mini|Die Kirche in Rüdenhausen Die Kirche St. Peter und Paul in Rüdenhausen ist die Pfarrkirche der evangelischen Gemeinde. Sie steht am Kirchplatz inmitten des unterfränkischen Dorfes. Aufgrund der engen Beziehungen zwischen dem Ort und den Grafen von Castell-Rüdenhausen wurde die Kirche von den Dorfherren geprägt. Die 400 Jahre währende Herrschaft der Grafen schlug sich in Gestalt und Ausstattung der Kirche nieder. Die Kirchengemeinde Rüdenhausen gehört zum Dekanat Castell im Kirchenkreis Ansbach-Würzburg der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.

Geschichte Die Geschichte der Kirche in Rüdenhausen ist eng mit dem Geschlecht der Grafen von Castell verbunden. Rüdenhausen wurde 1546, nach der Teilung in zwei Hauptlinien, Stammsitz der Linie Castell-Rüdenhausen. Das Aussterben der Linie im Jahr 1803 brachte Rüdenhausen in den Besitz der Remlinger Linie. Graf Christian Friedrich (1772–1850) erneuerte die Rüdenhauser Linie und führte wieder den Namen Castell-Rüdenhausen.

Die alte Kirche (bis 1708) mini|Der Innenraum der Kirche (2023) Wann Rüdenhausen eine eigene Pfarrei erhielt, ist unklar. Ein Pfarrbuch existiert in dem Ort erst seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Gesichert ist, dass Abtswind ab dem Jahr 1364 Filiale der Kirche in Rüdenhausen war. Erst 1396 wurde dieses Verhältnis gelöst. Rüdenhausen selbst war Filiale der Kirchengemeinde Kleinlangheim, obwohl der Ort immer einen eigenen Pfarrer besaß. Mit der Annahme der Reformation und der Ausformulierung einer eigenen Kirchenordnung löste Rüdenhausen im Jahr 1583 dieses Filialverhältnis.

Vom ursprünglichen Kirchengebäude sind nur wenige Informationen überliefert. Erstmals wurde 1364 eine kleine Holzkirche erwähnt. Später werden in einer Urkunde eine Kirche im gotischen Baustil und ein Giebel genannt. Die Kirche war wohl wie die Vorgängerin den Heiligen Peter und Paul geweiht, stand an derselben Stelle, war aber leicht nach Nordwesten verschoben. Die Adelsfamilie von Gnottstadt, die Rüdenhausen von den Grafen Castell 1463–1533 als Lehen bekam, benutzte diese Kirche als Grablege.

Von der alten Kirche ist ein Sakramentshaus im Chor überliefert. Eine Inschrift über dem Chorbogen lautete: „Anno salutis reparatae 1546 paulo ante obitum Illustris ac generosissimi Domini Wolfgangi Comitis ac Domini in Castell sacrosantum Christi evangelium per reverendum virum, Dominum D. Martinum Lutherum, immenso dei beneficio a foecibus et corruptetis (sic!) papisticis repurgatum in hoc pago ac toto comitatu Castellensi pure ac sincere doceri coepit“. Diese Inschrift bezog sich auf die 1546 eingeführte Reformation.Domarus, Max: Die Kirche in Rüdenhausen. S. 21.

Ottilia, die Tochter des Grafen Georg II., war die Erste aus dem Hause Castell-Rüdenhausen, die im Jahr 1562 in der Kirche bestattet wurde. Im Jahr 1539 erhielt die Kirche eine neue Turmuhr, sie wurde 1695 erneuert. In den Jahren 1569 und 1571 wurde der Turm renoviert. In dieser Zeit wurde auch der Friedhof aus dem Kirchhof auf die sogenannte Pfarrwiese verlegt. Im Jahr 1663 wurde eine neue Orgel mit sechs Registern eingebaut.

Der Neubau (1708 bis 1712) Die folgenden Jahre brachten einen Niedergang des Gotteshauses. Deswegen wurde ein Neubau des Kirchenschiffs geplant. Um die nötigen Gelder zu sammeln, erlaubte Graf Johann Friedrich zu Castell-Rüdenhausen sogenannte Kollektenreisen. Die vier Reisen des Rüdenhauser Tünchers Sebastian Ficht brachten mit circa 915 Gulden ein Viertel des benötigten Geldes. Ein Patent des Grafen hatte den Reisenden unterstützt. Die erste Reise Fichts führte von Franken über Thüringen nach Norddeutschland und nahm das ganze Jahr 1702 in Anspruch. Reisestationen waren Schweinfurt, Eisenach, Goslar, Hamburg, Bremen, Kassel und Fulda. Auf der zweiten Sammelreise wandte sich Ficht nach Süddeutschland. Größere Städte, die er von 1702 bis 1706 besuchte, waren Nürnberg, Stuttgart und Erlangen. 1707 schloss sich die Bodenseereise an, auf der er Wetzlar, Ansbach, Ulm und Lindau besuchte. Die letzte Reise des Kollektors Ficht führte ihn unter anderem auch nach Holland. Dorthin wurde er von Graf Adolph von Rechteren beordert, der mit Gräfin Sophia Juliana verheiratet und damit der Schwager des Casteller Grafen war. In Almelo, der Residenzstadt des holländischen Grafen, entstand im Jahr 1738 eine Kirche mit einer ähnlichen Kuppel wie die in Rüdenhausen. Ficht kehrte im Jahr 1709 von seinen Reisen zurück.Für die Reisen. Vgl.: Domarus, Max: Die Kirche in Rüdenhausen. S. 28–45.

Für den geplanten Neubau war der Baumeister Hans Michael Zäuner verpflichtet worden. Die Zimmerarbeiten sollte Matthias Fiedler aus Österreich übernehmen. Im Jahr 1708, als man mit dem Abriss begann, bemerkten die Handwerker, dass neben dem Kirchenschiff auch die restlichen Teile der Kirche marode waren. Also wurde das Gotteshaus vollständig abgerissen. Am 9. Mai 1708 konnte der Grundstein gelegt werden.

Die erste Beerdigung in der neuen Kirche erfolgte am 21. März 1709. Am 22. September des gleichen Jahres wurde die Kirche den Heiligen Peter und Paul geweiht. Die Baumaterialien und die Handwerker kamen aus der näheren Umgebung von Rüdenhausen. Obwohl der Turm erst im Jahr 1712 fertiggestellt werden konnte, wurden bereits Gottesdienste in der neuen Kirche gefeiert. Am 23. August setzte man den Turmknopf auf. Ein Gewitter drei Wochen später machte eine Neufixierung des Turmknopfs am 17. September 1712 nötig.

Erneuerungen (seit 1712) Während das Gebäude außen nicht weiter verändert wurde, erfolgten innen einige Umbauten. Neuerwerbungen und Renovierungen formten die Kirche im Inneren. Dies betraf vor allem die Orgel von Caspar Nieden. Sie stand in den Jahren 1709–1754 auf der westlichen Empore und enthielt zehn Register. Im Jahr 1754 wurde das barocke Gehäuse zerstört, die Orgel über dem Altar aufgehängt und von Johann Rudolph Voit erneut gestimmt. Im 19. Jahrhundert bekam die Kirche die heutige Orgel.

Obwohl die Veränderungen an der Fassade der Kirche gering waren, musste das Gebäude in den Jahren 1783, 1825, 1833 und 1895 neu gestrichen werden. Im Jahr 1752 wurden die Epitaphien der Grafen repariert, 1765 malte man die Emporen neu aus. In den Jahren 1846 und 1891 erhielt die Kirche einen neugotischen Kronleuchter, der Altaraufbau wurde mit Ölfarbe übermalt.

Im Jahr 1914 vor dem Ersten Weltkrieg wurde diese Restaurierung rückgängig gemacht und die alte Farbe wieder auf die Kirchenstühle aufgetragen. 1956–1958 wurde die Sakristei erneuert und man entdeckte weitere Grablegen unter der Kirche. Eine weitere Erneuerung erfolgte im Jahr 1971. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege ordnet das Kirchengebäude als Baudenkmal unter der Nummer D-6-75-162-7 ein.Geodaten: Denkmalnummer D-6-75-162-7, abgerufen am 3. September 2013.

Architektur mini|hochkant|Die Südseite der Kirche Die Kirche präsentiert sich als Saalbau. Der Chor ragt nach Osten. Der Kirchturm erhebt sich an der Nordseite. Das Kirchengebäude hat ein Satteldach. Der ursprüngliche Zustand des Gebäudes blieb über die Jahrhunderte erhalten.

Anders als bei vielen anderen Sakralbauten befindet sich die Schauseite im Osten. Die Fassade gliedern fünf rundbogige Fenster mit schlichten Rahmen und Ohrungen. Die Nordseite der Kirche hat drei Rundbogenfenster. Der polygonale Chor schließt das Gebäude ab. Die Sakristei wurde nachträglich angebaut.

Der Turm besitzt zwei viereckige Geschosse, von denen das erste auf der Höhe des Chores endet. Ecklisenen und Gurtgesimse sind am Rande der beiden Geschosse angebracht. Ein drittes Geschoss ist achteckigTreutwein, Karl: Von Abtswind bis Zeilitzheim. S. 202.. Die Ecken tragen steinerne Zirbelnüsse. Dem Turm hat eine achtseitige, schiefergedeckte Kuppel. Auf der West- und der Ostseite sind die Wappen der Grafen von Castell angebracht. Die Wetterfahne in Form eines Schwanes wurde vom Schmied Christoph Sommer gestaltet.

Auf der Südseite befindet sich der Haupteingang, über dem ein gesprengter Giebel die einzige Ausschmückung auf dieser Seite des Gebäudes ist. Drei Rundbogenfenster gliedern die Fassade. Einige rechteckige Fenster spenden den Emporen im Inneren Licht. Auf der Westseite befindet sich ein Mittelportal; dort sind ebenfalls mehrere Fenster in den Emporengeschossen angebracht.

Ausstattung mini|hochkant|Altar Die Kirche zeichnet sich vor allem durch die vielen Grabmäler für die Verstorbenen des Hauses Castell-Rüdenhausen im Inneren aus. Mehrere Kirchengeräte sind überliefert. Eine Besonderheit stellt der Taufengel dar.

Altar mini|hochkant|Der Taufengel im Kircheninneren Der von Simon Merzer geschaffene Altar mit den Maßen „26 Schuh in die Höhe und 12 Schuh in die Breite“ steht mittig im Chor. Der Aufbau ist mehrfach gegliedert und hat vier konkav-konvex gewundene Säulen, die mit geschnitzten vergoldeten Bändern verziert sind. Das Altarblatt zeigt Christus als Gekreuzigten. Links neben dem Kreuz kniet die trauernde Maria Magdalena. Unterhalb des Altarauszugs ist ein Ehewappen des Erbauers Johann Friedrich von Castell und seiner dritten Ehefrau, der Gräfin Catharina Hedwig von Rantzau-Breitenburg, zu sehen. Auf dem Auszug stehen links und rechts zwei Vasen. Ein ovales Ölgemälde in der Mitte des Altarauszuges zeigt den auferstandenen Christus vor dem leeren Grab. Am Sockel des Altars befindet sich ein weiteres, kleineres Ölbild mit der Abendmahlsszene. Als Künstler der Bilder kommt der Würzburger Hofmaler Oswald Onghers in Betracht. Zwei Figuren der Kirchenpatrone St. Peter und Paul aus dem Jahr 1650 flankieren den Altar im Mittelteil.Treutwein, Karl: Von Abtswind bis Zeilitzheim. S. 203.

Taufengel Der Taufengel der Rüdenhauser Kirche ist der einzige seiner Art in der Region und einer der wenigen Schwebtaufengel überhaupt. Taufengel existieren auch in Oberfranken, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Er ist fast lebensgroß und trägt ein goldenes Gewand. Goldene Flügel überragen seinen Rücken. In den Lorbeerkranz, den der Engel in Händen hält, kann ein Taufgefäß eingesetzt werden. Bei Taufen kann er an einem Seilzug herabgelassen werden.

Er wurde wohl im Jahr 1778 geschaffen, die Kosten übernahm die Tochter des Baumeisters Hans Michael Zäuner. Im 19. Jahrhundert entfernte man vielerorts die Engel und schaffte stattdessen Taufbecken an. Auch in Rüdenhausen verschwand der Taufengel 1846; bald darauf richtete man ihn wieder auf. Im 20. Jahrhundert wurde der Seilzug elektrisch angeschlossen, sodass der Engel nun vom Kircheninneren heruntergelassen werden kann.Markt Rüdenhausen: Taufengel, abgerufen am 3. September 2013.

Kanzel Die Kanzel befindet sich an der linken Langhauswand. Sie wurde von den Schreinern Franz Hölzer aus Geiselwind und Christoph Wilhelm Holzapfel aus Kleinlangheim geschaffen. Sie besteht aus Holz, die vier Ölfarben-Gemälde auf dem Korpus zeigen Christus als Salvator Mundi und die vier Evangelisten. Auch hier wird Oswald Onghers als Maler vermutet. Der Korpus ist fünfseitig.

Die Fünfseitigkeit wiederholt sich am Schalldeckel. Vier Akanthusranken begrenzen ein Säulenkapitell. Ein Posaunenengel bekrönt die Kanzel. Er entstammt der gleichen Werkstatt wie der Taufengel. Vergoldetes Blattwerk und aufgemalte Ornamente verzieren die gesamte Kanzel.Evang.-Luth. Kirchengemeinde Rüdenhausen (Hrsg.): Die Kirche in Rüdenhausen. S. 2.

Orgel und Emporen mini|Orgelprospekt der Firma Steinmeyer Die Orgel befindet sich oberhalb des Altars hinter einer Empore. Sie wurde im Jahr 1875 von der Orgelwerkstatt Steinmeyer in Oettingen geschaffen. Die damalige mechanische Kegelladentechnik macht sie heute zu einem seltenen Instrument. Sie besitzt elf Register auf einem Manual und Pedal und hat eine „romantische“ Klangfarbe. Eine Restaurierung erfolgte 1988.