Die Deutsche Studien- und Arbeitsgemeinschaft Pädophilie e. V. (D.S.A.P.) bestand von 1979 bis 1983 als Verein mit Sitz in Krefeld. Er wurde beim dortigen Amtsgericht im Vereinsregister unter der Nummer VR 1938 eingetragen. Das Bestreben des Vereins lag darin begründet, einen öffentlichen Diskurs zur moralischen und rechtlichen Neubewertung pädophiler Handlungen zu bestreiten.

Wirkungsgeschichte Die DSAP wurde auf Initiative einiger Mitglieder des AK Rundbrief, einer 1977 gegründeten Gruppe politisch aktiver Pädophiler, gegründet. Noch im selben Jahr entstanden im westdeutschen Bundesgebiet Regionalgruppen in Hamburg, Heidelberg, Kehl, Krefeld, München, Berlin und Münster.Alexander Hensel, Tobias Neef, Robert Pausch: Von »Knabenliebhabern« und »Power-Pädos« – Zur Entstehung und Entwicklung der westdeutschen Pädophilen-Bewegung. In: Franz Walter, Alexander Hensel, Stephan Klecha: Die Grünen und die Pädosexualität: eine bundesdeutsche Geschichte. Göttingen 2014, S. 136–159, hier S. 147. Der Verein brachte von 1980 bis 1981 ein eigenes Schriftwerk heraus, welches in der ersten Auflage namentlich zunächst als Die Zeitung benannt, dann unter dem Titel Betrifft Beziehung als Ausgabe Nr. 2/1980 herausgegeben und in der letzten Ausgabe Nr. 2/3 1981 mit der Bezeichnung Befreite Beziehung veröffentlicht wurde, das im Jahr 1979 als Deutsche Studien- und Arbeitsgemeinschaft Pädophilie: Rundbrief kursierte.Pädophile im linksalternativen Milieu: Die Freude am Tabubruch. taz.de (Tageszeitung), 12. Juni 2013. Die Zeitschrift war Plattform für kontroverse Auseinandersetzungen mit der Öffentlichkeit wie auch für interne Debatten. Die Zeitschrift veröffentlichte auch Artikel einiger prominenter Intellektueller, u. a. von dem Schriftsteller Ernst Alexander Rauter,E. A. Rauter: Kleine Mädchen. In: Betrifft: Beziehung, Ausg. 4/1980, S. 41. der amerikanischen feministischen Theoretikerin Beth Kelly,Beth Kelly: Über die „Frauen-Mädchen-Liebe“ oder: Lesben „tuns“ tatsächlich. In: Betrifft: Beziehung, Ausg. 4/1980, S. 12–14. dem Antipädagogen Ekkehard von BraunmühlEckehard von Braunmühl: Um der Liebe Willen. In Betrifft: Beziehung, Ausg. 2/1980, S. 16–17. oder dem niederländischen Pädophilieaktivisten Edward Brongersma.Edward Brongersma: Zweierlei Respekt. In: Betrifft: Beziehung, Ausg. 2/1980, S. 14–15.

Nach Überzeugung des Politikwissenschaftlers Franz Walter war die DSAP eine „Kaderorganisation der Pädophiliebewegung“.Stellungnahme von Franz Walter in der Pädophilie-Debatte: „Es widert mich an.“ Zitiert aus Der Spiegel vom 15. August 2013 Die Organisation setzte sich für die Straffreiheit der Sexualität zwischen Erwachsenen und Kindern ein.Kuscheln mit den Indianern. taz.de (Tageszeitung), 22. April 2010

Um einen entsprechenden Wandel der Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern herbeizuführen, wollte die DSAP darüber aufklären, „welche Bedürfnisse Kinder nach emotionalen und sexuellen Kontakten mit Erwachsenen haben“.Sexualität: Mächtiges Tabu. Der Spiegel (Wochenzeitschrift) vom 21. Juli 1980 Nach Auflösung der DSAP im Jahre 1983 schloss sich ein Großteil ihrer Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Humane Sexualität (AHS) an.Sexueller Missbrauch: Falsche Kinderfreunde. Emma (Zeitschrift für Feminismus), September/Oktober 1993.

Der Verein baute binnen kurzer Zeit eine Vielzahl von Kontakten in die Öffentlichkeit auf: zu den Jungdemokraten und der FDP, den Grünen, der Gesellschaft zur Förderung Sozialwissenschaftlicher Sexualforschung (GFSS) unter der Präsidentschaft des Sexualpädagogen Helmut Kentler, der taz sowie der Humanistischen Union.Alexander Hensel, Tobias Neef, Robert Pausch: Von »Knabenliebhabern« und »Power-Pädos« – Zur Entstehung und Entwicklung der westdeutschen Pädophilen-Bewegung. In: Franz Walter, Alexander Hensel, Stephan Klecha: Die Grünen und die Pädosexualität: eine bundesdeutsche Geschichte. Göttingen 2014, S. 136–159, hier S. 147–150.

Öffentlich in Erscheinung trat die Organisation unter anderem in Vorbereitung einer Veranstaltung der Lesben- und Schwulenbewegung zur Bundestagswahl 1980. Hierbei gelang es der Organisation, sich weitgehend mit ihren Forderungen nach Straffreiheit für Pädosexualität durchzusetzen.

Franz Walter zufolge setzte die DSAP auf die Freie Demokratische Partei (FDP). Der Spiegel behauptete „Selbst zur Speerspitze der Pädophilenbewegung hatte die FDP Verbindungen“ und verwies dabei auf Verbindungen des FDP-Politikers Ulrich Klug zur DSAP.Der Spiegel, Zeitgeschichte: Das Tabu durchbrochen, Ausgabe Nr. 36 vom 2. September 2013 Im März 1980 war die DSAP zur Bundesdelegiertenkonferenz der Jungdemokraten, der damaligen Jugendorganisation der FDP, eingeladen. Mit Erfolg: Die Delegierten forderten eine Streichung der Paragraphen (§§) (Sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen) und (Sexueller Missbrauch von Kindern) aus dem Strafgesetzbuch (StGB).Franz Walter, Stephan Klecha: Pädophilie-Distanzierungstango in der Pädofrage. Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.) vom 11. August 2013Auch FDP wollte Sex mit Kindern legalisieren. Focus (Wochenzeitschrift) vom 11. August 2013

Laut Aussage von Franz Walter gelang es der DSAP, selbst auf den Deutschen Kinderschutzbund (DKSB) Einfluss zu nehmen.Der pädophile Irrsinn der frühen Jahre. Claus Christian Malzahn in Die Welt (Tageszeitung) vom 8. September 2013

Im Zuge der steigenden Bedeutung kam es jedoch schnell zu Auseinandersetzungen über die Ausrichtung des Vereins. Ein eher „bürgerlicher“ und ein „radikaler“ Flügel lieferten sich Auseinandersetzungen. Schon Ende des Jahres 1981 war die DSAP weitgehend handlungsunfähig, und im März 1983 wurde sie offiziell aufgelöst.Alexander Hensel, Tobias Neef, Robert Pausch: Von »Knabenliebhabern« und »Power-Pädos« – Zur Entstehung und Entwicklung der westdeutschen Pädophilen-Bewegung. In: Franz Walter, Alexander Hensel, Stephan Klecha: Die Grünen und die Pädosexualität: eine bundesdeutsche Geschichte. Göttingen 2014, S. 136–159, hier S. 149–150.

Akteure (unvollständig) Frits Bernard, Psychologe und SexualwissenschaftlerInstitut für Demokratieforschung der Georg-August-Universität Göttingen: 2016, S. 130. Gisela Bleibtreu-Ehrenberg, Soziologin und mehrjährige Mitarbeiterin der DSAPJoachim S. Hohmann: Pädophilie heute. Foerster Verlag, Frankfurt/M. 1980, ISBN 3-922257-10-0, S. 14. Manfred Bruns, Bundesanwalt am Bundesgerichtshof, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland Helmut Kentler, kurzzeitig Kuratoriumsmitglied der DSAPDer Spiegel (Wochenschrift): Irrwege des Liberalismus. Pädophilie-Debatte vom 29. August 2013Die Pädophiliedebatte bei den Grünen im programmatischen und gesellschaftlichen Kontext. Zwischenbericht des Göttinger Instituts für Demokratieforschung vom Dezember 2013 in: Aufarbeitung und Verantwortung–Berichte und Dokumente zur Arbeit der Arbeitsgruppe Aufarbeitung von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, S. 271 Katharina Rutschky, kurzzeitig Kuratoriumsmitglied der DSAP Rüdiger Lautmann, Jurist und Soziologe, der erste Professor einer deutschen Hochschule, der sich mit der Untersuchung der Diskriminierung Homosexueller befasste. Dieter Fritz Ullmann, Vorstandsmitglied der DSAP und zeitweise Sprecher der BAG SchwuP, verurteilter SexualstraftäterFAZ.net: Der pädokriminelle Cheflobbyist, vom 3. Oktober 2013 Hans-Georg Wiedemann, evangelischer Theologe und Sexualberater

Siehe auch Pädophilie-Debatte (1970er und 1980er Jahre) Liste von Vereinigungen pädophiler Aktivisten

Einzelnachweise

Kategorie:Organisation der Pädophilenbewegung Kategorie:Sexualität in Deutschland Kategorie:Vereinsgründung 1979 Kategorie:Aufgelöst 1983