Patsch ist eine Bahnhaltestelle der Brennerbahn Innsbruck–Brennerpass bei Patsch. Die ehemaligen Bahnhofsgebäude, die denkmalgeschützt waren, wurden 2012 abgerissen. Der Haltepunkt liegt so entlegen, dass er als eigene Ortslage Patsch-Bahnhofso im Ortsverzeichnis der Statistik Austria, Band Tirol, S. 65 beziehungsweise Patsch-Haltestelleso in der Österreichischen Karte des BEV, Stand 2013: Detail, AMAP online geführt wird. Seit dem Fahrplanwechsel 2024/2025 halten hier keine Personenzüge mehr, mit 14. Dezember 2025 soll auch formal die Auflassung erfolgen.

Lage

Die Bahnhaltestelle von Patsch befindet sich etwa 9 Kilometer südlich von Innsbruck. Sie liegt auf Höhe über der Sillschlucht südlich unterhalb von Patsch, direkt gegenüber von Schönberg im Stubaital, unweit der Europabrücke der Brennerautobahn.

Die Brennerbahn steigt hier kontinuierlich das Wipptal hinauf und hat seit Innsbruck gut 200 Höhenmeter gewonnen. Die Siedlungen des Raumes liegen aber auf den Talschultern des Wipptals auf dem Niveau des Tiroler Mittelgebirges von um die 1000 Meter, daher läuft die Brennerbahn hier noch weit unterhalb der Orte im Hang der engen Sillschlucht entlang. Die Haltestelle ist nur auf einer steilen, serpentinenreichen Straße erreichbar, noch einmal 100 Höhenmeter unterhalb der letzten Ortslage von Patsch, dem Ort Kehr. Ein Fußweg, der die Verbindung zwischen dem Bahnhof Patsch und Schönberg im Stubaital herstellte, ist seit dem Abbruch der Brücke über die Sill unterbrochen.

Geschichte mini|links|Güterzug mit 1020 007-9 bei Patsch Der Bahnhof wurde schon 1867 bei Errichtung der Brennerbahn (Eröffnung der Strecke Innsbruck–Bozen 21. August 1867) angelegt, und ein Aufnahmsgebäude direkt unterhalb von Kehr gebaut. Auch ein Bahnwärterhaus gab es hier. 1910/11 wurde 300 Meter taleinwärts (südlich) in orographisch günstigerer Lage ein neues Aufnahmsgebäude erstellt. Das alte Gebäude wurde als Personalhaus weiterverwendet, später als Wohnhaus, zuletzt wurde hier zeitweise eine kleine Landwirtschaft betrieben. Wegen der geringen Frequenz wurde Patsch ab 1994 nurmehr als Haltestelle geführt, der Betrieb im Aufnahmsgebäude eingestellt, und talseits ein Wartehäuschen errichtet. Seit einigen Jahren verkehren hier die Schnellbahnkurse S3 der S-Bahn Tirol, die Station wurde zuletzt aber nurmehr täglich ein bis zwei Mal pro Richtung – primär für einige Schüler nach Innsbruck – eingehalten. Mit dem Fahrplanwechsel 2024/2025 (seit 15. Dezember 2024) sind sowohl hier als auch in der Station Unterberg-Stefansbrücke auch diese letzten planmäßigen Halte weggefallen. Ein Jahr später, am 14. Dezember 2025 soll die gänzliche Auflassung der Station erfolgen.

Die beiden Bahnhofsbauten waren 1999 als typische Vertreter der Bahnhofsarchitektur der Monarchiezeit per Bescheid unter Denkmalschutz gestellt worden, das Bahnwärterhaus wurde abgerissen. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) konnten aufgrund der Lage keine Nachnutzer finden, die Häuser waren aber bis in die 2000er durch Leerstand und Vandalismus weitgehend baufällig geworden. Daher stellte man ein Ansuchen beim Bundesdenkmalamt, den Schutzstatus aufzuheben. Unterstützung fand das bei der Gemeinde Patsch, für die Wasserversorgung und Bausicherung der abgelegenen Häuser eine große Belastung war. Das Bundesdenkmalamt stellt die Erhaltung der Baudenkmäler in einem Gutachten als fest, und den Denkmalwert insoferne nicht außerordentlich, weil die , und diese auch für Architekturinteressierte besser erreichbar seien. Im Zuge der Sanierungsarbeiten der BrennerstreckeBrennerbahn-Sanierung hat begonnen, tirol.orf.at, 11. Juni 2012 wurden die beiden Bauten dann August 2012 abgerissen, der Bauschutt per Bahn entsorgt.

Während der Sanierungsarbeiten machte sich in Matrei ein Gleisbauzug einer privaten Baufirma unbemannt selbständig, und entgleiste unweit des ehemaligen Bahnhofs. Die Garnitur stürzte teils in die Sillschlucht, Personen kamen nicht zu Schaden.„Geisterzug“ in die Tiefe gestürzt, tirol.orf.at, 12. August 2012

Bahnhofsgebäude Das alte Aufnahmsgebäude von 1867 war ein zweigeschoßiger Bau mit Mittelrisalit. Der Unterbau war im massiven Steinquader-Mauerwerk ausgeführt, mittig führte ein – zuletzt zugemauertes – Rundbogentor ins Innere. Das Obergeschoß war glatt verputzt. Es war ein Originalentwurf Wilhelm von Flattichs, von dem alle Bahnhöfe der Brennerbahn stammen.

Das jüngere Aufnahmsgebäude war ebenfalls zweigeschoßig, von charakteristischem T-förmigem Grundriss, in der gleisseitigen Aussparung eine einfach dekorierte hölzerne Überdachung mit Doppelständerung.Abbildung: Bahnhof Patsch - vollkommen verlassen, nur ein einsamer Wasserwagen steht auf einem kurzen Abstellgeleise in diesem eigentlich sehr ausgedehnten Bahnhof …, bahnbilder.de, Mitte Jänner 2008. Das Untergeschoß war in Putzbänderung mit Schein-Eckquaderung im (neorenaissancierenden) Ringstraßenstil gestaltet, das Obergeschoß bei unter die Traufe gezogener Eckquaderung in Rauputz schlicht.

Weblinks

Einzelnachweise

Gemeinde Patsch will Bahnhof loswerden – Im Konflikt um den Abriss der alten Bahnhofsgebäude in Patsch schaltet sich auch die Gemeinde ein: Sie will den Klotz am Bein abschütteln. Christoph Mair in Tiroler Tageszeitung, 18. April 2012 (Artikel online). Signal für Bahnhof Patsch steht endgültig auf Abbruch – Nach langem Ringen steht fest: Die alten Bahnhofsgebäude in Patsch werden abgerissen. Der Denkmalschutz wurde überraschend aufgehoben. Christoph Mair in Tiroler Tageszeitung, 30. Juni 2012 (Artikel online). Letzte Station: Abriss – Die Österreichischen Bundesbahnen blieben bei ihrem Wunsch, den stillgelegten Bahnhof dem Erdboden gleichzumachen. In: Der Standard online, 2. Juli 2012. Stillgelegter S-Bahnhof im Süden Innsbrucks, manni, in Sagen.at: Forum, Beitrag 6. Mai 2012 – Bilddokumentation des Erhaltungszustandes der Gebäude.

Patsch Patsch Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Tirol Patsch Kategorie:Patsch (Tirol) Kategorie:Tuxer Alpen Patsch Kategorie:Erbaut 1867 Kategorie:Erbaut in den 1910er Jahren Kategorie:Zerstört in den 2010er Jahren Kategorie:Verkehrsgeschichte (Tirol) Kategorie:Brennerbahn