmals landesweit Stadt- und Regionalgeschichte mit Bezug auf historische Frauenpersönlichkeiten wahrnehmen.
Geschichte und Konzeption Die Projektidee entstand auf Anregung der Sachsen-Anhalt-Frauen-Initiativ-Runde (SAFIR) in Vorbereitung der EXPO 2000 in der Region Sachsen-Anhalt. Ebenfalls in Sachsen-Anhalt wurden die ersten Orte zu Frauenorten ernannt. Die erste Tafel wurde am 31. Mai 2000 an der Kindertagesstätte „Rotkäppchen“ Zörbig angebracht.
Angeregt durch das Projekt in Sachsen-Anhalt sind ähnliche Projekte 2008 in Niedersachsen, 2010 in BrandenburgLandesfrauenrat Brandenburg: Frauenorte Brandenburg, abgerufen am 11. April 2018., 2016 in Sachsen und 2022 in Nordrhein-Westfalen entstanden.
Aufgrund der unterschiedlichen Trägerschaft weisen die Projekte in ihrer Konzeption und zeitlichen Schwerpunktsetzung Unterschiede auf. Während in Sachsen-Anhalt eher der genius loci, der „Geist des Ortes“ im Vordergrund steht, sodass bei den Bezeichnungen der jeweiligen Orte nicht immer auf Anhieb klar ist, welche Frauen geehrt werden sollen, wird der Bezug zu den zu ehrenden Frauen in Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen bereits durch die Benennung der historischen Frauenpersönlichkeiten des jeweiligen Ortes deutlich. Die Projekte in Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt spannen einen zeitlichen Bogen von ca. 1000 Jahren Landesgeschichte. Die Hamburger Frauenorte konzentrieren sich hingegen auf das Sichtbarmachen von Frauen, Vereinen und Aktionen der Hamburger Frauenbewegung von Mitte des 19. Jahrhunderts bis Ende der 1990er Jahre. Auch die lokalen Angebote unterscheiden sich und reichen von Informationstafeln bis zu kulturhistorischen Angeboten an den jeweiligen Orten. Über die FrauenOrte Sachsen-Anhalts erschien eine zweibändige Publikation mit thematischen Beiträgen.
Standorte Bayern
Getragen durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales wurden in Bayern für 140 Frauen aus allen Jahrhunderten FrauenOrte eingerichtet. In Bayern wurde das Projekt im Jahr 2025 angelegt. Folgende Persönlichkeiten wurden dabei berücksichtigt:
Alzenau: Lulu Brentano Amberg: Johanna Decker, Ingeborg Gersing Arnstorf: Ida Schumacher Aschaffenburg: Lottie Brunn, Mimi Herold, Marielies Schleicher Augsburg: Sophie Dann, Anna Barbara Gignoux, Rose Oehmichen, Sophie von La Roche, Anna Barbara von Stetten Bamberg: Kunigunde von Luxemburg Bannwaldsee: Ilse Schneider-Lengyel Bayreuth: Augusta Enders-Schichanowsky, Wilhelmine von Bayreuth Beilenberg: Lola Kronheimer-Sinz Beilngries: Rosa Aschenbrenner Blaibach: Ingeborg Jentsch Breitbrunn am Chiemsee: Gunild Keetman Burghausen: Coelestine Frimmel, Barbara Wild Burglengenfeld: Josephine Haas Burkardroth: Beatrix von Courtenay Coburg: Anna Bernhardine Eckstein Dachau: Carola von Crailsheim Deggendorf: Paula Frieb, Lucie Linden Dietfurt: Hugeburc Dillingen: Marlene Wetzel-Hackspacher Eching: Hedwig von Preysing Erding: Maria Adelheid von Rivera Ergoldsbach: Kathi Littich Erlangen: Léonie Mendelssohn-Bartholdy, Emmy Noether Erzabtei Sankt Ottilien: Henia Durmashkin Etterzhausen: Julie von Zerzog Frauenau: Gretel Eisch Fraueninsel: Liutberga Fürth: Käthe Rohleder Garmisch-Partenkirchen: Lilli Weyrauch von Weech Geroldsgrün: Emilie Mauerer Hahnbach: Patrona Schwaiger Handzell: Aurelie Deffner Hebertshausen: Maria Seidenberger Herrsching: Brunhild Weber Hochstadt am Main: Ernestine Reuter Hof: Bertha Scheiding Icking: Anita Augspurg Illertissen: Caroline Kempter Ingolstadt: Marieluise Fleißer Kaufbeuren: Maria Crescentia Höss, Therese Studer Kochel am See: Lotte Branz Kraftshof: Maria Catharina Stockfleth Kronach: Esther aus Kronach Krumbach: Julie Fernsemer Kulmbach: Eva Margaretha Reichel Landsberg am Lech: Mathilde Eller, Therese Ullrich Landshut: Adelheid Gremmer, Anna Caroline de Belleville Lauf an der Pegnitz: Anna Diez Lichtenfels: Rose Kuhnlein Lindau: Mathilde Jörres, Therese von Bayern Mainstockheim: Lina Ramann Mariabrunn: Amalie Hohenester Memmingen: Lydia Kleyer, Elisabeth Lauginger, Erika Lindner, Tina Mußack Missen: Auguste Städele München: Ellen Ammann, Mathilde Berghofer-Weichner, Therese Giehse, Hildegard Hamm-Brücher, Luise Kiesselbach, Kathi Kobus, Annette Kolb, Hope Bridges Adams Lehmann, Jella Lepman, Maria Luiko, Eleonore Romberg, Sophie Scholl, Gerty Spies, Therese Wagner, Ilse Weitsch, Clara Ziegler, Franziska zu Reventlow Münchsdorf: Annette von Aretin Murnau am Staffelsee: Gabriele Münter Neunburg vorm Wald: Karolina Gerhardinger Nürnberg: Maria Clara Eimmart, Helene Grünberg, Kunigunde Hergotin, Julie Meyer, Kunigunde Niklasin, Else Oppler, Caritas Pirckheimer, Kunigunde Schwab, Rosine Speicher, Helene von Forster Obergangkofen: Marlene Reidel Oberstdorf: Gertrud von le Fort Pappenheim: Bertha Kipfmüller Passau: Amata Grüner Pfarrkirchen: Anna Wimschneider Pocking: Anna Meilhamer Rannungen: Zita Zehner Regensburg: May Ayim, Apollonia Diepenbrock, Magdalena Heymair, Luise Händlmaier, Barbara Popp, Margarete Runtinger, Marie Schandri, Mildred Scheel, Paula Weiner-Odenheimer, Judith von Bayern Reit im Winkl: Rosi Mittermaier Schiefweg: Emerenz Meier Schondorf am Ammersee: Julie Kerschensteiner Schweinfurt: Gretel Baumbach, Margarita Calvary, Margarethe Geiger, Olympia Fulvia Morata Stein: Antonie Nopitsch Stepperg: Maria Leopoldine von Österreich-Este Thannhausen: Margarete Ammon Triesdorf: Hippolyte Clairon Waltershausen: Charlotte von Kalb Weiden in der Oberpfalz: Toni Pfülf Widdersberg: Helene Böhlau Würzburg: Juliane Giovane di Girasole, Klara Oppenheimer, Emy Roeder, Gertraud Rostosky, Barbara Stamm
Brandenburg
mini|Frauenorte-Ehrentafel für Johanna Just am Oberstufenzentrum III in Potsdam Altglobsow: Johanna Louise Pirl Bad Belzig: Helga Kroening Bad Freienwalde: Erna Kretschmann Bad Liebenwerda: Euphemia von Oels/Herzogin Offka Bernau bei Berlin: Margit Schötschel Birkenwerder: Frida Winckelmann Birkenwerder: Clara Zetkin Brandenburg an der Havel: Gertrud von Saldern Burg (Spreewald): Mina Witkojc Caputh: Clara von Simson Caputh: Gertrud Feiertag Cottbus: Die ersten weiblichen Stadtverordneten in Cottbus 1919 Cottbus: Bilillee Machbuba Eisenhüttenstadt: Regine Hildebrandt Elsterwerda: Anna-Liese Schwieger Finsterwalde: Elise Taube Frankfurt (Oder): Ulrike von Kleist Frankfurt (Oder): Justine Siegemundin Fürstenwalde/Spree: Clara Grunwald Geltow: Marie Goslich Guben: Maria Margaretha Kirch Heckelberg-Brunow OT Beerbaum: Sophie Juliane Friederike Gräfin Dönhoff Kleinrössen: Ella Lettre Königs Wusterhausen: Emma Pufahl Kunersdorf: Frauen von Friedland (Helene Charlotte von Lestwitz und Henriette Charlotte von Itzenplitz) Lauchhammer: Benedicta Margaretha von Löwendal Lehnitz: Frieda Glücksmannzu ihr siehe auch: Bodo Becker: »Das Lehnitzer Heim ist nicht nur eine leibliche Wohltat!« Frieda Glücksmann 1890–1971, in: Sabine Hering (Hrsg., mit Sandra Schönauer): Jüdische Wohlfahrt im Spiegel von Biographien. Schriftenreihe Geschichte der jüdischen Wohlfahrt in Deutschland, 2. Hrsg. v. Hering, Gudrun Maierhof, Ulrich Stascheit. Fachhochschulverlag, Frankfurt 2007, ISBN 3-936065-80-2, S. 176–191 (mit Foto Glücksmanns) Lehnin: Diakonissen – Kloster Lehnin Mahlow: Renate Krößner Mühlberg/Elbe: Agnes Bircke von der Duba Mühlberg/Elbe: Elise Fontane Nennhausen: Caroline de la Motte Fouqué Neuruppin: Eva Strittmatter Niederwerbig: Annemirl Bauer Niemegk: Hedwig Rösemann Oranienburg: Frieda Glücksmann Potsdam: Anne Marie Baral Potsdam: Clara Hoffbauer Potsdam: Johanna Just Potsdam: Käthe Pietschker Potsdam: Gerda von Zobeltitz Potsdam-Babelsberg: Gisela Opitz Potsdam-Babelsberg: Emilie Winkelmann Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück: Internationales Ravensbrück Komitee Reckahn: Christiane Louise von Rochow Rheinsberg: Else Weil Rüdersdorf bei Berlin: Johanna Elberskirchen Schwedt/Oder: Dorothea von Holstein-Glücksburg Seehausen: Zisterzienserinnen vom Kloster Marienwerder Templin: Erna Taege-Röhnisch Treuenbrietzen: Ruth Moeller Velten: Emma Ihrer Wittstock/Dosse OT Freyenstein: Minna Cauer Zernikow: Caroline Marie Elisabeth von Labes
Bremen
FrauenOrte Bremen ist ein Projekt, das vom Bremer Frauenmuseum getragen wird. Es möchte neben den über 300 Bremer Frauen, die in dem 2016 erschienenen Buch Frauen Geschichte(n) – Biografien und FrauenOrte aus Bremen und Bremerhaven biografiert sind, auch Frauen durch einen FrauenOrt sichtbar machen, bei denen das Forschungsmaterial für einen eigenen Artikel nicht ausreichte. Gewürdigt werden Frauen, die sich für mehr Gerechtigkeit, soziale Verbesserungen, gleiche Rechte für Frauen, das Frauenwahlrecht, Frieden oder die Verwirklichung ihrer künstlerischen Interessen in verschiedenen Zeitepochen eingesetzt haben. Das Projekt soll kontinuierlich erweitert werden. Es sollen weitere Stadtteile und FrauenOrte hinzukommen.
Hamburg
In Hamburg gibt es 300 Frauenorte, die in einer Liste und einer interaktiven Karte vorgestellt werden.Frauenorte Hamburg, abgerufen am 7. September 2025 Sie konzentrieren sich auf das Sichtbarmachen von Frauen, Vereinen und Aktionen der Hamburger Frauenbewegungen von Mitte des 19. Jahrhunderts bis Ende der 1990er Jahre. An viele der durch einen Frauenort geehrte Frauen wird im Garten der Frauen auf dem Friedhof Ohlsdorf erinnert. Gesonderte Gedenktafeln für die Frauenorte wurden nicht erstellt.
Mecklenburg-Vorpommern
Mecklenburg-Vorpommern hat für 21 Frauen einen Frauenort auf einer interaktiven Karte eingestellt. Das Projekt wird getragen vom Ministerium für Justiz, Gleichstellung und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern. In dem Projekt soll das Lebenswerk von Frauen als historische Vorbilder geehrt werden.
Ahlbeck: Carola Stern Ahrenshoop: Käthe Miethe Bergen auf Rügen: Steffi Nerius Binz: Evelyn Zupke Bisdamitz: Franziska Tiburtius Friedland: Sophia Dorothea Friederike Krüger, Emilie Mayer Greifswald: Luise Greger, Angela Merkel, Sibylla Schwarz Güstrow: Renate Fölsch Neubrandenburg: Iris Grund, Brigitte Reimann Rostock: Rosa Katz, Edith Lindenberg Rügen: Euphemia von Rügen Sassnitz: Charlotte Schimmelpfennig Schwerin: Amalie Buchheim, Manuela Schwesig Tressow: Tisa von der Schulenburg Waren: Auguste Sprengel Wismar: Elisabeth Krämer-Bannow
Niedersachsen mini|hochkant|Tafel am Haus Uptmoor in Lohne, in dem Luzie Uptmoor aufwuchs
Achim: Cato Bontjes van Beek Agathenburg: Aurora von Königsmarck Aurich: Ingrid Buck Bad Gandersheim: Roswitha von Gandersheim Bad Pyrmont: Theanolte Bähnisch Bevern: Paula Tobias Braunschweig: Martha Fuchs Braunschweig: Minna Faßhauer Braunschweig: Ricarda Huch Bückeburg: Fürstin Juliane in Bückeburg Celle: Eleonore d’Olbreuse Cuxhaven: Greten Handorf Dannenberg (Elbe): Eleonore Prochaska Delmenhorst: Ruth Müller Diepholz: Frieda Duensing Emden: Antje Brons Esens: Sara Oppenheimer Ganderkesee: Dora Garbade Göttingen: Dorothea Schlözer