Escherndorf ist ein Gemeindeteil der Stadt Volkach im Landkreis Kitzingen (Unterfranken, Bayern). Die Gemarkung Escherndorf hat eine Fläche von 1,876 km². Sie ist in 1427 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 1314,86 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Vogelsburg.
Bis zum freiwilligen Zusammenschluss mit Volkach am 1. Januar 1972 war Escherndorf eine selbstständige Gemeinde. Historisch gehörte der Ort bereits seit dem 17. Jahrhundert zum Amt Volkach, das Teil des Hochstifts Würzburg war. Anders als viele andere Gemeinden der Umgebung wechselte das Dorf nie den Herrscher, sondern war immer dem Fürstbischof von Würzburg unterstellt.
Aus Escherndorfs Lage an der Volkacher Mainschleife erklärt sich auch der Weinbau um das Dorf. Die klimatisch günstigen Südhänge, insbesondere die Weinberge am Escherndorfer Lump, führten zu einer Konzentration des Weinbaus. In der Vergangenheit war der Wein einzige Einnahmequelle für die Escherndorfer und somit Ursache für zeitweise großen Wohlstand, mitunter aber auch für Armut in der Gemeinde. Heute bildet der Wein- und Kulturtourismus ein weiteres wichtiges wirtschaftliches Standbein Escherndorfs.
Geografische Lage Geografie und naturräumliche Lage Das Pfarrdorf Escherndorf liegt im Westen des Volkacher Gemeindegebietes. Nördlich, getrennt durch den Main, befindet sich der Volkacher Gemeindeteil Elgersheim auf der Gemarkung von Fahr. Nordöstlich erhebt sich die Vogelsburg und der gleichnamige Volkacher Gemeindeteil. Im Westen geht die Gemarkung in die von Astheim über, das ebenfalls zu Volkach gehört. Südöstlich beginnt Nordheim am Main, der Main trennt die beiden Gemarkungen. Der Süden leitet zum Volkacher Gemeindeteil Köhler über, im Westen befindet sich Prosselsheim im Landkreis Würzburg.
Nächstgelegene, größere Städte sind Kitzingen, mit einer Distanz von etwa 14 Kilometern und Schweinfurt, das ungefähr 21 Kilometer entfernt ist. Die nächste Großstadt ist das 19 Kilometer entfernte Würzburg.
Naturräumlich liegt Escherndorf im Gebiet der Volkacher Mainschleife, die als Untereinheit zum Mittleren Maintal der Mainfränkischen Platten gezählt wird.Geographie Giersbeck: Karte 152 Würzburg, PDF-Datei, abgerufen am 8. Januar 2019.
Das Dorf liegt in der Maingauklimazone, die zu den trockensten und wärmsten Klimazonen in Deutschland zählt. Das erklärt auch den Weinbau im Ort. Escherndorf liegt im südlichen Teil der Volkacher Mainschleife. Dort folgt der Main nicht dem charakteristischen Rundbogen der Flusskrümmung, sondern wendet sich südlich, so dass hier eine relativ breite Landfläche besteht. Um Escherndorf entstand der sogenannte (Mündungs-)Schuttkegel, der eine Ansiedlung von Menschen ermöglichte.Egert, Gerhard: Escherndorf und Köhler. S. 124.
Dorfgliederung mini|hochkant|Das Naturschutzgebiet Mainhang an der Vogelsburg im Winter (Januar 2017) Die Escherndorfer Gemarkung wird auf zwei Seiten vom Main begrenzt. Zwischen beiden Ufern befinden sich Erhebungen. Zentral liegt das zweizeilige Häckerstraßendorf, das sich entlang des Maines hinzieht. Im Mittelpunkt des Dorfes steht die Pfarrkirche oberhalb der zentralen Straßenkreuzung. Aufgrund des engen Tales bildete sich diese Siedlungssonderform heraus. Unklar ist die Lage einer sogenannten Ziegelhütte, der noch 1888 ein Ort von Escherndorf war.
Das Tal öffnet sich in Richtung Main, dort entstand südlich der Kirche der Ortsfriedhof. In neuerer Zeit wurde dort ein Sportplatz gebaut. Im Westen des Dorfes befindet sich unmittelbar neben der bebauten Fläche das Gasthaus Mainaussicht als Aussiedlerhof. Nördlich der Kirche erhebt sich der Escherndorfer Berg mit einer Aussichtsplattform oberhalb der Weinberge, im Westen des Fürstenbergs. Das Naturschutzgebiet Mainhang an der Vogelsburg liegt im Norden der Gemarkung auf der Nordseite des Escherndorfer Berges. Ebenso ist das Schutzgebiet Alter Main bei Volkach südöstlich von Escherndorf zu finden.
Geschichte Vor- und Frühgeschichte (bis 1316) Anders als viele andere Gemeinden an der Mainschleife hat Escherndorf keine lange Siedlungsgeschichte. Zwar war die nahegelegene Vogelsburg bereits im Paläolithikum bewohnt, für Escherndorf selbst sind allerdings aus dieser Zeit keine Funde nachgewiesen. In der Bronzezeit, um 1500 v. Chr., errichteten die Bewohner auf dem Berg Befestigungsanlagen, die in späteren Jahrhunderten weiter verstärkt wurden.
Erst um 50 v. Chr. wird die Stelle, an der sich heute Escherndorf befindet, archäologisch fassbar. Man grub Gräber der Kelten aus, die damals wohl auf der Vogelsburg saßen. Sie wurden im Verlauf der Jahrhunderte von den eindringenden Thüringern verdrängt. Im fünften Jahrhundert folgten den thüringischen Stämmen die Franken nach, die an die Mainschleife vorstießen und dort erstmals staatsähnliche Verwaltungsstrukturen einrichteten. Auch führten sie das Christentum ein.
In unmittelbarer Nähe zu Escherndorf, in Prosselsheim und auf der Vogelsburg, entstanden zwei fränkische Königshöfe. Nun wurde wohl auch die Besiedlung des heutigen Dorfes vorangetrieben. Während die ältere Literatur davon ausgeht, dass das Dorf als Hintersassensiedlung für den Hof auf der Vogelsburg gegründet wurde, wird heute vermehrt die Nutzung als Übergangsstelle für den Königshof Prosselsheim angenommen.Vgl.: Schneider, Erich (u. a.): Vogelsburg, Escherndorf, Köhler. S. 8. bzw. Egert, Gerhard: Escherndorf und Köhler. S. 125. So lag das Dorf zu diesem Zeitpunkt wohl auf Nordheimer Gemarkung.Rückert, Peter: Landesausbau und Wüstungen des hohen und späten Mittelalters. S. 77.
Mit den Franken kam auch der ursprünglich in Frankreich beheimatete Wein nach Escherndorf. Erstmals wurden die Reben im 7. oder 8. Jahrhundert an der Vogelsburg angebaut. Die spätere Escherndorfer Lage „Eulengrube“ wurde erstmals zur Zeit des Kaisers Ludwig des Frommen, zwischen 814 und 840, erwähnt. Obwohl also davon auszugehen ist, dass Escherndorf damals bereits existierte, ist das Dorf in den Urkunden des 10., 11., 12. und 13. Jahrhunderts nicht genannt.Egert, Gerhard: Escherndorf und Köhler. S. 124 f.
Hochstiftisches Dorf (bis 1540) Die erste Erwähnung Escherndorfs erfolgte erst am 14. Juli 1316. Mit einer Urkunde verkaufte das Hochstift Würzburg, Escherndorf war Teil des Amtes Prosselsheim, einen Teil des Jahreszinses der „villa Escherichsdorf“ (Dorf Escherichsdorf) an den Adeligen Eberhard Fuchs von Dornheim. Wahrscheinlich war die Ansiedlung im Laufe des 13. Jahrhunderts von den Grafen zu Castell an das Hochstift gelangt.Schneider, Erich (u. a.): Vogelsburg, Escherndorf, Köhler. S. 8. In der Umgebung war außerdem das Zisterzienserkloster Ebrach begütert gewesen.
In einer Urkunde aus dem Jahr 1340 taucht Escherndorf im Gesamturbar dieses Klosters auf. Auf den Weinbergen, die dem Kloster gehörten, wuchsen die Sorten „vinum frankonicum“ und „vinum hunicum“. Gleichzeitig etablierte sich im Laufe des 14. Jahrhunderts die Benediktinerabtei im nahen Münsterschwarzach als Grundherr an der Mainschleife. Neben der Dorfherrschaft in Nordheim, der Main war nun Gemarkungsgrenze, unterhielt sie bald auch einige Weinberge in Escherndorf.
Bis zum Jahr 1422 war auch die Beginenklause vom Volkacher Kirchberg dort begütert. Sie erhielt Zins auf Weingarten „an der steige“ von Fritz Roth von Escherndorf. Im Jahr 1443 erwarb die Kartause Astheim vom Abt Nikolaus von Münsterschwarzach einige Weinberge in den Bergen um den Ort. Noch 1434 und 1471 war das Kloster Ebrach im Dorf vertreten: Hans von Eger, Lehensmann der Abtei, lebte in Escherndorf.
Die Zersplitterung der Ansprüche auf das Dorf zog sich bis ins 16. Jahrhundert hin, obwohl die Dorfherrschaft zu jeder Zeit beim Fürstbischof in Würzburg lag. Noch 1534 war allerdings auch die Herrschaft Brandenburg in Escherndorf begütert und 1563 umfasste der Anteil des Klosters Ebrach elf Untertanen. Erst im Jahr 1540 wurde das Dorf „ganz würzburgisch“ und 58 Hausvorstände mussten dem Bischof den Treueid leisten.Egert, Gerhard: Escherndorf und Köhler. S. 127.
Während der Glaubenskriege (bis 1648) mini|hochkant|Der Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn gründete die Pfarrei Escherndorf (Ölgemälde von 1586) Bereits um das Jahr 1520 war in Escherndorf ein kleines Gotteshaus entstanden, das als Filiale Teil der Pfarrei Prosselsheim wurde. In dieser Zeit entstand im Dorf die Holzskulptur des Winzerpatrons und Heiligen Urban, die heute im Museum für Franken ausgestellt ist. Im Jahr 1576 erwähnte ein Visitationsbericht des Landkapitels Dettelbach den Ungehorsam der Bevölkerung. Die Bewohner besuchten am Sonntag den evangelischen Gottesdienst in Obereisenheim, sogar der Schultheiß schloss sich ihnen an.
Dieser Umstand brachte den Würzburger Bischof Julius Echter von Mespelbrunn am Ende des Jahrhunderts dazu, die Gegenreformation in seinem Herrschaftsbereich zu forcieren. Zwischen 1596 und 1604 wurde Escherndorf zu einer eigenständigen, katholischen Pfarrei erhoben, eine neue Kirchenordnung erlassen und die Kirche neu errichtet. Dadurch festigte der Bischof den alten Glauben im Dorf und Escherndorf war zu Beginn des 17. Jahrhunderts wieder katholisch geworden.Egert, Gerhard: Escherndorf und Köhler. S. 129.
Noch vor dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges hatten sich die klimatischen Bedingungen an der Mainschleife dramatisch verschlechtert. Die Kleine Eiszeit führte zu einem großen Niedergang des Weinbaus. Das Escherndorfer Gericht führte deshalb im 17. Jahrhundert harte Strafen für Traubendiebstähle ein. Das Entwenden eines „Hut[es] voll Treublein“ zog eine empfindliche Geldstrafe oder sogar eine Turmstrafe nach sich.
Im Jahr 1631 eroberten die protestantischen Schweden Würzburg und kamen bald auch nach Escherndorf. Am 13. Oktober erreichte der Quartiermeister Claus Zobel den Ort und verkündete den Escherndorfern eine am nächsten Tag durchgeführte Einquartierung. Bei der Ankunft der schwedischen Soldaten am 14. Oktober wurde ein Mann erschossen, die restlichen Einwohner verjagte man über den Main ins nahe Nordheim. Sie konnten lediglich bei Zahlung einer Salva Guardia (Schutzbrief) zurückkehren.Demel, Christine: 1250 Jahre Prosselsheim mit Seligenstadt und Püssensheim. S. 134.
Im November 1633 setzten die neuen Machthaber den Kitzinger Pfarrer Nikolaus Polichius ein, der evangelischen Gottesdienst in der Pfarrkirche hielt.Egert, Gerhard: Die Schweden in Volkach. S. 223. Die Escherndorfer Winzer sollten den Schweden außerdem mehrere Pferde liefern, die allerdings nicht aufzutreiben waren, weil das Dorf ausschließlich vom Weinbau lebte. Kurz vor der Vertreibung der Schweden wurde den Dorfbewohnern 1634 das sogenannte Rekrutengeld abgepresst.Egert, Gerhard: Die Schweden in Volkach. S. 228.
Die schwedischen Soldaten und die ihnen nachfolgenden Armeen der Kaiserlichen begannen auch die Bewohner als Soldaten anzuwerben. So starb im Jahr 1634 Jakob Stang aus Escherndorf an einer Schusswunde im Raum Nürnberg. In diesen Kriegszeiten hatte auch die Pest einen Höhepunkt. Zwischen 1630 und 1637 starben 255 Escherndorfer an der Krankheit. Ein Jahr später, 1638, wurde die Magd des Pfarrers der Hexerei bezichtigt und aus dem „Dorff Eschersdorff gebotten“, also verbannt.
Blüte des Weinbaues (bis 1803) Nach dem Ende des Krieges 1648 ging auch für Escherndorf eine schwere Epoche zu Ende. Noch 1684 waren allerdings die Auswirkungen der Kleinen Eiszeit zu spüren, als durch „Kißel wedder“ ein großer Schaden an den Weinbergen entstand. Zur gleichen Zeit verschärfte man die Strafen, die auf den Verkauf von Erde standen. Die steilen Hanglagen verloren bei Regen ständig Substanz und mussten neu aufgeschüttet werden.