Das Ostviertel ist einer von 18 Stadtteilen und eines von vier nominellen Stadtvierteln rund um die Innenstadt von Recklinghausen. Streng genommen ist es neben dem Nordviertel (N), dem Westviertel (W), dem Paulusviertel (S) und Hillen (SO) eines von fünf „Stadtfünfteln“, welches den Nordosten der Kernstadt einnimmt. Mit Nord- und Westviertel hat es gemeinsam, dass es in der Hauptsache auf dem Vestischen Höhenrücken, zu größeren Anteilen um und über , liegt, von dem Hillen (hier der Teil-Ortsteil Quellberg) und vor allem das Paulusviertel nur den Südhang mitbekommen und in Teilen bereits dem flachwelligen Emschertal zuzurechnen sind.

Hauptverkehrsader des Stadtteils ist die ostnordöstlich in Richtung Groß-Erkenschwick, Horneburg und Datteln verlaufende Dortmunder Straße, die heute jedoch im Westteil nur noch als Wohnstraße dient.

Geographie Lage und Grenzen mini|hochkant=2|Das Ostviertel auf einer Karte von 1907, die heutigen Siedlungsflächen sind eingefärbt(→ Übersicht, nur aktuelle Siedlungsflächen, → Legende)

Das Ostviertel zieht sich von der Eisenbahnlinie Münster–Wanne-Eickel im Westen und dem Dordrechtring bzw. August-Schmidt-Ring im westlichen Süden nach Osten weiter bis zum Schnittpunkt mit den Stadtteilen (im Gegenuhrzeigersinn) Hillen (SW), Berghausen (S), Suderwich (SO) und Essel (NO) unmittelbar südlich des Wäldchens Loh. Von dort aus geht die Stadtteilgrenze ungefähr nach Nordosten zum Schultenkrug an der Kreuzung der Esseler Straße mit der Dortmunder/Horneburger Straße, wo das Stadtgebiet der nordöstlichen Nachbarstadt Oer-Erkenschwick beginnt. Seine Nordbegrenzung zum Stadtteil Speckhorn/Bockholt zieht sich vom Schnittpunkt der Bahnlinie mit dem Autobahnzubringer nach Oer-Erkenschwick ostwärts bis zur Nachbarstadt. Die Eisenbahn im Westen bis hin zum westlich der Gleise gelegenen Hauptbahnhof werden noch dem Viertel zugerechnet.

Der den Stadtteil nach Süden zu Hillen begrenzende August-Schmidt-Ring führt auf nahezu nächstem Wege vom niedrigsten zum höchsten Punkt des Stadtteils; innerhalb von 1750 Metern überwindet er von der Kreuzung vor dem Kreishaus () bis zur Abzweigung des Höhenwegs am Rand des Fritzbergs (auf etwa ) fast 50 Meter Höhenunterschied bei durchschnittlich 2,6 % Steigung; der knapp auf Hillener Gebiet liegende, höchste Punkt des Fritzbergs () ist von jener Abzweigung nur 170 m entfernt. Auch die für den Stadtteil zentrale Dortmunder Straße überwindet beträchtliche Höhenunterschiede ( bis ) bei nicht geringer Steigung (im unteren Hauptabschnitt 2,7 %).

Gliederung Die namentlich bekannten Siedlungen des Ostviertels sind, entlang der Dortmunder Straße, der Kuniberg (nördlich der Straße) im Südwesten, der Hinsberg (größtenteils nördlich) im Zentrum und die Lohwegsiedlung (größtenteils südlich) im Osten sowie die den Oerweg südlich flankierende Lange Wanne, die sich von Norden an den westlicheren Hinsberg anschließt. An und südlich der untersten Abschnitte der Dortmunder Straße lassen sich mehr oder weniger zwei weitere Viertel festmachen, die keine bekannten Namen haben: Die innenstadtnahen, von der Dortmunder Straße aus zugänglichen Südwest- und Westhänge des Kunibergs mit der Villa Franka und dem ehemaligen Brauereistandort bilden mit Teilen beiderseits der Castroper und der Dortmunder Straße, begrenzt durch die Douaistraße im Nordosten, den Dordrechtring im Südosten und dem Sandershof im Westen ein kleines Teilviertel, das mehr oder weniger noch zur Innenstadt gehört und auch die Brücke von Hillen zu dieser bildet. Ferner bildet der Steigungsabschnitt der Dortmunder Straße (beiderseits) bis zur Kreuzung mit der Kardinal-von-Galen-Straße mit den sich nach Südosten bis zum Graveloher Weg anschließenden Siedlungen ein Teilviertel, dem auch die Klausenerstraße nebst Altenheim zuzurechnen ist.

Die größeren reinen Siedlungsgebiete des Ostviertels sind damit (nebst Angabe der Flächen): Villa Franka/Sandershof: 13,2 ha ohne Dordrechtring, davon 1,1 ha Berufsschule Untere Dortmunder Straße: 23,2 ha, davon Jahnschule 1,0 ha Kuniberg: 27,2 ha, davon Kollegschule/Friedenskirche/Sporthalle/Bunker 2,9 ha und Realschule 1,2 ha Hinsberg 69,0 ha Vorderer bzw. westlicher Hinsberg (Ossenberg; einschließlich Beuthener und Südseite der Breslauer Straße sowie Westseite der Hinsbergstraße): 27,4 ha, davon 7,8 ha Sport- und Spielplatz im Norden, an der Nahtstelle zur Langen Wanne Mittlerer Hinsberg: 27,2 ha, davon 2,8 ha Stadion und 0,8 ha Drissenplatz Canisiusviertel (westlich des Ostcharwegs): 10,3 ha, davon 4,4 ha Kirche und Schulen Östliches Canisiusviertel: 4,1 ha Lohwegsiedlung: 52,1 ha, davon 7,8 ha Neubaugebiet Kern-Siedlung (östlich des Ostcharwegs und südlich der Dortmunder Straße): 43,2 ha Westliche Hans-Böckler-Straße: 7,1 ha Block nördlich von Ziegelgrund und Dortmunder Straße: 1,8 ha Lange Wanne 26,3 ha, davon 12,2 ha Stadion/Kleingärten

Die obige Begrenzung der Lohwegsiedlung durch Dortmunder Straße und Höhenweg ist nicht die einzige denkbare, jedoch wird sie deren früher üblichen Namen Gewerkschafterviertel gerecht und zerteilt keine namentlichen Wohnstraßen wie Canisius- und Hans-Böckler-Straße. Denkbare Grenze wäre auch der Ostcharweg, der die alte Grenze zwischen der Gemeinde Recklinghausen-Land bzw. Essel und der Stadt darstellte. Der westlichste Teil ist auf jeden Fall heute insofern von der Kern-Siedlung abgetrennt, als er mit PKW nur noch vom Höhenweg aus erreichbar ist. Umgekehrt sind der Osten des Westteils und der Ostteil der Canisiusstraße nur vom Ostcharweg aus befahrbar und insofern etwas vom Kern-Hinsberg abgetrennt.

Bezieht man die Einwohnerdichte des Ostviertels nur auf die oben genannten, zusammenhängenden und ineinander übergehenden Siedlungsgebiete nebst Schulen/Kirchen und Sportplätzen, jedoch ohne umgebende Felder, Bahnanlagen und das ehemalige Gelände der Zeche General Blumenthal, Schächte III und IV nebst Campus Blumenthal (allein etwa 4,3 ha), so kommt das Viertel auf eine Einwohnerdichte von knapp 11.000 Einwohnern (die kleineren, ländlichen Wohnplätze und Siedlungen wären ja abzuziehen) auf 2,1 km², also etwa 5.000 Einwohner pro km². Von diesen Siedlungen nimmt der Hinsberg etwa ein Drittel ein, ein weiteres Drittel (Sandershof bis untere Dortmunder Straße/Kuniberg) ist innenstadtnah und das verbleibende Drittel (Lohwegsiedlung und, davon getrennt, die Lange Wanne) ist tendenziell auswärtig.

Untere Dortmunder Straße mini|Die untere Dortmunder Straße; links Haus Nr. 104, das stadteinwärts (rechts) längere Zeit ohne Nachbarhaus geblieben war.

Der steilere untere Abschnitt der Dortmunder Straße war, nachdem dieser Straßenabschnitt erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaut wurde und damit der jüngste der Gesamtstraße ist, Anfang des 20. Jahrhunderts noch fast unbebaut. Ungefähr zeitgleich mit der Errichtung der Zechenkolonie an Hinsberg und mittlerer Dortmunder Straße wurden nur die daran anschließenden, nordöstlichsten 100 Meter bebaut; die Schließung der Baulücken bis hin zur Innenstadt schritt dann etappenweise bis in die 50er Jahre fort, als dann auch das sich südöstlich anschließende Wohnviertel zum Graveloher Weg hin entstand, das indes erst in den 60ern zu einer durchgehend bebauten Siedlung wurde.

Kuniberg mini|Der Kunibergbunker

Eine Art „Wahrzeichen“ des Kunibergs stellt der randständige alte Kunibergbunker dar, auf dessen Dach heute Sendeanlagen stehen. Die Siedlung, die sich südwestlich desselben bis zur Innenstadt anschließt, ist erst in den 1960er Jahren entstanden; zuvor hatte es lediglich den noch heute erhaltenen Hohlweg gegeben, der mehr oder weniger Teil der Dortmunder Straße gewesen war, bis deren heutiger unterer Abschnitt entstanden war. Die Straßennamen des Viertels sind, von der zentralen Straße Im Kuniberg, deren Südwestabschnitt über den alten Hohlweg verläuft, abgesehen, nach Landschaften wie Münsterland, Sauerland, Siegerland, Westerwald, Eifel und Hunsrück benannt.

Hinsberg mini|Der Drissenplatz mit Häusern der Zechenkolonie mini|Zwei der Bautypen innerhalb der Kolonie mini|Hiberniastraße, Westen der Kolonie

Der Hinsberg ist die zentrale Siedlung des Recklinghäuser Ostviertels und auch die älteste.

Der Begriff Hinsberg bezeichnete Mitte des 19. Jahrhunderts keinen Berg, sondern einen Hain, der mit 19 ha zwar nur ein Fünftel so groß war wie das damalige Loh, jedoch damit immer noch mehr als dreimal so groß wie das heutige. Er lag in etwa im Feldsegment, das heute durch den Feldweg Im Hinsberg im Westen und Norden und den Ostcharweg im Osten abgetrennt wird; der Südrand ging in etwa parallel zur Südkante des Betonwerks, nach Nordwesten überschritt er leicht den heutigen Feldweg und ging bis etwa an den Spielfeldrand des Stadions an der Langen Wanne. Sein „Gipfel“ im Süden erreicht gerade einmal , der am Nordostrand , womit der Namensgeber niedriger ausfällt als die nach ihm benannte Siedlung, die am Rand des Fritzberges bis erreicht.

Ein weiterer schon in alten Karten namentlich eingezeichneter Berg ist der Ossenberg. Dessen Gipfelbereich liegt unmittelbar westlich der Hinsbergstraße und erreicht sowohl nördlich als auch südlich der Breslauer Straße minimal über , bleibt aber an der Straße minimal darunter.

1895 begannen östlich des Ossenbergs die Teufarbeiten für den Schacht III der Zeche General Blumenthal. Bereits um diese Zeit wurden zum einen sechs Häuser an der Buddestraße, also am Osthang des Ossenbergs und unmittelbar östlich ans Bergwerk angrenzend, gebaut. Vor allem aber entstand 400 bis 1000 Meter östlich dieser Häuser eine der ältesten geschlossenen Bergarbeiterkolonien der Stadt. Sie wird ringförmig von der Hinsbergstraße im Westen, der Hiberniastraße im Norden, der Canisiusstraße im Osten und der Dortmunder Straße im Südosten und Süden umschlossen, wobei sich im Nordosten, um den Drissenplatz, die Hiberniastraße verzweigt. Diese Siedlung wird in Nord-Süd-Richtung nochmal durch die Johannesstraße in 2 Segmente geteilt und an der Nordseite der Dortmunder Straße noch linienartig um 250 Meter nach Nordosten verlängert.

Insgesamt nimmt diese Kolonie eine Fläche von rund 15 ha ein. Die Häuser an Hiberniastraße und Drissenplatz, an denen eine Platanenallee angelegt wird, sind dreigeschossig bei erhöhter Einzelgeschosshöhe und stehen, je etwa abwechselnd einzeln oder zu Doppelhäusern angeordnet, auf Grundstücken um 1000 m². Sie entsprechen von ihrer Ausstattung daher gehobenen Bergbauangestellten wie z. B. Steigern. An der Dortmunder Straße hingegen überwiegt zweigeschossige Bauweise zu Doppelhäusern bei durchschnittlich nur 600 bis im Einzelfall 1000 m² pro Doppelhaus.