Das Goethe-Gymnasium Kassel ist ein Gymnasium im Kasseler Stadtteil Wesertor. Der Unterricht findet an zwei Standorten statt: In der Zweigstelle Schützenstraße sind die Jahrgangsstufen 5–8 untergebracht, während im Hauptgebäude in der Ysenburgstraße die Jahrgangsstufe 9 und 10 sowie die Oberstufe unterrichtet werden.
Geschichte
Gründung als Neue Realschule Als erste Vorläuferin des Goethe-Gymnasiums gilt die am 13. April 1889 gegründete Neue Realschule zu Cassel. Sie nahm mit 171 Schülern und elf Lehrern ihre Arbeit auf.Hessische Allgemeine, 21. Mai 1969, Goetheschule besteht seit 80 Jahren Sie bildete sich aus den C-Klassen der Realschule in der Hedwigstraße 1 und bezog das Schulhaus der Königlichen Gewerbe- und Handelsschule am Friedrich-Wilhelms-Platz 6 (heutiger Scheidemannplatz), deren verbleibende Schüler sie ebenfalls übernahm. Die Leitung der Schule wurde Karl Quiehl übertragen.Ludger Becklas (Hrsg.): 125 Jahre Goethe-Gymnasium Kassel 1889–2014. Kassel, 2014. S. 20
Im April 1895 übernahm Albert Harnisch die Leitung der Schule.Ludger Becklas (Hrsg.): 125 Jahre Goethe-Gymnasium Kassel 1889–2014. Kassel, 2014. S. 20 Im Februar 1896 wechselte die Schule ihren Namen zu Realschule zu Cassel.Ludger Becklas (Hrsg.): 125 Jahre Goethe-Gymnasium Kassel 1889–2014. Kassel, 2014. S. 20
1898 zog die Schule erneut in das Schulgebäude in der Hedwigstraße 1 ein. Das Gebäude war frei geworden, weil die Oberrealschule I, die aus der früheren Realschule hervorgegangen war, ein neu errichtetes Gebäude in der Kölnischen Straße 89 bezogen hatte.
Umwandlung zur Oberrealschule mini|Schulgebäude der Oberrealschule II in Kassel an der Ysenburgstraße vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Nach stetigem Wachstum folgte 1906 die Umwandlung zur Oberrealschule II im Entstehen (OR i. E.). Auf diese Zeit geht auch der im Kasseler Volksmund verbreitete Spitzname „im Eimer“ (für i. E.) zurück. Im April 1907 trat Albert Dewitz das Amt des Schulleiters an.Ludger Becklas (Hrsg.): 125 Jahre Goethe-Gymnasium Kassel 1889–2014. Kassel, 2014. S. 20 Ab April 1909 konnte sich die Schule endgültig Oberrealschule II nennen.
Im April 1912 spaltete sich ein Klassenzug ab und die Realschule in der Schomburgstraße 2 wurde gegründet, das spätere Realgymnasium II.Ludger Becklas (Hrsg.): 125 Jahre Goethe-Gymnasium Kassel 1889–2014. Kassel, 2014. S. 20
Am 14. Oktober 1913 bezog die Schule das für die Oberrealschule II neu errichtete Schulgebäude in der Ysenburgstraße 41. Der Entwurf stammte von Stadtbaumeister Heinrich Arnold (Stadtbauamt Cassel).Hannes Neubacher: Goethe-Gymnasium. In: Kerstin Renz (Hrsg..): Kassel, deine Schulen : Ein Architekturführer (= Band 36, Schriftenreihe des Fachbereichs Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung der Universität Kassel). Kassel 2019, , S. 58–63. Auf dem „Moeller’schen Grundstück“ des Neubaus an der Weserstraße hatte zuvor das stadtbekannte Gasthaus „Zum Lindenhof“ gestanden.
Während des Ersten Weltkriegs fand kein reguläres Abitur mehr statt. Dem Archiv zufolge verließen schon zu Beginn des Krieges jeder zehnte Schüler und acht Lehrende die Schule zum größten Teil als Kriegsfreiwillige.
Weimarer Republik 1919 wurden der Elternbeirat sowie ein Schüler- und Lehrerausschuss gegründet.Ludger Becklas (Hrsg.): 125 Jahre Goethe-Gymnasium Kassel 1889–2014. Kassel, 2014. S. 20
Im Juni 1924 übernahm Oberstudienrat Richard Schröder die kommissarische Schulleitung. Ihm folgte im August 1925 Hermann Küster als Direktor.Ludger Becklas (Hrsg.): 125 Jahre Goethe-Gymnasium Kassel 1889–2014. Kassel, 2014. S. 20f.
Im April 1927 wurde Englisch als einzige erste Fremdsprache festgesetzt.Ludger Becklas (Hrsg.): 125 Jahre Goethe-Gymnasium Kassel 1889–2014. Kassel, 2014. S. 21
Im April 1928 wurde die Schule mit Schwerpunkt auf den deutschkundlichen Fächern Deutsch, Geschichte, Erdkunde, Religion, Kunstbetrachtung und Musik zur Oberrealschule mit Deutscher Oberschule.Hessische Allgemeine, 21. Mai 1969, Goetheschule besteht seit 80 Jahren
Laut der Chronik zum 50-jährigen Bestehen der Schule aus dem Jahr 1939 sank die Schülerzahl bis ins Jahr 1932 auf 378. Das sei die Hälfte des Bestandes von 1927 gewesen. Zurückzuführen sei dies gewesen auf die schwere wirtschaftliche Krise der Jahre 1929 bis 1932.
Nationalsozialismus
1934 beschloss die Stadt Kassel wegen der sinkenden Schülerzahl der höheren Kasseler Knabenschulen die Auflösung des Realgymnasiums II. In der Folge gingen vier Klassen von dieser Schule an die Oberrealschule II über. Laut der Chronik zum 50-jährigen Bestehen sei dann jedoch im Sommer 1935 der Entschluss gefasst worden, nicht das Realgymnasium II, sondern die Oberrealschule II aufzulösen. Letztlich sei einem Einspruch der Schülereltern bei der Behörde und beim Reichsminister stattgegeben worden, sodass die Schule nicht aufgelöst wurde.
mini|Durch den Bombenangriff verursachte Zerstörungen am Gebäude in der Ysenburgstraße (November 1943)
Im Januar 1938 wurde die Schule in Hermann-Göring-Schule umbenannt.Ludger Becklas (Hrsg.): 125 Jahre Goethe-Gymnasium Kassel 1889–2014. Kassel, 2014. S. 21
1940 wurde aufgrund des Zweiten Weltkriegs de facto der geregelte Unterrichtsbetrieb eingestellt. Beim Luftangriff der Alliierten am 22. Oktober 1943 wurde auch das Schulgebäude in der Ysenburgstraße 41 schwer beschädigt. Es gab zwei Bombentreffer. Die verbliebenen Klassen wurden 1944 im Rahmen der Kinderlandverschickung nach Battenberg und anschließend nach Gudensberg ausgelagert.
Infolge der Kriegsschäden wurden die ehemaligen Oberrealschulen I (Adolf-Hitler-Schule) und II (Hermann-Göring-Schule) zusammengelegt.
Nachkriegszeit Im April 1945 wurde Ernst Bromm als Schulleiter eingesetzt.
Am 14. Januar 1946 begann mit Genehmigung der amerikanischen Militärregierung erstmals wieder der Unterricht. Die Schule erhielt den neuen Namen Realgymnasium Wesertor für Jungen, Kassel. 1949 unterrichtete die Schule bereits wieder 820 Schüler in 24 Klassen.Hessische Allgemeine, 26. Mai 1959, Jubiläumswoche begann mit Festakt
Im Dezember 1954 wurde Heinrich Schulze Direktor.Ludger Becklas (Hrsg.): 125 Jahre Goethe-Gymnasium Kassel 1889–2014. Kassel, 2014. S. 21
1956 wählte die Schulgemeinde Goetheschule, Gymnasium für Jungen als Namen für ihre Schule. 1959, zum 70-jährigen Schuljubiläum, zählte die Schule 1017 Schüler, 55 Lehrer und 33 Klassen.Hessische Allgemeine, 26. Mai 1959, Jubiläumswoche begann mit Festakt
Im April 1961 übernahm Alfred Rudolph die Schulleitung.
1962 führte die Schule die Koedukation ein. Die ersten Schülerinnen wurden in der Jahrgangsstufe 7 aufgenommen. Der Schulname wurde daraufhin in Goetheschule Kassel Gymnasium abgeändert. 1969 waren von den 1150 Goetheschülern 270 Mädchen.Hessische Allgemeine, 21. Mai 1969, Goetheschule besteht seit 80 Jahren
Im September 1965 übernahm Robert Linten die kommissarische Schulleitung. Im Dezember 1966 wurde Rudolf Busch als Direktor eingeführt.Ludger Becklas (Hrsg.): 125 Jahre Goethe-Gymnasium Kassel 1889–2014. Kassel, 2014. S. 21
Aus Raumnot wurde 1969 die Zweigstelle in der Wimmelstraße 5 gegründet: der „Wimmelkasten“. Er beherbergt die Klassen der Unter- und Mittelstufe. Das Gebäude wurde 1905/06 erbaut und gehörte ursprünglich der Amalienschule, einer Mittelschule, die es Ostern 1907 bezogen hatte.
Seit 1970 ist die Schule Schulsportzentrum.
1975 wurden die naturwissenschaftlichen und musischen Fachräume an das Schulgebäude in der Ysenburgstraße angebaut.Ludger Becklas (Hrsg.): 125 Jahre Goethe-Gymnasium Kassel 1889–2014. Kassel, 2014. S. 22
1983 zog die Zweigstelle in die Josephstraße 18 um.
Ab August 1985 folgten Phasen kommissarischer Schulleitungen durch Robert Linten und Ernesto J. Zinsel. Im August 1988 wurde Michael von Rüden Direktor.Ludger Becklas (Hrsg.): 125 Jahre Goethe-Gymnasium Kassel 1889–2014. Kassel, 2014. S. 22
1988 kehrte die Zweigstelle zurück in die Wimmelstraße und Schützenstraße.
Im April und Mai 1989 feierte die Goetheschule ihr 100-jähriges Bestehen als grundständiges Gymnasium mit 1102 Schülern, davon 515 Mädchen, und 87 Lehrerinnen und Lehrern.
Neuere Entwicklungen Im August 1996 wurde die erste Sportklasse im Rahmen des schulsportlichen Profils errichtet.Ludger Becklas (Hrsg.): 125 Jahre Goethe-Gymnasium Kassel 1889–2014. Kassel, 2014. S. 22
Im August 2001 übernahm Margitta Thümer die kommissarische Schulleitung. Im Dezember 2002 wurde Waldemar Gries Schulleiter.Ludger Becklas (Hrsg.): 125 Jahre Goethe-Gymnasium Kassel 1889–2014. Kassel, 2014. S. 22
Im Februar 2003 beschloss die Kasseler Stadtverordnetenversammlung auf Antrag der Schulkonferenz die Umbenennung in Goethe-Gymnasium Kassel mit Wirkung zum 1. Juni.
Mit Beginn des Schuljahrs 2005/06 bekam die Schule ein Ganztagsangebot. Parallel entstanden verschiedene Förderprogramme.Ludger Becklas (Hrsg.): 125 Jahre Goethe-Gymnasium Kassel 1889–2014. Kassel, 2014. S. 22
Im August 2009 übernahm Ludger Becklas die Leitung der Schule.Ludger Becklas (Hrsg.): 125 Jahre Goethe-Gymnasium Kassel 1889–2014. Kassel, 2014. S. 22
Am 27. September 2014 feierte das Goethe-Gymnasium sein 125-jähriges Jubiläum.Ludger Becklas (Hrsg.): 125 Jahre Goethe-Gymnasium Kassel 1889–2014. Kassel, 2014. S. 22
Am 1. April 2017 übernahm Joachim Bollmann-Engler die Schulleitung.Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 24. März 2017, Neuer Leiter für das Goethe-Gymnasium
Am 1. September 2017 weihte die Schulgemeinde einen Stolperstein vor dem Schulgelände in der Ysenburgstraße 41 ein. Dieser Stolperstein ehrt Dr. Otto Hess, den ersten jüdischen Lehrer der Schule. Seit Ostern 1908 war er an der Oberrealschule II in Kassel tätig, zunächst als Wissenschaftlicher Hilfslehrer, ab 1909 als Oberlehrer und später als Studienrat. Die Nürnberger Gesetze vom September 1935 beendeten die Schonfrist für jüdische Frontkämpfer und damit auch die Berufstätigkeit von Otto Hess, der im selben Jahr noch an seiner Schule bei Abiturprüfungen tätig war. Er wurde aus dem Staatsdienst entlassen.
Schwerpunkte
Englisch-bilingualer Zweig Seit dem Schuljahr 2020/21 wird bereits ab der fünften Jahrgangsstufe eine bilinguale Klasse angeboten. Dieses Angebot war laut der HNA damals einmalig in Hessen. Zuvor, seit 2002, wurde eine bilinguale Klasse erst ab der siebten Jahrgangsstufe angeboten. Der wöchentliche Englischunterricht in der fünften und sechsten Jahrgangsstufe erhöht sich von fünf auf sieben Stunden. Weiterhin wird der Unterricht im Jahrgang 5 in Musik und Sport in englischer Sprache erteilt. In der sechsten Klasse kommt englischsprachiger Sachfachunterricht in Geschichte und Geografie hinzu. Später wird der Kreis der bilingual unterrichteten Fächer um Biologie, Chemie und Politik und Wirtschaft erweitert.
In der Qualifikationsphase müssen mindestens zwei bilinguale Fächer durchgängig belegt werden, um mit dem Abitur ein „Certificate of Achievement“ zu erhalten. Eine Abiturprüfung in den belegten Fächern ist nicht verpflichtend.
Zusätzlich zum normalen Unterricht bietet die Schule Oberstufenschülern einen Vorbereitungskurs zum Erwerb eines Cambridge CAE-Zertifikats und einen Business-English-Kurs an. Da neben dem normalen Französischunterricht auch Vorbereitungskurse für DELF/DALF-Prüfungen angeboten werden, können die Schüler am Ende der Schulzeit ein CertiLingua erwerben.
Sprachlich besonders Begabte können am Goethe-Gymnasium das Hessische Internationale Abitur erlangen.
Sport Das Goethe-Gymnasium ist Partnerschule des Leistungssports, war bis zum Schuljahr 2024/25 Schulsportzentrum und ist seit dem Schuljahr 2025/26 Regionales Talentzentrum. Bis 2025/26 gab es ab der fünften Jahrgangsstufe eine Sportklasse, ab 2026/27 gibt es zwei Sportklassen. Diese richten sich ausschließlich an sportlich hochbegabte Schülerinnen und Schüler. In der Oberstufe bietet die Schule Sportleistungskurse an. Sportlich besonders Begabte können das Abitur in drei anstatt in zwei Jahren ablegen, sodass mehr Zeit für den Leistungssport bleibt.