Quellen: DB Netze – Infrastrukturregister
Die Ruhr-Sieg-Strecke ist eine 106 Kilometer lange zweigleisige, elektrifizierte Hauptstrecke von Hagen nach Siegen über Iserlohn-Letmathe, Finnentrop und Kreuztal. Die tunnelreiche Strecke führt überwiegend durch das Tal der Lenne und südlich von Lennestadt-Altenhundem über die Wasserscheide zwischen Ruhr und Sieg.
Geschichte mini|hochkant|links|Karte
1835 wurde der Bau einer Pferdeeisenbahn von Siegen ins Ruhrgebiet von einem eigens für diesen Zweck in Siegen gegründeten Komitee beantragt. Ziel war es, die Kohle aus dem Ruhrgebiet günstiger und schneller zur Verhüttung ins Siegerland transportieren zu können. Die Eisenproduktion im Siegerland war sehr wichtig für Preußen, denn hier fanden mehr als 23 Prozent der gesamten Roheisenproduktion und sogar 85 Prozent der Rohstahleisenproduktion des Staates statt.
Nachdem das Genehmigungsverfahren sich in die Länge zog, wurde 1851 von einem mittlerweile in Hagen gegründeten Hauptkomitee statt einer Pferdebahn eine Dampfeisenbahn beantragt. Streit gab es lange Zeit darüber, wo genau die Strecke herführen sollte. Anfangs wurde eine Strecke von Hagen durch das Volmetal favorisiert, erst später wurde die Linienführung durch das Lenne- und Hundemtal bevorzugt. Eine Interessengruppe aus Olpe wollte unbedingt eine Anbindung Olpes an die Hauptstrecke durch das Biggetal erreichen, die beiden Komitees in Siegen und Hagen entschieden sich für die östlichere Strecke durch das Hundemtal, weil diese die kürzere und somit billigere war. Der höchste Punkt der Eisenbahnlinie liegt in Welschen Ennest mit fast 411 Metern Höhe.
Mit einer staatlichen Zinsgarantie wurde der Bau schließlich 1856 genehmigt. Weil sich vor allem die Hütten entlang der Strecke ein wirtschaftliches Wachstum versprachen, beteiligten sie sich teilweise an der Finanzierung, so etwa das Meggenerwerk und die Würdinghauserhütte mit je 1000 Talern, die Carolinenhütte mit 5000 Talern und schließlich die Gemeinde Kirchhundem mit 2100 Talern. Der erhoffte Aufschwung fand jedoch zunächst nicht statt, da vom Sauerland vor allem Holzkohle ins Siegerland gebracht wurde und man nun auf die günstigere Steinkohle zurückgreifen konnte.
Streckenbau mini|hochkant|links|Ruhr-Sieg-Strecke auf der Bahnkarte Deutschland 1861
Der Bau der Strecke fand von 1858 bis 1861 unter Leitung der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft statt und zog einige Probleme mit sich. Am Bau der Tunnels war der österreichische Ingenieur Franz von Rziha beteiligt, der schon am Bau der Semmeringbahn mitgearbeitet hatte. Da enge Täler durchquert werden mussten, baute das Unternehmen Borsig als Baureihe 675 eine spezielle Lokomotive, die auch für Kurven ausgelegt war. Zunächst war die Strecke eingleisig, wurde aber bereits 1870 auf Zweigleisigkeit ausgebaut.
Der Abschnitt von Hagen bis Letmathe wurde am 21. März 1859 eröffnet, der von Letmathe bis Altena am 17. Juli 1860 und schließlich das letzte Teilstück von Altena bis Siegen am 6. August 1861. Zuvor war am 5. August 1861 die Ruhr-Sieg-Eisenbahn feierlich eingeweiht worden. Ein dabei eingesetzter Festzug entgleiste dabei in Grevenbrück, ohne dass jedoch Verletzte zu beklagen waren.Siegerländer Heimatkalender von 1969, "Meilensteine aus der Siegerländer Vergangenheit" von Adolf Müller, S. 112, Verlag für Heimatliteratur
Bahnhöfe waren an allen größeren Orten entstanden, wobei vor allem die im Tudorstil errichteten Bahnhöfe Plettenberg, Lennestadt-Grevenbrück und Kreuztal gestalterisch als für die Region untypisch auffielen (heute sind sie Baudenkmale). Lokschuppen mit Drehscheiben bestanden seit der Inbetriebnahme in Letmathe (für zwei Lokomotiven), Altena (Westf) (sechs Lokomotiven), Lennestadt-Altenhundem (sechs Lokomotiven), Kreuztal (zwei Lokomotiven) und Siegen (neun Lokomotiven). Das Betriebswerk Finnentrop entstand erst Ende der 1870er Jahre in Verbindung mit den Zweigstrecken nach Olpe und Wennemen. Gemeinsam mit Lennestadt-Altenhundem entwickelte es sich nach und nach zu einem der Betriebsmittelpunkte der Ruhr-Sieg-Strecke. Lennestadt-Altenhundem war vor allem Einsatzort der schweren Güterzuglokomotiven für den Nachschiebebetrieb auf den Rampen zum Brechpunkt in Welschen Ennest. Die Betriebswerke in Letmathe und Kreuztal verloren ihre Bedeutung wegen der Nähe zu den großen Bahnbetriebswerken in Hagen und Siegen. Altena war bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgegeben worden. Im Zuge der Elektrifizierung wurde Lennestadt-Altenhundem aufgegeben und Finnentrop stark reduziert, hier übernachten heute nur noch die auf der Strecke nach Olpe eingesetzten Triebwagen.
Änderungen mini|Lokbespannter Zug der Ruhr-Sieg-Bahn verlässt den Bahnhof Lennestadt-Meggen mini|Hagen Hauptbahnhof
Nach Gründung der Stadt Hüttental Mitte 1966 wurden die Bezeichnungen für die Stationen auf deren Gebiet zum 28. September 1968 (Fahrplanwechsel) angepasst; dasselbe dauerte nach der Eingemeindung in die Stadt Siegen (zum Jahr 1975) wesentlich länger:
Weidenau (Sieg) wurde zu Hüttental-Weidenau und 1983 zu Siegen-Weidenau. Grund für die so baldige Umbenennung war, dass die Schnellzüge nur dort hielten und an Siegen vorbeifuhren.
Weidenau (Sieg) Nord wurde gemäß dem ursprünglichen Namen vor Ort in Hüttental-Haardt geändert, der Haltepunkt dann aber 1979 stillgelegt.
Dem Bahnhof Geisweid blieb das vorangestellte Hüttental- bis zum Umbau seines Zugangs 2009 erhalten und wurde, wie inzwischen in NRW üblich, zu diesem Anlass auf die jetzige Zugehörigkeit, also Siegen-, angepasst. (All dies unterblieb auf der Siegstrecke für die gleichzeitig eigenständige Stadt Eiserfeld, weil der Bahnhof Niederschelden nicht mehr in NRW liegt.)
Die Verbindung von Hagen wurde bis zur Revision des Kursbuchnummern-Systems 1992 infolge der Wiedervereinigung als durchgehende Strecke bis nach Gießen unter der Nummer 360 geführt. In Siegen-Weidenau bestand seinerzeit Anschluss nach Siegen und an die Siegstrecke (KBS 460) nach Köln. Seit Einführung des Integralen Takt-Fahrplans (NRW-Takt) 1998 verkehren alle Züge im Personennahverkehr über Siegen, größtenteils mit gegenseitigem Anschluss. Der Abschnitt von Siegen über Dillenburg und Wetzlar nach Gießen wird heute als Dillstrecke (KBS 445) bezeichnet.
Fernverkehr Noch um 1980 verkehrten durchgehende Schnellzüge von Norddeich Mole über die Ruhr-Sieg-Strecke sowie Frankfurt (Main) und Stuttgart nach München. Auch gab es einen Kurswagenlauf von Norddeich Mole nach Friedrichshafen über die Ruhr-Sieg-Strecke. Sie hielten in Hagen, Letmathe, Altena, Finnentrop, Altenhundem, Kreuztal und Siegen-Weidenau. Da die Bedienung von Hagen Hbf eine zeitraubende Stichfahrt und Wechsel der Fahrtrichtung bedeutete, war Hagen bisweilen mit einem Zugteil angebunden, der in Letmathe zum Hauptzug von Norddeich rangiert wurde. Dieser hatte zuvor die Verbindungskurve aus Hamm befahren.
1985 wurde montags bis freitags eine schnelle Verbindung mit dem Zugpaar D 811/810 angeboten, das Dortmund mit Frankfurt in einer Reisezeit von unter drei Stunden verband, unterwegs nur in Siegen-Weidenau und Wetzlar hielt und aus hochwertigen, sonst nur in Intercity-Zügen eingesetzten, Wagen gebildet war.D 810 undD 811 auf fernbahn.de, abgerufen am 25. Oktober 2023. Dieser Weg war, trotz der geringeren Streckenhöchstgeschwindigkeiten, schneller als über die Linke Rheinstrecke. Da die Nachfrage bei diesem primär für Geschäftsreisende konzipierten Zugpaar unzureichend war, wurde es bald wieder eingestellt.
Hinzu kamen Schnellzüge zu entfernt gelegenen Zielen wie Oberstdorf.D 711 Hagen-Oberstdorf (1977) Abgerufen am 25. Oktober 2023.
Im Jahre 1993 wurde der Schienenpersonenfernverkehr umgestellt auf die (zunächst noch mit Schnellzügen bediente) InterRegio-Linie 22 von Münster nach Frankfurt mit planmäßigen Halten nur noch in Hagen, Werdohl, abwechselnd entweder Finnentrop oder Lennestadt-Altenhundem und alle wieder in Siegen-Weidenau. Wegen geringer Fahrgastzahlen änderte man ab Sommer 1999 den Ausgangspunkt in Düsseldorf, stellte dieses Angebot aber zum Sommerfahrplan 2001 ein; das über die ganze Zeit verbliebene tägliche Zugpaar zwischen Norddeich Mole und Frankfurt entfiel ein Jahr später. Damit war die Strecke ohne Fernverkehr bis zur Einrichtung des Intercity 2 an Stelle von Regionalexpress-Fahrten Ende 2021 (s.u.).
Als reiner Fernverkehr sollte in diesem Rahmen sofort wieder das Zugpaar nach Norddeich angeboten werden, sogar ein Vorlaufbetrieb mit einer bisherigen Intercity-Garnitur über Siegen wurde ab Juli 2021 für die Wochenenden vorgesehen, an denen die Strecke nicht wegen Baustellen gesperrt war, jedoch machte sehr bald das Hochwasser der Lenne all dies unmöglich.
Im endgültigen Plan der IC-Linie 34 war neben dem Zugpaar nach Norddeich ein weiteres beschleunigt und nicht für Nahverkehrstickets freigegeben. Diese beiden fuhren nicht über Dortmund und hielten zwischen Siegen Hbf und Münster nur in Lennestadt-Altenhundem, Iserlohn-Letmathe, Schwerte, Unna und Hamm, wurden aber, wie schon ihre Vorgänger, mangels Rentabilität Ende 2024 aus dem Plan genommen bzw. das Norddeich-Zugpaar wieder über Köln geführt.
Fernverkehr an Stelle von Nahverkehr seit 2021 Am 18. März 2015 gab die Deutsche Bahn (DB) bekannt, dass sie ihr Fernverkehrsangebot um 25 % ausweiten wolle.. Presseinformation vom 18. März 2015. Davon sollten auch die Dillstrecke und die Ruhr-Sieg-Strecke profitieren, und zwar durch eine IC2-Linie im Zweistundentakt von Frankfurt nach Dortmund bzw. Münster. Ursprünglich sollte diese Linie mit der Nummer 34 bereits ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2019 eingerichtet werden. Im Gegensatz zum früheren InterRegio fahren die Züge über die jeweiligen Verbindungskurven an Gießen und Hagen vorbei, dafür über Siegen Hbf, und halten für den Anschluss in Richtung Hagen in Iserlohn-Letmathe.
Im Folgenden machte DB Fernverkehr gegenüber den Aufgabenträgern allerdings deutlich, dass diese Fernverkehrslinie ohne Anpassungen im Nahverkehr nicht umsetzbar sei. Kurz darauf traten DB Fernverkehr und der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) in Verhandlungen über die Einbindung der Intercity-Linie in den Nahverkehrstakt, wie sie unter anderem auch für die Linien 56 (westlich von Bremen) und 87 (Stuttgart–Singen/Konstanz) vereinbart worden war.
Demnach ersetzt die Fernverkehrslinie alle zwei Stunden den Regionalexpress zwischen Iserlohn-Letmathe und Siegen mit fast allen Zwischenhalten. Lediglich Kirchhundem-Welschen Ennest wird ohne Halt vom Intercity durchfahren, so dass dieser Ort alle zwei Stunden einen Zug verliert. Dazu wurde eine Fahrgastbeförderung mit Tarifanerkennung durch den Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe ausgeschrieben und an DB Fernverkehr vergeben.193629-2020 – Wettbewerb. Teilnahmewettbewerb Beförderungsleistungen Letmathe – Dillenburg. Die Tarifanerkennung wurde erst nur für den Abschnitt Letmathe – Dillenburg vergeben. Im Rahmen der Sperrung der Rahmedetalbrücke auf der Bundesautobahn 45 wurde ab September 2022 die Option aus der Vergabe gezogen, die Tarifanerkennung bis Dortmund auszuweiten.https://www.vrr.de/de/presse/a-45-sperrung-nahverkehrsangebote-zur-entzerrung-des-verkehrs/ Die Nahverkehrsfreigabe bei bestimmten Zügen gilt auch für die Schwerbehindertenfreifahrt.Nahverkehrsfreigabe auf der Strecke Dortmund–Dillenburg. In: oepnv-info.de, abgerufen am 14. Dezember 2021.
Am 12. Dezember 2021 ging mit dem Fahrplanwechsel die IC-Linie 34 in Betrieb. Wegen übersehener Unwetterschäden am Stellwerk in Hohenlimburg konnte jedoch das Streckenstück von Siegen bis Dortmund bzw. Münster erst ab dem 20. Dezember 2021 befahren werden.Erster Halt für Intercity im Kreis Olpe. lokalplus.nrw, 20. Dezember 2021, abgerufen am 31. Dezember 2021.IC durch Letmathe – das ist noch Neuland für mich. ikz.de, 21. Dezember 2021, abgerufen am 31. Dezember 2021.