mini|Kandidatenlogo der siegreichen Bewerberstadt Tokio Sechs Städte reichten beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) eine Bewerbung für die Durchführung der Olympischen Sommerspiele 2020 und der Sommer-Paralympics 2020 ein. Die Bewerbungen Bakus für Aserbaidschan, Dohas für Katar wurden im Mai 2012 nicht für die Endauswahl zugelassen. Die Zulassung für die endgültige Entscheidung um den Austragungsort erhielten das japanische Tokio, das türkische Istanbul sowie das spanische Madrid.
Bewerbungsprozess „Wishing City“-Phase Diese erste Phase begann am 24. Mai 2011, als das IOC alle Nationalen Olympischen Komitees einlud, sich zu bewerben. Bis zum 1. September 2011 sollten je ein offizieller Brief der sich bewerbenden Stadt und des jeweiligen NOK an das IOC geschickt werden. Sollte der vorgeschlagene Termin der Olympischen Spiele außerhalb der üblichen Periode Juli bis September liegen, so sollte ein entsprechendes Schreiben bereits zum 29. Juli 2011 in Lausanne (dem Sitz des IOC) vorliegen.
„Applicant City“-Phase Mit der Unterzeichnung der „Candidate Acceptance Procedure“ begann am 15. September 2011 die „Applicant City“-Phase. Die Städte wurden nun zu offiziellen Bewerbern und mussten dem IOC eine Gebühr von 150.000 Dollar überweisen. Im November 2011 hielt das IOC ein Seminar ab, in dem es die Bewerberstädte über den weiteren Bewerbungsprozess aufklärte. Danach hatten die Bewerberstädte bis zum 15. Februar 2012 Zeit, ihre Bewerbungsdokumente (die sogenannten „Application Files“) zu erstellen und sie dem IOC zu schicken. Bis April wurden die Unterlagen durch das IOC ausgewertet.
„Candidate City“-Phase Am 24. Mai 2012 gab das IOC in Québec bekannt, welche Bewerberstädte zur Liste der Kandidatenstädte, der „Candidate Cities“, gehörten und somit weiter im Rennen um die Olympischen Spiele waren. Diese waren Istanbul, Madrid und Tokio. Diese drei Kandidatenstädte mussten bis zum 7. Januar 2013 weitere Bewerbungsdokumente, die „Bid Books“, beim IOC abliefern. Die „Bid Books“ sind weit umfangreicher als die „Application Files“ und dienen als Grundlage für die Besuche der Evaluierungskommission, die die angegebenen Daten überprüft und die Kandidaten nochmals bewertet. Die Bewertungen durch das IOC wurden im Juni 2013 der Öffentlichkeit vorgestellt. In den folgenden Wochen gab es häufige Präsentationen der Kandidaten, ehe am 7. September in Buenos Aires die Gastgeberstadt („Host City“) von den IOC-Mitgliedern gewählt wurde.
Am 24. Mai 2012 teilte das IOC mit, dass Tokio, Madrid (jeweils 12:0 Stimmen vom Exekutiv-Komitee) und Istanbul (11:1 Stimmen) als offizielle Bewerberstädte anerkannt wurden, wohingegen die Bewerbungen von Doha (3:9 Stimmen) und Baku (0:12 Stimmen) abgelehnt wurden.
Wahl
Bis zum Ende der Bewerbungsfrist wurden beim IOC sechs Bewerbungen eingereicht. Am 8. Dezember 2011 wurde ausgelost, in welcher Reihenfolge die Bewerber alle Präsentationen, darunter die am Entscheidungstag in Buenos Aires, durchführen sollten. Diese Reihenfolge lautete: Istanbul, Tokio, Rom, Baku, Doha und Madrid. Nach dem Ende der Bewerbung Roms waren noch fünf mögliche Austragungsorte übrig geblieben, etwa drei Monate später, am 23. Mai 2012, gab das IOC bekannt, dass Istanbul, Tokio und Madrid den Status einer Kandidatenstadt erreichten.
Die Mitglieder des IOC entschieden am 7. September 2013 in Buenos Aires über den Austragungsort der Olympischen Spiele 2020. In der ersten Wahlrunde erreichte Tokio 42 Stimmen. Zwischen Madrid und Istanbul gab es einen Gleichstand von 26:26 Stimmen. Eine Stichwahl (49:45 Stimmen) entschied, dass Istanbul in die Endabstimmung kam. Dort erhielt Tokio 60 Stimmen (Istanbul 36).faz.net: Tokio Gastgeber der Sommerspiele 2020 Artikel vom 7. September 2013 Ort Land Runde 1 Stichwahl Runde 2 Tokio 42 – 60 Istanbul 26 49 36 Madrid 26 45 –
Korruptionsverdacht Nach Angaben der Pariser Finanzstaatsanwaltschaft sollen im Juli und Oktober 2013 zwei Zahlungen mit dem Betreff „Tokyo 2020 Olympic Game Bid“ („Tokio 2020 Olympiabewerbung“) von einem japanischen Konto an die Firma Black Tidings in Singapur geflossen sein, wobei es um eine Summe in Höhe von 2,8 Millionen Singapur-Dollar (rund 1,8 Millionen Euro) ging.Ermittler untersuchen verdächtige Zahlungen, Olympia 2020, auf: spiegel.de, vom 12. Mai 2016, abgerufen am 24. Oktober 2017 Der Inhaber von Black Tidings stand Papa Massata Diack nahe, dem Sohn des früheren Präsidenten des Leichtathletikweltverbandes (IAAF), Lamine Diack, gegen die die französische Justiz im Zusammenhang mit dem Doping und Korruption beim IAAF ermittelt, in diesem Zusammenhang auf die verdächtigen Zahlungen hingewiesen wurde und ein gesondertes Korruptionsermittlungsverfahren eröffnete. Ende Oktober 2017 wurde ein Mailverkehr zwischen Lamine Diack und seinem Sohn Papa Massata Diack vom Tag der IOC-Entscheidung für Tokio publik, der aus Sicht der Strafermittler der Pariser Sonderstaatsanwaltschaft „Parquet national financier“ (PNF) besondere Beweiskraft hat, weil diesem zufolge Lamine Diack tatsächlich Einfluss auf das Stimmverhalten des afrikanischen Blocks hatte, der sich auf keinen Fall für Madrid aussprechen sollte.leichtathletik.de: Thomas Kistner: "Wir müssen das während der Pause klären", Olympia-Skandal, auf: sueddeutsche.de, vom 22. Oktober 2017, abgerufen am 24. Oktober 2017 Anders als der in Frankreich unter Hausarrest stehende Lamine Diack, konnte Papa Massata Diack in Senegal abtauchen, weil er seit 2016 von Interpol gesucht wird.
Kandidatenstädte Tokio Tokio trug 1964 bereits die Spiele aus. Auch 1940 war Tokio für die Austragung der Spiele vorgesehen, musste sie aber nach dem Ausbruch des Japanisch-Chinesischen Krieges am 16. Juli 1938 an das IOC zurückgeben. Darüber hinaus bewarb sich die Stadt erfolglos um die Spiele 1960 und 2016.
Fast alle Wettbewerbe sollen innerhalb von acht Kilometern um das olympische Dorf ausgetragen werden. Lediglich die Fußballspiele – vorgesehen sind das Ajinomoto-Stadion in Chōfu, der Sapporo Dome in Sapporo, das Miyagi-Stadion in Sendai, das Saitama Stadium in Saitama und das Nissan-Stadion in Yokohama – sowie der Moderne Fünfkampf fänden außerhalb dieses Bereiches statt. Innerhalb des 8-km-Radius sollen sich die Sportstätten auf die Heritage Zone im Norden (u. a. mit dem Olympiastadion; Sportarten: Leichtathletik, Rugby, Tischtennis, Handball, Judo, die Straßenradrennen, Gewichtheben und Boxen) und die Tokyo Bay Zone im Süden (u. a. mit dem Medienzentrum; Sportarten: Volleyball, BMX, Bahnradsport, Turnen, Tennis, Triathlon, Marathon, Beachvolleyball, Ringen, Fechten, Taekwondo, Hockey, Reitsport, Rudern, Kanu, Badminton, Basketball, Bogenschießen und Schwimmsport) aufteilen. Aufgrund der hohen Tokioter Hotelkapazität von über 100.000 Zimmern wäre der Bau eines Mediendorfes nicht nötig.
Das Logo zeigt Kirschblüten (zur Symbolik siehe Kirschblütenfest). Am 19. Juli 2012 wurde der offizielle Slogan der Bewerbung – „Discover Tomorrow“ – bekanntgegeben.
Tokio ist sehr dicht besiedelt: In Tokio leben laut Statistik 9.055.257 Einwohner auf 622 km² (14.558,8 Ew./km²); in der Metropolregion leben über 35 Millionen Menschen (über 2.600 Ew./km²).
Istanbul Bisher wurden noch keine Olympischen Spiele in der Türkei ausgetragen. Istanbul bewarb sich bisher fünf Mal erfolglos um die Spiele 2000, 2004, 2008, 2012 und 2020.
Istanbuls Sportstättenplan sahen vor, die Wettbewerbe innerhalb von drei großen Zonen auszurichten. In der Olympic City Zone hätte sich unter anderem das Atatürk-Olympiastadion befunden. Neben den Leichtathletikwettbewerben wären hier Turnen, Boxen, Tischtennis, Ringen, Badminton, Hockey, Tennis, Schwimmsport, Reitsport, Fechten, Sportschießen und der Moderne Fünfkampf veranstaltet worden. In diesem Bereich hätten sich auch das olympische Dorf, das Mediendorf und das Pressezentrum befunden. Weiter südlich war die Coastal Zone mit den Sportstätten für Basketball, Judo, Taekwondo, Bahnradsport, Segeln, Handball, Gehen, Straßenradsport und Triathlon eingeplant. Zu diesen Sportstätten gehörten u. a. der Sinan Erdem Dome und die für die IAAF-Hallenweltmeisterschaften 2012 errichtete Ataköy Athletics Arena. Im neuen Bosphorus Stadium für 100.000 Zuschauer hätten in der Bosphorus Zone die Eröffnungs- und Schlussfeier stattgefunden. Daneben hätte es hier Sportstätten für Gewichtheben, Rugby, Marathon, Rudern, Kanusprint, Bogenschießen und Beachvolleyball gegeben. Im Norden Istanbuls hätten in der Forest Zone Golf, BMX, Mountainbike und Kanuslalom stattgefunden. Zusätzlich zu den genannten Sportstätten in den Zonen sollte es noch die Ülker Sports Arena für Volleyball geben. Als Fußballstadien für die Vorrundenspiele sollten das Şükrü-Saracoğlu-Stadion und die Türk Telekom Arena in Istanbul, das Kayseri-Kadir-Has-Stadion in Kayseri, das New Ankara Stadium in Ankara, das New Antalya Stadium in Antalya, das New Izmir Stadium in Izmir und die Bursa Timsah Arena in Bursa fungieren. Die Finalspiele hätten im Atatürk-Olympiastadion stattgefunden.
Der Slogan der Bewerbung lautete „Bridge Together“. Das Logo zeigte eine Tulpe sowie Istanbuls Silhouette am Bosporus.
Madrid rechts|150px|Logo der Kandidatur Madrids Das Spanische Olympische Komitee (Comité Olímpico Español, kurz COE) bestätigte am 20. Juli 2011 die Bewerbung der Landeshauptstadt Madrid für die Olympischen Spiele 2020. Spanien war Austragungsland der Olympischen Spiele 1992 in Barcelona. Für Madrid selbst war es die insgesamt vierte Bewerbung, die dritte in Folge. Bei der Wahl für die Olympischen Spiele 1972 ging der Zuschlag letztlich an München, bei der Abstimmung für 2012 scheiterte Madrid in der dritten Runde knapp an Paris und dem späteren Ausrichter London, bei der Sitzung des IOC zur Ermittlung der Spiele 2016 erreichte die Kandidatur Madrids die Finalrunde, wo man Rio de Janeiro unterlag.
Madrids Plan sah vor, die meisten Wettbewerbe in zwei Zonen bestehend aus je zwei Clustern innerhalb von Madrid auszurichten. In der östlichen Zona Campo de las Naciones hätte sich das Cluster Villa Olímpica mit dem olympischen Dorf sowie den Sportstätten für die Wettbewerbe in Leichtathletik, Bahnradsport, BMX, Turnen und Schwimmsport befunden. Als Olympiastadion sollte das Estadio de Madrid verwendet werden, welches derzeit ausgebaut wird. Weiter nördlich hätte sich das Cluster IFEMA mit dem Medienzentrum und -dorf befunden. Das Messegelände IFEMA war als Austragungsort für Badminton, Boxen, Fechten, Gewichtheben, Ringen, Judo, Taekwondo und Tischtennis vorgesehen. In der Ciudad Real Madrid hätten sich die Spielstätten für Feldhockey befunden und das Estadio Alfredo Di Stéfano wäre für 7er-Rugby eingeplant gewesen.
In der westlichen Zona Manzanares befindet sich das Cluster Club de Campo, mit dem Club de Campo Villa de Madrid, der als Sportstätte für Bogenschießen, Modernen Fünfkampf und Golf hätte fungieren sollen. Im selben Bereich befindet sich auch das Hipódromo de la Zarzuela, in dem die Reitsportbewerbe hätten ausgerichtet werden können. Ebenfalls im Westen der Stadt liegt das Cluster Casa de Campo mit dem gleichnamigen Stadtpark, das als Austragungsort für Mountainbike und Triathlon in Frage gekommenen wäre sowie der Madrid Arena für Handball. Daneben sollten in der Zona Manzanares, jedoch außerhalb der zwei Cluster, auch noch die Konkurrenzen im Tennis (Caja Mágica) sowie Rudern, Kanu und Langstreckenschwimmen (Circuito de Regatas Madrid/Getafe) stattfinden.
Nicht innerhalb der zwei Hauptzonen befanden sich die vorgesehenen Austragungsorte für Basketball (Las Ventas), Volleyball (Barclaycard Center), Beachvolleyball (Parque del Buen Retiro), Sportschießen (Centro de Tiro Paracuellos de Jarama) und Kanuslalom (Canal de Slalom de La Gavia) sowie das Estadio Santiago Bernabéu, welches für das Fußballendspiel geplant gewesen war.