Carl Friedrich Buderus (* 4. April 1863 in Bad Hersfeld; † 8. Februar 1940 in Brandenburg an der Havel) war ein deutscher Civil-IngenieurPeter Stettner: Carl Buderus (siehe Weblinks). und sowohl Pionier des Elektrohandwerks in Hannover als auch Filmpionier.Waldemar R. Röhrbein: BUDERUS … (siehe Literatur). Er gilt als der erste hannoversche Kinematographen-Hersteller und „Filme-Macher“.

Leben und Wirken Die frühen Jahre mini|„Blitzableiter-Anlage von Buderus & Co., Elektrotechnische Fabrik, Hannover“, Firmenschild am denkmalgeschützten Kuhstall der Hofanlage Freidingstraße 4 in Hannover-Anderten

Geboren in Bad Hersfeld als Sohn des Gymnasiallehrers sowie späteren Realschuldirektors Carl Heinrich Buderus und dessen Ehefrau Wilhelmine Catharina, geb. Schraub,Landeskirchliches Archiv Kassel, Taufbuch der Kirchengemeinde Hersfeld 1862–1887, Nr. 1836 (online bei Archion, kostenpflichtig). absolvierte „Kalle“ die Realschule in Kassel und studierte anschließend an der damaligen Technischen Hochschule in Hannover. Nachdem 1883 erstmals in Hannover eine öffentliche Stromversorgung in Betrieb genommen worden war,mmc Matthias Müller Company AG (Red.): Firmenhistorie … (siehe Weblinks). gründete Buderus 1887 die Firma Buderus & Co. Kommanditgesellschaft mit Sitz in der Straße Auf dem Emmerberge 30 im heutigen Stadtteil Hannover-Südstadt,Helmut Zimmermann: Auf dem Emmerberge. In: Die Strassennamen der Landeshauptstadt Hannover, Verlag Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1992, ISBN 3-7752-6120-6, S. 29. die er gemeinsam mit seiner Ehefrau Henriette „Henny“, geb. Brand,Stadtarchiv Hannover, Heiratsregister Standesamt Hannover, Nr. 1588/1893 (vgl. Namensverzeichnis zum Heiratsregister 1893; PDF; 35 MB). führte. Dort begann er mit dem Bau von Stromanlagen mit Dynamomaschinen, Akkumulatoren, Installationen mit Glüh- und Bogenlampen sowie Blitzableiter-Anlagen,Vergleiche die Dokumentation bei Commons (siehe unter dem Abschnitt Weblinks). die besonders hoch im Kurs standen.

Buderus Kinematographenwerke mini|Lehrvertrag vom April 1907 für den am 3. Februar 1893 geborenen Azubi Henry Ernst Knolle mini|Unterschrift von Carl Buderus als Geschäftsführer der „Budérus Kinematographenwerke“

Der „Pionier des hannoverschen Elektrohandwerks“ wandte sich aber bald der Kinematographie zu und verkaufte daher im Jahr 1900 seine Elektrofirma an seinen Prokuristen, den Elektrotechniker Albert Basté,Blatt Nr. 3997, Eintrag im Handelsregister am 2. März 1900. um dann eigene kleine Apparate für Filmaufnahmen sowie Filmprojektoren zu bauen.

Ab 1903 firmierte er unter Spezialgeschäft für lebende Photographien: Nach dem System Lumière drehte er eigene kleine Spielfilme und aktuelle Reportagen, die er dann im Mellini-Theater vorführen ließ.

Buderus’ erster längerer Film, der nun erstmals eine Geschichte erzählte, war mit 20 Minuten Länge Der Hauptmann von Köpenick, den er schon 1906 produzierte, noch im Jahr des tatsächlichen Ereignisses (Regie und Hauptdarsteller: Carl Sonnemann).

Carl Buderus verdiente an diesem Film so gut, dass er eine neue Werkstatt mit Atelier anbauen konnte. Sein Unternehmen verfügte darüber hinaus über eine eigene Kopieranstalt und stellte Grammophonplatten her, die er parallel zur Projektion seiner Stummfilme abspielen ließ und zusammen mit seinen Filmen als „Tonbilder“ vertrieb.

Im Folgejahr 1907 drehte Buderus „flimmerfrei“ die Silberhochzeit des Fürstenpaares von Schaumburg-Lippe, die dann gemeinsam mit einer Anzahl anderer kurzer Filme gezeigt wurde.Waldemar R. Röhrbein: Buderus … (siehe Literatur). Im selben Jahr zeichnete er – beispielsweise unter einem Lehrvertrag – als Geschäftsführer der Budérus Kinematographenwerke Gesellschaft mit beschränkter Haftung.

Der Pionier des hannoverschen Elektrohandwerks sowie des „frühen hannoverschen Films“ ging 1908 nach Berlin. Dort gründete Carl Buderus im Mai eine Zweigniederlassung der Buderus Kinematographenwerke in der Friedrichstraße 192/93. Gegenstand des Unternehmens waren laut Handelsregistereintrag „Herstellung und Vertrieb von Kinematographen, Films und Zubehörteilen aller Art sowie die Fabrikation und der Vertrieb von Schallplatten, Automaten und ähnlichen Artikeln“.Handelsregister Berlin HRB Nr. 5949. Seinen Expansionskurs setzte Buderus mit einer weiteren Niederlassung in Frankfurt am Main fort.Eintrag im Frankfurter Handelsregister am 19. Dezember 1908.

Zum 1. Januar 1912 verkaufte Buderus seine Kinematographenwerke an Dr. Adolf Wale und Ernst Schüssler, einen ehemaligen Mitarbeiter der Firma, die den Sitz der Firma nach Berlin verlegten.

Weiterer Lebensweg und Tod Buderus arbeitete weiterhin als Ingenieur und lebte bis zum Tod seiner Ehefrau im Jahr 1938 in Berlin,Landesarchiv Berlin, Sterberegister Standesamt Berlin-Nikolassee, Nr. 21/1938 (online bei Ancestry, kostenpflichtig). anschließend für kurze Zeit bei seiner in Potsdam verheirateten Tochter, der Tennisspielerin Inge Hoffert-Buderus. Im Januar 1939 wurde er in die Landesanstalt Görden eingeliefert, wo er ein Jahr später starb. Als Todesursache wurde eine Bronchopneumonie angegeben.Brandenburgisches Landeshauptarchiv, 55C LA Brandenburg-Görden 1566, Patientenakte Karl Buderus (vgl. Eintrag in der Archivdatenbank).Stadtarchiv Brandenburg an der Havel, Sterbebuch Standesamt Brandenburg (Havel), Nr. 191/1940 (vgl. Namensverzeichnis zum Sterbebuch 1936–1942; PDF; 27 MB).

Carl Buderus war Mitglied des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) und des Berliner Bezirksvereins des VDI.

Werke (unvollständig) 1906: Der Hauptmann von Köpenick (20 Minuten) 1907: Silberhochzeit des Fürstenpaares von Schaumburg-Lippe (siehe Georg (Schaumburg-Lippe) und Marie Anna von Sachsen-Altenburg) 1909: Die Erschießung des spanischen Rebellen Francisco Ferer GuardiaVergleiche die Internet Movie Database (siehe Weblinks).

Ehrungen Seit 1992 ehrt die Buderusstraße in Hannover den Elektro- und Filmpionier.

Literatur 100 Jahre Buderus & Co GmbH 1887–1987, Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum, 1987. Rolf Aurich (Red.) u. a.: Lichtspielträume. Kino in Hannover 1896–1991 Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Theater am Aegi vom 6. Oktober bis zum 24. November 1991, [Hannover]: Gesellschaft für Filmstudien, 1991, S. 11–22. Waldemar R. Röhrbein: BUDERUS, Carl. In: Dirk Böttcher, Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein, Hugo Thielen: Hannoversches Biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2002, ISBN 3-87706-706-9, S. 76; . Waldemar R. Röhrbein: Buderus, Carl. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 92.

Weblinks

mmc Matthias Müller Company AG (Red.): Firmenhistorie / Buderus – damals einer der ersten Pioniere der Stromversorgung für die Stadt Hannover, mit einem Foto von „Kalle“ Carl Buderus auf der Seite der Buderus Services GmbH (Neustadt am Rübenberge), zuletzt abgerufen am 4. September 2013 Peter Stettner: Carl Buderus, hrsg. vom Kulturarchiv an der Hochschule Hannover, zuletzt abgerufen am 4. September 2013

Einzelnachweise

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