Das Mädchen Wadjda () ist der erste Spielfilm der saudi-arabischen Regisseurin Haifaa Al Mansour und der erste abendfüllende Film unter saudi-arabischer Regie überhaupt. Der Spielfilm gewann weltweit mehrere Filmpreise und galt bei den Filmfestspielen von Venedig 2012 als „kleine Sensation“.3sat.de: Widersprüchliche Realität. Haifaa Al Mansours Film „Wadjda“ Vom 10. September 2012, abgerufen am 31. August 2013.

Inhalt Wadjda ist ein 11-jähriges Mädchen in Riad, der Hauptstadt Saudi-Arabiens. Ihre Eltern scheinen begütert, so gibt es z. B. PlayStation oder einen illegalen ausländischen Fahrer für den riesigen Pick-up für den Weg zur Schule. Sie genießt in ihrem Leben verschiedene Freiheiten, die viele ihrer Klassenkameradinnen in dem streng islamischen Land nicht zu kennen scheinen. So hört sie im Radio westliche Rockmusik oder sie trägt Converse-Turnschuhe und Jeans unter ihrem traditionellen Gewand und lässt sich im Allgemeinen nicht leicht von ihrer Umgebung einschüchtern.

Wadjda träumt davon, das schöne grüne Fahrrad zu besitzen, das sie jeden Tag vor einem Spielzeugladen auf ihrem Schulweg sieht. Ein Radrennen gegen ihren Freund Abdullah, einen Nachbarsjungen, zu fahren und zu gewinnen, ist ihr größter Traum. Jedoch gilt es für Mädchen als unschicklich, Rad zu fahren, und Wadjdas Mutter verbietet es auch ihrer Tochter. Die Frau versucht ihren Mann, der sich einen Sohn wünscht, davon abzuhalten, sich eine Zweitfrau zu nehmen. Wadjda, die erfährt, dass ihr Name im traditionsgemäß rein männlichen Familienstammbaum nicht geführt wird, macht sich dagegen auf, eigenes Geld für ihr Fahrrad zu verdienen: Sie verkauft z. B. Mixtapes und gibt die Mittlerin für eine Mitschülerin und deren Freund. Die Schulleiterin hat ein scharfes Auge auf sie, und wegen Wadjdas unkonventioneller Einstellung gegenüber den traditionellen Werten und Regeln lässt sie keine Gelegenheit zur Maßregelung aus. Während sie aber offiziell die strengen Religionsvorschriften hoch hält, ist es unter den Schülerinnen ein offenes Geheimnis, dass der Einbrecher im Haus der Schulleiterin wohl eher ihr Liebhaber gewesen ist.

Nach Auffliegen ihrer Geschäfte beschließt Wadjda, an einem Koranvers-Rezitationswettbewerb teilzunehmen, denn der Hauptpreis beträgt 1000 SR in bar, was dem Mädchen den Kauf des Traumfahrrades ermöglichen würde. Wadjdas Fähigkeiten, Koranverse auswendig zu lernen, beeindruckt ihre Lehrerinnen. Als sie jedoch den Wettbewerb gewinnt und ihre Absicht kundtut, sich mit der Siegprämie ein Fahrrad zu kaufen, schockiert sie damit ihre Mitschülerinnen und insbesondere die Lehrerschaft; die Schulleiterin fällt ihr ins Wort und stellt klar, dass, weil es Mädchen sowieso verboten sei, Fahrrad zu fahren, es besser und sinnvoller sei, das Preisgeld für Palästina zu spenden. Mit dieser Ankündigung der Schulleiterin gilt dies qua Amtes als beschlossen: Die Schule wird das Geld überweisen, und Wadjda hat keine Möglichkeit, Einwände zu erheben oder ihren Anspruch einzufordern.

Zu Hause angekommen findet sie nur ihren Vater vor, der auf ihre Mutter wartet. Bevor ihr Vater das Haus verlässt, bittet er sie, der Mutter auszurichten, dass er sie liebe. Nachdem sie über dem Warten auf ihre Mutter eingeschlafen ist und abends wieder aufwacht, findet sie ihre Mutter auf dem Dach des Hauses; diese erklärt Wadjda, dass es sich bei der großen Feier in der Nachbarschaft um die Hochzeit von Wadjdas Vater mit seiner neuen Zweitfrau handele. Als das Mädchen vergeblich versucht, seine Mutter zu trösten und ihr Mut zu machen, zeigt diese ihrer Tochter das grüne Fahrrad, das sie für sie gekauft hat. Bezahlt hat sie es von dem Geld, das sie eigentlich für ein neues rotes Kleid ausgeben wollte, um so für Wadjdas Vater attraktiver zu sein als potentielle Zweitfrauen-Kandidatinnen – ein Zweck, der ja nun hinfällig geworden ist. Stattdessen wolle sie dafür sorgen, dass es ihrer geliebten Tochter an nichts fehle und sich alle ihre Wünsche erfüllten. Schlussendlich gewinnt Wadjda das nun mögliche Rennen gegen ihren Freund Abdullah und begibt sich auf ihren eigenen Weg in „die große weite Welt“ hinaus – symbolisiert durch die Hauptstraße, an die sie mit ihrem Fahrrad gelangt, ohne dass von Abdullah noch etwas zu sehen ist.

Produktion Produziert wurde der Film von Roman Paul und Gerhard Meixner, die beide mit ihrer Berliner Produktionsfirma Razor Film unter anderem auch an der Realisierung der Oscar-nominierten Filme Paradise Now und Waltz with Bashir mitgewirkt haben.wadjda-film.de: (PDF; 170 kB), abgerufen am 31. August 2013. Koproduzent in Saudi-Arabien war Amr Alkahtani, der aufgrund seiner Kontakte im Königreich auch die für den Film unumgängliche Genehmigung des Kulturministeriums besorgen konnte. Alkahtani produziert ansonsten mit seiner High Look Group unter anderem Serien für das saudische Fernsehen.Die Zeit: Unter den Augen der Religionspolizei, vom 24. Mai 2012, abgerufen am 31. August 2013torinofilmlab.it: , abgerufen am 31. August 2013. Maßgeblich unterstützt wurde der Film durch den NDR (Redaktion Christian Granderath), den BR (Redaktion Bettina Ricklefs) und den saudischen Sender ROTANA. Fördermittel stellten die Filmförderungsanstalt (FFA), das Medienboard Berlin-Brandenburg (MBB), die Mitteldeutsche Medienförderung (MDM) und der Filmfonds Babelsberg (ILB) zur Verfügung.

Gedreht wurde der gesamte Film in Saudi-Arabien an Originalschauplätzen.kinofenster.de: Weibliche Lebensräume in Das Mädchen Wadjda, vom 7. August 2013, abgerufen am 31. August 2013 Trotz der vorhandenen Genehmigung gestaltete sich die Arbeit an dem Film unter anderem aufgrund der strengen Geschlechtertrennung im Land oft schwierig. So wurden die Dreharbeiten auf der Straße teilweise von der das öffentliche Leben überwachenden Religionspolizei unterbrochen, da die Regisseurin mit einer großteils männlichen Crew drehte. Um weiteren Verzögerungen zu entgehen, führte Al Mansour die Regie manchmal über Monitor und Walkie-Talkie aus dem schwer einsehbaren Produktionswagen heraus. Bestimmt wurde der Ablauf der Dreharbeiten wie das gesamte Leben im Land vom Rhythmus der islamischen Gebetszeiten, zu denen fünfmal am Tag in Saudi-Arabien das öffentliche Leben zum Erliegen kommt.

Einem Kinopublikum konnte der Film bis Ende 2017Spiegel: Saudi-Arabien hebt Kino-Verbot auf in Saudi-Arabien nicht gezeigt werden, da Kinos dort bis dahin verboten waren. Für einen Besuch der nächstgelegenen Kinos fahren Filminteressierte in Saudi-Arabien in Nachbarländer wie Bahrain oder Kuwait. Der Erfolg des Films wird als ein Grund genannt, warum im November 2014 eine Lockerung des Verbots angekündigt wurde. Als weitere Gründe gelten kommerzielle Interessen und es wird diskutiert, dass der Zugang zu moderner Unterhaltung die Jugend Saudi-Arabiens weniger anfällig für religiöse Extremisten machen soll.Frankfurter Rundschau: Saudi Arabien erlaubt Kinos, 10. November 2014.

Kritiken

Auszeichnungen Internationale Filmfestspiele von Venedig 2012, Nebenpreise:labiennale.org: , abgerufen am 31. August 2013. Preis der Confédération Internationale des Cinémas d’Art et d’Essai (CICAE) CinemAvvenire Award: Best film – Il cerchio non è rotondo (Cinema per la pace e la ricchezza delle diversità) Interfilm Award for Promoting Interreligious Dialogue Friedenspreis des Deutschen Films – Die Brücke 2013 Gilde-Filmpreis 2013 Fritz-Gerlich-Filmpreis 2013 Spezialpreis für Haifaa Al Mansour (Regie)filmfest-muenchen.de: , abgerufen am 31. August 2013.

Rezeption Das Kinderbuch Das Mädchen Wadjda von Haifaa Al Mansour, übersetzt von Catrin Frischer, erschien im Herbst 2015 bei cbt. Roswitha Budeus-Budde nannte Wadjda „das stärkste Mädchen der Kinderliteratur“ des Herbstes 2015.Roswitha Budeus-Budde: Schluss mit Rezepten. Kinder- und Jugendliteratur im Aufbruch. In: Süddeutsche Zeitung, Rn. 277, 1. Dezember 2015, Beilage Literatur, S. 15.

Der Roman erhielt den DJLP 2016 in der Kategorie Kinderbuch.

Literatur Haifaa Al Mansour, Catrin Frischer (Übersetzung): Das Mädchen Wadjda. cbt München, 2015, ISBN 3-570-16378-4.

Weblinks

wadjda-film.de (Website des deutschen Verleihs Koch Media) Das Mädchen Wadjda auf der Website der Produktionsfirma Unter den Augen der Religionspolizei Artikel der Zeit über die Dreharbeiten Kino aus Saudi-Arabien: „Wadjda“ TV-Beitrag von Arte-Journal (Video, 3 Min.) „Das Mädchen Wadjda“ – Rebellion eines Wildfangs (Rezension von Anna Grillet für kultur-port.de) Gutachten der Deutschen Film- und Medienbewertung

Einzelnachweise

Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Saudi-arabischer Film Kategorie:Filmdrama Kategorie:Filmtitel 2012 Kategorie:Frauenfilm Kategorie:Frauenradsport Kategorie:Radsportfilm