Hermannsburg (plattdeutsch Harmsborg) liegt im Nordosten des Landes Niedersachsen in der Lüneburger Heide am Westrand des Naturparks Südheide, es ist eine Ortschaft der Gemeinde Südheide im Landkreis Celle.
Geografie mini|Örtzepark, Peter-Paul- und Große Kreuz-Kirche Hermannsburg ist ein Grundzentrum, das nächste Mittelzentrum, die Kreisstadt Celle, ist 29 km entfernt. Hermannsburg liegt 78 km nordöstlich der Landeshauptstadt Hannover und südlich vom etwa 100 km entfernten Hamburg. Die beiden Hauptorte der Gemeinde Südheide, Hermannsburg und Unterlüß, weisen zueinander eine Distanz von 16,5 km auf (Verbindungsstraße K17).
Hermannsburg liegt auf dem Lüß, dort auf dem tieferen Gebiet des Urstromtals der Örtze, am Rand des nach Lutterloh und dann Unterlüß hin ansteigenden Gebiets des Lüßplateaus mit dem Gebiet des Lüßwaldes und dessen angrenzenden Heide- (vgl. Heiden und Magerrasen in der Südheide) und auch Waldflächen, welche bis nach Hermannsburg reichen (Gebiet Sägenförth, Alte Celler Heerstraße, Am Hasenberg, Peter-Schütze-Weg etc.,Google Maps).
Die Örtze durchfließt den Hermannsburger Ortskern in Nord-Süd-Richtung, während der aus Richtung Lutterloh heranfließende Weesener BachNSG Weesener Bach (in Hermannsburg Lutterbach genannt), den Ort in Ost-West-Richtung durchfließt und in der Nähe des Lutterhofes in die Örtze mündet.
Hermannsburg grenzt im Norden an die Gemeinde Wietzendorf, die zum Heidekreis gehört. Im Westen und Süden liegt das Gebiet der Stadt Bergen, im Osten außerdem weitere Ortsteile der Gemeinde Südheide und die Gebiete der Gemeinden Faßberg und Eschede, welche alle dem Landkreis Celle angehören.
Geschichte mini|hochkant|Historische Karte des Ortes von 1825 mini|hochkant=0.6|Hermannsburg und Umgebung im 18. Jahrhundert Hermannsburg wurde als Heremannesburc erstmals schriftlich 1059 durch Kaiser Heinrich IV. in einer Urkunde erwähnt. Bei Umbauarbeiten an der St.-Peter-Paul-Kirche 1957 wurde ein bronzenes Kruzifix gefunden, das aus dem 10. Jahrhundert stammt.
Weitere ältere Bezeichnungen: 1162 Herminnesburch, 1440 Hermensborg; Hermansburg (1791). Der Ort wurde nach dem damaligen Sachsenherzog Hermann Billung benannt.Jürgen Udolph: http://www.ndr.de/ndr1niedersachsen/programm/ortsnamenforscher115.html.Aussage des Namensforschers: „Anders als bei den meisten mit Personennamen gebildeten Ortsnamen ist der Namengeber recht sicher bestimmbar. Es wird sich um Hermann Billung handeln.“
Es gibt Hinweise, dass der Mindener Mönch Landolf im 9. Jahrhundert im Örtzetal missionierte.Ludwig Harms erzählt 1865 („Goldene Äpfel in Silbernen Schalen“ Seite 9, ISBN 3-87546-017-0): „Einer von diesen Mönchen, der aus Ostfalen herstammte, wie unsere Chronik erzählt, und von Liudger zum Christenthum bekehrt worden war, hieß Landolf.“ Vgl. auch Schmidt, William, Landolf: der Krieger mit dem blutigen Kreuz – Erzählung aus der Zeit Kaiser Ottos des Großen (936–937), Hermannsburg 1910. An der Stelle, an der sich heute die St.-Peter-Paul-Kirche befindet, wird in der Zeit zwischen 800 und 900 n. Chr. von der von Minden ausgehenden christlichen Mission auf einer Flottsandinsel nahe dem Thingplatz des Muthwidde-Gaues eine Taufkirche errichtet worden sein. Deren Fundamente wurden ebenfalls 1957 aufgefunden. mini|Der Lutterhof, mit Treppenspeichern und alten Eichen
In der Nachbarschaft gab es damals bereits acht alte Einzelhöfe; vier von ihnen lagen westlich und vier östlich der Örtze. Der LutterhofBehr: Der Lutterhof bei Hermannsburg. und Misselhorn, beide östlich der Örtze, bestehen heute noch. Der alte Rißmann's Hof, ab 1756 nach dem neuen Besitzer Johann Hinrich Behrens (1730–1808) der Behrenssche Hof genannt, lag ebenfalls östlich der Örtze. Er wurde von dessen letztem Eigentümer Heinrich Wilhelm Behrens am 30. Januar 1854 der Hermannsburger Mission geschenkt. Behrens wurde zum Missionar ausgebildet und 1857 mit seiner Familie nach Südafrika ausgesandt. Der dann „Missionshof“ genannte Bauernhof wurde mit Kaufvertrag vom 15. Juni 1967 von der Missionsanstalt Hermannsburg an die politische Gemeinde Hermannsburg verkauft. Er wurde abgerissen, um hier die Hauptschule zu errichten. Etwa 3 km nordwestlich des Ortes befindet sich der Hof Backeberg, erbaut im 18. und 19. Jahrhundert. Die Hofanlage war hier bereits im 14. Jahrhundert vorhanden. Neben den erwähnten acht alten Einzelhöfen gab es in Oldendorf, Beckedorf, Schlüpke und Weesen verschiedene so genannte Sattelhöfe, die für die Burg die Mannschaften stellen mussten.
Etwa zu der gleichen Zeit lag wahrscheinlich im Bereich des heutigen Friedhofes eine Burg; der Flurname Quänenburg deutet darauf hin. Die Burg sollte den Übergang über die Örtze vor den heidnischen Wenden schützen. Es sind keine schriftlichen Quellen zur Burg bekannt. Vermutlich handelte es sich nicht um eine steinerne Anlage, sondern eher eine Wallanlage mit Palisaden, die nur einige Jahrzehnte Bestand hatte.
Die Gründung des Ortes im 10. Jahrhundert bestand darin, dass zwischen der Kirche und der Burg schätzungsweise zehn Kötnereien sowie mehrere Kleinbauern und Handwerker angesiedelt wurden. Damit erfolgte gleichzeitig die Bildung einer politischen und einer kirchlichen Gemeinde. Dies alles zusammen wurde zu dem Ort Hermannsburg.
Das Fürstengeschlecht der Billunger herrschte über die Region bis zu seinem Aussterben im Jahr 1106. Anschließend regierten die Welfen bis 1866 das Land, mit kurzen Unterbrechungen durch französische Besetzungen während des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) und der Zeit des Königreichs Westphalen (1807–1813). Ab 1866 gehörte Hermannsburg zur preußischen Provinz Hannover. Im Zuge der preußischen Kreisreform wurde der Ort dem Kreis Celle zugeordnet.
Am 14. April 1667 brach in Hermannsburg ein großes Feuer aus. 28 Häuser wurden dabei zerstört, darunter auch die Schule und das Küsterhaus.
Am 9. Mai 1802 erlebte Hermannsburg erneut eine Brandkatastrophe. Laut Hannoverischen Anzeigen vom 31. Mai 1802 brannten nieder: das Amtshaus mit Nebengebäuden, 13 Wohnhäuser und 21 Nebengebäude. Durch die „außerordentlichen Heftigkeit“ des Feuers verarmten viele; die meisten retteten nur wenig oder gar nichts.Vgl. Matthias Blazek: 100 Jahre organisiertes Feuerlöschwesen in Baven 1907–2007. Hermannsburg 2007, ISBN 978-3-00-019848-9, S. 9 ff.; Hans-Heinrich Siegmann: Größere Brände innerhalb des Kirchspiels Hermannsburg. In: Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Hermannsburg. (Festschrift zum 100-jährigen Bestehen 1993), S. 76.
1973 beging Hermannsburg, aus Anlass der tausendjährigen Wiederkehr des Todestages von Hermann Billung (27. März 973), seine Tausendjahrfeier.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen wurde 1973 die Einheitsgemeinde Hermannsburg gebildet. Am 1. Januar 1973 wurden folgende Ortschaften eingemeindet und verloren ihre Selbstständigkeit: Baven, die zweitgrößte Ortschaft, sie liegt im Norden der Gemeinde und schließt sich unmittelbar an den Ortskern an, Oldendorf, liegt im Süden, 3 km vom Kerngebiet der Gemeinde entfernt, Beckedorf, liegt im Südwesten, 2 km entfernt, Bonstorf, mit den zugehörigen Ortsteilen Barmbostel und Hetendorf liegt im Nordwesten, 4 km entfernt, Weesen (mit damals mehr als 400 Einwohnern) liegt im Osten der Gemeinde und ist 2 km entfernt, und Gebietsteile der Gemeinden Müden (Örtze) mit damals etwa 50 Einwohnern. Der alte Ort Hermannsburg selbst, er umfasste mehr als die Hälfte der gesamten Einwohner.
Seit dem 1. Januar 2015 bildet Hermannsburg zusammen mit dem benachbarten Unterlüß die neue Gemeinde Südheide im Landkreis Celle.Gesetz über die Neubildung der Gemeinde Südheide, Landkreis Celle, vom 15. Mai 2014. In: Niedersächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt 5321 vom 28. Mai 2014, Niedersächsische Staatskanzlei, Hannover 2014, S. 142. Die oben genannten Ortschaften Baven, Beckedorf, Bonstorf, Oldendorf und Weesen, die 1973 in die Einheitsgemeinde Hermannsburg eingemeindet wurden, gehören jetzt zur Gemeinde Südheide.
Politik Ortsrat Der Ortsrat der Ortschaft Hermannsburg besteht aus sieben Ortsratsmitgliedern. Bei der Kommunalwahl 2021 ergab sich folgende Sitzverteilung:Ortsrat der Gemeinde Hermannsburg
Ortsbürgermeister Ortsbürgermeister ist Hans-Hermann Brase (parteilos).
Letzter Bürgermeister bis zur Eingliederung in die Gemeinde Südheide war Axel Flader. Er wurde anschließend zum Bürgermeister der neu gebildeten Gemeinde gewählt. Seit dem 12. September 2021 ist Flader hauptamtlicher Landrat des Landkreises Celle.
Wappen Blasonierung „Das Wappen der Gemeinde Hermannsburg zeigt auf goldenem Rundschild eine blaue dreizipfelige Fahne mit schwarzer Querstange und mit schwarzem Kirchenkreuz auf der Weltkugel.“
Die dreiteilige „Kirchenfahne“ ist als Symbol der heiligen Dreifaltigkeit anzusehen. Die Weltkugel mit dem Kirchenkreuz soll die Bedeutung des Ortes als Zentrum einer weltweiten Mission veranschaulichen.
Gemeindepartnerschaften 25px Seit 1976 unterhalten das Hermannsburger Christian-Gymnasium sowie die Christian-Realschule ein jährliches Schüleraustausch-Programm mit der französischen Gemeinde Auterive, welches 1979 zu einer offiziellen Partnerschaft zwischen Hermannsburg und Auterive führte.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Hermannsburg gehört zum niederdeutschen Sprachraum und zur nordniedersächsisch-plattdeutschen Dialektgruppe. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges hat sich allerdings die hochdeutsche Sprache weitgehend durchgesetzt und das Niederdeutsche verdrängt. Lediglich unter den älteren Einwohnern spielt Plattdeutsch als Umgangssprache noch eine größere Rolle. Seit den 1990er Jahren wird Plattdeutsch jedoch auch in den Schulen wieder vermehrt unterrichtet.
mini|Außenbereich Heimatmuseum mini|links|Wieder aufgebautes Häuslingshaus aus Baven Das Heimatmuseum Hermannsburg wird seit dem Jahr 2000 vom Förderkreis Heimatmuseum des Heimatbundes Hermannsburg e. V. betreut, der sich aufgrund der drohenden Schließung des Museums gründete. Das Heimatmuseum hat eine jährlich wechselnde Ausstellung. Auf dem Museumsaußengelände wurden mehrere historische Objekte wieder aufgebaut: ein Bienenzaun, ein historischer Lehmbackofen (aus Diesten), ein Doppelspeicher aus dem 17. bzw. 18. Jahrhundert (aus Beckedorf), eine Begegnungsstätte mit gepflastertem Dorfplatz und ein Speicher aus dem 17. Jahrhundert (aus Scheuen). Ein ehemaliges Häuslingshaus aus der Ortschaft Baven wurde dort abgebaut und auf dem Museumsgelände neu erstellt (als „Häuslinge“ wurden Landarbeiter bezeichnet, die auf dem Bauernhof ihren Dienst taten und dafür gegen geringe Miete, oder zum Teil auch mietfrei, in dem Haus wohnen durften). Gegenüber dem Heimatmuseum liegt das Ludwig-Harms-Haus, ein Begegnungszentrum mit Ausstellung, Café, Buchhandlung und Eine-Welt-Laden. Neben der Dauerausstellung „Candace – Mission possible“, die einen Einblick in die aktuelle Arbeit des Ev.-luth. Missionswerks in Niedersachsen und einen Rückblick auf das Missionsschiff Candace gibt, werden dort regelmäßig wechselnde Ausstellungen zu künstlerischen und kulturellen Themen gezeigt.
Touristischer Anziehungspunkt sind die weitläufigen Heideflächen des Naturparks Südheide mit dem Naturschutzgebiet Heideflächen mittleres Lüßplateau (Tiefental)NSG Heideflächen mittleres Lüßplateau. Örtze mit ihrem Ursprungtal mit Paddel-Touren
Denkmale mini|hochkant= 0.6|Hof Schlüpke 1
mini|hochkant= 0.6|Völker-Villa von Otto Haesler Jungsteinzeitliches Grabhügelfeld als Rekonstruktion Ev.-luth. St.-Peter-Paul-Kirche Hermannsburg von 1959 und 1450 Ev.-luth. Große Kreuzkirche von 1879 Pfarrhaus Junkernstraße 23 von um 1880 Ev.-luth. Kleine Kreuzkirche von 1886 Ludwig-Harms-Haus, ehemals Altes Missionshaus Missionsseminargebäude Hermannsburg (Neues Missionshaus) von 1862, heute Teil der Fachhochschule für Interkulturelle Theologie Wohnhaus Georg-Haccius-Straße 9 von um 1880; heute Geschäftsstelle für das Evangelisch-lutherisches Missionswerk in Niedersachsen