Die Honda RC213V ist ein Rennmotorrad, das von der Honda Racing Corporation (HRC) entwickelt wurde und von 2012 bis 2026 in der MotoGP-Klasse, der höchsten Prototypen-Kategorie der FIM-Motorrad-Straßenweltmeisterschaft, eingesetzt wurde. Sie ist nach den Modellen RC211V und RC212V das dritte Motorrad von Honda für die MotoGP und entspricht dem neuen Reglement, welches ab 2012 eingeführt wurde.

Name des Modells RC (Racing Competition) = Hondas Bezeichnung für Rennmotorräder mit Viertaktmotoren 213 = drittes hergestelltes Motorrad im 21. Jahrhundert V = V-Motor

Renngeschichte Ihren ersten offiziellen Einsatz hatte die Maschine am Ende der Saison 2011 auf dem Circuit Ricardo Tormo in Valencia. Beim offiziellen Test nach dem Saisonfinale fanden sich beide Repsol-Honda-Fahrer, Pedrosa und Stoner, an der Spitze der Zeitenliste wieder.

Ihren ersten Renneinsatz bestritt die RC213V beim Großen Preis von Katar, dem ersten Lauf der Motorrad-Weltmeisterschaft 2012. Die Kombination Honda Dani Pedrosa und Casey Stoner gewann in der Saison 2012 zwölf der 18 ausgetragenen Rennen. Damit sicherten sich die beiden Piloten hinter Weltmeister Jorge Lorenzo auf Yamaha den Vizetitel sowie den dritten Platz in der Fahrerweltmeisterschaft. Zusammen mit den übrigen Honda-Werkspiloten Álvaro Bautista, Stefan Bradl sowie dem Ersatzfahrer Jonathan Rea wurde Honda mit 412 Weltmeisterschaftspunkten Konstrukteursweltmeister.

2013 entschied Honda mit der Maschine neun Rennen für sich. MotoGP-Rookie Marc Márquez gewann sechsmal; viermal davon in Folge und sicherte sich am Ende der Saison seinen ersten WM-Titel in der Köngisklasse. Dani Pedrosa errang drei weitere Siege. Zusammen mit den übrigen Honda-Stammpiloten Stefan Bradl und Álvaro Bautista gewann Honda vor Yamaha auch die Konstrukteursweltmeisterschaft 2013.

Die Saison 2014 begann für Honda überaus erfolgreich. Márquez stellte mit zehn Siegen in den ersten zehn Rennen auf der RC213V einen neuen Rekord auf. Insgesamt gewann er 13 von 19 ausgetragenen Rennen. Teamkollege Pedrosa tat sich schwerer und konnte nur ein Rennen gewinnen. Márquez führte über die gesamte Saison die WM an und sicherte sich nach dem Vorjahr seine zweite Weltmeisterschaft. Zusätzlich gewann man die Team- und Konstrukteursweltmeisterschaft.

Die nächste Saison 2025 begann erheblich schwieriger. Die weiterentwickelte RC213V erwies sich als Fehlkonstruktion. Marc Márquez griff ab Assen wieder zum Chassis von 2014 und gewann anschließend noch vier Rennen. Pedrosa steuerte zwei weitere Siege bei, auch erst gegen Ende der Saison. Honda musste sich Erzrivale Yamaha geschlagen geben.

2016 war für Hersteller herausfordernd, da mit Michelin ein neuer Reifenlieferant von Bridgestone übernahm. Honda schaffte die Anpassung, Márquez sicherte sich mit fünf Siegen und sechs weiteren Podestplätzen beim Heimrennen von Honda in Japan seine dritte WM in der MotoGP. Teamkollege Pedrosa hatte Verletzungspech, musste drei Rennen pausieren. Dadurch verlor Repsol Honda die Team-WM an das Yamaha-Werksteam. Der Konstrukteurstitel ging jedoch auch an Honda. Dazu beigetragen hatte auch LCR-Kundenpilot Cal Crutchlow, der seine ersten beiden Siege sowohl für sich als auch für sein Team LCR in der MotoGP einfahren konnte.

Zur Saison 2017 kam neben Dauerrivale Yamaha, Ducati als wiederauferstandener Herausforderer hinzu. Während anfangs Yamaha in Form von Neuzugang Maverick Viñales Hauptkonkurrent war, kristallisierte sich zunehmend Andrea Dovizioso auf Ducati als ernsthafter Kontrahent um den WM-Titel heraus. Am Ende der Saison sicherte sich Márquez auf der Honda RC213V seinen vierten WM-Titel vor Dovizioso auf Ducati.

In der Saison 2018 verschoben sich die Kräfteverhältnisse wieder mehr Richtung Honda, aber vor allem Richtung Marc Márquez. Wieder in Japan sicherte sich Márquez den nächsten WM-Titel, nachdem Hauptrivale Dovizioso durch einen Sturz ohne Punkte blieb. Márquez holte neun Siege, einen weiteren holte Kundenpilot Cal Crutchlow bei LCR. Márquez´ Teamkollege Pedrosa blieb erstmalig in seiner MotoGP-Karriere ohne Saisonsieg. Im Sommer hatte Pedrosa seinen Rücktritt als Stammfahrer verkündet, nach 13 Saisons für Repsol Honda.

Für 2019 wurde als Nachfolger für Pedrosa Jorge Lorenzo von Ducati verpflichtet. Marc Márquez zeigte eine dominante Saison, gewann 12 der ausgetragenen 19 Rennen, erreichte nur in einem Rennen nicht die Podestränge und stellte mit 420 Punkten einen neuen absoluten Punkterekord auf. Zusätzlich sicherte sich Honda die Team-WM im letzten Rennen und gewann mit der Konstrukteurs-WM erneut alle drei WM-Titel zum bereits dritten Mal in Folge. Neuzugang Lorenzo kam mit der RC213V überhaupt nicht zurecht, erlebte eine katastrophale Saison und trat nach der Saison als Stammfahrer zurück.

Die Saison 2020 begann verzögert durch die Covid-19-Pandemie erst im Juli. Prägend für die Saison war der schwere Sturz und die danach folgende schwere Verletzungszeit von Honda-Topfahrer Marc Márquez im ersten Rennen in Jerez. Márquez versuchte ein Comeback direkt beim Rennen danach, musste dort einsehen, dass sein Körper noch nicht so weit war und zog sich vom GP zurück. Für den Rest der Saison wurde Ersatzfahrer Stefan Bradl eingesetzt. Durch Márquez Abwesenheit zeigte sich deutlich, dass die RC213V bei weitem nicht mehr die beste Maschine im Feld war. Insbesondere Ducati hatte in der Zwischenzeit technisch enorm aufgeholt und holte 2020 erstmals seit 2007 den Weltmeistertitel der Konstrukteure, während Honda auf Platz fünf zurückfiel.

Zur Saison 2021 wurde Pol Espargaró von KTM verpflichtet. Die RC213V konnte nahezu ausschließlich von Márquez konkurrenzfähig bewegt werden. Während Márquez drei Siege holte, schaffte es Espargaró nur einmal in der Saison auf das Podest. Man schlug knapp KTM in der Konstrukteurswertung, erreichte aber trotzdem nur den vierten Platz.

Das Jahr 2022 verlief wesentlich schlechter als die ohnehin schlechte verlaufenden Vorjahre. Aushängeschild Márquez entschied sich zur Saisonmitte für eine erneute Operation an der rechten Schulter, fiel damit sechs Rennen aus. Trotzdem wurde er im Gesamtklassement bester Hondafahrer. Keinem Fahrer gelang ein Sieg. Man belegte sogar den letzten Platz in der Konstrukteurswertung. Bezeichnend waren die vielen Stürze aller Hondafahrer (Marc & Álex Márquez, Pol Espargaró).https://www.motorsport-total.com/motogp/news/honda-bleibt-2022-ohne-motogp-sieg-marc-marquez-stuerzt-beim-saisonfinale-22110704 Als Hauptursache wurden die mangelnde Bremsleistung und die unzureichende Motorleistung ausgemacht.

Zur Saison 2023 wurden Joan Mir und Alex Rins, beide von Suzuki kommend, verpflichtet. Sie ersetzen die abgewanderten Álex Márquez und Pol Espargaró. Vor Saisonbeginn war bereits ersichtlich geworden, dass Honda erneut keine RC213V entwickelt hatte, die vor allem gegenüber Ducati konkurrenzfähig sein würde. Hauptproblem war die mangelhafte Traktion am Hinterrad, obwohl Motorleistung und Bremsperformance einen Schritt nach vorn gemacht hatten. Die Dringlichkeit der Situation veranlasste sogar Honda dazu, hochrangige japanische Manager von Honda und HRC zu den Rennen nach Europa zu schicken, um sich persönlich und auch auf Druck von Márquez hin ein Bild von der Lage vor Ort machen zu können.https://www.motorsport-total.com/motogp/news/analyse-warum-die-honda-fuer-2023-nicht-so-schlecht-ist-wie-es-scheint-22112701

Für 2024 musste Honda den Abgang ihres Topfahrers Marc Márquez verkraften. Als Ersatz verpflichtete man Luca Marini von VR46-Ducati. Für das Kundenteam LCR konnte Johann Zarco von Pramac-Ducati gewonnen werden. Das Jahr verlief sportlich katastrophal, der Rückstand auf die anderen Werke war in den Jahren zuvor dramatisch angestiegen.⁣ https://www.motorsport-magazin.com/motogp/news-289225-schlechter-denn-je-so-dramatisch-ist-hondas-motogp-krise-2024-wirklich/ Man hatte deutlich das technische Wettrüsten mit die europäischen Hersteller (Ducati, Aprilia und KTM) verloren. ⁣Durch die immer noch schwer zu fahrende Maschine waren Stürze vorprogrammiert. Alle Fahrer fanden sich auf den hinteren Plätzen im Gesamtklassement. Insbesondere im Qualifying landeten die Piloten regelmäßig geschlossen auf den hintersten Plätzen. Als kleines Erfolgserlebnis zu werten war der erste direkte Einzug von Zarco in den zweiten Qualifying-Abschnitt (Q2) beim Großen Preis von Aragonien, der zwölften Saisonstation.https://www.motorsport-magazin.com/motogp/news-290258-motogp-honda-motor-aragon-gp-johann-zarco/ In der Teamwertung belegten beide Teams die letzten beiden Plätze, wobei das Kundenteam LCR noch vor dem Werksteam Repsol Honda landete. Bester Pilot auf einer Honda war Neuzugang Zarco auf Platz 17. Werkspilot Mir beendete zehn von 20 Rennen nicht.

2025 starteten erneut vier Fahrer auf einer RC213V. Einziger Neuzugang war Somkiat Chantra bei LCR Honda. Die Saison verlief insgesamt besser als die vergangene. Viel umjubelt und für ihn persönlich ein Höhepunkt seiner Karriere war der Heimsieg beim GP von Frankreich von Johann Zarco. Der Franzose nutzte die regnerischen Bedingungen ideal aus und holte sich den zweiten Grand-Prix-Sieg seiner Karriere. Leichte Verbesserungen der Maschine, wie ein stärkeres Triebwerk, ermöglichten bessere Startplätze und resultierend daraus bessere Platzierungen in den Rennen.https://www.speedweek.com/a/motogp/topspeed-entwicklung-honda-jetzt-vor-ducati-ktm Luca Marini entwickelte sich als stabiler Punktefahrer, während Mir öfter stürzte, dafür allerdings die Honda mehr an ihre technischen Grenzen brachte. Insbesondere der dritte Platz von Joan Mir beim Heimrennen von Honda in Japan, hatte für Honda eine besondere Bedeutung.https://www.motorsport-magazin.com/motogp/news-295623-joan-mir-antwortet-hatern-mit-motogp-podium-bin-kein-versager/ Für Honda war es der erste Podestplatz seit zwei Jahren, für Mir der erste seit 2021. Zu den europäischen Werken war der technische Abstand nach wie vor sehr groß, man schlug aber immerhin Erzrivale Yamaha in der Konstrukteurs-WM und holte deutlich mehr Punkte als in den Jahren zuvor. Die gesammelten Punkte führten außerdem dazu, dass Honda im Concessionsystem von letzten Rang D in den Rang C aufstieg, für Honda als Erfolg zu werten.https://www.motorsport-total.com/motogp/news/motogp-2026-honda-praesentiert-das-design-fuer-joan-mir-und-luca-marini-26020202

2026 ist das letzte Jahr der RC213V. Aufgrund des neuen Reglements wurde die Maschine nur noch in Details überarbeitet.https://www.speedweek.com/a/motogp/honda-rc213v-2026-laut-hrc-teammanager-alberto-puig-ein-grosser-schritt Phasenweise kann die Honda mit den europäischen Herstellern mithalten, auf anderen Strecken ist sie diesen dann doch weit unterlegen. Mit Luca Marini stellt man den bestplatzierten Fahrer ohne Podestplatz.

Technik Technische Spezifikationen 2012er-Modell Die RC213V war für die Saison 2012 entwickelt worden. Die größten Unterschiede zu ihrer Vorgängerin, der RC212V, waren der erhöhte Hubraum von 800 auf 1000 cm³ und der geänderte Zylinderbankwinkel von 75,5° auf 90°. So stellten die Ingenieure von Honda sicher, dass trotz des größeren Motors der Schwerpunkt der Maschine nicht nach oben wanderte.

Technische Spezifikationen 2013er-Modell Im Vergleich zum 2012er-Motorrad wurde die Steifigkeit des Chassis weiter erhöht. Das Twin-Spar-Aluminium-Fahrgestell kann nun mehr als 170 kW an den Hinterreifen übertragen. Die Verkleidung des Motorrades besteht aus CFK. Der wassergekühlte V-Motor mit vier Zylindern hat einen Hubraum von 1.000 cm³. Die Laufleistung wird mit 2.000 km angegeben. Der Tank fasst reglementsbedingt 21 Liter.