Wilhelm „Willy“ Maß, auch Mass und Mahs (* 2. April 1880 in Berlin; † 4. Juni 1947), war ein deutscher Architekt. Er wirkte insbesondere in Bad Godesberg, einem heutigen Stadtbezirk von Bonn.

Leben und Wirken Maß war katholischer KonfessionHorst Heidermann: „Die Sensation des Sommers im Rheinland“ – Bad Godesberg und sein Welttheater. In: Godesberger Heimatblätter: Jahresheft des Vereins für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e. V., , Heft 45 (2007), Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg, Bad Godesberg 2008, S. 111–152 (hier: S. 118).; über seine Herkunft und Ausbildung ist wenig bekannt. Er war zeitweise in Remagen ansässig, von wo aus er 1909 nach Bad Godesberg zog, um sich dort mit seinem „Unternehmen für Hoch- und Tiefbauten“ niederzulassen. 1909/10 übernahm er das Unternehmen des Rüngsdorfer Baumeisters Georg Westen (1851–1921), das bereits wenig später (Stand 1913/14) aus einem Atelier für Architektur, einem Bauunternehmen und einer Baumaterialhandlung bestand, mehrere Architekten beschäftigte und im Ortsteil Rüngsdorf (Rüngsdorfer Straße 53/55) ansässig war. Im Hinterhof des Bürogebäudes ließ sich Maß 1911 nach eigenem Entwurf die Villa Kronprinzenstraße 2 erbauen, in der er mit seiner Familie wohnte. 1913 wurde er Mitglied des Deutschen Werkbundes – als zweiter Künstler aus Godesberg nach dem Maler und Grafiker Louis Ziercke. Es gelang ihm, sich außer bei privaten Villenbauten auch bei Aufträgen von ortsansässigen Industrieunternehmen durchzusetzen, für die er teilweise – so bei den Ringsdorff-Werken in Mehlem, der Süßwarenfabrik Kleutgen & Meier und der Schiller’schen Patentverschluss AG – als „Hausarchitekt“ wirkte. Ein später als Architekt in Godesberg selbständiger, langjähriger Mitarbeiter von Maß' Architekturbüro war Christoph Brüggemann.

Ab 1916 in Siegburg wohnhaft, zog Maß im September 1918 wieder nach Godesberg zurück. Dort wohnte er mit seiner Familie im Folgenden in verschiedenen Häusern, darunter Dürenstraße 33 und Rheinallee 34. 1926 gründete Maß anlässlich des Baus einer Siedlung im Ortsteil Plittersdorf die Maß'sche Grundstücks-GmbH. 1928 gewann er einen Wettbewerb für Bauten (Leichenhalle/Kapelle, Pförtnerhaus) auf dem neuen Zentralfriedhof der Stadt, die zu seinen wichtigsten Arbeiten gezählt werden können. Ende der 1920er-Jahre vertiefte Maß sein politisches Engagement in Bad Godesberg und spielte seither im öffentlichen Leben der Stadt eine größere Rolle. Ab 1933 war einziger angestellter Architekt im Maß'schen Architekturbüro Robert Wahle. Ihren größten Neubau konnten Maß und Wahle 1937 mit der – freihändig vergebenen – Hauptstelle der Stadtsparkasse Bad Godesberg umsetzen, die das einzige größere öffentliche Bauvorhaben der Stadt in der Zeit des Nationalsozialismus blieb. Spätestens mit einem durch den Zweiten Weltkrieg bedingten Baustillstand ab Juli 1943 wurde Maß' Architekturbüro stillgelegt und konnte auch nach Kriegsende seine Tätigkeit nicht wiederaufnehmen, da Maß schwer erkrankte und 1947 starb.

In Bad Godesberg gehen auf Willy Maß' Architekturbüro mindestens 80 Villen, größere Wohnhäuser, Bauten von Industrie und öffentlicher Hand zurück, von denen (Stand 2006) 23 unter Denkmalschutz stehen. Seine Formensprache variiert zwischen Neoklassizismus, Expressionismus und in einer späteren Phase auch einem lokal geprägten Bauhausstil.

Öffentliches Engagement und Mitgliedschaften Maß gehörte zur Zeit des Deutschen Kaiserreichs als „meistbegüterter Grundeigentümer“ dem Bürgermeistereirat Godesberg an. Seit 1914 war er Vorsitzender des Vorstandes der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) Bad Godesberg und seit 1928 Vorsitzender des „Verkehrs-Vereins Bad Godesberg am Rhein e. V.“. Darüber hinaus gehörte er dem Vorstand der „Gesellschaft für Festspiele Bad Godesberg e. V.“, dem Aufsichtsrat der „Vereinshaus Zur Lindenwirtin (Aennchen) GmbH“ und ab 1928 dem Aufsichtsrat der „Gemeinnützigen Bauverein GmbH“ an. 1929 kandidierte Maß für die Reichspartei des deutschen Mittelstandes (Wirtschaftspartei) für den Gemeinderat in Bad Godesberg und den Kreisausschuss des Landkreises Bonn, in letzteren er in der Folge einzog. Er war auch Vorsitzender der Ortsgruppe Godesberg der Wirtschaftspartei.Horst Heidermann: Godesberger Industriegeschichte I. In: Godesberger Heimatblätter: Jahresheft des Vereins für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e. V., , Heft 48 (2010), Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg, Bad Godesberg 2011, S. 96–134 (hier: S. 126). 1933 blieb eine Kandidatur Maß' für den Gemeinderat auf der Liste der „Überparteilichen Kommunalen Vereinigung“ erfolglos. Zum 1. Mai 1933 trat er in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 2.104.368).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/26890915

Familie Ab etwa 1906/07 war Maß mit Maria Linder verwitwete Heider (1880–1935) verheiratet. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor, von denen der jüngere Sohn Erwin vor dem Zweiten Weltkrieg in dem Unternehmen des Vaters mitarbeitete. Seit 1946 betrieb er mit einem Partner ein eigenes Architekturbüro, das in dem bisherigen Gebäude des inzwischen stillgelegten Unternehmens von Willy Maß (Rüngsdorfer Straße 53/55) beheimatet war. Erwin Maß wurde Leiter der Baudirektion im Büro BundeshauptstadtKerstin Kähling: Aufgelockert und gegliedert: Städte- und Siedlungsbau der fünfziger und frühen sechziger Jahre in der provisorischen Bundeshauptstadt Bonn, Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek, Bonn 2004, S. 69. der Landesregierung Nordrhein-Westfalen und war in den 1950er- bis Anfang der 1960er-Jahre an der Planung von insgesamt 20 Siedlungen in Bonn beteiligt, darunter der sog. „Tessenow-Siedlung“ und der Siedlung Mittelstraße/Donatusstraße im Ortsteil Plittersdorf.Kerstin Kähling; Stadt Bonn, Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek (Hrsg.): Aufgelockert und gegliedert: Städte- und Siedlungsbau der fünfziger und frühen sechziger Jahre in der provisorischen Bundeshauptstadt Bonn (=Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bonn, Band 63). Bonn 2004, ISBN 978-3-922832-34-8, S. 232/233. (zugleich Dissertation Universität zu Köln, 2001)

Werk (Auswahl)

Bauzeit Ortsteil AdresseBei nicht mehr bestehenden Bauten jeweils die zuletzt bekannte Adresse. Bild Objekt Maßnahme Anmerkungen 1909 Plittersdorf Dollendorfer Straße 10 100pxweitere Bilder Villa von Meier Neubau 1950–1999 Dienstvilla des Bundestagspräsidenten; Denkmalschutz 1909 Alt-Godesberg Friedrich-Ebert-Straße 27 100pxweitere Bilder Wohnhaus Neubau Denkmalschutz 1909–1910 Mehlem Rüdigerstraße 34 100pxweitere Bilder Villa Langen Neubau Denkmalschutz 1909–1910 Godesberg-Villenviertel Rheinallee 34 100px Landhaus Neubau (Bauherr: Willy Maß) 1954–1999 Sitz verschiedener Botschaften; Denkmalschutz 1910 Godesberg-Villenviertel Rheinallee 26 100px Bürohaus des Keplerbunds Umbau der Fassade (Bauherr: Keplerbund) heute „Paul-Klee-Schule“; Denkmalschutz 1910 Godesberg-Villenviertel Dürenstraße 33 100pxweitere Bilder Wohngebäude (als Pflegeheim erbaut) Erweiterung 1910 Alt-Godesberg Friedrich-Ebert-Straße 25 100pxweitere Bilder Wohnhaus Neubau Denkmalschutz 1910 Godesberg-Villenviertel Kronprinzenstraße 46 Wohnhaus Neubau Denkmalschutz 1910 Rüngsdorf Rolandstraße 57 100px Wohnhaus Neubau Denkmalschutz 1911 Südstadt Kaiserstraße 1a Wohn- und Geschäftshaus Neubau Denkmalschutz 1911 Rüngsdorf Kronprinzenstraße 2 100pxweitere Bilder Villa Maß Neubau (Bauherr: Willy Maß) 1954–1999 Botschaft von Syrien/Ägypten; Denkmalschutz 1911 Gronau Willy-Brandt-Allee 18 100px Wohnhaus Neubau um 1960–1999 Botschaft von Indien; Denkmalschutz 1911 Plittersdorf Rheinallee 65 Wohnhaus Neubau Denkmalschutz 1911 Godesberg-Nord Friesdorfer Straße 131 100px Fabrikgebäude Schiller’sche Patentverschluß AG (Schillerwerk) NeubauWalter Buschmann: Als Fruchtgummi noch intensiv nach Frucht schmeckte: Aus der Gründungs- und Entwicklungsgeschichte der Firma Haribo in Bonn. In: Denkmalpflege im Rheinland, , 31. Jahrgang 2014, Nr. 3, S. 119–122. später Kleutgen & Meier, dann Haribo; denkmalwert, 2012 abgebrochenHaribo soll wegen Abriss Bußgeld zahlen, General-Anzeiger, 18. Januar 2013 1912 Godesberg-Villenviertel Rheinallee 2 100px Wohn- und Geschäftshaus für Apotheker Neubau Denkmalschutz 1912–1913 Mehlem Schlossallee 17 Villa de Fries Neubau 1974 abgebrochen 1913 Godesberg-Villenviertel Rheinallee 2a 100px Wohnhaus Neubau Denkmalschutz 1913 Godesberg-Villenviertel Rheinallee 28 100px Wohnhaus Neubau (Bauherr: Hausbaugesellschaft) Denkmalschutz 1913 Rüngsdorf Rüngsdorfer Straße 53/55 Bürogebäude/Atelierhaus Willy Maß Umbau 1914 Rüngsdorf Rheinstraße 80 100px Bootshaus Wassersportverein Godesberg Neubau 1914 Godesberg-Villenviertel Rheinallee 47 100px Wohnhaus Neubau (Bauherr: Willy Maß) Denkmalschutz; heute Restaurant Halbedel's Gasthaus 1916 Alt-Godesberg Koblenzer Straße 77 100px Wohnhaus Umbau Denkmalschutz 1919 Plittersdorf Dollendorfer Straße 15 100pxweitere Bilder Villa Cleff Um- und Anbau (Bauherr: F. Berg, Hüttendirektor) 1951–1999 Botschaft von Portugal; Denkmalschutz 1919 Rüngsdorf Luisenstraße 40 (heute Basteistraße) Villa Kreuser Umbau des Stall- und Remisengebäudes 1973 abgebrochen 1919 Rüngsdorf Luisenstraße 40 (heute Basteistraße) Villa Kreuser Umbau des Stall- und Remisengebäudes 1973 abgebrochen 1920–1921 Godesberg-Villenviertel Otto-Kühne-Platz 100px Pädagogium Godesberg Wiederherstellung nach Brand Denkmalschutz; heute Otto-Kühne-Schule 1921 Alt-Godesberg Friedrich-Ebert-Straße 11 100px Wohnhaus für Bochumer Verein Neubau Denkmalschutz 1921 Godesberg-Nord Friesdorfer Straße 131 100px Fabrikgebäude Kleutgen & Meier Erweiterung später Haribo; denkmalwert, 2012 abgebrochen 1921 Alt-Godesberg Koblenzer Straße 81 100px Villa Umbau Denkmalschutz 1922 Stadt Remagen Deichweg 6 100px Villa Caracciola Umbau 1922 Rüngsdorf Otto-Kühne-Platz 1ehemals Römerstraße 39 Wohnhaus Neubau (Bauherr: Willy Maß) 1930/32 abgebrochen 1922–1923 Alt-Godesberg Koblenzer Straße 78ehemals Gartenstraße 4 100px Wohnhaus Neubau (Bauherr: Bankhaus Gebr. David) seit 1970 „Kleines Theater“Kleines Theater Bad Godesberg, Deutsches Theaterverzeichnis; Denkmalschutz 1924 Mehlem Mainzer Straße 533 100pxweitere Bilder Villa Camphausen Erweiterung bis 1999 Residenz der Botschaft von Südkorea; Denkmalschutz 1926 Alt-Godesberg Redoutenpark Festspielbühne der Gesellschaft für Festspiele e. V. Neubau (mit Willy Gilges) 1927–1930 Plittersdorf Annetten-, Sibyllen-, Stein-, Weber-, Auerhof-, Hardtstraße Siedlung der Maß'schen Grundstücksgesellschaft (über 40 Häuser)Andreas Denk, Ingeborg Flagge: Architekturführer Bonn. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-496-01150-5, S. 118. Neubau 1929 Rüngsdorf Rheinstraße 45–49 100pxweitere Bilder Rheinhotel Dreesen Umbau 1929 Plittersdorf Steinstraße 47 100pxweitere Bilder Wohnhaus Neubau Denkmalschutz 1929 Mehlem Mainzer Straße 251 Wohnhaus für Fabrikant W. Gummersbach Neubau 1929 Stadt Remagen Wässigertal 16 Haus auf Leims (Villa Kollbach)Karl Kollbach: „Aktenzeichen 475/39“. Eigener dokumentarischer Tatsachenbericht von „Einst“ und „Jetzt“. Ein Beitrag zur deutschen Selbstbesinnung, Buch- und Zeitungsdruckerei H. Köllen, Bonn 1949, S. 22. Neubau 1954–1956 Handelsvertretung von Südkorea 1929–1930 Godesberg-Villenviertel Roonstraße 8 Allgemeine Ortskrankenkasse Bad Godesberg Erweiterung, Fassadenumbau 1930er-Jahre Rüngsdorf Rolandstraße 2 Katholische Pfarrgemeinde, Kindergarten und Wohnhaus Neubau abgebrochen 1930 Plittersdorf Gotenstraße 100pxweitere Bilder Zentralfriedhof Bad Godesberg: Pförtnerhaus, Leichenhalle/Kapelle Neubau Denkmalschutz 1933 Mehlem Rüdigerstraße 33 100px Villa Neubau Denkmalschutz 1934 Rüngsdorf Rheinstraße 45–49 Rheinhotel Dreesen, Kastaniengarten Überdachung (Entwurf: Robert Wahle; Ausführung: Maß) 1934 Alt-Godesberg Truchseßstraße 16–22 Miethäuser für Dr. Franz-Simonson’sche Stiftung Neubau 1936 Godesberg-Villenviertel Rheinallee 1 Stadtsparkasse Bad Godesberg