Die Horneburger Straße, in der Westhälfte im heutigen Recklinghäuser Ostviertel seit vermutlich 1926 Dortmunder Straße, ist eine 8 km lange in der Hauptsache ostnordöstlich gerichtete alte Handelsstraße zwischen der Stadt Recklinghausen und der Freiheit Horneburg und ist heute Westteil des Hauptverbindungsweges zur Stadt Datteln im Kreis Recklinghausen, Nordrhein-Westfalen. Sie wird heute als L 511 klassifiziert.
Die Straße führt unmittelbar über den Vestischen Höhenrücken und war früher Teilstück des Handelswegs zur Hansestadt Dortmund. Erst mit der Trockenlegung des Emschertals/Emscherbruches in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die einen direkteren Weg nach Dortmund möglich machte, hatte sie diese Bedeutung verloren. Von Horneburg aus wird sie indes noch heute durch die (Dattelner) Dortmunder Straße nach Südosten verlängert.
Der Westteil als Dortmunder Straße ist 3,8 Kilometer lang, 3,4 Kilometer des weiteren Verlaufes gehen durch den Südosten Oer-Erkenschwicks (1,4 Kilometer Groß-Erkenschwick und 2 Kilometer Rapen); nur ihre letzten 800 Meter in Horneburg liegen im Gebiet der Stadt Datteln.
Bedeutung als Landesstraße Der Hauptabschnitt der Dortmunder und Horneburger Straße bildet heute den Westabschnitt der Landesstraße 610 Recklinghausen–Datteln (weiter zunächst als Verbandsstraße), der in Datteln an der Bundesstraße 235 endet. Der Ostabschnitt bei Horneburg stellt wiederum den Nordwestabschnitt der zunächst wieder als Dortmunder Straße fortgesetzten Landesstraße 511 über das Schiffshebewerk Henrichenburg, Waltrop und den Lüner Stadtteil Brambauer bis zur B 54 im Dortmunder Stadtteil Brechten dar. Allerdings verläuft innerhalb Horneburgs die Landesstraße nicht mehr direkt durch den Ort, sondern über den Landwehrring.
Nordwestlich des Kreuzungspunktes der beiden Landesstraßen heißt die Verlängerung der L 511 (zunächst: Ludwigstraße) Landesstraße 798 und führt nach Marl, wo sie an der B 225 endet.
Geographisches Profil Auf den westlichsten 400 Metern vor der Stadt Recklinghausen und den östlichsten 1,6 Kilometern vor und in Horneburg verläuft die Straße in südöstliche Richtung. Innerhalb ihrer zentralen sechs Kilometer nimmt die Straße jedoch nur einige wenige leichte Richtungswechsel zwischen Nordost und Ostnordost an. Auf ihren westlichen 1,9 Kilometern steigt die Straße beständig einigermaßen steil (1,5 bis 3 % Steigung) von auf etwa an, auf den folgenden 4,5 Kilometern fällt sie mit auffällig konstant um 1 % Gefälle bis auf eine Höhe von . Der östlichste Abschnitt ist wiederum im Höhenverlauf inhomogen, im Schnitt steigt die Straße wieder um knapp 1 % auf eine Höhe von etwa .
Verlauf Die Dortmunder Straße beginnt auf etwa am Recklinghäuser Kunibertitor, an der Unterführung der Eisenbahnlinie Münster–Wanne-Eickel, in nächster Nähe zu Bahnhofshotel jenseits der Bahngleise und der Villa Franka nebst dem Kino Capitol unmittelbar nordwestlich der ehemaligen Brauerei. Sie folgt zunächst 250 Meter dem südöstlichen Verlauf der Castroper Straße und dann 150 Meter dem ostsüdöstlichen Verlauf der Douaistraße bzw. diese Straßen führen die Richtung der untersten Abschnitte der Dortmunder Straße fort.
mini|Die untere Dortmunder Straße; links Haus Nr. 104, das stadteinwärts (rechts) längere Zeit ohne Nachbarhaus geblieben war. Nunmehr folgt ein 800 Meter langer Abschnitt mit geradlinigem Verlauf nach Nordosten. Dieser Abschnitt an der Süd- bis Ostflanke des Kunibergs überwindet 22 Höhenmeter von bis und ist mit 2,7 % Steigung der steilste. Am Nordostende des Abschnitts mündet von Norden die Hinsbergstraße und von Süden die Kardinal-von-Galen-Straße ein; fährt man von dieser Kreuzung im Nordosten kommend in Richtung Recklinghausen, so sieht man unmittelbar über dem Rechtsknick zur Innenstadt Kraftwerk und Halde Oberscholven.
Die folgenden 700 Meter am Südrand des Hinsberg führen bis auf eine Höhe von rund an der nordwestlichen Einmündung der Canisiusstraße, fallen aber mit durchschnittlich 1,7 % Steigung etwas weniger steil aus. Die ersten 500 Meter gehen sehr konstant nach Ostnordosten, bis sich die Straße allmählich wieder nach Nordosten dreht und währenddessen von Südosten im Höhenweg den Hauptverkehr aus Richtung Innenstadt aufnimmt, der seit Mitte der 1980er Jahre über den August-Schmidt-Ring läuft.
Die ab hier für 4,5 Kilometer sehr konstant um etwa 1 % fallende Straße erreicht nach weiteren 300 Metern den Kreisverkehr am Ostcharweg () und damit die Lohwegsiedlung im engeren Sinne, gut 500 Meter weiter schließlich den Kreisverkehr am Ziegelgrund (). Nach knapp 900 Metern als Landstraße in nordöstliche Richtung mündet von Nordwesten die Devensstraße ein und die Straße ändert ihre Richtung in Ostnordost; je 100 Meter weiter folgt die Kreuzung am Schultenkrug mit der Esseler Straße nach Essel im Südosten () und Oer im Norden und schließlich die Stadtgrenze nach Oer-Erkenschwick.
Nach weiteren 300 Metern wird die Besiedlung von Groß-Erkenschwick erreicht. Hier ist die Nordseite durchgehend bebaut, die Südseite jedoch nur inselartig. Gut einen Kilometer nach Eintritt ins Stadtgebiet zweigt von Norden die Stimbergstraße () zum Zentrum der Stadt ab, 400 Meter weiter von Norden die Aue, dort Stadtteilgrenze zu Rapen, und von Süden der Westfalenring ab (). Die Straße ist nunmehr auch nach Süden komplett bebaut, nach weiteren 400 Metern als Stadtteilgrenze verläuft die Straße ganz in Rapen.
Nach weiteren 750 Metern endet auf der Kernteil der Straße. Die Nordostrichtung nach Datteln wird von der Verbandsstraße weitergeführt, während die Horneburger Straße die Richtung der von Nordwesten kommenden Ludwigstraße annimmt; nach weiteren 300 Metern zweigt die namentliche Straße von der als Landwehrring fortgesetzten Ortsumgehung ab und erreicht nach weiteren 500 Metern Horneburg und gleichzeitig das Siedlungsgebiet des Ortsteils. Dieses wird 900 Meter lang passiert bzw. nordöstlich tangiert, bis die Straße an einem Kreisverkehr wieder auf den Landwehrring trifft und auf etwa dort endet; ihre Südostrichtung wird ab hier von der Dortmunder Straße fortgesetzt.
Geschichte Bereits auf der Preußischen Erstaufnahme von 1842 ist die Horneburger Straße weitgehend in ihrem heutigen Verlauf eingezeichnet – es fehlt jedoch der Steigungsabschnitt zwischen Douai- und Hinsbergstraße. Der unterste Abschnitt der Straße wird zu jenem Zeitpunkt zum einen durch den Frankenweg (inklusive der heutigen Douaistraße) in Richtung Suderwich fortgesetzt. zum anderen durch den kurzen Abschnitt der heutigen Castroper Straße bis etwa zum heutigen Beginn von August-Schmidt- und Dordrechtring, wo die Hauptwohnplätze der Bauerschaft Hillen lagen. Die Jahnstraße ist bereits vorhanden, endet jedoch als unbesiedelte Sackgasse, was u. U. darauf hinweisen könnte, dass der Bau des Straßenabschnitts bereits in Planung war.
Zum Nordostende des heutigen Abschnitts konnte man auf zwei Wegen kommen: Zum einen existierte bereits der noch heute als Fußgänger- und Radweg benutzbare Hohlweg im Kuniberg, zum anderen existierten bereits Vorläufer von Graveloher Weg und Kardinal-von-Galen-Straße.
Der Hohlweg am Kuniberg überwindet, vom Kunibertitor aus bis zum Ende an der Rheinlandstraße auf gemessen, auf einer horizontalen Strecke von nur 620 Metern einen Höhenunterschied von 30 Metern, was 4,8 % Steigung entspricht – im unteren Teil beträgt die Steigung z. T. über 6 %. Der Graveloher Weg ist mit einer Steigung von um 1,7 % zwar noch weniger steil als die heutige untere Dortmunder Straße, jedoch hat die kürzere Kardinal-von-Galen-Straße in ihrem heutigen Verlauf eine durchschnittliche Steigung von 3,6 %. Beides sprach wohl insgesamt für den jetzigen, geradlinigen Abschnitt auf dem Weg nach Dortmund, das Mitte des 19. Jahrhunderts aufgrund der temporär sumpfigen Böden des Emscherbruches noch nicht gut auf direktem, südöstlichem Wege erreicht werden konnte.
Gemarkungen Der Westen der Straße lag im 19. Jahrhundert auf dem Gebiet der Bauerschaft Hillen, Stadt Recklinghausen; ab dem Ostcharweg begann das Gebiet der Gemeinde Recklinghausen-Land mit der Bauerschaft Essel, deren Gebiet bis knapp nördlich der Straße ging, wo sich das Kirchspiel Oer, östlich der Esseler Straße dann das der Bauerschaft Erkenschwick, ebenfalls Gemeinde Recklinghausen-Land, anschloss. Das Loh, eine langjährige Allmende zwischen Essel, Suderwich, Röllinghausen und Berghausen,Die Geschichte Suderwichs, S. 14 ff der (PDF; 14,3 MB) war Mitte des 19. Jahrhunderts noch etwa 85 ha groß und reichte bis unmittelbar östlich des Ostcharweges und südlich der damaligen Horneburger Straße.
Das Gebiet der Bauerschaft Rapen, damals noch zum Amt Datteln gehörig, begann nicht an der Kreuzung mit den Straßen Aue und Westfalenring, sondern erst 400 Meter weiter östlich. Der Esseler Bruch, der nach Osten unmittelbar an den Rapener Bruch und, weiter südlich, die Horneburger Gemarkung grenzte, enthielt so gerade noch das heutige Gebiet der Westfalenringschleife. Von hier bis knapp vor die Verzweigung nach Horneburg war die Straße noch etwa 700 Meter lang Grenze zwischen Erkenschwick im Norden und Rapen bzw. Datteln im Süden, bis sie ganz in deren Gebiet verlief.
Erst unmittelbar an der im Vergleich zu heute kaum geänderten Siedlungsgrenze wurde die Gemarkung Horneburgs erreicht.
Industrialisierung Hatte Recklinghausen im Jahre 1840 noch um 3.300 Einwohner, waren es 1875 bereits 6.100 und im Jahr 1900 gar 34.000. Etwas verzögert bei insgesamt kleineren Einwohnerzahlen trifft diese Entwicklung auch die spätere Gemeinde und Stadt Oer-Erkenschwick.
Seit 1870 existiert die Eisenbahnlinie Münster–Wanne-EickelFlächennutzungsplan Recklinghausen (PDF; 8,2 MB) mit dem Bahnhof Recklinghausen; zu diesem Zeitpunkt laufen bereits die Vorbereitungen zur Erstellung der Zeche General Blumenthal. Am innenstadtnahen Westteil der Horneburger Straße werden 1875 die Villa Franka als Etablissement für Theater und Amusement erbaut und in deren südöstlicher Nachbarschaft die Brauerei (1877) errichtet; vermutlich hat zu diesem Zeitpunkt der Steigungsabschnitt der Straße bereits seinen heutigen Verlauf.Zumindest auf der Neuaufnahme der Karte von 1894 ist dem so.
1895 beginnen die Teufarbeiten für den Schacht 3 der General Blumenthal, 1899 die für die Zeche Ewald Fortsetzung in Erkenschwick. Für die Schächte III und IV der General Blumenthal entsteht zeitparallel die Kolonie am Hinsberg, die auch die mittlere Dortmunder Straße (an der Nordseite von der Hinsbergstraße bis zum Ostcharweg, an der Südseite nur von-Galen-Straße bis Höhenweg) beinhalten. In Essel-Nord (bzw., nach bis um 1910 üblicher Schreibweise, Ehsel-Nord) entsteht nordöstlich des Dorfes an seiner Verbindungsstraße zur Horneburger und unmittelbar an diese angrenzend die Kolonie an der Lindenstraße. Von diesen abgesehen ist die Horneburger Straße östlich der innenstadtnahen Einmündung der Jahnstraße zur Jahrhundertwende nur spärlich besiedelt; unmittelbar nördlich des Lohs wurde eine Ziegelei errichtet.
Bereits am 15. Dezember 1909Vgl. Vestische Straßenbahnen GmbH (Hrsg.): Vestische Straßenbahnen GmbH – Chronik 1901–1976, Herten Mai 1976 wird eine Straßenbahnlinie angelegt, die bis in die 1960er Jahre vom neuen Straßenbahndepot der Vestischen Straßenbahnen an der Abzweigung der Castroper Straße, nah der Recklinghäuser Innenstadt, über die Horneburger Straße, dann über Stimbergstraße und Marktstraße in Erkenschwick, zur Zeche Ewald Fortsetzung und schließlich weiter über Ewaldstraße und die Dattelner Friedrich-Ebert-Straße nach Datteln führt.