Volketswil ist eine politische Gemeinde im Bezirk Uster des Kantons Zürich in der Schweiz. Zur Gemeinde in der Agglomeration Zürich gehören die Ortschaften Volketswil, Hegnau, Zimikon, Kindhausen und Gutenswil.
Geographie Geographische Lage mini|links|150px|Ortseingang von Zimikon Volketswil liegt im Zentrum des Kantons Zürich und ist mit 14,04 km² nach Maur, Egg und Uster die viertgrösste Gemeinde im Bezirk. Volketswil liegt im oberen Glatttal, am Tor zum Zürcher Oberland, zwischen Dübendorf und Uster, nördlich des Greifensees. Zur Gemeinde gehören die Weiler Hegnau, Zimikon, Kindhausen und Gutenswil (Mundartname: Guetetschwiil oder Guetschwiil). Volketswil (Mundartname: Volketschwiil) ist 12 Kilometer Luftdistanz von Zürich gelegen.
Die Nachbargemeinden Volketswils sind von Norden im Gegenuhrzeigersinn Wangen-Brüttisellen, Dübendorf, Schwerzenbach, Greifensee, Uster im Bezirk Uster und Fehraltorf, Illnau-Effretikon, Lindau im Bezirk Pfäffikon.
Gemeindegebiet Der grösste Anteil des Gemeindegebiets wird von Landwirtschaftsflächen eingenommen, die 36,6 % umfassen. Weitere 24,5 % sind Wald, 28,0 % Siedlungsfläche, 9,4 % Verkehrsfläche, 0,4 % Gewässer und 1,1 % unproduktive Fläche (Stand 2018).Gemeindeporträts. Volketswil. Flächen. Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2018.
Geologie Das Dorf Volketswil fügt sich ein zwischen die zwei Moränenhügel Hutzlen und Homberg, die durch den Linthgletscher entstanden sind. In Richtung Hegnau-Dammboden Zimikon ist die Landschaft leicht abfallend. Hegnau ist ein typisches Strassendorf: Das Strassen-Trassee der Nationalstrasse Schwamendingen–Uster–Hinwil führt mitten durch Hegnau. Heute ist Hegnau durch die A15 geteilt. Der Dorfteil Zimikon befindet sich in einem ehemaligen Riedgebiet des Greifensees. Die Dörfer Gutenswil und Kindhausen befinden sich auf Anhöhen.
Der Linthgletscher formte nicht nur das Gelände, sondern lagerte auch Geröll und Kies ab und bildete Kieslagerstätten. Der Kiesabbau war im 20. Jahrhundert in Volketswil von grosser Bedeutung. Inzwischen sind einige Kiesabbaugebiete verschwunden, doch prägen verschiedene Abbaugebiete die Umgebung noch heute.
Geschichte Zwischen 3000 v. Chr. und 1800 v. Chr., während der Jungsteinzeit, war das Gebiet rund um Volketswil vermutlich besiedelt. Der Fund eines bronzenen Schwertes in Zimikon deutet darauf hin, dass dieses Gebiet auch in der Bronzezeit besiedelt war. Volketswil ZH, In der Höh / Zimiker Höh. In: Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte. 2003, S. 216. Funde von Münzen in Volketswil und auch die Ruinen einer nach römischem Vorbild gebauten Villa auf der «Hutzlen» zeugen von der Besiedelung rund um Volketswil während des Römischen Reiches.
Zwischen 400 und 500 n. Chr. wanderten die Alemannen ein. Vermutlich stammen die meisten Namen der heutigen Dörfer aus dieser Zeit (zum Beispiel: Zimikon hiess Ziminghovun, was «beim Hofe des Mannes Zimo» bedeutet). Dorfnamen mit der Endung «wilare» entstanden im 6./7. Jahrhundert. Im Jahr 904 wird Volketswil in einer Güterschenkung an das Kloster St. Gallen erstmals urkundlich als Folcharteswilare erwähnt. Im 14. Jahrhundert wurde eine Kapelle, die spätere reformierte Kirche, errichtet, die der heiligen Agatha geweiht ist.
Die Stadt Zürich kaufte 1402 die Herrschaft Greifensee mit Hegnau, 1424 die Herrschaft Kyburg mit Volketswil, Gutenswil, Zimikon und Kindhausen. Im Jahr 1638 erfolgte die Gründung der eigenen Pfarrei Volketswil. Im Jahr 1767 wurde Gutenswil von Uster in die Pfarrei Volketswil umgeteilt. Die reformierte Kirche wurde deshalb mit einem Anbau («Gutenswiler Kirche») auf der Westseite erweitert. Während der Helvetischen Revolution 1798 gehörte Volketswil neu zum Bezirk Uster (1815–1831 kurzzeitig Oberamt Greifensee) im neu geschaffenen Kanton Zürich. Ein Jahr später marschierten 5'000 kaiserlich-russische Soldaten während der helvetischen Kriegswirren durch das Dorf Volketswil.
Durch einen Dorfbrand 1803 in Gutenswil verloren 205 Personen ihr Hab und Gut. 1859 fand der Volketswiler Doppelmord statt.Jakob Kündig. Der Doppelmord von Volketswil. In: Neue Zürcher Zeitung. 20. Oktober 1859, S. 1. Eine Gedenktafel an der Nordseite des alten Friedhofs erinnert an dieses Ereignis. Durch die Krise in der Heimweberei im Jahr 1900 nahm die Bevölkerungszahl von Volketswil auf 1515 Einwohner ab. 1932 gemeindeten sich die fünf Dörfer Volketswil, Hegnau, Zimikon, Kindhausen und Gutenswil zur Gemeinde Volketswil ein. Ein BundesgerichtsentscheidUrteil vom 8. März 1967 i.S. Gemeinde Volketswil gegen Gryfag Immobilien AG und Mitbeteiligte sowie Regierungsrat des Kantons Zürich. In: Website des Bundesgerichts. führte 1967 zur Einzonung des Gebiets «Sunnebüel». Ein Bauboom wurde ausgelöst. Die Göhner-Überbauung «Sunnebüel» entstand 1968.
Im Jahr 1956 wurde die reformierte Kirche bis auf die Grundmauern abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt. Lediglich die Kirchenbänke und die Kanzel zeugen heute noch von der alten Kirche.
Durch den Bauboom entstanden verschiedene Infrastruktur-Bauten: 1968: Einweihung Primarschulhaus «Hellwies» 1969: Die Supermarktkette «Waro» eröffnet in Volketswil den ersten grossen Verbrauchermarkt der Schweiz, dessen Cash&Carry-Konzept aus den USA stammt. 1970: Eröffnung des Schwimmbads «Waldacher» 1971: Inbetriebnahme der Friedhofanlage «Neuwies». Bau des provisorischen katholischen Pfarreizentrums «Bruder Klaus», das später zu einer festen Kirche ausgebaut wurdeWillkommen in der Pfarrei Volketswil. In: Website der Pfarrei Volketswil. 1972: Einweihung Primarschulhaus «Feldhof» 1973: Eröffnung des Zentrums Volketswil mit diversen Fachgeschäften, Post und Gemeindebibliothek 1974: Einweihung des Oberstufenschulhauses «Lindenbüel» 1984: Eröffnung des Einkaufszentrums «Volkiland» im Ortsteil Zimikon
Im Jahr 2003 wurde die Gesamtschule «In der Höh» eingeweiht. Das architektonisch herausragende Gebäude galt bis 2009 als modernstes Schulhaus des Kantons Zürich. 2004 feierte Volketswil seinen 1100. Geburtstag mit einem grossen Dorffest.
2008 wurden die neuen Sportanlagen im Gries in Betrieb genommen und der Dorfbach freigelegt. Die Überbauung «Gries» und der Griespark entstanden, der im Jahr 2009 eingeweiht wurde. 2014 wurde das neue Gemeindehaus fertiggestellt und der Bevölkerung übergeben.
Wappen Blasonierung: Geteilt, oben von Schwarz und Silber geschacht zu acht Plätzen, unten in Gold ein roter Stern
Dorfwappen
Bevölkerung + BevölkerungsentwicklungQuellen: 1467–1738: HLS, 1850–1950: Eidgenössische Volkszählungen, danach: Gemeindeporträts. Volketswil. Bevölkerung (Personen). Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2000–2022. Jahr Einwohner 1467 ca. 155 1634 405 1738 1'095 1850 2'028 1900 1'515 1982 10'543 2000 14'005 2005 15'097 2010 17'412 2015 18'489 2020 18'851 2022 19'420202419'822
In Volketswil leben 19'822 Personen (Stand 2024), 5222 (26,3 %) davon haben keinen Schweizer Pass.Gemeindeporträts. Volketswil. Ausländeranteil. Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2022.
Das Durchschnittsalter der Volketswiler Bevölkerung betrug 2024 42,1 Jahre.Gemeindeporträts. Volketswil. Bevölkerung: Durchschnittsalter. Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2022.
Die grösste Ortschaft der Gemeinde Volketswil ist Hegnau (inkl. Gfenn) mit 10'049 Einwohnern (Stand 2022). Es folgen (alle Stand 2022) Volketswil (3'772 Einwohner), Zimikon (2'016), Gutenswil (1'924) und Kindhausen (1'771). Alle diese Ortschaften waren bis 1932 selbständige Zivilgemeinden.Bevölkerung. Einwohner nach Ortsteil. In: Website der Gemeinde Volketswil, abgerufen am 9. Mai 2015.
Konfessionen 2022 gehörten 23,7 % der Bevölkerung der reformierten und 23,1 % der römisch-katholischen Kirche an. Daneben gibt es verschiedene kleinere Glaubensgemeinschaften. 53,1 % der Bevölkerung gehörten einer solchen oder keiner Konfession an. Der Anteil der Konfessionslosen hat in den letzten 50 Jahren stark zugenommen, von 1,2 auf 32,3 %, dies vor allem zu Lasten der evangelisch-reformierten Landeskirche.Religionen. Bundesamt für Statistik, 2021.
Ein starkes Wachstum in Volketswil verzeichnet die islamische Gemeinschaft. Der Anteil der Musliminnen und Muslime stieg auf über 7 % der Bevölkerung. Für sie gibt es im Industriegebiet seit Ende 2012Islamisches Zentrum in Volketswil ZH eröffnet. Iman-Zentrum Volketswil, 31. Dezember 2012. eine Moschee.Die Islamische Gemeinschaft Volketswil Zürich. Website des Iman-Zentrums Volketswil. Schweizweit stieg der Anteil der Musliminnen und Muslime in den letzten 50 Jahren von 0,2 auf 5,7 %.
Soziales 2024 waren laut dem Statistischen Amt des Kantons Zürich 180 Personen in Volketswil als arbeitslos im Wortsinn des Arbeitslosenversicherungsgesetzes AVIG gemeldet. Das entspricht einer Quote von 1,4 %.Gemeindeporträts. Volketswil. Arbeitslosigkeit. Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2022. Der Frauenanteil in Volketswil betrug im Jahre 2024 49,8 %.Gemeindeporträts. Volketswil. Bevölkerung: Frauenanteil. Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2022.
Politik Legislative Volketswil hat kein Gemeindeparlament. Das oberste Organ ist die Gemeindeversammlung, die je nach Geschäften zwei- bis viermal pro Jahr einberufen wird.
Exekutive Gemeindepräsident ist Jean-Philippe Pinto (Die Mitte). Im siebenköpfigen Gemeinderat sind folgende Parteien vertreten: 2× GLP, 1× FDP, 1× SVP, 1× Mitte und 2× Parteilose (Stand November 2025).
Kantonsrat Im Kantonsrat des Kantons Zürich ist Volketswil durch Raffaela Fehr (FDP) und Jean-Philippe Pinto (Die Mitte) vertreten.Mitglieder. Kantonsrat des Kantons Zürich.
Nationale Wahlen Bei den Nationalratswahlen 2023 betrugen die Wähleranteile in Volketswil: SVP 43,45 % (+1,02), SP 13,36 % (+2,80), Mitte 12,67 % (+1,45), glp 11,24 % (−1,27), FDP 6,95 % (−4,11), Grüne 5,61 % (−1,85), EVP 1,49 % (−0,28), EDU 1,39 (−0,06).
Nationalrat Bruno Walliser (SVP), seit 2015 Benjamin Fischer (SVP), seit 2022
Gemeindepartnerschaft , Schweiz – 2000 bis 2013.. In: Glattaler. 28. November 2013, abgerufen am 25. Februar 2014. Die Gemeindepartnerschaft mit Gadmen wurde per 31. Dezember 2013 aufgelöst, da die Gemeinde mit Innertkirchen fusionierte.
Wirtschaft mini|Ehemaliger Firmensitz der Sun Microsystems (Schweiz) AG in Hegnau Die Nähe zu den Städten Zürich, Winterthur und Uster sowie zum Flughafen Zürich und gut ausgebaute Infrastrukturen machen Volketswil zu einem bedeutenden Wirtschaftsstandort im oberen Glatttal. Die rund 1200 ansässigen Unternehmen beschäftigen über 11'000 Arbeitskräfte hauptsächlich für die Industrie- und den Dienstleistungssektor. In den letzten Jahrzehnten haben sich verschiedene Einkaufszentren und Fachmärkte in Volketswil angesiedelt.
Von 1934 bis 1972 wurde in Volketswil das landesweit bekannte Frühstücksgetränk «Forsanose», ein Kakao-Malz-Pulver, hergestellt.
Alle drei Jahre im Oktober findet die Volketswiler Gewerbemesse (VOGA) statt, auf welcher die verschiedenen Unternehmen der Umgebung vertreten sind. Jeweils donnerstags findet auf dem Gemeindehausplatz der Wochenmarkt statt, zudem der Frühlings- und Herbstmarkt und das Kürbisfest und zu Weihnachten der Weihnachtsmarkt.
Verkehr Öffentlicher Verkehr Volketswil ist eine der bevölkerungsmässig grössten Gemeinden der Schweiz ohne einen eigenen Bahnhof. Jedoch ist Volketswil gut durch die drei umliegenden Bahnhöfe Effretikon, Uster und Schwerzenbach erschlossen. Die vier Buslinien (Bahnhof Schwerzenbach–Volketswil–Kindhausen–Bahnhof Effretikon), (Bahnhof Schwerzenbach–Industrie–Eichstrasse), (Bahnhof Schwerzenbach–Volketswil–Gutenswil–Bahnhof Uster) und (Bahnhof Schwerzenbach–Industrie-Dorf) erschliessen die Ortschaften der Gemeinde und die umliegenden Ortschaften mit dem öffentlichen Verkehrsnetz des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV).
Individualverkehr Im Jahr 1840 wurde die Nationalstrasse N34 von Schwamendingen über Uster nach Hinwil gebaut. Das Strassen-Trassee führt mitten durch Hegnau. Die Strasse existiert heute noch.