mini|hochkant|Kirche von Westen Die Evangelische Kirche in Großen-Buseck, Gemeinde Buseck im Landkreis Gießen in Hessen, ist eine einschiffige romanische Kirche auf unregelmäßig kreuzförmigem Grundriss. Sie wurde um 1200 errichtet und in spätgotischer Zeit umgebaut. Das Dachtragewerk des nördlichen Querhauses stammt aus der Erbauungszeit und ist nach Kloster Schiffenberg (von 1162)Roswitha Kaiser: Neue Erkenntnisse zum Dachtragewerk der Basilika auf dem Schiffenberg bei Gießen. In: Denkmalpflege und Kulturgeschichte. 1/2013, S. 41 f. wahrscheinlich das älteste im Landkreis.Gerschlauer: Die evangelische Kirche von Großen-Buseck. 2010, S. 23. Der gedrungene Westturm hat ein zweistufiges Pyramidendach, der Chor ist als Fünfachtelschluss ausgeführt. Das Gebäude prägt das Ortsbild und ist hessisches Kulturdenkmal.Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.), Lang (Bearb.): Kulturdenkmäler in Hessen. 2010, S. 74.
Geschichte mini|Ostchor mit Strebepfeilern Für das Jahr 1199 ist in Buseck ein Pleban, für 1210 sind zwei Pfarrer nachgewiesen. Urkundlich wird im Jahr 1259 ein „Dominus Sifridus“ erwähnt. Bis zum Jahr 1505 hatte die Familie von Trohe das Patronat inne, danach die Familie Schutzbar genannt Milchling. Die Großen-Busecker Kirche war die Hauptkirche des Busecker Tals.Ilse Reinholz-Hein: Die geschichtliche Entwicklung der Kirche im Busecker Tal. In: Noppes (Hrsg.): Die evangelische Kirche in Großen-Buseck. 2007, S. 91–98, hier: S. 97 f. Sie unterstand dem Patrozinium des heiligen Laurentius und verfügte neben dem Hochaltar über vier weitere Altäre (St. Crucis, Unser Lieben Frauen, St. Johannes und St. Anna).Diehl: Baubuch für die evangelischen Pfarreien. 1931, S. 252. Nachweislich in den Jahren 1303 und 1302 gehörte die Kirche zum Archidiakonat St. Stephan in der Erzdiözese Mainz.Walbe: Die Kunstdenkmäler des Kreises Gießen. 1938, S. 150.
Westturm, Lang- und Querhaus entstanden im 12. Jahrhundert in drei Bauphasen;Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Hessen I. 2008, S. 343. hierauf weisen die unterschiedlichen Mauerstärken hin. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurde die ursprüngliche romanische, halbrunde Apsis durch einen polygonalen Chor ersetzt. Das Oberteil des Turmschaftes und das Turmdach wurden in spätgotischer Zeit gebaut und in das Lang- und Querhaus steinerne Kreuzgratgewölbe eingezogen, die außen durch Strebepfeiler abgestützt wurden.
Im Zuge der Reformation wechselte Großen-Buseck zum evangelischen Glaubensbekenntnis. Der Hochaltar mit 22 Heiligenbildern wurde auf landesweite fürstliche Anordnung im Jahr 1724 abgebrochen und bis 1729 im Turm aufbewahrt; nach 1741 ging er verloren. Möglicherweise wurde das Langhausgewölbe 1731 entfernt, da hierfür ein Arbeitsauftrag vorliegt.Elke Noppes: Rundgang um die Kirche. In: dies. (Hrsg.): Die evangelische Kirche in Großen-Buseck. 2007, S. 7–12, hier: S. 10; Elke Noppes: Baugeschichte(n). In: dies. (Hrsg.): Die evangelische Kirche in Großen-Buseck. 2007, S. 23–26, hier: S. 24. 1735 folgte eine Innenrenovierung. Als das Langhausdach 1763 einstürzte, zog man eine Flachdecke ein, vergrößerte die Fenster und baute Emporen ein.Weyrauch: Die Kirchen des Altkreises Gießen. 1979, S. 71.
mini|Kaiserstiel zum First im Chor (13./14. Jh.) Innenrenovierungen folgten 1781, 1837 und 1891. Im Jahr 1890 wurden ein Teil des Fußbodens unter dem Frauengestühl und das Gewölbe über dem Pfarrstand erneuert. Der alte Pfarrstuhl an der Westwand des südlichen Querhauses, der auch als Sakristei diente, wurde entfernt und durch einen neuen ersetzt, den der Großen-Busecker Schreinermeister Balthasar Althaus schuf.Diehl: Baubuch für die evangelischen Pfarreien. 1931, S. 253. Ebenfalls im 19. Jahrhundert wurde der Turmhelm mit Gauben für die Uhren versehen.
Bei der Innenrenovierung in den Jahren 1969 bis 1973 wurden die hölzerne Sakristei und das Pfarrgestühl, das von außen über eine Freitreppe zugänglich war, samt der Außentreppe abgerissen. Dieser Pfarrfamilienstuhl war eine Empore gegenüber der Sakristei mit besonders ausgestatteten Sitzen für die Pfarrersfrau und wurde zuletzt auch von der Baroness Ernestine von Nordeck zur Rabenau genutzt.Elke Noppes: In der Kirche. In: dies. (Hrsg.): Die evangelische Kirche in Großen-Buseck. 2007, S. 13–16, hier: S. 14. Ebenfalls wurde das im Jahr 1870 angebaute kleine Balghaus an der Ostseite des Chors für das Windwerk der Orgel abgerissen, das durch das elektrische Gebläse überflüssig geworden war. In Chor und Querhaus wurden zahlreiche Fresken freigelegt.Elke Noppes: Wandmalereien. In: dies. (Hrsg.): Die evangelische Kirche in Großen-Buseck. 2007, S. 17–20, hier: S. 17.
Dendrochronologische Untersuchungen des Dachwerks haben älteste Teile in der Kehlbalken-Sparren-Konstruktion des Querhauses und im Turm nachgewiesen (um 1200). Das Chordach datiert aus dem 13./14. Jahrhundert, das Langhausdach aus dem 13. und 18. Jahrhundert und das Dachwerk des Turms aus dem 15. Jahrhundert.Gerschlauer: Die evangelische Kirche von Großen-Buseck. 2010, S. 26.
Die Kirche gehört zum Dekanat Gießener Land in der Propstei Oberhessen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Sie wird an Sonn- und Feiertagen für Gottesdienste und gelegentlich für Konzerte genutzt. Die Kirchengemeinde umfasst 2771 Mitglieder (Stand: 2022). Schwerpunkte der Kirchengemeinde sind die Arbeit mit Kindern und die Ökumene, die in der örtlichen Zusammenarbeit mit der katholischen Kirchengemeinde St. Marien und in regelmäßigen Taizé-Andachten ihren Ausdruck findet., abgerufen am 25. Oktober 2022.
Architektur mini|Grundriss: Westturm, Lang- und Querhaus aus dem 12. Jh. (blau), Chor aus dem 14. Jh. (lila) mini|hochkant|Westportal im romanischen Turm mini|Gotischer Chor Der einschiffige, geostete Kirchenbau mit Westturm ist auf einer kleinen Erhebung errichtet und erhält durch ein schiefwinklig angeschlossenes Querhaus seine kreuzförmige Gestalt.Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.), Lang (Bearb.): Kulturdenkmäler in Hessen. 2010, S. 73.
Der mächtige Kirchturm auf quadratischem Grundriss besteht im unteren, romanischen Teil aus aufgemauerten Quadern aus hellem Tuffstein und grauem Basaltgestein mit Ecklisenen. Ein umlaufendes Gesims in vier Metern Höhe ist mit einem Rundbogenfries verziert.Weyrauch: Die Kirchen des Altkreises Gießen. 1979, S. 70. Das rundbogige, gestufte Westportal führt in eine Vorhalle, die das untere Drittel des Turms einnimmt.Walbe: Die Kunstdenkmäler des Kreises Gießen. 1938, S. 154. Über der Halle mit Kreuzgratgewölbe befindet sich eine Turmkapelle, die wahrscheinlich dem heiligen Michael geweiht war, aber nicht vollständig ausgeführt wurde. An der Ostseite stehen noch zwei Ecksäulen mit grotesken Figuren und Blattwerk auf Kapitellen. Eine 2,40 Meter breite Apsidiole, eine überwölbte Nische an der Ostseite, ist heute zugemauert. Die Kapelle ist über eine mittelalterliche, rundbogige Tür über der Nordempore des Schiffs zugänglich. Die verputzte obere Hälfte des Turmschaftes aus Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung ist fensterlos und stammt aus gotischer Zeit.Walbe: Die Kunstdenkmäler des Kreises Gießen. 1938, S. 156. Das vierseitige, verschieferte Pyramidendach ist zweistufig und wird in der Mitte durch eine schmale Zone mit je zwei kleinen rechteckigen Schalllöchern unterbrochen. Bekrönt wird das Dach von einem Turmknopf, Kreuz und Wetterhahn, der bereits für das Jahr 1611 nachgewiesen ist.Elke Noppes: Rundgang um die Kirche. In: dies. (Hrsg.): Die evangelische Kirche in Großen-Buseck. 2007, S. 7–12, hier: S. 8.
In gleicher Breite wie der Turm schließt sich das Langhaus an, das von großen rundbogigen Fenstern belichtet wird. An der Südwand ist ein Strebepfeiler erhalten, der auf eine mögliche Einwölbung des Langhauses deutet.Elke Noppes: Rundgang um die Kirche. In: dies. (Hrsg.): Die evangelische Kirche in Großen-Buseck. 2007, S. 7–12, hier: S. 10. Je zwei hohe Rundbogenfenster an den Langseiten belichten den Innenraum. Beide Baukörper werden durch einen Rundbogen mit 1,65 Meter tiefen Laibungen miteinander verbunden.Walbe: Die Kunstdenkmäler des Kreises Gießen. 1938, S. 153. Der Bogen ist mit Rundstäben verziert und bis auf die zweiflügelige Durchgangstür sekundär vermauert.Elke Noppes: In der Kirche. In: dies. (Hrsg.): Die evangelische Kirche in Großen-Buseck. 2007, S. 13–16, hier: S. 13.
Ursprünglich war das Querhaus, dessen Mauerwerk aus der Romanik stammt, flachgedeckt; es erhielt jedoch zweimal ein neues Gewölbe. Aus der ersten Einwölbung im 13. Jahrhundert sind die Eckdienste und Basen erhalten. Die zweite Einwölbung steht möglicherweise mit der Errichtung des gotischen Chors in Verbindung. Das unregelmäßige Kreuzrippengewölbe im südlichen Querhaus kann auf eine misslungene Reparaturmaßnahme zurückgeführt werden. Im Norden ist der Schlussstein mit einer Rose belegt, im Süden mit einem bärtigen Christuskopf. Der Schlussstein in der Vierung hat ein Scheitelloch. Die Fenster des Querhauses sind bis auf ein Rosettenfenster spitzbogig; alle haben eine Umrahmung aus buntem Sandstein, der später verputzt wurde. Die Tür in der Ostseite des nördlichen Querschiffs stammt aus dem Jahr 1837. Die gegenüberliegende Tür in der Westwand ist außen vermauert und verputzt; innen ist das spitzbogige, profilierte Gewände zu sehen. Das Fenster in der Nordwand war ursprünglich größer. Das rundbogige Südportal unter dem Rosettenfenster im südlichen Querhaus wurde 1837 als Ersatz für die Eingangstür zur Südempore eingebrochen. Die spitzbogige Nische rechts davon war ursprünglich der Zugang zur Pfarrgestühlempore des Querschiffes.Elke Noppes: Rundgang um die Kirche. In: dies. (Hrsg.): Die evangelische Kirche in Großen-Buseck. 2007, S. 7–12, hier: S. 10 f.
Der 5/8-Chor aus gotischer Zeit ist auf einem unregelmäßigen Grundriss errichtet. Ein großer Spitzbogen vermittelt von der Vierung zum Chor. Das Chorgewölbe des 14. Jahrhunderts weist Birnstabrippen auf und ruht auf Wanddiensten.Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Hessen I. 2008, S. 344. Die drei östlichen Chorfenster weisen aus Sandstein gefertigte Maßwerke auf; im nördlichen Chorfenster ist das Maßwerk ausgebrochen. Das südliche Chorfenster ist aus Lungstein kunstvoll mit doppelter Kehle und Rundstäben gefertigt. Alle Chorfenster haben Spitzbögen.Walbe: Die Kunstdenkmäler des Kreises Gießen. 1938, S. 157.
Ausstattung mini|Blick in die Vierung mini|hochkant|Epitaph für Ritter Georg Schutzbar genannt Milchling († 1584) Das Langhaus wird von einer hölzernen Flachdecke abgeschlossen. Der blaue Anstrich mit Sternen orientiert sich an der ersten Farbfassung. An der Nordwand des Querhauses zeigt ein romanisches Fresko den heiligen Martin, der seinen Mantel teilt. Das Wappen mit drei Beilen gehört der Familie von Elkershausen, das mit den drei Seerosen- oder Kleeblättern der Familie von Trohe. Im Chor sind Reste der mittelalterlichen Bemalung erhalten und acht Apostel und zwei Frauenfiguren (die heilige Barbara und wahrscheinlich die heilige Katharina) zu sehen, die über Weihekreuzen stehen.Elke Noppes: Wandmalereien. In: dies. (Hrsg.): Die evangelische Kirche in Großen-Buseck. 2007, S. 17–20, hier: S. 18, 20.
Die dreiseitig umlaufende, hölzerne Langhaus-Empore wurde im 18. Jahrhundert eingebaut. Sie ruht auf viereckigen Holzpfosten, hat profilierte Füllungen in der Brüstung und wird durch zwei Treppen an der Westwand des Langschiffs erschlossen.